Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIX (1967)
- Issue
- 3 (Marzo, 1967)
- Date
- 1967-03-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Í6 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1967 GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI FEIGHEIT Es ist gang und gaebe, dass Mut hochgepriesen, Feigheit tief verachtet wird. Man stempelt sie als Charaktereig e n s chaf ten menschlicher Qualitaet oder Schwaeche. Was sie zur “Explosion” kommen laesst, wie weit sie der Intellekt oder der Instinkt beherrscht, (wird wenig abgewaegt. Leicht sieht und kritisiert man die rein aeusserliche Wirkung und be- oder verurteilt danach die Grundeigenschaften des Handelnden. Beide Veranlagungen haben tiefe Wurzeln; sie reagieren in jeglicher Lage verschieden. Mut kann verkappte Feigheit sein, offen gezeigte Feigheit Mut. Mut ist nicht einfach mit “Fehlen von Angst” zu definieren. Es ist auch nicht der Zustand, der einer ploetzlichen, unvorhergesehenen, gefahrvollen Situation die Stirn zu bieten vermag. Dieser blitzschnell auftretende Moment kann einen Entschluss, wie auch eine spontane Tat erfordern. Ein Mensch, der sich im Bruchteil einer Schrecksekunde einer Gefahr entgegenwirft, handelt meistens ohne jeglichen gehirnfunktionellen Entschluss, ohne durchdachte Entscheidung. Von einem gewissen Reaktionspunkt ab, schaltet Vernunft und Denken voellig aus, Instinkt und Impuls treten an ihre Stelle. Der Intellekt akzeptiert ohne Ueberlegung, ohne ueberhaupt in Kraft zu treten, die koerperliche Spontanaktion. Ein Mensch, der vorher meditiert, stoppt faoechstwahrscheinlich aus Vernunftsgruenden, bevor er handelt; das ist der Moment, in dem “Feigheit” den impulsiven “Mut” besiegt. Beides sind fiktive Normen, die nichts mit Naturveranlagung teu tun haben. Irgendwelche Herausforderung geistiger oder physischer Art, kann Mut - Kraefte wachrufen, die sonst nicht vorhanden sind. Was treibt Menschen dazu, einen Berggipfel zu erobern, in Urwaelder einzudringen, sich in schwankendem Boot der tosenden See entgegen zu werfen? Es ist diese enorme Herausforderung der Gefahr, dieses faszinierende Motiv, das suesser schmeckt, als haeusliche Geruhsamk e i t oder gesicherter Berufserfolg, das wichtiger werden kann, als Familie, als Liebe oder Freundschaft. Es ist der mystisch — geheim nisvolle blindgefolgte Pfad zum fernen, unbekannten, verwegenen Ziel, einmalig, hypnotisierend, jeglicher Vernunft bar. Dies wirkt sich als Mut aus, ist ihm aber nur verwandt, ist viel mehr Brigantentum, Abenteuerlust, allerdings im ¡Verlauf der Handlung notgedrungen Mut entwickelnd und erfordernd. Mut oder Feigheit sind angeborene Eigenschaften, die da sind, immer und stabil. Sie moe- UND MUT gen auf ihre Aktionsmoeglichkeit zu warten haben, sind aber nicht abhaengig von Spontanmomenten, $iie auch da Kraefte erzeugen, wo sie naturgemaess garnicht vorhanden sind. Selbstredend koennen sie durch einen Schock wachgerufen , werden und spaeterer Ueberlegung standhalten; dann waren sie latent vorhanden und warteten auf ihren Ruf. Der feigste Mensch wird ohne Zaudern blitzschnell eine “grosse Tat” vollbringen, steht ihr aber spaeter zitternd und verstaendnislos gegenueber und vermag sie nicht zu wiederholen. Ein