Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1967)
- Date
- 1967-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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NOVIEMBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 7 Dr. ABNER NECHUSCHTAN — Tel-Aviv <■ n Arabische “Falken” und “Tauben Zwar wirkte das oestliche Jerusalem nicht anders als in allen diesen ersten vier Nachkriegsmonaten auf die Scharen der Touristen aus jedem Teil der Welt, der Inlaender aus jedem Teil Israels, als sie ihre Autos auf dem weitraeumigen Platz vor Dem Jaffator inmettin wahrer Heuschrekkenschwaerme bakschischheischender arabischer Dreikaesehoche am suedlichen .Eingang zur Altstadt parkten oder an ihrer noerdlichen Grenze durch die zwei breiten, vom Damaskuster abzweigenden Avenuen flanierten, die "King Salomons”, die "Damaskus Gate" mit ihren hocheleganten T e x t i 1 g eschaeften, nach dem dernier cri. Es schlederten Moslems. Juden, Christen in nachbarschaftlicher Schulterfuehlung die Buegersteige und Fahrdaemme entlang. Doch wer sich am fruehen Vormittag Jenes Tages, eines der letzten im September, in oestlicher Richtung zum Tor des Herodes begab und in die Salach ed-Din, die Saladinstrasse einbog, schien unversehens in ein viel weniger friedliches Jerusalem versetzt zu sein. Vor dem Haus des "Obersten Moslemischen Beirates" draengten sich nervoese Tur bantraeger mittleren und hoeheren Alters wie vor einem Taubenschlag —aber ihren finsteren Gesichtern war abzulesen, dass sie alles sonst als “Tauben' im Sinn der aus dem heutigen Washington gekommenen Begriffsbestimmung waren, die die Befuerworter eines Vietnam-Kompromisses so bezeichnet, und als “Falken” bekanntlich die zur Weiterfuehrung des Krieges um jeden Preis entschlossenen Berater des Praesidenten Johnson. Die erregten, halblaut gefuehrten Gespraeche galten dem Schicksal des Scheich Abdul Hamid Sa'eh, des bisherigen Kadi-Kuda. will sagen des ralighoechsten Kadi der koranglaeubigen Araber in Jerusalem und darueber hinaus im gesamten, seit dem Junikrieg von den Israelis besetzten “Westufer” - Bezirk. Kurz vorher war er zu naechtlicher Stunde aus seiner Wohnung zum Buero des Militaergouverneurs geholt und danach ueber die Allenby- Bruecke nach Transjordanien deportiert worden —unter korrekter Wahrung, versteht sich, aller ihm gebuehrenden Hoeflichkeitsformen. Die herausfordernde Agressivitaet, mit der er in den zwei Monaten seit seiner Wahl zur obersten islamisch-religioesen Autoritaet des Bezirks jeder Zusammenarbeit mit den juedischen Behoerden ausgewichen war, hatte ihnen schliesslich keine Wahl als die Ausweisung dieses Mannes gelassen, der uebrigens waehrend der Palaestina-Unruhen der dreissiger Jahre als Aufpeitscher des arabischen Mob schon von den englischen Mandatsverwaltern vorueberbehend hinter Schloss und Riegel gesetzt worden war. Abdul Hamid Sa’eh stammt aus Nablus. Diese auch Schechem bezw. Sichern genannte Stadt, deren Bewohner der Bibel gemaess mit den Kindern Israel schon in der Zeit der Erzvaeter verfeindet gewesen waren, hatte sich waehrend der letzten Jahrzehnte im ganzen Nahen und Mittleren Osten einen recht anruechigen Namen als sprichwoertliche Brutstaette des zuegellosesten arabischen Chauvinismus gemacht. Ihr genius loci, wenn man hier davon sprechen kann, hat dem Wesen des heute 60jaehrigen Scheich den Stempel aufgedrueckt, wenn er sich seinerzeit auch sieben Jahre lang an der beruehmten Kairoer El-Azhrar-Universitaet weitabgewandt dem Studium der islamischen Theologie hingegeben hatte. Der Buergermeister von Nablus, Hamid Kna’an, ein Notabel von gleichfalls bedeutendem Ansehen bis zu den Regierungen und dem Hof des Koenigs Hussein, hatte sich zunaechst zwar auf den Boden der Tatsachen zu stellen versucht. Nach einer Ruecksprache mit dem Verteidigungsminister D a j a n hatte er sich im Juli fuer anderthalb Tage sogar in Amman zu Besprechungen aufgehalten, die vielleicht nicht nur munizipale Fragen betrafen, wie offizioes verlautete, sondern hochpolitische. Er konnte -—oder wollte?