Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 7 (Septiembre, 1967)
- Date
- 1967-07-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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JULIO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 21 DR. ABNER NECHUSCHTAN - TEL - AVIV: DER NEUE NAHE OSTEN Tel Aviv, 11. Juni 1967. — Am Ende einer einzigen, ueber alles vorstellbare Mass hinaus erregenden Woche, fanden die Kaempfe im Nahen Osten mit dem Blitzsieg der Israelis ihr Ende, auch wenn am Tage nach dem sozusagen offiziellen Schluss an der nordoestlichen Grenze des Staates noch keine Ruhe herrschte. Die Leidtragenden dieser “Kriegshandlungen des Nachkriegs’’ waren fast ein Dutzend von Kibbutzim n o e r dlich und oestlich des Tiberias-Sees, denen uebel mitgespielt wurde, da sie im Schussfeld der kilometerlangen, ihnen gegenüberliegenden s y r i s c hen Hoehenstellungen lagen. Diese Stellungen wurden daraufhin von vernichtenden Gegenangriffen der israelischen Streitkraefte dem Erdboden gleichgemacht. Die Juden hatten den Ausgang des dritten Krieges, der ihnen in den beiden Jahrzehnten der Existenz ihres Staates von den Arabern aufgezwungen worden war, im Grunde schon in den ersten vierundzwanzig Stunden mit der Zerschlagung des groessten Teils der aegyptischen Luftstreitkraefte entschieden, mehr als 400 schwerer, mittlerer Bomber, Jaegerbomber, Duesenkampfflieger und Transportflugzeuge von insgesamt etwa 550 einsatzfaehigen Maschinen. Den Versuch eines Einbruchs der aegyptischen Tanks in den Negew, Israels suedliche Steppe, hatten sie am gleichen Montag, dem 5. Juni, zunichte gemacht, und die 900 schwerbestueckten feindlichen Panzer in der Folge immer tiefer auf die Sinai- Halbinsel bis hart an den Suez-Kanal abgedraengt; ja, sie hatten die noch nicht dezimierten Teile dieser immensen, zahlenmaessig ueb e r 1 egenen Angriffsmacht schliesslich eingekesselt und ihr die Rueckzugslinien ueber den Kanal damit mehr und mehr abgeschnitten. Gleichzeitig hatten andere israelische Regimenter die seit 1949 als jordanische Gebiets-Enklaven in die Landesmitte eingesprengten Bezirke und ihre Staedte Nablus, Jennin, Tulkarem u. a. m., seit jeher Hochburgen des ungezaehmtesten arabichen Chauvinismus, in erbitterten Nahgefechten erobert. Dass sie am dritten Kriegstag die Jerusalemer Altstadt im Zentrum dieser Front besetzen konnten, veranlasste den Koenig Hussein als ersten der vier am Ueberfall auf Israel beteiligten Staatsfuehrer, im Einklang mit dem Appell des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, zum Befehl an seine “Arabische Legion’’, die Kaempfe abzubrechen. Freude an der Klagemauer Die Israelis hatten das mauerumguertete alte Jerusalem schon vorher vom Norden, Sueden und Osten so zerniert, dass die militaerische Lage der jordanischen Besatzung bereits am zweiten Tag des Krieges hoffnungslos geworden war. Doch da vom Sicherheitsminister Dajan und seinem Generalstabschef Rabin strikter Befehl gegeben worden war, die Stadt nicht unter Beschuss zu nehmen, um die Heiligen Christlichen Staetten und die Omar-Moschee zu schonen, marschierten die Israelis durch das Loewentor erst ein, als der Widerstand bis auf vereinzelte Scharfschuetzen-Nester vollends erlahmt war. ' Bis es dahin kam, war das neue Jerusalem, das juedische, pausenlos viel schwerer beschossen worden als beispielsweise Tel-Aviv, das einer ziemlich wirkungslosen Kanonade nur waehrend weniger Stunden am ersten Abend ausgesetzt gewesen war. In ganzen Strassen der Jerusalemer Neustadt war kaum ein Haus voellig intakt geblieben; Einschuesse wiesen die Gebaeude der Hebraeischen Universitaet auf, das Israel-Museum mit seinen unschaetzbaren Funden aus antiker Zeit, und das Hadassah-Krankenhaus, von dessen kostbaren Chagall- Vitragen eine leider beschaedigt worden ist. Ungefaehr 500 Menschen waren von Granatsplittern und den Salven j o r d anischer Scharfschützen verwundet, mehrere Dutzend getoetet worden. RUECKKEHR INS ALTE JERUSALEM (Schluss von Seite 19) stehen da wie seit Jahrtausenden. Zwischen ihre Fugen haben Betende kleine Zettel gesteckt mit Wuenschen fuer das Leben und die Gesundheit ihrer Maenner und Soehne, die irgendwo noch an den