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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-10-01 · 10 (Octubre, 1967) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
10 (Octubre, 1967)
Date
1967-10-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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OCTUBRE 1967 BOLETIN INFORMATIVO 13 VDR 5D JAHREN: » London, “Auswaertiges Amt”, 2. November 1917. “Werter Lord Rotschild, Mit grossem Vergnuegen uebermittele ich Ihnen namens Sr. Majestaet Regierung folgende Sympathieerklaerung mit den juedisch-zionistischen Bestreibungen, die dem Kabinett unterbreitet und von diesem genehmigt wurde: Sr. Majestaet Regierung betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstaette fuer das juedische Volk in Palaestina und wird die groessten Anstregungen machen, um die Errichtung, dieses Zieles zu erleichtern, wobei selbstverstaendlich nichts unternommen werden soll, was den bürgerlichen und religioesen Rechten bestehender nichtjuedischer Gemeinschaften in Palaestina oder der staatsbürgerlichen Rechtsstellung der Juden in irgend einem Lande Abbruch tun koennte. Ich waere Ihnen dankbar, wenn Sie diese Erklaeiiung zur Kenntnis der zionistischen Foederation bringen wollten. Ihr ergebener Arthur James Balfour”. Auf den ersten Blick koennte es scheinen, als ob die historische Erklaerung der Britischen Regierung von vor fuenfzig Jahren heute, fast zwanzig Jahre nach der Schaffung eines souveraenen juedischen Staates, keiner besonderen Erwaehnung mehr beduerfte, doch, wer den Versuch unternimmt, sich die Bedingungen zu vergegenwaertigen, unter welchen jenes Dokument zustandekam, wird erkennen, dass das Ereignis vom 2. November 1917 einen der wichtigsten Marksteine bildet auf dem Leidenswege, den das juedische Volk zum Lande der Verheissung hin durch fast zwei Jahrtausende gegangen war. Die juedische Lage bei Ausbruch des ersten Weltkrieges, 1914, war denkbar schlecht: Juedische Menschen standen auf beiden Seiten der kriegfuehrenden Parteien und mussten sich notgedrungen als “Feinde” betrachten. Die Verbindung zwischen den juedischen Welt— und Welthilfsorganisationen war abgerissen, und die Zionistische Bewegung, deren zentraler Sitz seit dem Jahre 1911 in Berlin gewesen war, hatte auf neutralen Boden, nach Kopenhagen, verlegt werden muessen. In den folgenden ersten Kriegsjahren hatte der geniale Weitblick von Dr. Chaim Weizmann, Professor fuer Chemie an der Universitaet Manchester, vorausgesehen, dass der Verlauf des Krieges, in welchem die Kaiserliche Tuerkei, zu deren Oberhoheit die damalige syrische Provinz Palaestina gehoerte, auf der Seite der Mittelmaechte stand, eine Tages die Entente, vor allem England und Frankreich, veranlassen koennte, eine Neuordnung im Nähren Osten durchzufuehren. Vielleicht, so folgerte Weizmann damals, haenge die Verwirklichung des “Basler Programmes” des Zionismus vom Ausgang dieses gigantischen Ringens, vom Sieg der fuer Demokratie und Freiheit der kleinen Nationen kaempfenden Westmaechte ab. Mit Unterstuetzung fuehrender Maenner der Bewegung, Weizmann selbst stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht an der Spitze, vor allem der bedeutenden politischen und geistigen Kraft von Nahum Sokolow, arbeitete Weizmann in den Jahren 1916-17 daran, die Aufmerksamkeit der britischen Regierung und der oeffentlichen Meinung in den Laendern der Alliierten auf die zionistischen Wuensche und Hoffnungen zu lenken. Man hatte das Glueck, im Premierminister David Lloyd George und im Aussenminister Lord Arthur James Balfour Menschen zu finden, die mit der juedischen und zionistischen Geschichte vertraut waren, und die, neben praktisch-politischen Erwaegungen, neben einem gesunden Sinn fuer Realitaeten, tiefes Ve\>taendnis fuer das j usdische Leidensschi c k s a 1 und das juedisch-religiose Gedankengut besassen. Es war letztlich diese kleine Gruppe alter zionistischer Vorkaempfer, gewiss unterstuetzt von angesehenen Persoenlichkeiten der englischen Judenheit, welche die, zeitweise recht komplizierten, Verhandlungen mit den Regierungen der genannten Grossmaechte zum erfolgreichen Abschluss brachte und die