Naturmutiger wird immer wieder imstande sein, Risiken zu laufen, die er von frueher kennt, spontan oder ueberlegt, getrieben von einer Kraft, einem “Etwas”, das in ihm existiert. Ueberkompensierte Feigheit mag sich als “Mut” manifestieren; der Handelnde erlebt d'° Schwaechereaktion allei n e und unbeobachtet, sie muss sich aber naturgemaess irgendwie einmal Luft machen und zeigen. Das Publikum erfaehrt sie staunend, der Betroffene erloest. Das erste wirkliche Mutzeichen eines Naturfeiglings ist, beherzt seine Veranlagung zu er-und bekennen,- sie ist kein Manko, kein VerachCüngswuerdiger Minus-Wert, sie ist ein Faktor, der, wie jeder andere, angeboren und zu akzeptieren ist. Selbsterziehung kann ihn abschleifen, weniger peinlich gestalten, ihn aber nie von Grund auf aendern. Man kann sich selbst Mut zusprecben, dadurch bittere Situationen mit mehr Fassung, als schierer Verzweiflung, ertragen, Schlaegen besser gewachsen sein. Das ist Vernunftsmut ,ein Heilmittel von enormer Kraft und Wichtigkeit, eine Klugheits- Therapie fuer unausbleibliche dunkle Lebensmomente. Mut, echter angeborener Original-Mut, ist nicht aeusserlich manifestierte Bravour-Courage, deren Wertskala der Erfolg bestimmt. Zu diesem Mütausdruck kann man sich durch Disziplin und Anforderung bringen. Er ist wichtig, ohne Zweifel, hat unendlich viel Gutes geleistet und ist Dank wert. Feuerwehrer, Sanitaetcr, Sktpatrouillen, Stranawaechter und wie sie alle heissen, diese aufopferungsvollen Helfer in der Not, die ohne Bedenken ihr Leben aufs Spiel setzen, um ein anderes zu retten. Ihr physischer Mut ist unbegrenzt und verdient vollste Anerkennung. Trotzdem duerfte der stille Ausdruck des mentalen, des seelischen Mutes als wertvoller zu bemessen sein. Der Mut des Standpunktes, des Prinzips, der persistenten, unerschrockenen Meinung und Konstanz, der tapferen Verfechtung und praktisch gelebten, persoenlichen Theorie. Wagemut Gurt Wilk schreibt: Amerikas groesster Erzaehler «urde 65 Jahre Am 27. Februar wurde John Ernest Steinbeck, heute zweifellos der bedeutendste amerikanische Romanschriftsteller, 65 Jahre alt, und seine Beliebtheit bei einer sehr ausgedehnten Leser gemeinde haelt mit unverminderter Staerke an, vielleicht deshalb, weil Steinbeck sich in seinen Werken fuer den Vorrang der Menschlichkeit vor jeder Idee und vor jedem Zwang einsetzt. Der Dichter stammt aus Salinas in Kalifornien und erzielte seine ersten grossen Erfolge zwischen 1932 und 44 hat immer ein auszahlendes Ziel, eine Belohnung, einen Zweck; Ideenmut erfordert Opfer, Entsagung und Staerke, die einer physischen Leistung ueberlegen sind. Seine “Belohnung” ruht ausschliesslich in sich selbst, er sucht keinen aeusseren Erfolg, findet selten Anerkennung, wirkt vielmehr meistens genant und stoerend- Eine ander Form des Mutes ist der Mut der Verzweiflung. Er ist “einziger Ausweg” und hat mit Naturveranlagung nichts zu tun. Er ist ueberlegt und kalkuliert, ein faut de mie.ux oder besser gesagt ein faut de pis. Notzeiten haben aus feigen Menschen mutige Kaempfer gemacht. Die grausame Hitlerepoche hat das tausendfach bewiesen. Fuer viele war es der nackte Lebenserhaltungstrieb, fuer Ungezaehlte die tapfere Aufopferung fuer ihre Sache, die ihnen