Fronten kaempfen. Auf einem Tisch steht eine Thora-Rolle — eine improvisierte Synagoge. Die Stimmen der Besucher verstummen. Die Menschen schweigen oder beten still. Nur hier und da hoert man den Segensspruch: “Gelobt seist Du, Ewiger unser Gott, der Du uns erreichen liessest diese Zeit”. Als wir spaeter zum Damaskustor wollen, werden wir von israelischen Soldaten, die mit schussbereiten Maschinengewehren Posten stehen, auf gehalten. Die Strasse ist gesperrt. Irgendwo gibt es wieder Scharfschuetzen, die aus dem Hinterhalt schiessen. Durch ein Labyrinth von Gassen, kommen wir zu einer Anhoehe, von der man noch einmal das alte Jerusalem in seiner Gesamtheit sieht — umringt vom Skopusberg, vom Oelberg, vom Garten Getsemane, von modernen Hotels und der Welt der judaeischen Landschaft. “Um die Heilige Stadt zu schonen, mussten unsere Truppen von Strasse zu Strasse, von Haus zu Haus ihren Weg durchkaempfen”, erklaerte unser Begleiter. “Wir haben unseren Respekt fuer die Heiligen Staetten der Christenheit und des Islam mit unseren Blute bezahlen muessen”. Unbeschreiblich war der Jubel der Eirimarschierenden an den jahrtausendealten, von Millionen Segensspruechen frommer Juden seit zahllosen Generation geweihten Quadern der Klagemauer, riesigen Bioecken gewaltiger Steine ueber und unter der Erde, dem aus biblischer Zeit erhalten gebliebenen Rest des Salomonischen Tempels, von dem die Sage singt. Im Nu fanden sich unter den gesetzestreuen Soldaten immer mehr Gruppen zu Gebeten von einer Inbrunst zusammen, die auch ihre nichtreligioesen Kameraden mitriss. “In diesem Jahre im wieder aufgebauten —will sagen: befreiten— Jeruschalajim”, rief der ranghoechste Armeegei s 11 i c h e Rabbiner Goren, mit traenenerstickter Stimme in freier Abwandung eines altueberlieferten juedischen Spruchs aus, der die Erfuellung der Sehnsucht nach Zion auf das “naechste Jahr” verweist. Er liess den Schofar blasen, das nur selten aus hochfeierlichem Anlass in der Synagoge verwandte Widderhorn, und intonierte Psalmen und andere gottesdienstliche Gesaenge, denen die Anwesenden die israelische Nationalhymme folgen liessen. Zu ihnen gesellten sich bald danach: der Generalstabschef mit Mosche Dajan, dem Helden dieser Woche, der schon der Held des Sinai-Feldzugs 1956 gewesen war; ferner der Staatspraesident Schazar, der Ministerpraesident Levi Esehkol, der als erster juedischer Regierungschef wieder das Gebiet betrat, auf dem der Tempel bis zu seiner Zerstoerung vor 1897 Jahren gestanden hatte, und schliesslich —wie denn nicht— David Ben Gurion, mit der Erklaerung, dies sei “der zweitschoenste Tag meines Lebens” (sein schoenster Tag —er hat es oft gesagt— war der s e i n er Einwanderung nach Palaestina, vor mehr als sechzig Jahren gewesen). Noch am selben Tag sicherte Levi Eschkol den geistlichen Haeuptern der christlichen Kirche und der Moslem voellige Religionsfreiheit in der Altstadt zu; und es versteht sich, dass das gleiche fuer Bethlehem gilt. Dort wie in Jerusalem, und in den Staedten Jericho, Hebron, Ramallah, ueberall wo j o r d a nische Funktionaere noch vor einer Woche regiert hatten, gingen orts— und fachkundige juedische Beamte inzwischen schon an den Umbau und Neuaufbau des Verwaltungsapparats. Selbstv e r s t aendlich stellten sie unverzueglich Medikamente, Milch fuer die Kinder, Lebensmittel fuer die Bevoelkerung zur Verfuegung, und sorgen zur Stunde dafuer, dass die Wasserleitungen und Elektrizitaetsanschluesse moe glichst rasch repariert werden, soweit sie durch Kriegseinwirkung gestoert waren. Hinzugefuegt sei noch, dass zu a e h n 1 ich begeisterten Reaktionen wie an der Klagemauer auch der nach undenklich langer Zeit nun wieder moeglich gemachte Besuch anderer verehrungswuerdiger Staetten der juedischen Ueberlieferung fuehrte— so der “Hoehle Machpe- SONDER-BERICHT ' FÜR DAS la”, in der die Gebeine der Erzvaeter bestattet worden waren, und des Grabmals der Stammutter Rahel. Ein alter Traum war Wirklichkeit geworden. Auch den Frieden gewinnen Die juedischen Streitkraefte haben mit beispielloser Disziplin und maennlicher Haerte, dank der Ueberlegenheit ihrer Fuehrung in Planung, Strategie und Taktik, das Gesicht des Nahen Osten in vier