wohldurchdachte Regierungserklaerung erlangte, welche ein “National Home” in Aussicht stellte. Es duerfte allgemein bekannt sein, dass der Kern dieser “Balfourdeklaration” spaeterhin in den Friedensvertrag mit der Tuerkei aufgenommen, dann im britischen Voelkerbundman d a t von 1922 verankert worden ist. Spaeterhin allerdings und dies ist eine traurige politische Wahrheit, erfuhr das feierliche Versprechen, speziell in den sogenannten “Weissbuechern” von 1922, 1930 und 1939, Auslegungen, die vielfach den Sinn der Deklaration voellig entstellten und der juedischen Sache schweren Schaden zufuegten. Und doch, ohne diese politisch-rechtliche Basis, haette es die Aufbauarbeit im Lande jener fast drei Jahrzehnte bis zur Staatsgruendung Israels nicht gegeben. Denn die “Balfourdeklaration” war etwas unerhoert- Neues, Einmaliges in der Geschichte des juedischen Volkes; nicht mit Unrecht zaehlen manche Historiker von diesem Zeitpunkt an ein voel- :ig neues juedisches Geschichtskapitel. Wohin diese Nachricht bei Kriegsende kam, antwortete ihr eine ungeheure Begeisterung der juedischen Massen, insbesondere Ost- und Suedosteuropas, welche die Groesse des Augenblickes durchleb t e n. Wie die Deklaration verstanden wurde, hat kein Geringerer als Winston Churchill zugegeben, der, als Oppositionsfuehrer am 23. Mai 1939, eine sehr scharfe Rede gegen das Chamberlainsche Weissbuch gehalten hatte. In richtiger Auslegung der “Balfourdeklaration” hatte auf einer grossartigen Kundgebung im Londoner Opernhause am 2. Dezember 1917 der hervorragende Staatsmann Lord Robert Cecil verkuendet: “Arabien den Arabern, Judaea den Juden”. Viel Unheil waere verhuetet worden, wenn in den folgenden, den zwanziger und dreissiger Jahren, von den verantwortlichen Politikern der Weltmaechte an diesem Grundsatz festgehalten worden waere. Doch kein Zweifel ist berechtigt an dem ehrlichen Willen des Lord Balfour selbst (1848-1930); in diesem Staatsmanne, dem konservativen Parlamentsfuehrer, vereinigte sich eine solche Fuelle von Gaben und Faehigkeiten, dass einst sein liberaler Gegner, Asquith, ihn als einen Menschen bezeichnete, der “unschaetzbar fuer seine Freunde, furchtbar fuer seine Feinde, interessant und anziehend fuer Freund und Feind sei”. Dieser letzte Repraesentant eines so selten gewordenen Typus hatte sich bis ins hohe Alter eine bewundernswerte Geistesfrische erhalten; er erklaerte einmal, er sei sich dessen bewusst, “dass die Botschaft vom werdenden Nationalheim dem ueber die Welt zerstreuten juedischen Volke verkuenden solle, wie das Christentum nicht vergesse, welche Dienste das Judentum ihm geleistet habe”. Als Lord Balfour am 1. April 1925 in Begleitung von Weizmann und Sokolow die Hebraeische Universitaet auf dem gegenwaertig wiederum im juedischen Besitze befindlichen Scopusberge einweihte, wurde jener Augenblick fuer ihn einer der schoensten seines Lebens. Und sicherlich haette er freudig den Tag begruesst, an welchem aus einer “Nationalen Heimatstaette” ein “Staat” wurde, wenn er so lange noch haette leben koennen. Immerhin haben zwischen dem historischen Ereignis von 1917 und der Staatsgruendung, rund drei Jahrzehnte spaeter, etwa 550.000 Juden in Erez Israel ihre Heimat gefunden, trotz der einengenden Bestimmungen, die, entgegen dem Geist der “Balfourdeklaration”, entstanden waren. Somit war doch eine gesunde Grundlage fuer den juedischen Staat, fuer Israel, geschaffen worden, und deshalb sollten wir nie dieses geschichtliche Ereignis von vor fuenfzig Jahren vergessen. CURT WILK ZUM 15B. GEBURTSTAGE LEBENDIGER G R A E T Z Am 31. Oktober werden hundert und fuenfzig Jahre vergangen sein, seit Prof. Heinrich Graetz, unser hervorragender Geschichtsschreiber, das Licht der Welt erblickte. Sein grosses Werk “Geschichte der Juden von den aeltesten Zeiten bis auf die Gegenwart”, in 11 Baenden, und die volkstuemliche “Geschichte der Juden” in 3 Baenden sind so lebendig wie sie es zu dem Zeitpunkte waren, als sie erschienen, und keiner der grossen Wissenschaftler, die vom zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts an ihr Leben dem juedischen Geistesgut und der juedischen Forschung weihten, ist so