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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1966-06-01 · 6 (Junio, 1966) · p. Seite 25

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVIII (1966)
Issue
6 (Junio, 1966)
Date
1966-06-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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JUNIO 1966 BOLETIN INFORMATIVO 2b Nimmt die Spannung im Nahen Osten wieder zu? “Welches ist das erste Ziel der israelischen Aussenpolitik?", fragten wir im Jahre der Gruendung des Staates einen Prominenten im Rahmen einer Pressekonferenz. “Aus den Schlagzeilen zu verschwinden’', war die lakonische Antwort. Im grossen Ganzen und mit Unterbrechungen—Sinai- Kampagne, Jordan-Ableitung — hatte man sich diesem Ziel genaehert. Latente Krisen und solche, die in den letzten Wochen offen zum Ausbruch kamen, haben es nun wieder ferner gerueckt. Die Gaerung in den arabischen Staaten hat zweifellos um einige Grade zugenommen: in Syrien kam durch einen Staatsstreich der extremistisene Fluegel der Baath-Partei ans Ruder,- im Irak verunglueckte Praesident A r e f toedlich, moeglicherweise als Opfer eines Anschlags, und sein Bruder und Nachfolger, der eigentlich als gemaessigter galt, debütierte mit einer intensivierten Kampagne gegen die Kurden; von jordanischem Gebiet aus mehren sich 'die Bandenueberfaelle auf israelische Grenzsiedlungen; im Jemen schliesslich versteifen sich die Fronten des aegyptisch - saudiarabischen Interventionskrieges. “Es kann der Froemmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem boesen Nachbar nicht gefaellt": es ist daner ein unzureichender Trost, dass Israel eine im Rahmen der Anomalie unserer Epoche norm a 1 e Entwicklung geniesst und sogar eine, trotz Konjunkturrueckgang oder Inflationsgefahr, mehr als normale, absolut positive. Man muss die Gaerung in den Toepfen der Nachbarn aufmer k s a m beobachten, sonst kann man sich leicht verbrennen, wenn sie ueberkochen, zumal dieselben nicht anstehen, einen solchen Unfall a priori als sehr wuenschenswert zu bezeichnen. 1 Wie immer, wenn ein statu quo —und sei er noch, so prekaer—. ins Wanken kommt, melden sich die Grossmaechte zur Stelle: ein weiterer Grund zur erhoehten Wachsamkeit, und wahrlich kein geringer... Eine neue Allianz? i So knuepft das State Department seit mehreren Monaten Faeden zwischen allen Hauptstaedten, die fuer eine “Islamische Allianz'’ in Frage kommen: mit Saudi-Arabien, Jordanien und dem Iran als Kern, der Scheich von Kuweit soll eventuell , mitmachen und schliesslich waere noch Marokko willkommen und vor allem Tunesien, damit wenigstens ein republikanischer Partner die Sozietaet vor dem Odium des Royalismus bewahrt. Ob der Pakt, typische Ausgeburt der gleichen Mentalitaet, die seit Fester Dulles daran glaubt, die Welt mit solchen Fetzen Papier vor der Kommunismus gewahren zu koennen, zustande kommen wird, ist vorerst noch ein Mysterium. Dass kein Mensch daran interessiert ist, es zu ergründen, liegt wohl daran, dass der Pakt einerseits an der augenblicklich vorherrschenden Kraefte - Konstellation nichts aendern wuerde und andererseits eine tatsaechliche Aenderung dieser Konstellation ebenso wenig eindaemmen koennte wie beispielsweise die jaehrliche Ueberschwemmung des Nil. Auf der anderen Seite fischen die Chinesen im trueben Syrien, nachdem es Chou -En-Lai bei seinem mehrtaegigen Besuch nn Vorjahre offensichtlich nicht gelungen war, in dam in:e;essanteren Aegypten Fuss zu fassen. Nasser war auch da nicht von seinem ganz gesunden Prinzip abgewichen, soweit wie moeglich v.on allen zu nehmen und niemandem zu geben. Es heisst, dass chinesische Spezialisten die Banditen von El-Fattah in Guerilla-Taktiken unterrichten und der ideologische und politische Einfluss von Peking in diesem ohnehin aggressivsten aller arabischen Staaten recht betraechtlich ist. Moskau schaltet sich ein Fuer wen also der Besuch von Kosygin jn Kairo und vor allem seine an die Adresse von Damaskus gerichteten anti-israelischen Erklaerungen ueberraschend kamen, ist es gut, diese Tatsachen