Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 5 (Mayo, 1967)
- Date
- 1967-05-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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MAYO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 15 Fortsetzung aus der April-Ausgabe Die Juden des Jemen im juedischen Staat Von Dr. Abner Neckushtan, Tel-Aviv Probleme der Einordnung “Freude ohne Ende...” Dennoch war der Weg des seelischen, sozialen, gesellschaftlichen, beruflichen Hineinwachsens dieses Bevoelkerungsteils in die Wirklichk e i t Israels selbstredend nicht weniger beschwerlich als die innere und aeussere Akklimatisierung aller Einwanderungsgruppen, die vor ihnen gekommen waren, einschliesslich z.B. der Juden deutscher Herkunft. Bedenkt man den weltweiten Unterschied zwischen dem feudal regierten Land im Suedwesten der arabischen Halbinsel und Israel, war es nicht weniger als ein Sprung aus dem Mittelalter, sagen wir des 12. Jahrhunderts, in ein verwaltungsmaessig, innenpolitisch technokratisch ausgerichtetes Staatsganzes von heute. Dazu trat der Wunsch der Fuehrung dieser Demokratie, ihr ihren modernen Zuschnitt zu erhalten. Die Moeglichkeit ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass es in Israel, der vielgeruehmten “Hochburg der westlichen Zivilisation im Vorderen Orient”, frueher oder spaeter zu einer existenziellen “Orientalisierung” kommen koennte, um nicht zu sagen, einer Levantinisierung des gesamten Lebens mit all den damit verbundenen kulturellen und sonstigen, hier nicht weiter darzustellenden Nachteilen. Der Anteil von Buergern europaeischer und amerikanischer Herkunft an der juedischen Landesbevoelkerung, der 1948 noch 54,8% betragen hatte, war schon im Jahre 1956 auf 37,9% abgesunken, der von Israelgebuertigen ungefaehr derselbe geblieben (35,5 bezw. 32,8%). Aber die Verhaeltnisziffer von Juden anderer Herkunftslaender hatte sich in der gleichen Zeit bereits von 9,7 auf .29.3% erhoeht, und diese Aufwaertskurve ist seitdem eher noch steiler geworden. Selbstverstaendlich rechnet die hier verwendete Tabelle die aus dem Jemen gekommenen juedischen Einwanderer, heute etwa 60.000, zur Rubrik der “Juden anderer Herkunftslaender”, z u den “orientalischen Juden”, dem Sammelbegriff, wie er sich hierzulande eingebuergert hat, obwohl er im Hinblick auf die gleichfalls damit gemeinten Einwandererscharen aus dem nordafrikanischen Maghreb ungenau ist. Die “Temanim” sind auf den ersten Blick ein weit leichter adaptierbares Element, als beispielsweise juedische Marokkaner; sie> sind ein liebenswerter und liebenswuerdiger, in der Regel harmlos heiterer Menschenschlag, der auch Klagen und Beschwerden mit dem nie ausbleibenden, entwaffnenden” “Gelobt sei der Herr“ ihre Schaerfe nimmt. Aber wie jede mehr der Oberflaeche verhaftete Beurteilung geht auch diese an den tieferen Schichten ihres Wesens vorbei. Auch die jemenitischen Juden haben ihre Probleme. Schon darin manifestiert sich ihre Andersartigkeit, dass das fuer die Juden Europas seit dem Jahre 1000 n. Chr. strikt geltende, religionsgesetzlich verank e r t e Verbot der Vielehe keine Geltung fuer sie hat. Sind ihre Maenner im erweiterten Sinne auch nicht polygam, so haben viele von ihnen doch zwei Frauen: eine, die sie gewoehnlich in Fruehehen geheiratet haben, als beide fast noch Kinder waren, und eine zweite, die sich der Mann nach arabischem Heiratsbrauch kauft, wenn er oft schon in betagtem Alter zu Geld gekommen ist, und die zumeist um Jahrzehnte juenger als er ist. Hinzu kommt, dass manche von ihnen —ebenso nach dem Vorbild ihrer frueheren arabischen Umwelt— ihre Frauen fuer den Broterwerb sorgen lassen, weil sie es als Familienhaeupter fuer unter ihrer Wuerde erachten, selbst zu arbeiten. Daraus bereits erkla e r t sich die von den “Europaeern” an ihnen geuebte Kritik. Sie ist ein Reflex der allerdings zu manchen ausgesprochen unerfreulichen Erscheinungen jener