populaer geworden wie dieser unendlich-fleissige Graetz, der die Wissenschaft aus der Stille der Gelehrte nstube hinausgetragen harte, um sie der unvorbereiteten Volksmasse schmackhaft zu machen. In dem kleinen Staedtchen Xions im Posenschen war seine Heimat gewesen. Von dort hatte ihn sein Lebensweg ueber die Neu-Orthodoxie des grossen Samson Raphael Hirsch, zu dessen Fuessen er noch lernend gesessen hatte, zum gemaessigt-konservativen Judentum, zur religioesen Mittelrichtung, gefuehrt, zu dem, was man in Breslau das “positiv-historische Judentum” nannte. Sein aeusserer Lebensgang entsprach der Weisheit der alten Lehrer des juedischen Volkes: “Brot mit Salz essen, zugemessenes Wasser trinken, auf der Erde schlafen, duerftig leben und unter Muehen sein Wissen erringen”. So konnte Graezt sich gewaltige Kenntnisse aneignen und “Neuland” in der juedischen Geschichte entdecken. Er wusste sehr gut, dass es hundertprozentige Genauigkeit, voellig unzweifelhafte dokumentarische Grundlagen, fast niemals gibt; ihm half jedoch seine Intuition, und die Wirkung seiner Arbeit auf sein Volk ging ihm ueber alles. So konnte er nicht nur der grosse Lehrer, sondern zugleich der Erzieher und Erwecker zu einem neuen juedischen Selbstbewussts ein werden. Neben seinem erwaehnten Hauptwerke schuf Graetz eine unabsehbare Fuelle weiterer Arbeiten, und seine grosse Liebe galt der Bibel, unseren Heiligen Schriften: Er veroeffentlichte hierzu Kommentare, uebersetzte gewisse Teile des Tenach wie Kohelet, das Lied der Lieder, die Psalmen; auch der Bibelexegese nahm er sich an, ohne jedoch, wie Fachkundige mei- RUDI JELEN Feine Goldschmiede Arbeiten Moderne Aenderungen Uhren Reparaturen Staendige Auswahl von Schmucksachen Edif. Pza. de Armas Local 136, (entrepiso) Eingang MONJITAS 879 21 DE MATO 58a Telefon privat 54369 Von CURT WILK nen, ueber kluge Hypothesen hinausgekommen zu sein. Wie als Gelehrter, ist Heinrich Graetz auch als Lehrer erfuellt gewesen von fruchtbaren Anregungen, und vielen Schuelern ist er ein wahrer Freund geworden. Graetz’ Einfluss auf die gebildeten Kreise der Judenheit seiner Epoche war sehr bedeutend: Unzaehlige wurden durch ihn fuer das heilige Erbe der Vergangenheit neu gewonnen. Dass es sich lohnt, fuer juedische Werte zu leben und zu leiden, diese Erkenntnis verdankt die juedische Gemeinschaft der Neuzeit vor allem der Leistung von Heinrich Graetz. Der Ernst seiner Vorlesungsweise soll den Mangel rednerischen Glanzes ersetzt haben; auch Kleinlichkeit im Denken lag ihm fern. Der “grosse Zug” und der “weite Blick”, wie Leo Baeck einmal sagte, machen den wahren Historiker. Wenn es wahr ist, wie ein beruehmter Kliniker einmal sagte, “dass nur ein guter Mensch auch ein guter Arzt sein koenne”, so duerfte dies vielleicht auch fuer den Geschichtsschreiber gelten. Graetz suchte das Gute im und an den Menschen, da das Schlechte sich ohnehin von selbst aufdraengt. Der Grundzug des Wesens von Graetz war Herzensguete, und seine Schueler erzaehlen, dass sie nie ein unbedachtes oder heftiges Wort von ihm gehoert haetten. Dazu kam eine ungewoehnliche Arbeitskraft, verbunden mit rascher Auffassungsgabe; alles ging ihm leicht von der Hand. Hierzu kamen der Schwung und die Lebendigkeit in seiner Darstellung; prophetischer Geist und echt juedischer Enthusiasmus fuer die Geschichte seines Volkes fuehrten ihm die Feder. Durch seine Lehrtaetigkeit an dem “Juedisch-Theologischen Seminar” zu Breslau hatte er jahrzehntelang wesentlich zur Rabbinerausbildung beigetragen, und auch seine Uni versitaets Vorlesungen in Breslau-er war Ausserordentlicher Professor geworden-zogen juedische und nicht juedische Stundenten maechtig an. Vielleicht kann man von Heinrich Graetz, um ihn in seiner Gesamtpersoenlichkeit zu wuerdigen, nichts Besseres sagen als das, was bei Shakespeare Hamlet von seinem Vater sagt: “Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem, Ihr werdet nimmer seinesgleichen sehn”. Als Graetz zm 7. September 1891 im Alter von 74 Jahren starb, war die gesamte juedische Welt um einen Grossen aermer geworden. N ANTONIO 367 FONO 31238 SANTIAGO ,

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