ins Gedaechtnis zu rufen. Die Sowjet-Union ist nicht gewillt, sich von der chinesischen Konkurrenz ueberbieten zu lassen: daher die fre u n d 1 i c h e n Gruesse an die Syrer mit der Empfehlung, gegen Israel nicht auf die russische Unterstützung zu verzichten. Auf der anderen Seite beobachtet die Sowjet-Union sehr aufmerksam die Bildung der Heiligen Allianz der reaktionaeren Kraefte und wenn man sie auch nicht ernst nimmt, so bietet sie doch einen Anlass, wieder aktiver zugegen zu sein; daher der Besuch bei Nasser. Aber weder in Port Said noch in Alexandrien oder Asswan, sonst traditionelle Kulissen fuer “anti-zionistische" Tiraden, wurde Israel erwaehnt. Das mag nicht nur darauf zurueckzufuehren zu sein, dass dies fuer Nasser nn Moment alles andere als ein vordringliches Thema flT t, sondern dass eventuell sogar weittragende Dinge behandelt wurden. Russische U— Boot—Stuetzpunkte im Mittelmeer? öicherheitsgarantien? Man weiss es nicht. Aber im Gegensatz zur Diplomatie der Foster , Dulles und Rusk, bei der ueber Allianzen, die entweder nicht zustande kommen oder aber, wenn sie zustande kommen, nichts taugen, monatelang gesprochen und geschrieben wird, versteht es der Kreml, Tatsachen zu schaffen. Eine neue Enttaeuschung haben somit im Zuge dieser erneuten Beweise sowjetischer Feindseligkeit alle diejenigen Kreise in Israel erlebt, die schon merkliche Zeichen einer besseren Atmosphaere wittern wollten. Dr. Goldmann, einer der prominenten Verfechter der Idee, dass der Weg zum Frieden mit den Arabern ueber Moskau fuehrt, brachte sein HONATSSPIEGEL “Erstaunen und Verdruss“ in einer Erklaerung zum Ausdruck, die wir nebenstehend zum Abdruck bringen. Sie enthaelt eine stattliche Reihe unmissverstaendlicher Wahrheiten. Fuer Aussenminister Eban liegt das Problem allerdings nicht so sehr auf der Ebene der Wahrheit, ,wie 1er politischen Wirkamkeit. Moskau hat sich nun einmal im Nahen Osten eingeschaltet und Israel hat, abgesehen von Wahrheit, Recht oder Lust, nicht die Macht, es auszuschalten. Die hatte Eisenhower, als es ihm waenrend der Suez-Krise freistand,’Golf zu spielen: stattdessen machte er Politik und seitdem gab es keine internationale Konjunktur mehr -und wer weiss, ob es eine solche noch einmal geben wird—, um den russischen Drang zum oestlichen Mittelmeer abzudrosseln. Eine einer ersten Auslandsreisen fuehrte ihn daher nach Warschau. Die wachsende Unabhaengigkeit der Staaten des europaeischen Ostblocks Moskau gegenueber sowie die Jn diesem Fall unleugbare und tatsaechiiche Besserung ihrer Beziehungen mit Israel kann einmal die Tuer zu den Gespraechen mit der U.d.S.S.R. oeffnen, die heute noch verschlossen ist und durch deren geoeffneten Spalt nur Beleidigungen zu hoeren sind. Dass Premierminister Kallay von Ungarn erst kuerzlich von der Notwendigkeit arabisch-israelischen Friedens sprach, ist bekannt. Die Beziehungen zum Rumaenien von'Ceausescu sind gut. Die zu Jugoslawien sind nicht schlecht und koennen, seit Tito offensichtlich in Alexandrien mit Nasser der “Dritten Position” den Totenschein ausstellte, weiter besser werden., Wenn Eban aber fuer die ersten Fuehler in dieser Rieh* tung polen auswaehlte, so hatte dies bestimmt viele und gute Gruende. Gomulka hat es am besten verstanden, sich von des Kreml Vormundschaft sehr weitgehend freizumachen und gleichzeitig die besten Beziehungen mit ihm zu unterhalten. Ausserdem scheint es doch so, als ob man gerade in Warschau die israelische Meinung nicht so sehr unterschaetzt wie anderswo; in einer offiziellen Erklaerung naemlich sprach sich der israelische Aussenminister zugunsten der Oder- Neisse-Linie aus, eine Unterstuetzung der polnischen Aussenpolitik, die , Rapacki mit Befriedigung quittierte. Wenn man sich noch dazu vor Augen fuehrt, dass diese israelische Haltung —-sie datiert, nebenbei bemerkt, nicht von gestern— in dem auch nicht eben unwichtigen Bonn nur Missvergnuegen hervorrufen 1 kann, so wird klar, dass mit dem Wechsel im Aussenministerium von Jerusalem ausser den neuen Menschen auch neue Ideen und Methoden eingezogen sind. Das Ziel