Randspannung gefuehrt hat, die den Soziologen als Ausdruck des Miteinanderlebens von Kollektiven verschie d e n e r Art, Alltagsgewohnheiten, beruflicher Vorbildung, Kleidung usw. vertraut ist. Um hier ein besonders drastisches Beispiel anzufuehren: viel zu oft wurden die dunkelhaeutigen “Temanim” als “Schwarze”, “Neger1, auf Hebraeisch als “Kuschim” nicht etwa nur von schlecht erzogenen Kinder bespoettelt, sondern auch von Erwachsenen jener stupiden Sorte, die nicht alle wird. Es konnte nicht ausbleiben, dass sie mit dem ganzen Stolz einer alten, selbstbewussten Rasse erbittert darauf reagierten, und die “Europaeer” ihrerseits unter Verwendung des jiddischen Frageworts “Wus” (“was?”) mindestens so abfaellig als “Wuz-wuzim” zu bezeichnen begannen. Zugleich aber bemaechtigten sich nicht weniger von ihnen bedenkliche Minderwertigkeitsgefuehle, in der Initialzuendung nicht zuletzt, so banal es klingt, weil ihnen nach ihrer Ankunft der Gebrauch von Betten, Essbestecken und anderen Selbstverstaendlichk eiten erst beigebracht werden musste. Oder auch, als sie in den israelischen Uebergangs- und verteilungslaergern, und manchmal noch spaeter, mit den primitiven Methoden ihrer medizinmaennis c h e n Heilkunst, mit mancherlei Aberglauben, Amuletten und Beschwoerungen auf nicht immer hinreichend taktvolle Zurechtweisungen der Sozialfuersorgebeamten und Instruktoren stiessen. Oft verschaerfte diesen Unterfcgtenheitskomplex noch das berufliche Gefaelle, ein zwangslaeufiges Resultat dessen, dass es nur wenigen von ihnen im Jemen moeglich gewesen war, sich das “know— how” der in der heutigen Wirtschaft erforderlic h e n Fachkenntnisse anzueignen. Zwar gelten wichtige Einschraenkungen gerade hier. Wie in anderem Zusammenhang schon erwaehnt, waren manche von ihnen in Sana und anderen jemenitischen Staedten Meister kunstgewerblicher Verarbeitung von Edelmetallen. In diesem Gewerbe fassten sie in Israel ebenso erfolgreich Fuss, wie sich ihre Frauen mit wundervollen Schmuckstickere i e n eigenen Stils geradezu ein Monopol sichern konnten. Auch ihre hohe taenzerische Begabung sei mit dem Hinweis auf die von der Jemenitin Sara Levi gegruendete und geleitete INBAL-Truppe erwaehnt, ein Ensemble, das sich mit manchen Auslandstourneen auch international einen begruendeten Ruf erworben hat. Und die in Israel beliebtesten Saengerinnen, Bracha Zefira, Schoschana Damari, Esther Gamlielith, sind Jemenitinnen. Andererseits stellen jementische Frauen in den israeli- Jemenitischer Arbeiter in Israel. sehen Staedten, an deren Raendern sie wohnen, das Hauptreservoir der stundenweise bezahlten Haushaltshilfen. Ihre in der Regel kinderreichen Familien sind auf diesen Nebenverdienst so dringend angewiesen, dass auch auf sie die beklemmende, mitunter geaeusserte Formel bezogen wurde, ein “Zweites Israel”, ein von permanenter Proletarisierung bedrohtes, bilde sich im Land und Staat der Juden. In sein e m Standardwerk “On Wings of Eagle” zitiert Dr. Joseph Schechtmann folgenden Stosseufzer eines jemenitischen Kindes: “Ach, wenn ich gross bin, moechte ich ein “Europaeer” einer von den anderen sein...” DENNOCH — AUF DEM RICHTIGEN WEGE Zwar ist das Ziel keineswegs eine “Europaeisierung” der in Israel lebenden Juden des Jemen. Sie sozusagen zwangsweise zu verwestlichen, hiesse ja, gerade, sofern es ueberhaupt gelingen sollte, Levantiner im schlechten Sinne des Wortes aus ihnen zu machen, Menschen, denen die Werte ihrer Eigenstaendigkeit geraubt, und dafuer nur zivilisatorische Aeusserlichkeiten Ohne echten kulturellen Mutterboden gegeben werden wuerden. Ohnedies spiegelt sich diese Problematik seit Jahr und Tag bereits in den Spannungen,! ISRAEL 5 KW Gedenkmarke anlaesslich des 15-jaehrigen Jubilaeums der “Operation Zauberteppich’'. unter denen zahllose ihrer Clans zu leiden haben: die fruehere Familieni d y 1 1 e weicht dem Gegensatz zwischen den Vaetern, deren frue h e r e patriarchalische