— es dennoch nicht verhindern, dass das Huegelgebiet um Nablus mit seinen schwer zugaeglichen Schluchten und Hoehlen bald danach wieder, wie vor dem Sechstagekrieg, von den El- Fattach - Terroristen zum Brueckenkopf ausgebaut wurde, als ihre Zentrale in Damaskus sie anwies, erneut mit Mord— und Sabotageakten zu beginnen. EINES DER BISHER GROESSTEN NACHKRIEGSGEFECHTE Um den vermutlich wichtigsten Schlupfwinkel dieser Guerilla - Banden auszuraeuchern, waren Soldaten kuerzlich mit Hubschraubern herangebracht worden. Sie nahmen saemtliche dort verschanzten Freischaerler in einem durchaus kriegsmaessigen Zusammenstoss fest und versicherten sich ihres nicht unbetraechtlichen Waffenarsenals, zu dem Mengen von Munition, Maschinengewehre und andere Schusswaffen syrischer, russischer, algerischer und Minen tschechoslowakischer Herkunft, Moersergeschuetze und Sprengstoffe gehoerten. Als darauf das Ausgehverbot in Nablus verschaerft wurde, wohin die Spuren wiesen, als Suchaktionen nach weiteren Waffenlagern und Verhaftungen in der Stadt erfolgten, die mit einer Bevoelkerung von 80.000 Seelen die groesste des “Westufers” ist, protestierten dagegen zwar der Buergermeister und seine Notabein. Gleichzeitig bekundeten sie .allerdings ihre “grundsaetzliche Loyalitaet' zu den israelischen Verlegungen. Als berechtigt aber bezeichneten sie einen demonstrativen Generalstreik der Ladenbesitzer, der den Massnahmen folgte, und nur fadensoheinige Ausfluechte fanden sie dafuer, dass die Lehrer in Nablus es im Gegensatz zu den meisten Schulen Ostjerusalems und der uebrigen Orte des Bezirks abgelehnt hatten, die Jugend zu unterrichten. Und doch blieb das nicht ihr letztes Wort, als sich die Streifzuege der El-Fattach- Gruppen, Sprengstoffattentate manchmal bis tief zu den kuestennahen Kibbuzim, und Todesopfer unter den Grenzschutzpolizisten und Siedlern in der ersten Oktoberwoche haeuften. Schaerfere Repressalien der Besatzungsmacht als bisher waren damit wahrscheinlich geworden. Um innen nach Moeglichkeit zuvorzukommen, richteten die Buergermeister von Nablus und vier anderer Orte der Umgebung soeben eine Botschaft “an die ehrenwerten Buerger unseres Bezirks”, m der sie von “aufruehrerischen und provozierenden Methoden" mit der Begruendung abrueckten. dass diese Art des Widerstands “zu schweren Schaeden fuehrt, statt nationalen und politischen Zielen zu dienen. Haltet Euch von Unruhestiftern fern, wappnet Euch mit Geduld!” Es ist moeglich, dass diese Aufforderung nicht ohne Resultat bleiben wird, aber keineswegs ausgemacht. Unter den “Unruhestiftern”, vor denen die ansaessige Bevoelkerung gewarnt wird, leidet sie zwar mindestens so sehr, ja, viel staerker als die Israelis, denen die jetzt erneuerten Anschlaege gelten; die Militaerbehoerden antworten darauf durchgaengig . mit der Sprengung von Haeusern, deren Besitzer den Attentaetern freiwillig oder unter Zwang geholfen hatten, und verhaengen Kollektivstrafen ueber verdaechtige Doerfer. Andererseits bedrohen und misshandeln die Terroristen jeden arabischen Staedter oder Fellachen, der ihnen seine Hilfe versagt. ARABER ZWISCHEN HAMMER UND AMBOSS Zu beneiden sind diese Araber also gewiss nicht. Sie befinden sich zwischen dem Hammer der Besatzungsmacht, die fuer Ordnung sorgen muss, und dem Amboss ihrer Stammeszugehoerigkeit. Unter solchen Umstaenden kann es nicht verwundern, dass manche ihrer gesinnten und entsprechend auf eine friedliche Loesung dieser Zwangslage bedachten Wortfuehrer, ihrer “Tauben”, im Gegensatz zu den kaempferischen “Falke n” vom Schlage des inzwischen kaltgestellten Jerusalemer Kadi- Kuda, inzwischen mit den Gedanken hervortraten, das Westufer-Gebiet in ein halbautonomes Staatsgebilde zu verwandeln, oder zur Not vielleicht in einen arabischen Kanton des Staates Israel. In verschiedenen Schattierungen vertreten diese Parole so distinguierte Persoenlichkeiten wie Aziz Schehade, der Praesident der Handelskammer von Ramallah, und Ruschdi Diab, einer der wohlhabendsten Kaufleute aus Tulkarem. Der Handelskammer - Praesident, waehrend der vergangenen Jahre uebrigens ein westlich des Jordan SONDER-BERICHT FÜR DU B.I. Abgeordneter der transjordanischen Volksvertretung, hatte sich dafuer schon 1951 auf der mehr oder weniger geheim durchgefuehrten und in jedem Betracht leider missglueckten juedisch - arabischen Konferenz von Lausanne stark gemacht, der einzigen, in der Vertreter beider Seiten jemals versucht hatten, am