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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-08-01 · 8 (Agosto, 1967) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
8 (Agosto, 1967)
Date
1967-08-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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AGOSTO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 13 HERBERT FREEDEN BERICHTET: DAS HOCHPLATEAU DES TODES JERUSALEM ERLEBT EINE STILLE "REVOLUTION' Hinter En Gev, dem Kibbuz am Ostufer des Kinerethsees, hoert die Strasse nach Norden auf. Dort war das “Ende der Welt” — zumindest der israelischen. Von Stacheldraht umgeben warnt ein Schild “Halt-Grenze”. Jemand hat mit Kreide darueber geschrieben: “Fahr’ weiter, keine Grenze”. Wir fahren weiter. Auf dieser Seite des Kinerethsees gehoert zu Israels Territorium nur ein schmaler Landstreifen, den es jedoch praktisch bisher nicht nutzen konnte, da syrische Kanonen von den Golanbergen das Ufer beherrschten. Hier soll die Gev-Chaussee nach Norden hin verlaengert werden. Vorlaeufig liegen Minenfelder herum, die gesaeubert werden muessen, gibt es Boden, der nivelliert werden muss, technisch eine besonders schwierige Aufgabe, da der Wasserspiegel des Sees je nach Wetter und Jahreszeit sinkt oder steigt. Simcha Soloweitschik, der Mann des Keren Kajemeth, der fuer Landentwicklung im Norden und Zentrum des Landes verantwortlich ist, und schon die kuehnsten Grenzstrassen auf seinem Konto hat, erklaert uns die Arbeit. Man wird einen Teil der Strasse in den See hineinbauen muessen, um die erforderliche Breite zu erhalten. Ploetzlich stoppt unser Chauffeur. Zwei Meter vor ihm, ragt ein Stueck Draht aus der Erde. Eine Mine, behauptet er. Simcha steigt aus, er ist ueberzeugt, dass die kleine Fahrrinne, durch die er uns fuehrt, frei von Minen sei. Einen Tag zuvor allerdings, so gibt er zu, war ein Raupenschlepper der einen Meter vom Weg abgewichen war auf eine Mine gestossen. Wir sahen die riesige Maschine stehen, beschaedigt, hilflos wie ein verwundeter Elefant, aber ihr Fahrer war heil davon gekommen. Der Draht entpuppt sich als harmlos. Simcha ist sicher, dass der Weg passierbar ist. Er steigt in seinen Jeep und faehrt als erster weiter. Wir folgen ihm, ueber Sand und Gestein, bis der Boden sumpfig wird. Dann biegen wir nach Norden ab, auf eine asphaltierte Strasse, einen der vielen Patrouillenwege, die die Syrer in dieser Gegend gebaut haben und die fast bis zum See hinunterreichen. Wir haben die ehemalige Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien ueberschritten. Die Topologie aendert sich. Das einzige, was hier “waechst” sind Kanonen und Tanks, nunmehr zerstoert und ausgebrannt. Die Golanberge sind mit Bunkern bestueckt. Als wir die Hoehe erreichen und der Kinerethsee unter uns liegt, werden wir an eine Reihe von Befestigungen gefuehrt, die 19 Jahre lang diesen See und seine Doerfer von oben beherrscht haben. An einer der schoensten Stellen haben die Syrer ein Offizierskasino gebaut, aber auch das ist von Laufgraeben und Artilleriestuetzpunkten umgeben. Das Hochplateau in einer Tiefe von 25 km, ueber die Stadt Kuneitra hinaus, war bis vor kurzem noch die Staette von riesigen Militaerlagern, die sich eines an das andere reihten; jedes von ihn e n mit Torboegen g eschmueckt, voll von militanten Bildern und Aufrufen. Selbst einige der Doerfer waren nichts anderes als Kaschierte