Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-12-01 · 12 (Diciembre, 1967) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
12 (Diciembre, 1967)
Date
1967-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8559960-9195092--5339-8560251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DICIEMBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 5 ENDLICH SIND SICH ALLE EINIG... MONATSSPIEGEL Die Verdammnis Den Englaendern musste es Vorbehalten bleiben, eine Mittelost-Resolution im Sicherheitsrat einzubringen, auf die sich alle einigen konnten. Einstimmig. Sie sind Meister im doppelzüngigen Spiel der traditionellen Geheimdiplomatie und in dieser Eigenschaft verstanden sie es, einen Beschluss vorzubeten, demzufolge jeder nach seiner Facon selig werden kann. Die Sowjet-Union bekam ihre Forderung auf Rueckzug der israelischen Truppen serviert, die U. S. A. die Beendigung des Kriegszustandes und der an den Rand der Geschehnisse gedraengte U Thant die Aufgabe, sich durch Entsendung eines Emissaers einzuschalten. Mit Text und Musik hoert sich die gesamte Litanei folgendermassen an: ®“Man habe Respekt vor der Charter der ONU und gelange kraft dieses Respekts zu einem gerechten und dauerhaften Frieden in Mittelost. “Man ziehe sich aus den im Juni besetzten Gebieten zurueck. ® “Man betrachte den Kriegsszustand als beendet. “Man erkenne an die Souveraenitaet, territoriale Integritaet und politische Unabhaengigkeit aller Staaten der Region, sowie ihr Recht auf Frieden und die Sicherheit, innerhalb geschuetzter Grenzen anerkannt und frei von Bedrohung und Gewaltakten zu leben. © “Man garantiere freie Schiffahrt durch alle internationalen Wasserwege der Region. “Man loese das Fluechtlingsproblem. “Man bemuehesich um die Sicherung der territorialen Integritaet aller Beteiligten durch Massnahmen wie die Schaffung demilitarisierter Zonen. Schliesslich gipfeln die sieben Gebote in der Bestellung eines Oberpriesters in Gestalt des bisherigen schwedischen Botschafters in Moskau, Gunnar Jarring, mit der Auflage, Israelis und Araber zu einem devoten Ja und Amen zu bewegen. Noch bevor er jedoch sein Hauptquartier in Zypern errichtet hatte, musste ihm klargeworden sein, dass der orakelhafte Spruch die Zustimmung aller nur darum hatte erzielen koennen, weil er alles sagt... und nichts. Ein weiter Weg Trotzdem ist es noch nicht lange her, dass die Sowjetunion weniger orakelhaft sprach. Wiederholte Resolutionsvorschlaege der marxistisch-islamischen Allianz sollten die ONU festlegen auf: “Verurteilung Israels als Angreifer. “Sofortigen Rueckzug der israelischen Truppen. “Zahlung von Entschaedigungandie arabischen Staaten. Dass die USSR von Juni bis heute einen solch weiten Weg zuruecklegen musste und von dem ganzen Humbug nichts uebrig geblieben ist, stellt die vielleicht schwerste diploma tische Niederlage dar, welche sie seit der Kiuba-Raketen- Krise einstecken musste. Das ist ein Vorteil fuer Israel. Der andere besteht darin, dass die Debatte ueber den Mittleren Osten nun fuer eine geraume Zeit erst einmal von der Tagesordnung der ONU-Instanzen verschwindet. Fast ein halbes Jahr lang warfen sich Generalversammlung und Sicherheitsrat das heisse Eisen hin und zuruecx: nun haben sie es dem kuehlen Schweden in die Hand gedrueckt. Er soll uebrigens ein untadeliger Mensch sein, was zumindest fuers erste erfreulich ist; ob er auf die Dauer im Dienste von U Thant den charakterlichen Strapazierungen standhalten kann, denen schon so viele Emissaere erlegen sind, bleibt dahingestellt. Wie dem auch sei, ist der ihm erteilte, unklare und allen Interpretationen offene Auftrag eine fuer Israel tragbare Herausforderung. Unangene h m e r waere es gewesen, die Situation von 1956/57 haette sicn wiederholt, so wie der Kreml dies wollte, und man’haette einem klaren und befristeten Rueckzugsbeschluss zuwiderhandeln muessen. Deutungen und Auslegungen Seinem ganzen Missmut machte Nasser schon am naechsten Tage in einer zweieinhalbstuendigen Rede Luft. Aus der Bravade: ®“Die Araber dulden keine Einmischung in die Palaestina-Frage. © “Keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen, kein Friede, keine freie Schiffahrt. © “Die aegyptische Armee, die im Juni 80% ihres Bestands eingebuesst hatte, ist heute staerker