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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1967-05-01 · 5 (Mayo, 1967) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIX (1967)
Issue
5 (Mayo, 1967)
Date
1967-05-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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MAYO 1967 BOLETIN INFORMATIVO 13 Geht Amerika nach rechts? RONALD REAGAN DER NEUE STERN AM POLITISCHEN HIMMEL Von Kurt R. Grossmann — New York Als der republikanische Gouverneur von Kalifornien, Ronald Reagan, vor einiger Zeit in Washington erschien, un bei einem Fruehstueck der republikanischen Abgeordneten und Senatoren eine seiner vielen Reden ausserhalb seines Staates zu halten, kommentierten die Berichterstatter: Eins ist sicher, dass die Aussichten Reagans fuer die republikanische Praesidentschaftskandidatur “nicht mehr als ein Scherz” aufgefasst werden koennen. Kein republikanischer Aspirant hat soviele Einladungen zu sprechen wie der in die politische Arena eingetretene Neuling Reagan. Seine Ansichten hat er in einer Pressekonferenz in Washington zum besten gegeben, und diese sind, wie man es garnicht anders von einem der ergebensten, Goldwater-Anhaenger erwa r t e n kann, konservativ, ja in manchen Faellen extrem: .. .Im Gegensatz zum vorsichtigen Gouverneur George Romney von Michigan ueber den Krieg in Vietnam erklaerte Reagan bereitwilligst, dass wir “alle unsere Macht” einsetzen sollten, um unsere Truppen zu unterstuetzen. .. .Was den Gebrauch von Atomwaffen anlangt, erklaerte Reagan, dass er nicht in der Lage sei, diese Frage zu entscheiden. Aber er fuegte hinzu: “Die letzte Person in der Welt, der wir sagen, dass wir atomare Waffen nicht anwenden werden, ist der Feind in Vietnam. Dieser sollte jeden Abend mit dem Gedanken schlafen gehen, dass wir atomare Waffen gebrauchen werden”. ... Haeuserkauf ohne Diskriminierung: Es gibt eine Anzahl von Grundrechten, ueber die man nicht abstimmen kann, und eins davon ist das Recht von Hauseigentuemern, ihren Grundbesitz zu verkaufen an wen sie wollen. ...Rebellion der Studenten. “Man verhandelt nicht mit Studentengruppen, Man hoert ihnen zu, was sie zu sagen haben. Aber wenn sie nicht die allgemeinen Regeln befolgen, koennen sie ihre Koffer packen und eine Studienmoeglichkeit anderswo suchen”. Wenn man sich erinnert, dass Reagan im Wahlkampf sich weigerte,, sich von der John Birch Society zu distanzieren, wenn wir wissen, dass er gegen den ausgeschiedenen Gouverneur Earl Brown wahlpropagandistische Methoden angewandt hat, wie wir sie aus der Mc Carthy- Zeit in den fruehen Fuenfziger Jahren her kennen, wenn er sich nicht nur als ein Freund, sondern Anhaenger Goldwaters deklariert, wenn wir wissen, dass Reagans erste Tat als Gouverneur war, den Rektor der Universitaet von Kalifornien, Dr. Kerr, in Berkeley kalt zu stellen; wenn er die Schulgeldfreiheit, eine der wichtigsten Einrichtungen der USA, die arm und reich Gelegenheit zum Studium gibt, beseitigen will; wenn er versucht, den liberalen Lehrkoerper und die fortschrittlichen Erzieher, die sich fortgesetzt gegen den Wahnsinnskrieg in Vietnam wehren, einzuschuechtern und schliesslich wenn er Kalifornien, wo einst Upton Sinclair fuer seine utopischen Wohlfahrtsstaatsideen eine Million Stimmen erhielt, eine reduzier t e Wohlfahrtsgesetzgebung geben will, dann laesst sich ueber Reagan zusammenfassend folgendes sagen: Dieser Mann ist nicht, wie viele Repu b 1 i k a n e r, ein “rauher Individualist”, der predigt, dass nur die essen sollen, die arbeiten und verdienen, sondern er geht weiter als viele seiner “Parteigenossen” und versucht, an das reaktionaere Element zu appellieren. Dabei hat Reagan eigentlich genug in seinem Staat zu tun. Um den Haushalt von ueber fuenf Milliarden Dollar einigermassen zu balancieren, muessen neue Steuern in Hoehe von 946 Millionen Dollar erhoben werden, aber zur selben Zeit erhalten die Hauseigentuemer. eine Steuerreduzierung von 6.5%. Andere Einnahmen kommen, das ist der Plan, aus