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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-07-01 · 7 (Septiembre, 1967) · p. Seite 25

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JULIO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 25 Und wurden zerstreut unter alle Voelker DES STAATES ISRAEL DR. SCHMARJAHU LEWIN UND LEO MOTZKIN ZU IHREN 100. GEEURTSTAGEN Werner Keller: “Die nachbiblische Geschichte des juedischen Volkes”. (Droemersche V e rlagsanstalt Th. Knaur Nachf. Muenchen/Zuerich 1966). Seinem weitverbreiteten Werke “Und die Bibel hat doch recht” hat vor kurzem der Sch rif tsteller Werner Keller ein zweites Buch folgen lassen, das ausserordentliches Interesse beanspruchen darf. Geleitet von dem Wunsche, die Leidensgeschichte des juedischen Volkes seit den Tagen der Roemerherrschaft im Lande Israel bis zur Tragoedie, die im Zweiten Weltkriege ihren tiefsten Punkt gefunden hatte, in klarer und volkstuemlicher Weise darzustellen und auch die Wurzeln des Judenhasses blosszulegen, schrieb er ein Buch, das auf etwa 600 Seiten eine Uebersicht gibt ueber das gesamte tragische Geschehen, das wir als “Nachbiblische Geschichte des juedischen Volkes” zu bezeichnen pflegen. Indem Keller seinem Werke jenes Bussgeb et vorausschickt, welches der fromme Papst Johannes XXIII kurz vor seinem Tode verfasst und das sich mit der Schuld des offiziellen Christentums an Israel, dem Gottesvolke, beschaeftigt hatte, soll im vornhinein mit aller Deutlichkeit gesagt werden, dass die Welt im allgemeinen ein Zerrbild vom Judentum in sich getragen habe und dass mit dem II. Oekumenischen Konzil ein Schlusstrich unter die “Geschichte des Unheils zwischen Christentum und Judentum” gesetzt werden sollte. Gleichzeitig machte Keller den gelungenen Versuch, darzustellen, wie das juedische Volk durch keinerlei Drohungen von seinem G o t tesglauben abzubringen war, und wie es, fast ununterbrochen verachtet und verfolgt, die Menschheit dennoch mit hervorragenden Beitragen und Leistungen auf kulturellem Gebiete beschenkt hatte. Kellers Diasporageschichte beginnt mit der kurzen Epoche der Neugeburt des staatlichen Lebens nach dem Siegen der Makkabaeer, um dann zunaechst die folgenden inneren Kaempfe, den Triumph der Roemer und die unsagbaren Leiden zu schildern, denen die Juden unter den verschiedenen Machthabern bis zum Ende allen physischen und geistigen Lebens in Erez Israel ausgesetzt waren. Ueber der Darstellung der aeusseren Vorgaenge, der blutigen Kaempfe, der Aufstaende und deren Niederringung durch die Gewaltherrschaft, vergisst der Autor nicht einen Augenblick, die Entwicklung der geistigen Existenz in eindringlicher Form dem Leser vor Augen zu fuehren. So ist es vor allem fuer nicht juedische Menschen, welche das Buch in sich aufnehmen wollen, wichtig, zu erfahren, wie die grossen Werke der Mischna, des Talmud, entstanden, wie, fern der Herrschaft des maechtigen Rom, das Schicksal die babylonischen Juden vor schweren kriegerischen A u s e i nandersetzungen bewahrt und unter den Gebietern Persiens, unter den Partherkoenigen, ein friedliches Leben, soziales und Wirt schaftliches Gedeihen, sich entwickelten. Die letzten Tage des heidnischen Rom, der Einzug des Christentums, die Schaffung der ersten b e d e u tenden kirchlichen Zentren, werden recht anschaulich geschildert, und schon finden wir die Anzeichen der langen Nacht, die fuer das juedische Volk hereinbrechen sollte. An dieser Stelle zitiert Keller den grossen Historiker Heinrich Graetz woertlich: “Das Judentum haette sich ueber diesen Sieg des Geistes ueber die waffenstrotzende Gewalt freuen koennen, wenn das siegreiche Christentum die Milde seines Stifters zur Wahrheit gemacht haette. Aber seine Herrschaft, welche in der Weltgeschichte einen entscheidenden Wendepunkt bildet, brachte ueber das Judentum nur schwere, langanhaltende, Pruefungen”. “Den Schicksalsweg im Abendland” betitelt Keller den zweiten Teil seines Buches, der mit der Voelkerwanderung einsetzt und die verschiedenartigen Epochen beleuchtet. Wir lesen von Karl dem Grossen, den toleranten Karolingern und Sachsenkaisern und beobachten, wie eine kurze, gluecklichere, Zeitepoche von einer laengeren, blutigen, abgekiest wird. Wo Koenige, Landesfuersten, auch Bischoefe tolerant sind, oftmals im