ungeahnten Mut eingab. Das gemeinsam ertragene. Los erhoehte die Kraft, 1 o e s chte Naturfeigheit so weit aus, dass sie zum wahren Mut wurde, werden musste. Die natuerliche Lebensbejahung hat bei Vielen den damals erworbenen Mut wieder augeloescht; sie bestaunen rueckblickend ihre eigene Kraft. Die alte Frage, ob Selbstmord Mut oder Feigheit ist, laesst sich nicht allgemeingueltig loesen. Der physische, faktische Moment des Hebens einer Schusswaffe des Leerens eines Giftbechers des Zustossens eines Messers bedingt ohne Zweifel Mut; das Aufgeben, die Konseq u e n zablehnung fuer eine verschuldete oder ueberkommene Situation, die Angst vor Veraenderung der Lebensbedingungen, die Flucht vor Ver antwortung, etfenso zweifellos Feigheit, Ein Geschoepf, das bis zum tiefsten Punk des voelligen, scheinbar ausweglosen Lebensueberdrusses gekommen ist, kann nicht mit festumgrenzten Normen beurteilt werden. Der obengenannte Mut des letzten Momentes ist wesentlich geringer, als der lange aufgebrachte des Durchhaltens bis zum endgueltigen Entschluss. Mut oder Feigheit sind Naturgewalten, die man kaum aendern kann. Sie sind in die menschliche Maschinerie eingebaut, von Haus aus vorhanden. Man kann sie eindaemmen, kontrollieren, hegen oder vernachlaessigen, aber nicht ins Gegenteil umwandeln. Sie verraten sich irgendwann von selbst. Aus ihnen das Beste, zu machen, ist eine Frage der PersoenlTchkeit, der Staerke und Intelligenz. K.g i i t den Buechern “Die Fruechte des Zorns" und “Of Mice and Men”, der wunderbaren Geschichte einer Kameradschaft. Ein anderes Buch “Der Mond ging unter”, das eine Episode in einer norwegischen Stadt waehrend der Nazi-Besetzung erzaehlt, hatte auch als Drama und als Film einen grossen Erfolg. Er selbst war waehrend des Zweiten Weltkrieges als Kriegsberichterstatter auf verschiedenen Schauplaetzen taetig und seine Berichte, spaeterhin in me h r e r e n Baenden gesammelt, lesen sich ausserordentlich fesselnd. “Die Strasse der Oelsardi- Meister der Kuerzlich starb in Bad Salzuflen (Bundesrepublik) im 88. Lebensjahre der hervorragende juedische Schauspieler und Rezitator Joseph Plaut. Plaut stammte aus der einstigen fuerstlichen Hauptstadt Detmold (Lippe), wo er an 5. Juni 1879 zur Welt kam. Er besuchte zunaechst das Sternsche Konservatorium zu Berlin und ging dann zur Oper ueber; von 1912- 15 gehoerte er zum Ensemble des “Deutschen Opernhauses” zu Berlin-Charlottenburg. Doch einige Jahre danach wechselte der Kuenstler zur Rezitation hinueber und war in jenen anderthalb Jahrzehnten, von 1918 — 1933, einer der beliebtesten Rezitatoren, vielleicht der bedeutendste neben Ludwig Hardt. Er spezialisierte sich auf die heitere Muse, wurde Immer besser in der mimischen Verwandlungskunst und fuehrte ein ungemein abwechslungsreiches Programm durch, mit dem er Gastspiele ueberall dort gab, wo die deutsche Sprache verstanden wurde. Das Jahr 1933 bereitete Plauts triumphalen Erfolgen ein jaehes Ende. Bald musste er emigrieren, zunae c h s t nach der Schweiz und spaeter nach England, wo er sich als Saenger und Opernregisseur versuchte, mit wech- Einem grossen Juden Am 5. Februar 1867 starb zu Paris, erst 64 Jahre alt, Prof. Salomon Munk, dessen Name in der juedischen Geistesgeschichte