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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-07-01 · 7 (Julio, 1966) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
7 (Julio, 1966)
Date
1966-07-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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JULIO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 9 Chile und Israel: “in Freundschaft vereint... 5 5 Der Besuch des Presidenten Shazar war der Hoehepunkt in der Geschichte der Juden in Chile und wird es wohl auch noch fuer lange Zeit bleiben. Seine Bedeutung zu analysieren, ist vor allem deswegen nicht einfach, weil die Versuchung gross ist, in Superlativen zu schwelgen. Die Vertreter der Regierung, des Parlaments und der Gerichtsbarkeit behandelten ihn mit exquisiter Ehrerbietung und Freundschaft, Fernsehen, Radio und P r e sse informierten ausführlich, intelligent und positiv, die Bevoelkerung empfing ihn herzlich. Der Kontakt mit der Kollektivitaet war eng und mannigfaltig und die Identifizierung der chilenischen Juden mit dem Staat Israel und seinem hohen Vertreter klar und eindeutig. Zugestanden: es war nie ein schlechtes Gefuehl, in diesem Land zu leben, auch nicht als Fluechtling in den ersten Jahren. Seine liberale Tradition, der Hang der Bevoelkerung zur Ungezwungenheit und Freiheit, seine demokratische Staatsform und viele anderen Faktoren erleichterten vieles auch in der schweren Zeit. Aber gerade, weil der Gegensatz nicht ueberspitzt werden muss, kann man sich von der ungeheuren Bedeutung dieser stolzen Juni-Tage in aller Ruhe Rechenschaft ablegen. Der Praesident von Chile, mit all der Wuerde einer demokratischen Legitimation, wie er in Lateinamerika leider nur noch wenigen Presidenten eigen ist, mit all der Besonnenheit, die ihn auszeichnet, spricht von Israel als einem der fortschrittlichsten V o e lker unserer Epoche. Der Praesident des Senais zitiert in feierlicher gemeinsamer Sitzung des Parlaments die Bibel, um an die historische Verbundenheit des Volkes Israel mit dem Lande Israel zu erinnern. Abkommen werden unterzeichnet ueber friedliche Ausnutzung der Atomenergie, ueber wissenschaftliche Zusammenarbeit, ueber Verstaerkung des kulturellen Austauschs, in einer gemeinsamen Erklaerung wird die Uebereinstimmung der politischen Ideale beider Nationen proklamiert und Praesident Frei nimmt eine Einladung an, Israel zu besuchen. .. Um sich mehr vorzustellen, beduerfte es schon einer traeumerischen P h antasie. Zwei Laender, die geographisch so weit auseinander liegen, die sich von Natur her eigentlich so wenig zu bieten scheinen, sind zu einer solch unglaublich weitgehenden Uebereinstimmung gelangt! Ein Praesident, nicht mehr jung an Jahren und in Ausuebung einer in erster Linie repraesentativen Fun ktion, besucht einen Praesidenten, der im Zenith seines Lebens und seiner Karriere steht und dessen Amt vor allem das exekutive eines Regierungschefs ist und sie sprechen erfolgreich ueber fundamentale gemeinsame Belange! Es war ein stolzes Gefuehl, in diesen Tagen ein Jude zu sein und den chilenischen Mitbuergern gegenueber als ein Sohn des Volkes aufzutreten, dessen hoechster Vertreter hier geehrt wurde. Es war aber auch ein stolzes Gefuehl, ein Buerger des Landes zu sein, das den Praesidenten Shazar mit den Worten empfing: “...im Herzen Chiles ist immer Platz fuer alle Menschen guten Willens”. Mehr? Es scheint unmoeglich. Wie also der Versuchung entrinnen, nun doch in Superlativen zu schwelgen? Eine kurze Untersuchung der zum Schluss des offiziellen Teils des Besuchs veroeffentlichten, gemeinsamen Erklaerung beider Praesidenten bietet wohl die beste Chance dazu. Denn solche gemeinsamen Erklaerungen sind bekanntlich oft dazu bestimmt, mehr zu verschweigen als zu sagen, mehr zu verwirren als zu klaeren. Liesse sich in dem nun vorliegenden Dokument etwas vom Stil jener alten Geheimdiplomatie finden, die sich an Worten berauscht und die Tatsachen schminkt, dann waere das der Angelpunkt, um aus dem siebenten Himmel der