Kriegsarsenale, Hart und dunkel wie das vulkanische Gestein, das einen grossen Teil des Bodens bedeckt, sind die dunkelsteinigen Baracken und Haeuser, in denen der Angriff auf Israel vorbereitet wurde. Zerschossene syrische Tanks, die Wracks von Panzerwagen, verlassene Lastautos flankieren den Weg. Nur ein paar Doerfer der Drusen und Tscherkessen sind unberuehrt und bewohnt. Maenner, Burschen und Kinder bieten uns Obst zum Kauf an. Weiter noerdlich sind die Quellen des Banias, eines der Quellfluesse des Jordans, die die Syrer ableiten wollten. Hier wird die Landschaft sanfter und gruener. Wir klettern einen Hang herunter zu einem Wasserfall, der seine Kuehle schon von weitem ausstrahlt — ein idealer Picnic-Platz auf diesem harten und harschen Hochplateau. Nicht weit davon sind die Felsen mit den Quellen, Felsen, in deren Hoehlen einst der Heidengott Pan verehrt wurde — nach dem der Ort benannt ist. Ueber den Spuren des Tempels des Heidengottes wurde eine Kreuzfahrerkirche und spaeter eine Moschee erbaut. Weiter geht es, an leeren Doerfern vorbei, streunende Tiere begegnen uns, zurueckgelassene Hunde, die nach Frass und Trunk suchen, Esel, scheu und mager, deren Geschrei durch die Stille dringt, vergessene Huehner. Der Wagen haelt. Wir wissen nicht warum. Nichts ist zu sehen als eine Flaeche von Stein und Geroeil. Als wir einige Meter nach Sueden gefuehrt werden, befinden wir uns wieder in einer ehemaligen militaerischen Stellung — zwei-drei Stockwerke tiefe Bunker, die miteinander verbunden sind und Raum fuer Tanks und schwere Artillerie haben. Dann entdecken wir, warum diese Bunker gerade hier errichtet wurden, warum sie sich gerade hier Kilometer entlang ziehen. Unter uns, wie auf einem Praesentierteller liegt das Hule-Tal - liegen Fischteiche und Felder, Doerfer mit Schulen und Kindergaerten, ein bevoelkerter Siedlungsbereich, neunzehn Jahre lang der Willkuer und dem Terror der syrischen Berge ausgeliefert. Ein Tal voll fruchtbarer Erde, die einst ein Sumpf war. Maenner bringen die Ernte ein. Kinder duerfen wieder lachen und spielen. Die Schatten des spaeten Nachmittags, die sich von den Bergen senken, sind nicht mehr die drohenden Schatten der Kanonen. Zum ersten Mal koennen die Menschen da unten frei atmen, frei leben. “Man sollte die Vertreter der Vereinten Nationen einladen, sich das hier anzusehen”, schlaegt einer unserer Begleiter vor. “Sie wissen es”, meint Simcha nachdenklich, “auch wenn sie davon nichts wissen wollen — sie kennen es, — Golan, das Hochplateau des Todes”. Abdul Mustapha schloss seinen Souvenirladen nahe der Via Dolorosa, ging zum ersten Mal in seinem Leben durch das Mandelbaumtor in den juedischen Teil der Stadt und nach einer neunzehnj ae h r i g e n Unterbrechung durch Strassen, die er seit 1948 nicht gesehen hatte. Damals hatte er in einem Stadtteil von Neu-Jerusalem gewohnt. Er erkannte nicht mehr alles, in seiner Erinnerung sah die Stadt kleiner und aeltlicher aus. Hochhaeuser waren aus dem Boden gewachsen, moderne Strassenzuege schnitten durch Gebiete, die zu seiner Zeit noch Stein und Fels gewesen waren. In gebrochenem Englisch fragte er sich nach Katamon durch, einem ehemals arabischen Wohnviertel im Sueden der Stadt. Er kam zu dem Haus, in dem er gewohnt hatte - er und seine Familie. An der Tuer hing ein Schild: Ben Dror. Er klingelte. Eine Frau oeffnete. Nein, Herr Beh Dror war nicht zuhause, er war im Buero, ob sie ihm helfen