als ,der eines Grossen fortleben wird. Munk stammte aus Glogau (Schlesien), wo er am 14. Mai 1803 zur Welt kam. Seinen ersten hebraeischen Unterricht erhielt er durch seinen Vater, einen Gemeindebeamten; spaeterhin war Rabbi Jakob: Joseph Oettinger sein Lehrer. Von dem 14-Jaehrigen wissen wir, dass er schon als Bai Kore (Thoravorleser) in der ßynagoge fungierte. Danach ging der junge Munk nach Berlin, besuchte dort noch fuer zwei Jahre das Joachimsthalsche Gymnasium und nahm bereits Kontakt auf mit Leopold Zunz, dem beruehmten Prediger und Gelehrten. .Von 1824 - 28 hoerte er Vorlesungen^ an der Berliner Universitaet, u. a. bei Hegel, und trieb arabische Sprachstudien, die er spaeter in Bonn fortsetzte. nen” (1946) “Jenseits von Eden” (gleichfalls verfilmt), im Jahre 1952 erschienen, “Wonniger Donnerstag” stehen im Mittelpunkte des vielseitigen, fruchtb a r e n, Schaffens von Steinbeck, der sich durch die meisterhafte Schilderung von oftmals ungesunden sozialen Zustaenden, z.B. fuer die kalifornischen Plantagenarbeiter, eingesetzt und deren Lage verbessert hat. Mit Vorliebe erzaehlt dieser Schriftsteller von Besitzlosen und Umhergetriebenen, und sein Glaube an den endlichen Sieg des Guten laesst ihm zum Anwalt der Armen werden. Vortragskunst selndem Erfolg, m 2. Weltkrieg war er Zivilgefangener auf der Insel Man und schlug sich unter Entbehrungen durch. Einige Jahre nach Kriegsende, 1951, entschloss er sich zur Rueckkehr, und diese wurde fuer ihn ein wahrer Neubeginn, denn eine neue Generation kannte ihn nicht mehr, war aber bald so von ihm beeindruckt, dass er, der juedische Rueckwanderer, die Herzen des Publikums gewann, das ihn auch in der Television und Rundfunk sehr gern sehen und hoeren mochte. Seine meisterhafte Beherrschung aller Register des singenden Vortragenden oder des Vortragenden Saengers, die grossartige Wortgestaltung und der Reichtum des Ausdrucks liessen ihn zum Liebling des Publikums werden, vor das er noch bis nach der Vollendung des 85, Lebensjahres trat, immer mit Begeisterung empfangen. Dieser Meister der Rezitation vereinigte in sich echtes Menschen- und Kuenstlertum; es war zeitlebens sein Wunsch, den breitesten Schichten Freude zu bereiten mit jenem grundguetlgen Humor, der aus der Seele Tiefen kommt. Joseph Plaut, der noch vor einigen Jahren mehrere ausgezeichnete Platten besprach, wird unvergessen bleiben bei denen, die ihn kannten. des 19. Jahrhunderts Schliesslich entschloss sich der ¿junge Mann, nach Frankreich zu gehen; auf der Reise dorthin beruehrte er Weimar und erlangte eine Unterhaltung mit Goethe, welche dieser in seinen Tagebuechern verzeichnete. In Paris entfaltete Salomon Munk eine umfangreiche wissenschaftliche Taetigkeit und ueberraschte die juedische Welt bald durch Publikationen von hohem Wert ueber das philosophische Werk des Maimonides. Doch, um dessen “More Nebuchim” (“Fuehrer der Verirrten”) herauszugeben, bedurfte es enormer Anstrengungen, und er musste viele Archive und | Biblioteken durchstoebem, vieles vorhandene luekkenhafte Material musste muehevoll ergaenzt werden. Baron James des Rothschild ermoeglichte die Finanzierung der Herausgabe des grossen Werkes, das zwischen 1856 und 1866 erschien. (Fortsetzung Seite 17)