Tagen so radikal gewandelt, dass keine Neuregelung auch nur eine entfernte Aehnlichkeit mit dem frueheren Stand der Dinge mehr haben wird, ob sie nun wieder aus Waffenstillstandsabkommen bestehen sollte, oder diesmal aus Friedensvertraegen. Nicht weniger als die unmittelbar Beteiligten, werden auf diese Regelung die grossen Maeciite einzuwirken wuenschen, die es bei Lichte besehen dem kleinen Staat Israel verdanken, dass das Laendergebiet zwischen dem Suez-Kanal und der tuerkischen Suedgrenze sich in kein zweites Vietnam verwandelt und sie damit unter Umstaenden in einen neuen Weltkrieg verwickelt haette. Gerade da die Niederlage Aegyptens und Syriens das an die UdSSR angelehnte Regime Abd el -Nassers und das noch staerker von der Sowjet Union abhaengige der linksradikalen Ba’ath-Politiker erschuettert hat, wird sich der Kreml von jetzt an wahrscheinlich desto staerker im Kairo und Damaskus bemuehen, um den Nahen Osten als Sphaere seines ideologischen und propagandistischen Einflusses nicht voellig zu verlieren. Indirekt macht er damit schon einen Anfang, indem er die diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrach. Dagegen kam die Geburt des neuen Nahen Osten aus dem Ungeiste des Ueberfallversuchs der Araber den Amerikanern, und mit Abstand auch den Englaendern, insofern zugute, als sie den Waffensieg der Israelis mit einigem Recht als Triumph des neujuedischen David ueber den russischen Goliath deuten koennen. Er hatte waehrend eines Jahrzehnt allein s e i n en aegyptischen Schutzbefohlenen V e r n ichtungswaffen aller Art im Schaetzungswert von drei Milliarden Dollar geliefert; sie haben sie im Laufe von vier Tagen auf der Sinai- Halbinsel vergeudet. Eine glatte Luege zwar war die Behauptung Nassers, die Amerikaner haetten zugunsten Israels mit den Flugzeugen ihrer Mittelmeer-Flotte am Krieg teilgenommen. Mit dieser Behauptung operierte er selbstverstaendlich nur, um sich ein Alibi fuer sein militaerisches Debakel zu verschaffen. Aber via Tel- Aviv ist den Vereinigten Staaten von Amerika tatsaechlich ein enormer Vorteil ueber ihren weltpolitischen Gegenspieler Russland zugefallen. Doch warum sollten sie versuchen, diesen glob a 1 politischen Gelaendegewinn in israelische Kleinmuenze umzuwechseln. Fundamental waren ihre Beziehungen zum Staat der Juden schon vorher fuer beide Teile so zufriedenstellend, dass sie einfach keiner weiteren Intensivierung beduerfen. Und auf demselben Umweg, via Tel-Aviv, wird sich die Krise moeglicherweise auch guenstig auf die prek a e r e Stellung Englands “oestlich von Suez” in Aden und dem ganzen suedlichen Arabien auswirken. Da die Israelis nach dem Krieg auch den Frieden zu gewinnen haben, duerfte es ihnen an sich nicht unerwuenscht sein, wenn diese beiden indirekten Nutzniesser des Konfliktes, die USA und Grossbritannien ihre Vermittlung dazu Vorschlägen werden. Ebensowenig werden sie vermutlich einen de Gaulle ablehnen wollen und koennen, der sie mit seiner uebertrieben zur Schau getragenen Neutralitaet in den letzten Wochen zwar enttaeuscht, sich aber immerhin sofort mit dem Gedanken einer Viermaechtekonferenz als “ehrlicher Makler” angeboten hat. Und auch S c h 1 i chtungsbemuehungen der Vereinten Nationen und ihres Sicherheitsrates werden sie bei aller Skepsis schwerlich zurueckweisen — an und fuer sich... Doch haben ihre Wortfuehrer dieser Tage haeufig mit Nachdruck betont, dass sie sich von direkter Fuehlungnahme mit der Gegenseite unvergleichlich mehr als davon versprechen, die Verhandlungen von Aussenstehenden fuehren zu lassen. Es darf wo.hl angenommen werden, dass beispielsweise die knifflige voelkerrechtiiche Frage des Status der Heiligen Stadt Jerusalem, und u. a. ferner das Problem der 300.000 arabischen Fluecht- 1 i n g e im Kuestenstreifen von Gaza und der fast 600.000 im bis n erigen cis j ordanischen Herrschaftsgebiet des Koenigs Hussein in diesen Verhandlungen e r o e r tert werden wird. Im uebrigen aber waere es sinnlos und dem Ziel des Friedens im jetzigen Moment vielleicht sogar a b t r a eglich, heute schon Mutmassungen ueber ihre Tagesordnung und ihren Gang zu wagen — gesetzt, dass sie mit den geschlagenen Arabern ueberhaupt zustande kommen...