koenne. Abdul Mustapha wurde verlegen. Er stammelte, dass er sein Geschaeft geschlossen habe und ueber eine Stunde gegangen sei, um einen Blick in sein ehemaliges Haus zu werfen. Frau Ben Dror bat ihn einzutreten. Sie servierte ihm Kaffee Nicht nur die Stadt hatte sich veraendert, auch Mustaphas Haus. Sie sprachen darueber. Natuerlich wuerde er jetzt Kompensation fuer sein einstiges Eigentum bekommen. In der israelischen Staatskasse gibt es einen Fonds fuer “Verlassenes arabisches Eigentum”, und alle Araber im alten Jerusalem, die Eigentum im neuen Jerusalem haben - mit dem sie nun vereinigt sind - haben Anspruch auf Entschaedigung. Jerusalem ist nicht wiederzuerkennen. Die stille Stadt ist ein lautes Sammelsurium von Juden, Christen, Moslem geworden - Chassidim im Kaftan neben griechischorthodoxen Priestern, Araber mit der ueblichen Kopfbedeckung, der “Kaffiah”, neben Maedehen im Mini- Rock, katholische Moenche neben armenischen Haendlern, koptische Geistliche neben jungen Bauern aus den Kibbuzim. Wenn man jetzt durch das wiedervereinte Jerusalem geht, vergisst man, wer wen erobert hat - die Juden die Araber, oder umgekehrt. Die Araber aus der alten Stadt stroemen in die juedischen Viertel, stossen sich mit Ellbogen ihren Weg in die ueberfuellten Autobusse, ohne sich um die Schlange der Wartenden zu kuemmern, haben die Preise in ihren Laeden innerhalb kurzer Zeit um das Dreifache gesteigert, fahren in ihren Autos mit neuen israelischen Nummerschildem, die ihnen ausgehaendigt wurden; auf der anderen Seite ergiesst ich ein unablaessiger Strom von schaulustigen Juden in die Altstadt, aus dem ganzen Lande kommen die Menschen und draengen sich in den Gassen und Bazaren, in denen manche von ihnen gelebt und gekaempft haben. Allein an einem Samstag brachten 20.000 Privatwagen und Autobusse aus der Kuestenebene Besucher nach Jerusalem. Das Militaer verhaelt sich diskret. Die Polizei beschraenkt sich darauf, den Verkehr zu regeln, und ehemals jordanische Polizisten helfen ihr dabei, nunmehr in israelischem Dienst. Neue Autobuslinien verbinden die beiden einst feindlichen Teile der Stadt. Die Schutzmauern, die an einigen Stellen vor 19 Jahren errichtet wurden, sind abgerissen, und weitere Strassen zwischen Alt - und Neustadt werden eiligst gelegt. Das Leben im arabischen Teil normalisiert sich zusehends. Krankenhaeuser und alle Munizipaldien s t e arbeiten, die Banken sind damit beschaeftigt, jordanische Dinare in israelische Pfunde umzuwechseln . Noch nicht “normalisiert” hat sich der Andrang auf dem arabischen Markt - orientalische Spezereien und Wirkwaren, Wasserpfeifen und irdene Kruege, geflochtene Koerbe und Holzschnitzereien haben fuer den israelischen Kae Ufer noch nicht den Reiz der Neuheit verloren. Allerdings hat die Auslands - Touristik noch nicht eingesetzt und die meisten Hotels auf der arabischen Stadtseite sind noch nicht wieder eroeffnet. Der Besucherstrom aus dem Inland bleibt nicht ueber Nacht. Gegenwaertig ist Jerusalem sicherlich die interessanteste Stadt der Welt, Es ist auch die einzige Stadt mit drei Ruhetagen in der Woche. - den Freitag der Moslem, den Sabbath der Juden und den Sonntag der Christen. Aber Besucher brauchen nicht zu fuerchten, drei Tage von oeffentlichen Diensten abgeschnitten zu sein - im Gegenteil, die koennen jetzt die ganze Woche hindurch ohne Unterbrechung funktionieren. Kurios ist, dass Jerusalem nunmehr ploetzlich zwei