Stellung erschuettert worden ist, und den Soehnen — und sogar den Toechtern — die sich in der Regel ziemlich rasch all dem Neuen angleichen. Ein Generationenkonflikt wie dieser war unvermeidlich. Allein in hunderten und aberhunderten von Doerfern, in vielen Dutzenden von Wohnvierteln an der Peripherie der hiesigen Staedte, besonders der kleineren, ist diesen Geburtswehen der Emanzipation die “Israelisierung” derer gefolgt, die aus dem Jemen “auf den Schwingen des Adlers” (oder auch schon vorher) hierhergekom men sind. Schaarajim, der “jemenitische Vorort” Rechowoths, des Domizils der weltbekannten Weizmann - Forschungszentrale, diene als gutes Beispiel fuer viele: An die 700 Einwohner hat Schaarajim heute, und ueber zwei Drittel von ihnen sind jemenitische Juden, von denen sich die ersten hundert dort schon im Jahre 1909 niedergelassen hatten, um — zunaechst — als Plantagenpfluecker zu arbeiten. Von den etwa 5000 “Temanim” des Ortes, rund 800 Familien, haben es immerhin 28% zu einigem Wohlstand gebracht. Es wohnen ca. 700 dieser Familien in eigenen, hypothekarisch jetzt so gut wie unbelasteten Haeusern. Nur 9% muessen sich als Tageloehner verdingen, 56% sind als Mechaniker, Bauarbeiter, als gut besoldete Werkfuehrer in den Zitrus - Packhaeusern festangestellt, und 19% sind kleine oder mittlere Gewerbetreibende, Beamte der religioesen und lok alen Dienste u. dgl.. Erwerbslos sind zwar die restlichen 16% aber als alte Leute, Berufsbehinderte usw., die von ihren Verwandten versorgt werden, darum nicht automatisch “soziale Faelle”. Wenn sich die fraktionelle Zusammensetzung des bis vor fuenfzehnkoepfigen Stadtrats ganz kurzem jedenfallsvon Rechowoth zur Stunde nicht wieder einmal geaendert haben sollte, haben die Jemeniten von Schaarajim dorthin drei Abgeordnete entsandt, Vertreter dreier (! ) politischer Gruppen : einer, die der gemaessigt - sozialistischen Mapai affililert ist, einer rechtsbuergerlic h e n, die auf dem Boden der ultranationalistischen “Freiheitspartei” (“Cheruth”) steht, und einer, die sich als “neutral” bezeichnet. Auch eine Ortsgruppe der spezifisch religioesen Parteien Israels waere wohl gleich anfangs entstanden, wenn diese Menschen, zumindest die aelteren Jahrgaenge, nicht samt und sonders ohnehin traditionsgebunden gewesen waeren; erst spaeter, als ihre Jugend eigene Wege ging, kam es zu einer derartigen, “Religioese Arbeiter” genannten Gruendung. Bemerkenswert ist es nun, dass es sich bei der ersten und zweiten der hier genannten Gruppengruendungen zunaechst nur um Filialen der betreffenden Landesparteien handelte. Ihre Zentralen hatten zur Schaffung dieser Ortsgruppen aus Tel - Aviv Vertrauensleute entsandt, die selber gewoehnlich zwar keine Jemeniten, aber mit der Mentalitaet jemenitisc her Juden einigermassen vertraut waren. Zum entscheidenden Wendepunkt kam es, als sich die Bewohner Schaarajims in die ihnen neuen Verhaeltnisse so eingelebt hatten, dass sie sich parteipolitisch von Ortsfremden nicht mehr bevormunden lassen wollten. Lokale Interessen, Fragen der Ortsverwaltung wurden ihnen wichtiger als die auf das ganze Land oder gar auf die zionistische Weltbeweg u n g und das gesamte juedische Volk ideologisch zugeschnittenen Programme der Landesparteien, je mehr sie sich als Staatsbürger statt als Immigranten fuehlten, Die Entstehung der dritten, wie gesagt “neutralen”, nur mit oertlichen Problemen befassten Vereinigung, unter dem bezeichnenden Namen “Fuer Schaarajim”, war ein Symptom dieses Prozesses der wohl in jeder Hinsicht wünschenswerten Normalisierung. Von den Jungwaehlern des Vororts gehoeren heute je 15% der lokalen Mapai-Gruppe und der Gruppe “Fuer Schaarajim”, 5% den “Religioesen Arbeitern’' und 30% der Rechtspartei an, zu der sich von den Aelteren nur 10 bis 15% bekennen. Und auch das hat seinen Grund. Wie allerorten in Israel tendiert der jemenitische Nachwuchs auch in Schaarajim oft zur (Fortsetzung Seite 16)