den Studiengeldern, und Reagan hat den Studenten deutlich gemacht, dass er diese durchsetzen wird, auch wenn Berkeley tausende seiner Studenten dadurch verlieren sollte. Wie sich die Republikanische Partei schliesslich im naechsten Jahr entscheiden wird — ob Nixon, der soeben der Bildung einer Wahlorganisation “Nixon fuer Praesident” zugestimmt hat, oder George Romney, der mit Reisen in das Land das Feld sondiert, — oder Ronald Reagan, der als der “beliebteste Sohn Kaliforniens” nominiert werden wird, laesst sich heute noch nicht sagen. Die Tatsache, dass Reagan die zwejtstaerkste Delegation auf der naechsten Republikanischen Konventi o n fuehren wird, ist von Bedeutung, da es sich dann heraussteilen wird, wieviel Delegierte ihm die Rednertourneen gebracht haben. Eins ist heute schon klar: Ronald Reagan ist fuer die Republikaner ein aufgehender Stern, und obwohl sie aus der Goldwater-Niederlage gelernt haben sollten, wird Richard Nixon mehr in Reagan denn in Rommey jenen Gegner finden, der ihm den Sieg streitig macht, das zweite Mal den Versuch zu machen, ins Weisse Haus einzuzicihen. Es ist historisch zwar richtig, dass bisher kein Vizepresident mehr als eine Wahlperiode gedient hat. Die Geschichte der Vereinigten Staaten beweist, dass alle Vizepresidenten, die durch Ted oder Ermordung Presidenten wurden, den Rest der Wahlperiode und eine weitere im Weisen Haus verblieben und keiner von ihnen sich um eine zweite Wahlperiode bemuehte. Lyndon Baines Johnson wird zweifellos diese Tradition durchbrechen. Aber es ist nicht daran zu denken, dass er einen 1964 vergleichbaren Wahlsieg erringen kann. Einmal ist die Demokratische Partei nicht einig. Gerade in diesen Tagen hat die Demokratische Vereinigung in Kalifornien sich mit grosser Mehrheit gegen die Vietnam- Politik Johnsons gewandt, Auf der anderen Seite hat Johnson Gegner an den extremen Rechten. Der reaktionaere. Gouverneur George Wallace in Alabama wird eine dritte Partei gruenden. Er besuchte vor kurzem Georgia, wo ihm der nicht weniger reaktionaere Gouverneur Lester Maddox einen freundlichen, seine politischen Aspirationen ermutigenden Empfang gab. Wieviel Wahlmaennerstimmen der rebellische George Wallace auf sich wird vereinigen koennen, ist heute Spekulation, aber diese Wahlmaennerstimmen koennen 19 6 8 das Zuenglein an der Waage sein. Ist Reagan der republikanische Kandidat und Wallace verzichtet auf seine Wahlmaenners t i m m e n zu dessen Gunsten, dann kann Amerika das erste Mal einen Extremen als Praesidenten bekommen. Gewiss, bis dann wird noch viel Wasser den Hudson herunterflies sen, aber eine Schlussfolgerung kann mit Gewissheit gezogen werden: Krieg oder Frieden in Vietnam wird die politische Zukunft des Landes beeinflussen. Der Friede wuerde den reaktionaeren Kandidaten den Boden entziehen, auf dem ihr Unkraut wuchert; die Fortsetzüng des Krieges aber wuerde denen, die wie Goldwater und rechtsextreme Demokraten weitere Aufstockung predigen, die Chancei geben, an die politische Macht zu kommen, da im Lande die Stimmung waechst, mit allen Mitteln und so schnell wie moeglich den Krieg militaerisch siegreich zu beenden. Es ist klar, dass die nicht schwachen Gegenkraefte sich gegen eine solche Entwicklung entschieden wehren werden... Zum 80. Geburtstag von Pinchas Rosen Der Schoepfer des * 1 Justiz Am 4. Mai vollendete Felix Rosenblueth (Pinchas Rosen), der langjaehrige Justizminister Israels, das 80. Lebensjahr. Erst vor knapp fuenf Jahren gab er sein muehevolles Amt auf, da seine Partei, die Liberalen, bei der damaligen Umbildung des Kabinetts ausschieden, doch da war eine gewaltige Arbeit bereits geleistet; der juedische Rechtsstaat war aufgebaut, und Pinchgs Rosen duerfte der einzige israelische Minister gewesen sein, der, von einer ganz kurzen Unterbrechung abgesehen, fast anderthalb Jahrzehnte sein verantwortungsvolles Amt ausgeuebt hat. Pinchas Rosen oder, wie er eigentlich heisst, Felix Rosenblueth, stammt aus einer sehr guten, im juedisch-religioesen Leben verankerten