Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVIII (1966)
- Issue
- 6 (Junio, 1966)
- Date
- 1966-06-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/8553624-8559645-9194697--4852-8559782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUNIO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 27 DR. ABNER NECHUSCHTAN (TEL-AVIV) Bert Brecht oder ein verpasster “revolutionaerer Moment” i. In welchen Masse sich die beiden Teile des heutiger Deutschland seit 1945 auseinandergelebt haben, spuert unverzoegert auch, der zu kurzem Aufenthalt aus der Ferne gekommene Besucher der frueheren Reichshauptstadt. In ihrem Westen beherrscht der Kurfuerstendamm als das unwahrscheinlich ueppige bundesrepublikanische” “Schaufenster" die Szene, und jenseit dieser Wohlstandsgesellschaft Walter Ulbricht mit weitausgespannten Spruchbaendern, abertausenden roten Fahnen und zahllosen ueberdimensiunalen Photographien des “Spitzbart". Nach und nach daemmert in Westdeutschland nicht nur betraechtlichen Teilen des Nachwuchses — Studenten wie jungen Arbeitern —, sondern auch Politikern in wachsender Zahl die Einsicht, dass das Readme dieses moskauhoerigen Diktators nicht auf so toenernen Fuessen steht, wie man es lange Zeit in Bonn behauptet hat. Und seine Herrschaft scheint der Zusammenbruch des bisher einzigen Versuches der ostberliner, bezw. ostdeutschen Arbeiter, vom 17 Juni 1953, ihn zu stuerzen, noch befestigt zu haben. Hoechst eindrucksvoll beweist in dem geschmackvoll neueingerichteten Schiller— Theater Berlin Charlottenburgs, das unter der Leitung von Boleslaw Barlog inzwischen zu internationalem Ansehen aufgestiegen ist, das Drama “Die Plebejer proben den Aufstand” des bekannten Schriftstellers Guenter Grass, warum diese “deutsche, also gescheit e r t e OonnlnKnr” (woe r 11 i c h ) missglueckte Nicht nur die Proletarier “proben” auf den Strassen Berlins. Es Droben zugleich, auf der Buehne, altroemische Plebejer den ersten Akt des “Coriolan” unter der Regie “des Chefs”, dem Rolf Henniger von den Spitzendarstellern des Ensemble unverkennbar die Zuege Bertolt Brechts gegeben hat. Shakespeare laesst wie Plutarch. seine Quelle, den so adelsstolzen wie tollkuehnen Patrizier Cajus Marcius, den spaeteren Coriolanus, das von hohen Kornpreisen bedrueckte Volk bekanntlich als Gesindel verachten. Die in den Strassen Ostberlins — aber z.B. auch Bitterfelds und Merseburgs — damals zum Streik angetretenen Maurer, Polierer, Mechaniker, lehnen ihrerseit ebenso hasserfuellt den Generalsekretapr des Zentral - Komitees der Sozialistischen Einheitspartei, Walter Ulbricht ab, der ihnen ueberhoehte Arbeitsnormen abverlangt — ein schaerferer Gegensatz der Situationen laesst sich kaum denken. Wie den Schauspielern bekannt wird, die als murrende Plebejer die Rollen des Rufus, Flavius, Varro usw, proben, was sich auf der Strasse absnielt. Sst es mehr und mehr um ihre Bereitschaft geschehen, auf d°r Buehne zu verharren. Auch sie wollen draussen marschieren, demonstrieren, reb°llieren. Zwischen Kunst und Aufstand ist ihre Loyalitaet nun geteilt. Anders er, “der Chef” alias Bertolt Brecht. Nicht nur will er seine Arbeit als Regisseur deshalb ungestoert weiterfuehren, weil er “von der revolutionaeren Bedeutung der grossen kuenstlerischen Potenzen und Ziele seines Lebenswerkes durchdrungen ist”, wie ihm das mit ungefaehr diesen Worten am 27. Mai 1953 in dem ostberlinei halbamtlich en “Neuen Deutschland” ausdruecklich attestiert worden war; nicht nur beharrt er sogar auf den Vorbereitungen zur Auffuehrung des “antiplebejischen” Coriolan, der am Ende ja auch als Hochverraeter, um nicht zu sagen als Klassenfeind erdolcht wird. Er misstraut, und das ist entscheidend, von vornherein der Rebellion gegen Ulbricht, da ei den nach Lenins Lehre erforderlichen, “revolutionaeren Moment” noch nicht fuer gekommen haelt, und vor allem, weil er die tatsaechlich e n Machtverhaeltnisse (einsatzbereite sowjetrussische Panzer) nuechterner, kenntnisreicher als die emotionell aufgewuehlte Masse Mensch in Rechnung stellt Er zoegert, obwohl sich neben den Arbeitervertretern, die ihm eine Solidaritaetserklaerung abverlangen, auch seine Freundin gegen ihr wendet, eine