Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1967)
- Date
- 1967-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i BOLETIN INFORMATIVO PORTE Inscripción PAGADO 283 TARIFA PUBLICACIONES REDUCIDA PERIODICAS S.C.L rNS *5*0*. CMHI AÑO XXIX N<? 9 BOLETIN INFORMATIVO SEPTIEMBRE 1967 FUIMJSBf SIEBENHUNDERT Von Rabb. E. I. Lorwenslein Wiederum fuehrt uns der unerbittliche Ablauf der Zeiten einem neuen Jahresende Entgegen. Rueckblickend duerfen wir schon heute sagen, dass dieses Jahr 5727 ln unsere Jahrtausende eingehen wird. Zwei Ereignisse werden unvergesen bleiben: Die Verleihung des Nobelpreises an Schmuei Josef Agnon und Nelly Sachs, sowie die erregenden und aufwuehlenden Tage, die mit dem. 5. Juni begannen. In der Verleihung des Nobelpreises wurde die Anerkennung des geistigen Beitrages eines Volkes gesehen, das Jahrhunderte lang nur ein Pariadasein gefuehrt hat. In den auf den 5. Juni folgenden Tagen, in den erregenden Stunden des Kampfes Israels, schlug das Herz des juedischen Volkes in nur selten gefuehltem Gleichtakt. In diesen beiden Ereignissen wurden zwei Segenssprueche wahr, die jeden Morgen in der Stunde des Gebets gesprochen werden: Gesegnet sei, der Israel init Staerke guertet und gesegnet sei, der Israel mit Ruhm kroent. Jahrhundertelang stand die den Juden umgebende Wirklichkeit in schreiendem Gegensatz zu diesen beiden Segensspruechen. Der nichtjuedischen Welt erschien die Synagoge als eine verdammte und verstossene Frauengestalt, die eine Binde vor den \ugen trug. Aber sie besass die Kraft, dieser Welt ihr ISTein entgegen zu rufen. Trotz aller aeusseren Schwaeche dankt sie fuer Staerke und Ruhm. War das nur Selbstbetrug, nur ein Wunschtraum? In einer anderen historischen Stunde unserer Gegenwart, als Israel 1956 seine Sinaikampagne siegreich beendete, stellte David Ben Gurion, um diesen Krieg zu rechtfertigen, fest: “Frieden und Gerechtigkeit sind Seiten einer Muenze”. Damit hat Ben Gurion ein altes tal~ mudisches Wort wiedergegeben: “Die Welt ruht auf drei Saeulen: Gerechtigkeit Wahrheit und Frieden. Aber ln Wirklichkeit sind diese drei Dinge nur eins. Wo Gerechtigkeit herrscht, folgen Wahrheit und Frieden”. Das Vertrauen in die Gerechtigkeit der Sache, die Israel verteidigt, gab und gibt uns die Kraft, Gott fuer die Staerke zu preisen und den Ruhm zu danken, die ihm verliehen worden sind. Nicht die physische Kraft und nicht der aeussereRuhm erfuellen den Juden mit Dankbarkeit, sondern d i e Kraft der Ueberzeugung, dass wir die Gerechtigkeit verteidigen und nur sie zur Wahrheit und zum Frieden fuehren kann. Diese Ueberzeugung ist die Voraussetzung dafuer, dass Prof. Lewis Mumford in seinem Buechlein “Die Verwandlungen des Menschen" schreiben kann: “Die Gemeinschaft, die den hoeehsten Grad an Solidaritaet und Kontinuitaet in der menschlichen Ges c h i c h t e erreicht hat, obwohl sie Epochen durchlebte, in denen Reiche vernichtet und Staedte in Truemmerhaufen verwandelt wurden, ist das Volk der Juden”. Das Vertrauen in die Gerechtigkeit, die sich doch einmal durchsetzen wird und zur Wahrheit und zum Frieden fuehren muss, ist die Voraussetzung fuer die Solidaritaet und Kontinuitaet, die auch im Jahre '5727 dem Juedischen Volk den Sieg verliehen hat. Sie sind der Schlüssel zum Geheimnis unserer Existenz. Sie waren und bleiben die Geheimwaffe Israels. Im Jahre 5727 hat das juedische Volk bewiesen, dass es sich in der Stunde