wohlverstandenen, ureigensten, Interesse, Dann bluehen juedische Gemeinden auf, foerdem juedische Kaufleute den Welthandel, betaetigen sich juedische Aerzte erfolgreich. Das grosse Zeitalter der juedischen Poesie und Philosophie in Spanien erfaehrt eine grossartige Schilderung, und es fehlen auch nicht die Kapitel, die vom friedlichen juedisch-christlichen Zusammenleben an manchen Orten und unter manchen wohlmeinenden Herrschern erzaehlen. Das Kalifat, so sehr es die mohamedanische Religion bevorzugte, gestattete jedoch den Juden die freie Religionsausuebung, und zu den wertvollsten Abschnitten des Buches gehoert d i e Darstellung vom Triumph des Islam, seinem Eingreifen in den Gang des politischen Weltgeschehens, und seinen tiefen Einfluss auf die juedische Geschichte. Die glueekliche Epoche auf der Pyrenaen-Halbinsel, wo lange Zeit hindurch Mohamedaner und Juden harmonisch und in fruchtbarer Entfaltung der freien Kraefte miteinander schaffen, ist auch in diesem Werke ein Gipfel bester historischer Erzaehlungskunst. Der duestere Schlussakkord in Spanien und Portugal, das barbarische Wueten der Inquisition, wird in aller Breite besprochen so, wie es die Wahrheit beanspru chen muss. Und der Autor konnte jene traurigen Judenverfolgungen durch die Kirche nicht, treffender beschliessen als durch den Satz: “Spanien aber ging einer Zeit entgegen, die in der Herabwuerdigung des Menschen, des Ebenbildes Gottes, alles in den Schatten stellte, was je zuvor auf Erden geschehen war”. Der ganze zweite Teil von Kellers Werk ist den Anfeindungen der Juden in den deutschen Landen gewidmet; Das Geburtsjahr dieser beiden grossen Juden ist das Jahr 1897, doch das bürgerliche Datum steht nicht fest, was auf die Unzuverlaessigkeit der Standesamtsregister im alten, zaristischen Russland zurueckzufuehren ist. Aber die Todesdaten kennen wir: Lewin starb am 9. Juni 1935 zu Haifa, Motzkin am 6. November 1933 zu Paris. Beide erreichten kein hohes Alter und sollten die Realisierung des Zionismus nicht erleben. LEWIN, “DER GROSSE MAGGID” Dr. Schmarjahu Lewin, in einer Kleinstadt Weissrusslands geboren, war einst “der grosse Maggid” genannt worden, weil er aus der Tiefe juedischen Erlebens in einer Weise zu erzaehlen vermochte, die nicht ihresgleichen hatte. Wenn er von juedischer Vergangenheit, von der Agadah des Talmud, sprach, hatte man das Gefuehl, dass er, Lewin selbst, immer in Gedankenwelt und Landschaft der Bibel gelebt habe, dass die uralten juedischen Traeume, sie reichen von Reuchlins wund erbarer Verteidigung des Talmud, ueber Luthers Abneigung gegenueber _ den Juden, bis in die Neuzeit, bis zur Vorenthaltung der Bürgerrechte noch nach der offiziellen Emanzipation und bis zu dem Durchbruch der buerg erlichen Freiheiten durch die Franzoesische Revolution. Die Blutbeschuldigung von Damaskus ist ebenso in den erschuetternden Geschic htsbericht eingeschlossen wie die Pogrome in Russland und die Unterdrueckung der Juden in Suedosteuropa. Die trostlose Lage der roemischen Juden in unmittelbarer Naehe des Vatikanpalastes ist ein Ka: pitel, das der Autor bewusst betont. Und weil dieses Buch auch die geistige Entfaltung nicht zu kurz kommen laesst, angefangen mit dem Lehrhause in Jabne bis zu den Hochschulen von Babylon, von Worms und Mainz, weil dieser Autor die Heroen des Abwehrkampfes und die Helden des Geistes, Rabbi Gerschom, Maimonides, Raschi und all die anderen in seine Betrachtung einbezieht, konnte ihm ein Werk gelingen, dem man aller weiteste Verbreitung wuenschen soll. Curt Wilk DAME mittleren Alters, repraesentabel, tuechtig, mit Bueroarbeiten und Personalumgang vertraut sucht Beschaeftigung auch halbtags oder Chefvertretung. Zuschriften an: “G72” Clasificador 567 der unverjaehrbare Schmerz aus den Leidenszeiten, die Seele des Erzaehlenden erschuetterten. Dieser bezaubernde, hinreissende, Volksredner war der Liebling der weitesten juedischen Volksschichten. Von ihm sagte Albert Einstein einmal, dass er in diesem Kulturmenschen und Weltmann den vollendetsten Typ des juedischen Menschen saehe, der ihm je begegnet sei. In drei Baenden erzaehlte er selbst sein Leben. Von der “Kindheit im Exil”, dem ersten Eindringen der “Aufklaerung” in das Heimatstaedtchen, handelt der erste Band. Dann erleben wir mit dem Verfasser “Die Jugend in