heissbluetige Schauspielerin, die im “Coriolan” fuer die Rolle der Columnia vorgesehen i s t, und mit der Guenter Grass offenbar Brechts Ehefrau Helene Weigel portraetiert hat. Aber gleichviel — ganz im Geist der antiken griechischen Trauerspiele empfindet “d°r Chef” am Ende dieses Abseitsstehen als seine tragische, von den Goettern verhaengte Schuld. Der Vorhang faellt, und der Autor laesst ihn, getreu nach dem beruehmten Brechtschen Gedicht, “Boeser Morgen” die Worte sprechen: “Fortan dahinleben mit Stimmen im Ohr: Du, Du. Tch sag dir. du. Weisst du, was du bist? Du bist, du, du b5st.. TJnw;s«pnd<i. Thr Unwissende! Schuldbew u s s t klag ich euch an”. Als Schuldbekenntnis \st, es so ergreifend, wie die Auffu°hrung zur Gaenze. nvt ihr°r brillanten, von H. Utzerath gefuebrt.en Re^’e und ¿|pr weyt-rc\,orimigRn “Buehne auf der RiiPluie”: kaum einen. Abbruah tun ihr hier und da auftret,°nde Maenee! ri-r Rnraebteehnik. die vieljoreht, Indexen auf die ueberrs.oehond sehl°eht° Akustik d°,s Hauses zurueekzufuehren sind. nd°r moeglicherw°ise auch auf den schwierigen picrpnwiUig nho’p'hepki'.en PUU. rlor Satkkoustruktionen d‘S Verfassers d°r “Unndejahrp” und “Blechtrommel”. Ab^r nicht mm t.heat°rkritisch so!1 man sich zu diesem Schausniel aeussern Man wird ihm erst mit Hinweisen auf das hier mit, atemrauhend-r Klarheit, und Krassheit, enfp'pworfene gmndsa°tzliche Problem prereebt- TVe Stellung des Tn+el’ektueiien In der Massengesellschaft. II. Intellektuelle wie Karl Marx und Ferdinand Lassalle hatten — es ist allgemein bekannt — seinerzeit auf ihr Eingefuegt.sein in das weit,- anarbauliche und wirtschaftlich O Uofiiptro ihrer Herkunft,. ihrer Klasse verzichtet, um der Weltbewegung des modernen Sozialismus das gedankliche Geruest zu zimmern. Doch standen sie und ihre ebenso hochgebildeten Juenger, als es so weit war, auf den Barrikaden, oder m der Regel nicht vielmehr so abseits, wie der Betrachtende — nach Goethes gefluegeltem Wort — dem Handelnden fast immer gegenuebersteht? Die Maenner der Grande Revolution von 1789, Robespierre, Danton und wie diese kaempferischen Ideologen sonst hiessen, bilden deshalb keinen Gegenbeweis, weil ihre Avantgarde taeglich der Traeger des Aufstands gewesen war, an dem zumindest in Paris die eigentliche Bevoeikerung nur am Rande teilrahm: dort jedenfalls wurde, die Revolte der buergerlichen Aufklaerer gegen das Komigtum der Bourbon°n kaum eine echte V o 1 kkbewegung. Lenin und Trotzki, Ideologen auch sie, moegen 1917 in den “Tagen. di° die Welt erschuetterten”, die Ausnahme gewesen sein, die die Regel be^taetigt, obwohl es die neuere Forschung sehr dahingestellt sein laesst, ob nicht auch sie mehr Gefuehrte waren als Fuehrer; und lieber die “alten Bolsehewild” ihrer Gefolgschaft brach Leon Trotzk. in seinen Memoiren mitleidlos kritisch wie folet den Stab: “Die Part°ikonf erenza.m Vorabend der Ankunft Lenins... bewies, dass niemand ueber die Demokratie hinaus'ging... Stalin hielt den Kurs auf... Vereinigung d*r Bniccbewiki mit den (gemaesslgt - sozialistischer.) Menschewiki. Auf einer aennlichen oder noch ooportunistiseheren Basis standen: Dykow, Kameni ew, Molotow . . und alle uebrigen heutigen Fuehrec und Halbfuehrer”. (Mein Leben" — deutsche Ausgabe 1930 S. 310) Jahre spaet°r feierte in d“r UdSSR Stalin, jeder Zoll ein von Theorien unbeschwerter “Manager” bekanntlich blutige Triumphe ueber Sifiowjew, Kameni ew. ueber Trotzki selbst und die uebrigen Intellektuellen seiner Partei. Und die Deutschen. Um ein Haar haette der so kreuzbrave und gescheite wie im Herzen Kaisertreu gebliebenen Ebert, der spaetere erste Reichspraesident, die sogenannte Revolution vor 10)8 im Keime mit seinem Wunsch erstickt, die Monarchie der Hohenzollern beizub°halt°n. Anders, vielleicht blutiger, waere es an;enem 9. November und in dtn Tagen und Wochen zugegangen, die ihm folgten, wahrscheinlich aber aussichtsreicher fuer d i e Weimarer Demokratie in dm Jahren, die folgten, haetten sich die in Bewegung geratenen damals' nicht an das gehalten, was Guenter Grass fuer ihr Verhalten am 17. GEDAECHTNISFEIER FUER PROF. KREBS Die Universidad de Chile gedachte im Rahmen einer akademischen Feierstunde