Verhandlungstisch zu einer Verstaendigung zu gelagen. Ruschdi Diab, dem Inhaber des im ganzen Vorderen Orient beruehmten “Kasino” in Tulkarem, einem Grosskaufmann mit internationalen Geschaeftsbeziehungen, waren von Regierungsstellen in Amman unlaengst — so enthuellte er — nicht weniger als 200.000 jordanische Dinar, an die $ 700.000, angeboten worden, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er sei von den gleichen Stellen mit dem Tod bedroht worden, als er darauf bestand, weiterhin einen arabisch - palaestinensis c h e n Parallelstat zum israelischen zu propagieren. Muchmad Ali Jabari, der einflussreiche Buergermeister Hebrons, teilt diese Auffassungen dem Vernehmen nach ebenso wie zahlreiche andere "nahostarabische Tauben”. Und manche von ihnen stossen sich anscheinend nicht einmal daran, dass die Regierung Eschkol das arabische Jerusalem in der neuralgischen Mitte des gesamten Spannungsfeldes an das juedische angeschlossen hat. Anders ist es jedenfalls kaum zu verstehen, dass 500 Wuerdentraeger des benachbarten Betlehem dem zustaendigen Militaergouverneur schon im Juli eine Denkschrift mit dem Ersuchen um munizipalen Anschluss ihrer Stadt an das wiederstandene Grossjerusalem zugehen liessen. Die Petition war auch von den ortsansaessi gen Kirchenfuehrern unterzeichnet worden. Solche und aehnliche Vorschlaege zur Kooperation liess die israelische Staatsfuehrung derer, die sie im begreiflichen Wunsch nach einer Erleichterung ihrer schwierigen jetzigen Lage machten, bis heute unbeantwortet. Im wesentlichen wohl deshalb, weil sie der allgemeinen “Flurbereinigung” ihres Verhaeltnisses zu den Nachbarlaendern nicht vorgreifen will. Sie steht prinzipiell auf dem Standpunkt, dass der Frieden, nach dem sie strebt, unteilbar ist. Zwar machte ein so angesehener Nachwuchspolitiker wie der Arbeitsminister Jigal Aion, den viele fuer den gegebenen Amtsnachfolger des 71-jaehrigen Levi Eschkol halten, vor kurzem oeffentlichen Orts das Zugestaendnis. dass dieser Grundsatz “keine Teilloesungen zu beiderseitigen Nutzen” ausschliesst. Doch sind offenbar sowohl der Minister - praesident wie seine fuef die politische Gesamtlinie unmittelbar verantwort liehen Maenner, Aussenminister Aba Eban und Sicherheitsminister Mosche Dajan, fest entschlossen, die schlechthin entscheidende Frage der neuen Landesgrenzen bis zur Herbeifuehrung eines foermliöhen oder zumindest faktischen Friedens in der Schwebe zu lassen. Im Hinblick darauf nehmen sie es wohl oder uebel in Kauf, dass diese Ungewissheit den “Falken” im Westufer-Bezirk, darueber hinaus aber auch ihren politisch an sich uninteressierten moslemischen Mitbuergern Auttiieb gibt und ihnen unter Umstaenden betraechtliche Scharen von Arabern zufuehrt, die sich in der Sorge um ihr privates Wohl und Wehe und das ihrer Familien bis zur Klaerung weder nach der einen noch nach der anderen Seite hin exponieren wollen. Mithin kooperiert die arabische Bevoelkerung im Besatzungsgebiet westlich des Jordanflusses mit den Sicherheitsorganen des Staates nicht so bereitwillig gegen die Terroristen, wie es zu erwarten waere, wenn sie wuess te, wohin sie in Zukunft gehoeren wird. Dennoch gelang es bereits, dieses Gebiet so systematisch durchzukaemmen, dass von den aus Syrien entweder direkt oder ueber Transjordanien eingedrungenen Mitgliedern des El-Fattach und der “Palaestina-Befreiungsfront", einer aehnlichen Guerilla- Organisation, bisher mehr als 200 dingfest gemacht werden konnten. Wie jedoch festgestellt worden ist, nehmen nicht weniger als weitere 3000 Mann, aus den Fluechtlingslaegern der palaestinensischen Araber, ferner aus Algerien und nicht zuletzt arabische Studenten aus deutschen Universitaeten, in den “Hameh” und ‘“Damah” genannten Ausbildungslaegern bei Damaskus und in einem dritten Lager nahe der libanesischen Grenze an Schnellkursen teil, um dann ais Moerder und Saboteure in das Land Israel geschleust zu werden. Machen sich die Drahtzieher dieses Treibens in Syrien mit dem notorischen Berufshetzer Achmed Schukeiri voran eigentlich nicht klar, dass seit dem “Krieg der sechs Tage" nur wenige Dutzend Kilometer Damaskus von der Vorhut der israelisc h e n Panzerstreitkraefte auf der Huegelkette im Nordosten des Genezarethsees trennen?