Aufruhr”, begegnen dem Studenten zu Anfang der neunziger Jahre an der “Lehranstalt der Wissenschaft des Judentums” zu Berlin, wo Maenner wie Lazarus, Steinthal und Maybaum eine Rabbinergeration heranbildeten. Auch die Universitaet Berlin, danach Koenigsberg, uebten eine starke Anziehungskraft auf den jungen Menschen aus, den wir auch als Mitbegründer des ersten nationaljuedischen Studentenvereins zu Berlin kennenlernen. An diese fuenf Studienjahre in Deutschland denkt Lewin im 3. Band seiner Memoiren mit Anhaenglichkeit und spricht dann weiter von der Rueckkehr nach Russland, von seiner amtlichen Taetigkeit als “Kronrabbiner” in Grodno und Wilna und schliesslich von seinem Einzug in die “Duma”, das erste russische Parlament, dem er als Abgeordneter der juedischen Bevölkerung angehoerte. Doch 1905, nach Niederschlagung der Revolution, musste Lewin Russland verlassen, und wiederum wurde der damalige deutsche Kaiserstaat sein Aufenthaltsland. Hier, i n der Epoche nach Herzls Tode (1904) wurde Schmarjahu Lewin einer der Erneuerer der zionistischen Bewegung und der hebraeischen Sprache. In der Zeit vor 1914 wirkte er bahnbrechend fuer die seelisch-geistige Vorbereitung und Ausrichtung auf Erez Israel und arbeitete unermuedlich an der Volkserziehung. 1911 — 1914 gehoerte er zur hoechsten zionistischen Leitung, dem “Engeren Aktionscomite”, dessen Praesident Prof. Otto Warburg gewesen ist. Waehrend der Jahre 1914 bis 1921 in Amerika propagandistisch taetig, danach etwa ein Jahrzehnt in Deutschland und anderen europaeischen Zentren fuer den Keren Hajessod wirkend, spannte der grosse Werber fuer die nationale Renaissance seine Kraft aeusserst an, um der Gefahr der Mechanisierung des juedischen Lebens zu begegnen Nur wenige Jahre war es ihm vergönnt, im heiligen Lande zu leben. In Haifa, am SohawuotFeste, als die Jugend von den froehli- Von Curt Wilk chen Bikurimfeiern heimkehrte, hoerte ein Herz zu schlagen auf, das in gleicher Liebe dem gesamten juedischen Volke zugetan war. Niemandem waere es so zu goennen gewesen, wie ihm, dem “grossen Maggid” den Staat Israel zu erleben. MOTZKIN, “ADVOKAT DES VOLKES” Auch Leo Motzkin hatte einen grossen Teil seines Lebens in Deutschland zugebracht, Aus der Ukraine stammend, war er in jugendlichem Alter Zeuge von Judenpogromen gewesen. In Berlin studierte er dann Mathematik und Nationaloekonomie; auch er gehoerte. jenem erwaehnten ersten nationaljuedischen Studentenverein an und war bereits Zionist, als Theodor Herzl auftrat, dessen faszinierende Persoenlichkeit den jungen Motzkin stark beeinflusste. Sich ihm sofort anschliesssend, war Motzkin bereits 1897 Delegierter auf dem 19 Zionistenkongress zu Basel; auch der Entwurf des sogenannten “Basler Programms” stammt von ihm. Fortan, von Kongress zu Kongress wuchs seine Bedeutung. In den entscheidenden Augenblicken von 1907 und 1909 stand er auf Seiten von Warburg und Weizmann, die “praktische Gegenwarts a rbeit”, Kolonisation in Erez Israel neben der diplomatischen Taetigkeit, forderten. Als Nachfolger des im Jahre 1927 verstorbenen Wiener Obterrabbiners Prof. Chajes zum Praesidenten des “Zionistischen Aktionscomi t e s” gewaehlt, war er auch wiederholt Kongresspraesident dank seiner Ausdauer und Unparteilichkeit. Doch ueber die zionistische Aktivitaet hinaus, hatte sich Leo Motzkin seit dem ersten Weltkriege dem juedischen Hilfswerke gewidmet. Hierzu trat seine Arbeit fuer den Schutz der Minderheiten. In diesem Zusamm e n h a n g e muss seine grossartige Betaetigung als “Praesident der Juedischen Delegation” auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 erwaehnt werden. Leidenschaftlich setzte er sich in der zwanziger Jahren fuer eine Gesamtvertretung des juedischen Volkes ein. Der drei Jahre nach seinem Tode, 1936, geschaffene “Juedische Weltkongress” verdankt neben Stephen Wise und Nahum Goldmann, ihm, Motzkin, einen erheblichen Anteil an seiner Begruendung, Auch als Journalist und Schriftsteller ist Motzkin hervorgetreten. U.a. verfasste er ein zweibaendiges, gruendliches Werk, ueber “Die Judenpogrome in Russland” (1910) Seine letzte Ruhestaette hat dieser Kaempfer fuer die juedischen Rechte und Verwirklichung der juedischen Hoffnungen auf dem Oelberg bei Jerusalem gefunden.

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