des Ruhmes — der Verleihung des Nobelpreises — der Groesse seines geistigen Erbes bewusst ist. In der Stunde der Staerke — in den Tagen des Kampfes in und um Israel — erfuellte uns die Einheit der Demut eines Volkes, das fuer die Gerechtigkeit kaempft. Diese Einheit erfasste Jung und Alt, Maenner und Frauen. Diese Tage werden unvergessen bleiben Darueber hinaus erlebten wir den inneren Aufruhr einer Jugend, von der wir schon glaubten, dass sie nichts mehr bewegen kann. Mit Stolz denken wir an die Tage zurueck, in denen wir das Feuer der Gpferbereitschaft, das in vielen brennt, beobachten durften. An den “Hohen Feiertagen” werden wir an viele unserer Jungen und Maedel denken, die im entscheidenden Augenbl i c k unsere Staerke unter Beweis stellten und sich spontan an die Seite unseres Staates stellten, um unsere Solidaritaet zu beweisen und die Kontinuitaet zu sichern. Se werden zurueckkommen. Und wir hoffen, dass sie uns mit vielen anderen-erfuellt von dem Geist der Wiedergeburt — helfen werden, diese Solidaritaet und Kontinuitaet auch im Frieden zu sichern. Der Funke, der in einer erregenden und bewegten Stunde des Kampfes fuer den Sieg der Gerechtigkeit entz uendet wurde, soll auch in der Zukunft aufleuchten, die die Wahrheit enthuellt und den Frieden bringen moege. In den kommenden Tagen des Festes danken wir dem Allmaechtigen fuer den Ruhm, mit den wir gekroent worden sind und fuer die Staerke, die uns verliehen wurde. Moegen sie auch ln der Zukunft mit uns sein. Dazu bedarf es des einheitlichen Willens aller juedi- Ueber keines unserer Feste erfahren wir aus der Bibel selbst so weriig wie ueber Rosch-Haschana, das Neujahrsfest. Die Thora spricht nur vom “Tag des Posaunen schalles”, dem “Gedaechtnis des Halles”, ohne Naeheres hierueber auszusagen. Dass es sich hierbei um den Schofar handelt, stellt die talmudische Ueberlieferung fest, die, im Gegensatz zur Heiligen Schrift, einen ungewöhnlichen Reichtum in der Darstellung vom ISinn des Festes entfaltet. Die Bezeichnung “Rosch Haschana” findet sich in der Bibel selbst nicht; dagegen wird vom SukkotFest gesagt, dass es um des Jahres Wende zu feiern sei. Auch die Gebetordnung, die Liturgie, spricht von einer Ausnahme im Mussaf-Gebete abgesehen, nur von diesem Tage als "Jom Hasikkaron”, dem Tage des Gedenkens. Dagegen verwenden die Mischna und die allgemeine Traditionsliteratur die Bezeichnung “Rosch Haschana”, “Jahresbeginn”. Ein ganzer Talmudtraktat fuehrt diesen Namen. Es ist also die absolut-autoritative Kraft des Talmud, unserer “Muendlichen Lehre”, die auch in diesem Falle das religioes-txaditionelle Leben massgebend regelt. Erst die Fuelle der Auslegungen der grossen Gelehrten unseres Volkes gibt uns ein klares Bild von Rosch Haschana, als des “Jom Hadin”, des himmlischen Gerichtstages, an dem alle Sterblichen geprueft werden und Rechenschaft ueber ihr Tun ablegen sollen. Das vertraute “L’schana tovah”, “Auf ein glueckliches Jähr”, ist lediglich der Ausdruck des Gedankens, dass die Menschenschicksale von der Vorsehung in das Buch des Lebens eingeschrieben werschen Maenner und Frauen. Sie muessen mit uns sein, mit Israel und mit unserer Gemeinde, auch in der Zeit des Friedens. Am 2. Tag Rosch Haschana hoeren wir ein Wort des Propheten Jere m i a s, das ueber die Jahrhunderte hinweg, wieder aktuell geworden ist: “Es fand Gnade in der Wueste das Volk, das dem Schwert entronnen ist. Geh