als einst im Mai. ®“Was durch Gewalt verloren, kann nur. durch Gewalt wiedererobert werden. Eschkol hatte den ONU- Beschluss weit philosophischer quittiert: “Wir koennen auch damit leben”. Aber der Temperament- Ausbruch des Rayiis, Pharao und Fuehrer vom Ni! kam tr tzdem nicht ungelegen. New York sollte doch nicht umhin koennen, davon Kenntnis zu nehmen, dass die Araber von den sieben Kapiteln der pfundigen Resolution sechs abwerten wollen: mit voller Golddeckung soll nur der israelische Rueckzug ausgezahlt werden. Worauf keine weiteren 24 Stunden vergingen und ein in der Geschichte der aegyptischen Diktatur bisher einmaliges Dementi in Kairo fabriziert wurde. Im Namen der Regierung gab der Informationschef bekannt, der Fuehrer habe das nicht so gemeint, er habe sich nicht so klar ausgedrueckt, er sei missverstanden worden, man habe falsch uebersetzt, die Rede stelle keine Regierungserklaerung dar, der ONU- Beschluss werde in ernsthafte Erwaegung gezogen und Gunnar Jarring sei willkommen. Offensichtlich hatte Moskau Kehrt - Marsch - Befehl nach Kairo erteilt: dafuer haben wir uns in der ONU den Mund fuselig geredet? Doch offenbar nicht. Wofuer sie es taten, war: ©“Den Rueckzug im Rahmen des Beschlusses nach oben zu ruecken. Sie quetschten ihn bis an die zweite Stelle hinauf, direkt hinter das Charter-Glaubensbekenntnis. "Ihn zu befristen, kausal klar vorneanzustellen und notfalls unabhaengig von der Erfuellung der anderen Klauseln zu gewaehrleisten. Da dies nicht gelang, befuerwortet die rote Diplomatie den Versuch einer vorteilhaften Kostuemierung der Resolution. Da dieselbe im Einklang mit der neusten britischen Gesetzgebung nicht Maennchen und nicht Weibchen ist, sollte zartes Rosa mindestens ebenso verführerisch sein wie das greki Rot der abgelehnten Kreml- Resolutionen. Spricht doch das ONU:Oralkel von: ©“Rueckzug erst und Beendigung des Kriegszustands erst danach, © “Freier Schiffahrt durcn die “internationalen Wasserwege” ohne zu behaupten, dass der Suez-Kanal oder die Meerenge von Tiran solche sind. ® “Demilitarisierten Zonen, wo doch die Syrer bewiesen, dass man in .einer solchen genau so schoen morden kann wie in jeder anderen. Drum: Man greife mit Allahs Hilfe auf die Segnungen marxistischer Dialektik zurueck und versuche, den protestantischen Schweden davon zu ueberzeugen, dass zwischen Heiligem Krieg und Wahrem Frieden kein Widerspruch besteht. Der Zustimmung des buddhistischen Auftraggebers U Thant ist man ehedem sicher. Auf israelischer Seite bedarf es kaum der talmudisehen Schulung des Religions-Ministers, um den Wahrspruch von New York auszulegen. Auch Abba Eban, in Oxford promoviert, kann dies: ©“Kein Rueckzug ohne Frieden, kein Frieden ohne direkte Verhandlungen. ©“Der Gesandte ist willkommen: vorausgesetzt, dass er sich ganz bescheiden darauf beschraenkt, den Versuch zu machen, die beiden Parteien an einen Tisch zu bringen. Die Relativitaet der Zeit Solange die Sowjet-Union von der Spannung im Mittleren Osten profitiert, wird sie dieselbe auf der ihr genehmen Temperatur zu halten versuchen. Nicht so heiss wie im Juni, nicht so kuehl wie dies im Interesse aller beteiligten Voelker liegt. Folglich sind die Araber und ist die Situation nicht reif fuer direkte Verhandlungen. Folglich werden sie nicht von Frieden sprechen. Und folglich Israel nicht ueber Rueckzug. Inzwischen vergeht die Zeit und es ist wichtig, immer von neuem zu analysieren, wer sie “gewinnt” und wer “verliert". Ueber allen Zweifel erhaben ist nur, dass sie fuer den Frieden und den Fortschritt verloren ist. Alles uebrige wollen die Araber wieder einmal, wenn schon nicht bedenken, so doch besprechen, in der ihnen durcn Gewohnheit liebgewordenen Form: auf zwei Konferenzen, die eine in Kairo, die andere in Rabat. Die Erfahrung lehrt, dass sie sich bei solch festlichen Gelegenheiten meist an ihren eigenen Worten berauschen und zum Schluss selbst alles glauben, was sie sagen. Er, nein, ER grossgeschrieben, hat einen Wunschzettel. ER will England kleinkriegen, den Dollar ruinieren, Kanada spalten und Israel erledigen. Am 27. November berief ER zu einer Presse-Konferenz, nein, zu einem Presse-Diktat ein. Und er diktierte also: “Die Gruendung zionistischer Siedlungen in Palaestina zwischen den beiden Weltkriegen —und so weit muss man, schon zurueckgreifen— und die Bildung des Staats Israel nach dem Zweiten Weltkrieg weckten seinerseits gewisse Befuercntungen. Diese Gemeinschaft wurde inmitten einer ihr durch und durch feindlich gesonnenen arabischen Bevoelkerung auf einem Boden gepflanzt, der unter mehr oder weniger vertretbaren Umstaenden erworben war. Man musste sich m der Tat fragen —und viele Juden selbst stellten sich diese Frage—, ob nicht unaufhoerliche, endlose Reibereien und Konflikte die Folge sein wuerden. Die bis dahin in aller Weit verstreuten Juden waren zu allen Zeiten ein selbstsicheres, herrschsuechtiges Elitevolk. Und mancher fuerentete sogar, ihr 19 Jahrhungd e r t e lang brennender Wunsch “Naechstes Jahr in Jerusalem” werde sich in flammende, eroberungsluesterne Leidenschaft wandeln, wenn sie erst wieder vereint waeren. Als die Grossmaechte den Juden zur Errichtung des Staates Israel ein Territorium zuerkannten, verbanden sie damit den Wunsch, dass dieser Staat bei ein wenig Bescheidenheit zu einem friedlichen modus vivendi mit seinen Nachbarn finden moege. Aber ein kriegerischer Staat Israel wuchs heran, ein Staat, der entschlossen war, sich auszudehnen. Dieser Staat entfaltete alle Kraft, um seine Bevoelkerung durch Einwanderung zu verdoppeln. So musste man vermuten, dass ihm sein Territorium nicht lange genuegen wuerde, dass er geneigt sein koennte, jede sich bietende Gelegenheit zu ergreifen, un sein Gebiet zu vergroessern. Deshalb befreite sich die V. Republik von den sehr engen Bindungen, die das vorige Regime mit Israel geknuepft hatte, aber ach!, das Unglueck ist geschehen. Schuld daran wa- Da Nasser in seiner ach so missverstandenen Rede gesagt hat, es gebe 100 Millionen Araber und nur 2 Millionen Israelis, glaubt er wieder einmal, Zeit gewinnen zu koennen. Im Juni bewiesen die Israelis, dass die Zeit immer nur dem nuetzt, der sie nuetzt. Offensichtlich hat er die Lektion nicht verstanden. Zumindest noch nicht. ren die staendigen, aeusserst ernsten Spannnungen, die ebenso durch die skandaloese Behandlung der Palaestina- Fluechtlinge entstanden wie durch die uebermaessige Drohung, Israel zu vernichten. Dem israelischen Aussenminister Eban habe ich am 24. Mai in Paris klar und deutlich gesagt: Wenn Israel angegriffen wird, werden wir seine Vernichtung nicht zulassen. Aber wenn Israel angreift, werden wir sein Verhalten verdammen”. In dieser SEINER ebenso originellen wie intelligenten Version der juedischen und zionistischen Geschichte fehlt eigentlich nur die auch vom marxistischen Standpunkt aus laengst faellige Revision des Dreyfus-Prozesses. Formulierte nicht Herzl die Judenstaatsidee unter Hinweis auf die angebliche Unschuld dieses juedischen Meisterspions? Waren nicht die Umstaende, unter denen er rehabilitiert wurde, nur “mehr oder weniger vertretbar”? Sollte nicht der Moment gekommen sein, den Prozess im Lichte der Gebietsvergroesserung dieses selbstsicheren und herrsensuechtigen Elitestaats zu revidieren? Sollte nicht der Verrat des Juden Dreyfus —so weit sollte man schon zurueckgreifen!— nur ein Glied in der Kette der staendigen, aeusserst ernsten Spannungen gewesen sein, der vor dieser eroberungsluesternen Leidenschaft erzeugt wird, so wie es der Mordversuch der juedischen Aerzte an Stalin war? Ja, ist es nicht einfach suggestiv, dass auch in diesem Prozess die juedischen Taeter, bekanntlich wahre Moerder im weissen Aerztekittel, zum Schluss freigesprochen wurden? Bedarf es da ueberhaupt noch eines weiteren Beweises? Wie dem auch sei, das sind historische Betrachtungen. So wie es nur eine historische Betrachtung ist, dass 1944 ein General ohne Heer in die Hauptstadt seines Landes zurueckkehren durfte, weil “die Grossmaechte” ihm dies erlaubten und weil sie “damit den Wunsch verbanden”, dass er “ein wenig Bescheidenheit” an den Tag legen moege. Wenn es aber stimmt, dass ER am 24. Mai Eban mit SEINER Verdammnis drohte, aber andererseits woertlich versprach, ER werde Israels Vernichtung nicht zulassen, dann war der ganze Feldzug im Juni doch unverantwortlich, sinnlos, ueberfluessig. Dann haette man sich doch ruhig auf IHN verlassen sollen. Denn wenn man solche Freunde hat, ja, verdammt nochmal. ATSCHEKA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.