Empfaenge, Bankette, Kranzniederlegungen, Flaggen und Nationalhymnen auf den Boden einer mehr oder weniger prosaischen Wirklichkeit zurueckzukehren. Das Gegenteil ist jedoch, es sei vorausgeschickt, der Fall. Die gemeinsame Erklaerung, die zu Beginn auf die zun ehmende Freundschaft hinweist, die beide Laender vereint, ist ein von modernen politischen Gesichtspunkten inspiriertes und solides Dokument. Wie unsere Leser es dem Originaltext der in dieser gleichen Ausgabe des “B. I.” erscheint, entnehmen koennen, hat es eine klare Aufteilung. Es weist eingangs auf die Fundamente dieser Freundschaft hin und geht sodann auf die drei Gebiete ein, durch die sie konsolidiert werden kann und soll: kulturelle, wissenschaftlich - technische und kommerzielle Zusammenarbeit. Der Hauptteil befasst sich mit fuenf politischen Postulaten: 1.) Die Staerkung der Autoritaet der ONU unter besonderer Beachtung des “peinlichsten Respekts der territorialen Integritaet und der Souveraenitaet aller Staaten”. 2). Die friedliche Loesung aller Gegensaetze, vornehmlich durch direkte V e r h a n dlungen. 3.) Die Abruestung. 4.) Ausmerzung rassischer und religioeser Dis kriminierung. 5.) Der w i rtschaftliche Fortschritt der Entwicklungslaender. Schliesslich folgt eine Wuerdigung der Bedeutung, die ein jeder der beiden Praesidenten seinem Treffen mit dem anderen beimisst und die obenerwaehnte Annahme der Einladung des Praesidenten Frei nach Israel. W u e rde das Dokument nicht, wie bereits gesagt, von einfach unglaublich weitgeh e n den Uebereinstimmungen zeugen, so muesste man es im Hinblick auf seinen konkreten und knappen Stil fast nuechtern nennen. Kein Wort ist auf Effekt berechnet, kein Satz, der nicht eine in der Wirklichkeit bereits erprobte Idee zu adaequatem Ausdruck bringt. Die kulturellen Beziehungen sollen vertieft werden! Redensart? Keineswegs; die Erklaerung sagt wie: der Austausch, der bereits durchg e f ue'hrt wird, soll verstaerkt werden und noch mehr Intellektuelle, Staatsrnaenner, Journalisten und Studenten sollen zu Besuchszwecken reisen. Die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit soll verstaerkt werden! Ein frommer Wunsch? Absolut nicht: die Ausbildung chiienischei Agronomen in Israel soll als erfolgreiche Erfahrung auf anderen Gebieten, wie z. B. dem der friedlichen Anwendung der Kernenergie, dienen. Und so werden schlicht und klar gemeinsame Ziele abgesteckt, die bereits ges a m melte Erfahrung als Masstab angelegt und der jetzt einzuschlagende Weg prinzipiell vorgezeichnet. Von hochtrab enden Phrasen ebensoweit entfernt wie von n i c htssagenden Banalitaeten, ist das ganze Dokument ein g e t r e ues Spiegelbild dieses Treifens zweier moderner Staatsmaenner, Vertreter zweier kleiner, aber aufstrebender Nationen, die fuer ihr Recht auf Frieden, Freiheit und Fortschritt arbeiten. Damit waere, ganz allgemein, wohl das Wichtigste gesagt. Es bleibt aber noch etwas im Detail, das bei dieser Gelegenheit eines Kommentars bedarf. Und zwar handelt es sich um nicht weniger als drei Punkte im Rahmen der gemeinsamen Erklaerung, die von ganz spezieller Bedeutung sind. Der erste ist augenfaellig: er bezieht sich auf die Geltendmachung der Menschenrechte, fuer die nach Ansicht beider Laender u. a. und vor allem “die vollkommene Ausmerzung der rassischen und religioesen Diskriminierungen ... unentbehrlich ist”. Dass Chile in diesem Kampf gegen Rassen— und Religionshass in vorderster Linie steht, ist keine Neuigkeit und war vor allem bei der letzten Debatte in der Menschenrechts-Kommission der ONU notorisch, wo der hiesige Delegierte zusammen mit dem israelischen wortfuehrend war gegen den sowjetrussischen Antisemitismus und die schliesslich erfolgreiche Resolution einbrachte. Trotzdem ist es offensichtlich, dass die juedische und israelische Haltung in dieser Frage a priori festliegt, MONATSSPIEGEL waehrend die chilenische den zusaetzlichen Wert der spontanen und freien Entscheidung kraft einer prinzipiellen Ueberlegung hat. Ein weiteres Thema von groesster Bedeutsamkeit ist jenes, das