Prof. Siegfried Krebs (Jerusalem), unseren Lesern als Vertreter der Hebraeischen Universitaet fuer Südamerika und als eifriger Mitarbeiter des “B. I.” bekannt. Juni 1953 mit beissendem publik von heute der Schrift- Spott in seinem Buehnenste’ler Grass selber und seistueck so formuliert: nesgleichen, die Intellektuellen. die Professor Erhard vo- “Es darf nicht leiden Bluriges Jahr , m Westdeutschen menpracht, wenn rigoros das Wahlkampf als “Pinscher” Volk erwacht. veraechtlich zu machen suchte. Ja, “splendid isolation”, .. Drum werden die Revolueine wenn auch manchmal tionaere gebeten den staednoch so glaenzende Vereintischen Rasen nicht zu besamung ist das Schicksal des treten”. Intellektuellen nicht nur oestlich des Eisernen Vor- Der “Mann auf der Strasse” hangs, sondern auch in unbeisst das natuerlieh, konnte serer freien Welt, ob er nun gerade bei den Deutschen im westlichen Deutschland nicht anders — er blieb auch fruchtlose Versuche unterin “revolutionaeren Momennimmt, des Bundeskanzlers ten” obrigkeitsglaeubiger Un- “formierte Gesellschaft” (was tertan. Warum? Nicht zu- Ist das eigentlich?) zu entletzt, weil sich ihm seine geistauben, in den Vereinigten stigen Fuehrer versagten, Staaten genau so vergeblich statt Schulter an Schuiter gegen die Vietnam-Politik mit ihm bis zum durchschlades Presidenten Johnson genden Erfolg zu kaempfen, anrennt, oder ob Denker wie obwohl sie es waren, die die- Sartre, Schriftsteller wie Jean se “Momente” rednerisch und Genet, Aestheten wie Henry schriftstellerisch herbeigede Montherlant derart am fuehrt hatten. Frankreich des grossen Au- Der Verfasser des “Die tokraten de Gaulle verzwei- Plebejer proben den Auffein, dass sie — pervers in stand” rechnet den “Chef., ihrer Trotzhaltung — mit den grossen Dichter Bertolt neofaschistischen Ideen iieb- Brecht, augenscheinlich zu aeugeln. Ueberall ist und diesen Versagern. Ob mit bleibt die Masse der Wider- Recht oder Unrecht, bieibe part des Einzelnen. Dass er hier uneroertert. Tatsache sie verraet, wenn sie ihn duerfte es auf jeden Fall inbraucht, macht ihn schuldig, dessen sein, dass sich Brecht Aber “schuldbewusst klag in der “Deutschen Demokra- Ich euch an” — Brecht tischen Republik" - bei aller sprach es als die Summe der aeus seren Anerkennung Tragoedie seines Lebens aus, durch die Regierenden Ost- und mit ihm “der Chef” in deutschlands — in derselben dieser vielleicht bemerkens- “glaenzenden Isolierung” bewertesten Buehnendichtung fand, wie in der Bundesreder letzten Jahre. Conferencia de Identidad Judia Entre el 11 y 12 de junio tuvo lugar en los salones del Círculo Israelita la primera conferencia sobre identidad e identificación judía de Chile, organizada por la Kehila Ashkenazi, el Centro de Profesionales Judíos y el Instituto de Relaciones Humanas del Comité Judío Americano. Esta conferencia, similar a la que ya se ha llevado a efecto en otros países del continente, tuvo por objeto analizar las características de nuestras comunidades y sus implicaciones para el futuro, ofreciendo así pautas para la labor a desarrollarse en el seno del Yishuv por las diversas organizaciones que le integran. La importancia de la reunión se desprende de la temática que contemplaba el estudio de materias de trascendental interés como 1a. relación de los problemas del judaismo chileno con ios de otras comunidades, los efectos de la sociedad chilena sobre el judaismo en el país, tendencias dentro del judaismo chileno (secularidad, resurgimiento religioso, nacionalismo), apatía de los intelectuales, relaciones con Israel y muchos puntos más. Asistieron a este seminario de estudio, aparte de destacados peritos extranjeros entre los cuales destacamos al Profesor Dr. Rogovsky, sociólogo de la Universidad de Buenos Aires, delegados representativos de todas las esferas de la vida judía, la “B’ne Jisroel” se hizo presente con una delegación encabezada por su Vicepresidente y Director de Cultura, Dr. Benno Kiwi, e integrada por el Rabino Egon Loewenstein y el señor Hans Engel, Director del Boletín Informativo y Gerente de la Institución. En nuestra próxima edición informaremos ampliamente sobre los debates y las resoluciones de esta conferencia.