Familie. Der Vater war aus Ungarn gekommen und hatte eine leitende Position bei den Hirsch-Kupfer-Messingwerken in Halberstadt erlangt. Sie waren vier Brueder und zwei Schwestern; der Aelteste von ihnen, Dr. Martin Rosenblueth, ebenfalls aus der alten zionistischen Garde, starb vor einigen Jahren in New York, wo "er lange Zeit hindurch das israelische Finanzministerium vertrat. Felix, unser heutiger Jubilar, hatte in Berlin und Freiburg/Br. die Rechte studiert und sich danach als Rechtsanwalt in Berlin niedergelassen. Mitbegruender des “Blau- Weiss”, gehoerte er zu jenen jungen juedischen —nationalen Akademikern, aus deren Gruppen spaeter das “Kartell-Juedischer V e r bindungen” (KJV) entstand. Auf Grund der streng konservativen Erziehung, die er genossen, wurde frueh P'enx Rosenblueth der Zionismus nicht nur ein politisches, sondern zugleich ein “religioesn a t i o n ales” Glaubensbe - kenntnis. Hierzu kam ein Reichtum an Bildung und Wissen durch die damalige westeuropaeische Umwelt, die dazu fuehrten, dass ihm schon frueh ein wichtiger Platz in der zionistischen Welt bewegung zugewiesen wurde. Im Jahre 1920, nachdem Dr. Arthur Hantke dep Vorsitz der “Zionistischen Vereinigung fuer Deutschland” niedergelegt hatte, um in die Londoner Weltexekutive einzutreten, trat er an dessen Stelle. Zwei Male wiedergewaehlt, stand er bis 1923 an der Spitze der zionistischen Arbeit in Deutschland. Dann ging er fuer einige Zeit nach Erez Israel und leitete danach, von 1927 bis. 1931, die O r g a nisationsabtei'iung in London in enger Zusammenarbeit mit Dr. Weizmann, dem Praesidenten der Bewegung. Der grosse Wechsel in der Exekutive, bedingt durch Weizmanns Ruecktritt, veranlasste auch Felix Rosenblueth, sein Amt niederzulegen und ganz nach Palaestina ueberzusiedeln; dies war im Jahre 1931. In Erez Israel wurde er bald Stadtrat von Tel Aviv und Mitglied der “Assefat Haniwcharim”, der damaligen parlamentarischen Repraesentanz gegenueber der Man datarmacht. Ungemein vielseitig arbeitete er seiner grossen Stunde entgegen, die mit der Staatsproklamation kam. Nun wurde das Justizministerium seine Domaene. Er begann, als Pinchas Rosen, einen Rechtsstaat auf zubauen, dessen saemtliche Funktionaere sich dessen bewusst waren, was es heisst, Recht zu sprechen und der jungen Nation das Gefuehl zu geben, dass in ihrem Namen Recht gesprochen wird. Rosens demokratisches Empfinden, die Lauterkeit seines Wesens, die sehr gruendliche Rechtskenntnis, machten ihn zu einer der angeseh e n s t en Persoenlichkeiten des Landes. Der Politiker in ihm, der Demokrat und Liberale, verstand immer, dass, ueber Parteierwaegungen hinaus, der Blick auf das Ganze gerichtet werden,’dass das Staatsinteresse allen Sonder wuenschen vorangehen muesse. Aus der von Pinchas Rosen zum Schutze der Interessen mitteleuropaeischer Einwanderer nach Erez Israel g e s c haff enen “Hitachduth Olej Germania” ist spaeter die Repraesentanz der sogenannten “Fuenften Alija”, der “Alija Chadascha”, die “Progressive Partei” entstanden, die sich vor etwa sechs Jahren wiederum mit den “Allgemeinen Zionisten” vereinigte. Heute bilden sie gemeinsam die “Liberale Partei”, die “Buergerliche Linke’. In bewundernswerter Frische darf Pinchas Rosen den 80. G e b u rtstag begehen, geachtet vom gesamten Jischuw Israels, von Zionisten und Nichtzionisten in aller Welt. Sein Lebenswerk ist ein Geschenk des einstigen deutschen Judentums und des deutschen Zionismus an die gesamte juedische Welt. Und nicht zuletzt ist es ,die Generation, deren Leljrer und Meister er vor 45 und* 50 Jahren gewesen ist, die ihm dankt fuer sein Vorbild der Treue und Pflichterfuellung, der unbeirrbaren Gradheit des Weges, den er gewiesen. Pinchas Rosen ist einer der gluecklichsten Mittler zwischen Ost und West in der Weltjudenheit, einer derjenigen, die als bahnbrechende Kraft in die Geschichte des juedischen Volkkes eingehen werden, deren neuestes Kapitel er selbst mitgestalten durfte. Curt Wilk. 097127

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