allerdings bleibt unverrueckbar. Es heisst Frieden, selbst wenn die Kurve der Spannungen wieder einmal, wie momentan, nach oben zeigt. ATSCHEKA DIE HAKENKREUZ-SCHANDE Uuni Goldmann protestiert bei Kosygin Dr. Nahum Goldmann schickte aus Jerusalem ein Telegramman dem Ministerpraesidenten der Sowjetunion Alexei Kosygin, in dem es heisst: “Ich habe mit Erstaunen und .Verdruss die Erklaerung gelesen, die vom Vorsitzenden des Ministerrats der Sowjetunion und dem Ministerpraesidenten v o n Syrien ' anlaesslich dessen Besuch in Moskau gemeinsam verfasst wurde. In dieser Erklaerung heisst es, dass die zionistische Bewegung von Imperialisten zur Vermehrlung ¡von Spannungen in Nahen und Mittleren Osten benutzt wird. Ich protestiere energisch gegen diese Verfaelschung der historischen Rolle der zionistischen Bewegung, die der nationalen Befreiung de« juedischen Volkes dient und eine schoepferische und den Frieden erstrebende Kraft ist, die hunderttausenden von Opfern des Nationalsozialismus das Leben gerettet hat. i Es ist dies das erste Mal, faehrt das Telegramm fort “dass ein Regierungsschef der Sowjetunion jn ¡einer amtlichen Erklaerung die zionistische Bewegung in dieser Form verleumdet. Solche Worte vom Chef einer Regierung, die die gerechten Ziele der zionistischen 'Bewegung anerkannt und die Entstehung des Staates Israel unterstuetzt hat, sind ausserordentlich befremdlich und bedauerlich. “Besonders schmerzl i c h empfinden wir, dass der Regierungschef;der Sowjetunion diese Erklaerung gemeinsam mit dem Ministerpraesidenten eines arabischen Landes unterzeichnet hat, das sich durch seine aggressiven Taten gegen Israel und seine Feindschaft gegen das ’ juedische Volk besonders aaiszeichnet“. Die Radio-Station “Radio Minería’’ widmete ihre Sonntagabend-Sendung am 15. Mai den in der letzten Zeit in auffallendem Masse sich mehrenden Hakenkreuzen an Haeuserfronten und im Zusammenhang damit dem Problem des Faschismus. Der Redakteur dieser Sendung, der bekannte Kommentator Mario Gómez López, hatte sich, wie er . im Laufe der Sendung, die eine scharfe antifaschistische Tendenz hatte, mitteilte, an die Botschafter Russlands der USA Deutschlands und Israel mit der Bitte gewandt, zu diesem Problem Stellung nehmen, jedoch nur vom Botschafter Israels eine Antwort erhalten. Der Israel-Botschafter, Dr. Uri Naor aeusserte sich scharf und eindeutig: “Nach jedem Krieg seit hunderten und vielleicht tausenden von Jahren haben die betroffenen Voelker und vor allem die Soldaten, die ihn ueber- Jebten, immer wieder das Geluebde getan: Nie wieder Krieg; — und doch war der weitere Verlauf der Geschichte eine fast ununterbrochene Folge von Kriegen Wie ist das zu erklaeren? Wohl mit dem kurzen Gedaechtnis der Voelker. Auch nach dem Zusammenbruch des Nazismus im Jahre 1945 und besonders als der Welt klar wurde, wie gross das Ausmass des Unheils war, das er verursacht hatte, gelobte die ganze Kulturwelt: Nie wieder Nazismus. Obgleich ich davon ueberzeugt bin, dass der Nazismus fuer die heutige Welt keine akute Gefahr bedeutet, bin ich doch immer wieder von Neuem entsetzt, wenn ich Hakenkreuze sehe, die all dass symbolisieren, was in unserer Generation scheusslich und barbarisch war und in deren Zeichen viele Millionen Menschen, unter ihnen auch mein Vater und einer meiner Brueder, ermordet wurden. Der Nazismus konnte vor drei Jahrzehnten in Europa aufsteigen und zur Macht gelangen, weil es zu viel Gleichgueltige in der Welt gab, die ihn fuer harmlos und ungefaehrlich hielten. Das ist es, was mich heute zutiefst beunruhigt: dass man sich anscheinend damit abfindet, dass diese Schandzeichen an allen moeglichen Stellen uns wieder anstarren, dass in den Kiosken eine Zeitung ausgehaengt und verkauft werden kann, die gross in ihrem Kopf jenes Symbol des Massenmordes traegt. Hat man wieder daran vergessen, dass der Nazismus mit der Hetze gegen die Juden und deren Verfolgung begann, aber dann viele andere Voelker und Religionen und zum Schluss die ganze Welt von ihm bedroht wurde?”

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