sich auf die Verteidigung der territorialen Integritaet aller Staaten bezieht. Die hierin erzielte Harmonie beruht absolut auf parallelen Interessen. Weder Chile noch Israel haben irg e n dwelche Expansionsgelueste. Dagegen ist dies bei den j e w eiligen Nachbarn nicht ganz so klar. Chile sieht klare Rechtstitel auf wichtige Teile seines Territoriums umstritten und Israel die seinigen auf das gesamte Territorium ueber - haupt, und dies sogar unter zynischer Berufung auf den eventuellen Gebrauch nackter Gewalt. Beide Staaten sind daher an der Erhaltung des territorialen status quo interessiert und sehen, darueber hinaus, in der Unantastbarkeit der Grenzen und der Heiligkeit der internationalen Vertraege eine der f u n damentalen Garantien des Weltfriedens. Schliesslich ist es von besonderem Interesse, auf den Absatz hinzuweisen, in dem von der Notwendigkeit der friedlichen Beilegung aller internationalen Gegensaetze die Rede ist, weil darin zum Ausdruck gebracht wird, dass das Prinzip der direkten Verhandlungen universelle Anwendung finden sollte. Warum ist diese Idee, die so einfach und wahr klingt, so wichtig? Weil sie die israelische These verficht, derzufolge der Gegensatz mit den arabischen Staaten nur auf diesem Wege beigelegt werden kann. Letztere dagegen, mit Ausnahme von Tunesien, seitdem auch Bourgiba sich dazu bekennt, lehnen den direkten Kontakt ab und versuchen immer wieder, Israel in der ONU durch eine gelegen t liehe Ueberraschungsmehrheit i r g endeinen absurden Beschluss aufzuoktroyieren, dessen Nichtbefolgung dann als Rechtfertigung fuer Rechtsbruch und Aggression herhalten musste. Die gemeinsame Proklamation des Prinzips der direkten Verhandlungen durch die Praesidenten Frei und Shazar ist ein moralischer und diplomatischer Triumph Israels, vergleichbar nur mit dem vor Jahresfrist erfolgten Umzug der chilenischen Botschaft nach Jerusalem. Keines wegs ist dieser Triumph jedoch so zu interpretieren, dass der Praesident und das Aussenministerium von Chile nicht etwa genau wussten, wer sich darueber freut und wer nicht. Nein. Es handelt sich ganz einfach um Prinzipien, an welche diese Regierung aufrichtig glaubt, die ihr teuer sind und fuer die sie bereu ist, etwas zu tun. Mit guten oder schlechten Beziehungen zu den arabischen Staaten hat das garnichts zu tun. Als ein vorlauter Journalist den Praesidenten Shazar in die Falle einer anti arabischen Erklaerung locken wollte, verweigerte dieser die Antwort unter Hinweis auf seine Eigenschaft als Gast einer Regierung, die korrekte Beziehungen mit den arabischen Laendern unterhaelt. Mit einer solchen Diskretion einerseits, Aufrichtigkeit an ■ dererseits, ist der Sache des F r i edens tatsaechlich gedient. Das mag einer Welt, die von den Erdoelgesellschaften in Intrigen verstrickt, oder von den Kommunisten nach Strich und Faden belogen wird, schwer verstaendlich zu m a c hen sein, aber es ist so. Und auf die Dauer setzen sich doch die einfachen Wahrheiten durch. Und einfache Wahrheiten waren es im Grunde genommen, die bei diesem Staatsbesuch zum Ausdruck kamen. “Es verbinden uns”, sagte Praesident Frei bei der Begruessung auf dem Flughafen, mit schwer zu uebersetzenden Worten, “vocaciones irrenunciables”: eine Berufung, auf die wir nicht verzichten koennen. Sie kam symbolisch immer wieder zum Ausdruck: in einem ge- Dflanzten Baum, in. einem Bibelzitat, in einem Gedicht, im Gespraech mit einer Frau aus dem Volk oder einem Kinde. Sie fand einen sehr klaren Niederschlag in der gemeinsamen Deklaration. In dem Maasse, in dem die darin zum Ausdruck gebrachten Vorsaetze Wirklichkeit werden, wird diese Berufung die gegenseitigen Beziehungen festigen und darueber hinaus auf die internationale Ebene projizieren. In der Erinnerung aller jener aber, die diese unvergesslichen Tage miterleben durften, wird sie das Bild zweier S t a atsmaenner annehmen, deren Voelker durch sie den Wunsch zum Ausdruck bringen, als anstaendige Menschen und in Frieden zu leben. ATSCHEKA

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