grosse archaeologische Museen hat, von denen jedes eine der beruehmten Toten - Meer Rollen besitzt - das vor zwei Jahren eroeffnete Nationalmuseum im juedischen Teil der Stadt, und das 1939 eroeffnete Rockefeller - Museum im arabischen Sektor. Von 1948 - 1968 wurde es von einem internationalen Kuratorium verwaltet, dem amerikanische, britische und franzoesische Gelehrte angehorten, weiterhin Vertreter von fuenf arabischen Staaten und - theoretisch - ein Vertreter der Hebraeischen Universitaet, der aber nie an den Sitzungen teilnehmen konnte, da sie im jordanischen Teil der Stadt stattfanden. 1966 uebernahm die jordanische Regierung die Verwaltung des Museums und liess alle hebraeischen Aufschriften entfernen - die nun wieder erneuert werden. Jerusalem zaehlt jetzt 200.000 juedische und 100.000 arabische Einwohner. Was sagen die neuen Buerger zu den Ereignissen? "Wer Jerusalem wirklich liebt, wird sein Bestes auch unter den veraenderten Verhaeltnissen tun”, meint ein hoher Beamter des ehemaligen arabischen Stadtrats. “Ich habe viele alte Freunde im juedischen Jerusalem wiedergetroffen”, gesteht ein arabischer Bauunternehmer, “wir sind den alten Jerusalemern naeher als den Beduinen von Hussein”. Aber die Skala der Reaktionen ist vielfaeltig, und sie geht von Zustimmung ueber Indifferenz bis zum Hass. Viel wird davon abhaengen, wieweit es gelingt, die administrative Einheit der Stadt auch auf den Wirtschaftssektor auszudehnen und der arabischen Bevoe lkerung Brot und Arbeit zu verschaffen. FUSION RAFI - MAPAl? Nach langem Zoegern hat sich die Fuehrung der Rafi entschlossen, den ehemaligen Mmisterpraesidenten David Ben Gurion an den Gespraechen teilnehmen zu lassen, die auf eine Fusion mit der Mapai abzielen. Ausser Ben Gurion nehmen auf Beschluss des Parteisekretariats auch Moshe Dayan sowie Shimon Peres und losef Almogi an den Fusionsgespraechen teil. Umstritten ist vor allem die Forderung der Rafi, das Fuehrungsgremium einer wiedervereinigten Partei noch vor der naechssen Knesset-Wahl zu bilden. WASSER FUER NAHOST Die Belieferung Israels und Jordaniens mit Waesser durch Entsalzungsanlagen befuerwortete in der Nahost-Dehatte des britischen Unterhauses Sir Alec Douglas Home, der aussenpolitische Sprecher der konservativen Opposition. Douglas Home berief sich dabei auf einen konkreten Vorschlag des Londoner Bankiers Edmund de Rothschild, den dieser kuerzlich in einer Zuschrift an die “Times” dargelegt hatte. Edmund de Rothschild verwies auf die Erfolge der britischen Atomenergie — Kommission sowie auf die Leistungen der USA und der Sowjet Union auf dem Gebiet der Wasserentsalzung. “Warum nicht drei Atomreaktor-betriebene Entsalzungsanlagen bauen, die je 100 Millionen Gallonen Wasser pro Tag liefern? Eine fuer Israel, eine fuer Jordanien und die dritte, eventuell mit geringerer Kapazitaet fuer den Gaza-Streifen” schrieb Edmund de Rothschild. “Durch eine solche internationale Hilfsaktion wuerde der Bevoelkerung in diesen Gebieten auf lange Sicht wirklich geholfen werden”. Der Vorschlag Rothschilds wurde anschliessend in einem “Times" -Artikel wissenschaftlich untersucht mit dem Ergebnis: Der Plan ist technisch durchfuehrbar und sinnvoll. Weite Wuestengebiete koennten dadurch urbar gemacht werden, wo 125.000 Familien angesiedelt werden koennten. Die Kosten wurden auf etwa 3,2 MiUarden Mark geschaetzt (Die Welt).

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