ihm Ruhe zu bringen, Israel”. Mit diesem Wunsch treten den moegen. Ohne die Praxis der Ueberlieferung zu berücksichtigen, wuessten wir nicht, wie unser Neujahrsfest begangen werden könnte. Doch ist bekannt, dass man waehrend des Babylonischen Exils die Gewohnheit annahm, im Fruehlingsmonat Nissan ein neues Jahr zu beginnen und desgleichen am 1. Tage des Monats Tischri. Von ueberragender Bedeutung fuer die Entwicklung des Festes wurde der Glaube, dass das Weltall am Rosch Haschana erschaffen worden sei. Wenn im MussafGebete an dem beiden Feiertagen (auch in Israel wird das Fest an zwei Tagen begangen) der Schofar ertönt, so wird dieser von der Gemeinde mit den Worten begleitet: “Hajom harat olam”, “Heute ist der Weltschöpfungstag’. Und dies ist zugleich, nach der Traditionsauffassung, der Tag der Erschaffung des ersten Menschen. Einer der grossen Talmudisten formuliert dies so: “Dies ist der Tage des Anfangs Deiner Werke, Erinnerung an den ersten Welttag”. Hier liegt nicht ‘“Geschichte” vor, sondern das Ergebnis tiefen Nachdenkes unserer Weisen, die über Sinn und Planung von Welt und Menschen diskutierten. So kam es, dass Rabbi Elieser den Ausspruch tat, dass die Welt im Tischri erschaffen worden sei, waehrend Rabbi Jehoschua der Meinung war, dass dies im Nissan geschehen sei. Was duerfte der tiefere Sinn dieser Betrachtungsweise sein? Der Monat Tischri ist im juedischen Bewusstsein der Monat der Umkehr, der Laeuterung des Menschen, seiner Aussöhnung mit Gott und Umwelt. Dies will sagen, wir in das Jahr 5728 ein. Es moege ein Jahr der Ruhe und des Friedens fuer uns und fuer alle Voelker der Erde werden. Aber dieses Wort sei auch ein Aufruf an uns, an jeden Sohn und jede Tochter des Volkes Israels. Moege die Gnade, die sich im vergangenen Jahr so sichtbar vor aller Welt offenbarte, uns auch in Zukunft gewaehrt werden — um der Gerechtigkeit, der Wahrheit und des Friedens willen. dass der letzte Sinn der göttlichen Weltschöpfung die Verwirklichung des Guten und Sittlichen auf Erden durch den Menschen sein will. Der Monat Nissan hingegen ist der erste der Monate, derjenige, in welchem einst aus einem Sklavenhaufen ein Volk geworden war, dass mit Pessach, dem Freiheitsfest, seine Volksgeschichte begann. Dann wuerde Weltenbeginn im Nissan bedeuten, dass Gott die Verschiedenheint der Voelker gewollt, ihre geschichtliche Entwicklung .geplant habe. Beide Auffassungen enthalten gute, echtreligiös-empfundene, Gedanken. Interessant sind auch die Begründungen der alten Lehrer; so zitiert Rabbi Elieser: “Spriessen lasse die Erde junges Gruen, Fruchtbaeume”. Welches ist nun der Monat, da der Baum mit voller Frucht dasteht? Dies ist der Tischri. Dagegen meint Rabbi Jehoschua: “Wann bedeckt sich die Erde mit Graesern und die Baeume setzen Frucht an? Dies geschieht im Nissan. “Die eine Denkungsweise will also die Erfuellung, die Vollendung, als das Wichtige ansehen, die andere will die Kraft der Entfaltung, den Keim ,als die fortwirkende Kraft der ewigen Erneuerung betrachten. Ferner wird ueberliefert, dass an einem ersten Tischri Joseph, der spaetere Vizekönig und Ernaehrer Aegyptens, das Gefaengnis verlassen habe, weil er seine Umgebung dazu erzogen habe, nicht nur in den Tag hineinzuleben, sondern in der Zeit der Fuelle an die Jahre der Sorge zu denken. Und ein weiterer schöner Gedan- (Fortsetzung Seite 3) WIE SICH UNSER RU KMA-FEST EMICKEll HIE Von Cur! Wilk