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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-12-01 · 12 (Diciembre, 1965) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
12 (Diciembre, 1965)
Date
1965-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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R O LETI N INFORMATIVO AL ISRAELITA * B ' N E JISROEl- RÍDACCION, S.C.I. B'NE ]l$ROEl AV. PORTUGAL 810 CASIIU IW ■ ÍAWTIAGO CHILE AÑO XXVII — N? 12 SANTIAGO DE CHILE DICIEMBRE 1965 EIN ZWEIFRONTENKRIEG IN ISRAEL Von Dr. Abner Nechuschtan (Tel - Aviv) Freudig bewegt bezeichnen es die Parteigaenger des Ministerpraesidenten Levi Eschkol als “Sieg des gesunde n Menschenverstandes”, dass ihn die Neuwahlen zur Knesseth, dem. Parlament des Staates Israel, jetzt fuer die naechsten vier Jahre in diesem Amt bestaetigt haben. Bitter enttaeuscht bestreiten es Eschkols Opponenten, dass die (ungefaehr) 430.000 Israelis, die am 2. November fuer den im Frueh jahr von ihm geschaffenen Block seiner mehrheitssozialistischen Mapai mit der links daran grenzenden ‘‘Partei der Arbeitseinheit” (“Achduth Avoda”) stimmten, damit ihre staatsbuergerliche Reifepruefung abgelegt haetten. Vielmehr haette sich dieses circa — Drittel der Wahlteilnehmer ein Armutszeugnis dadurch ausgestellt, dass es sich vom Versprechen des Regierungschefs koedern liess, unter seiner Fuehrung am besten gegen “Krieg und Hungersnot” gefeit zu sein, gegen Verwicklungen mit den Arabern und gegen Wirtschaftskrisen. Nur mit diesem Appell an den Eigennutz der satten Spiessbuerger die “auf Nummer Sicher gehen” wollen, S'taatswohl hin, ßtaatswohl her — nur so haette Eschkol das Terrain zurueckgewonnen, das die zwei Mitglieds. Parteien seines Sozialistischen Blocks einige Wochen vorher teingebuesst hatten, als sie sich in den Wahlen zur Allgemeinen Landesgewerkschaft der Histadruth, nur noch 50,88 Prozent statt der bisherigen zwei Drittel der Sitze in den Beschlusskoerperschaften dieser grossen Organisation sichern konnten Weitergegangen waere es mit dem Ruck der oeffentlichen Meinung nach rechts, wie er in den Histadruthwahlen am 19. September manifest geworden war und die Gewerkschaftler gruppe der rechtsradikalen “Freihei t spartei” zur zweitstaerksten (sic) gemacht hatte, und dieser Kurs haette sieh noch verschaerft, wenn die Propagandakuenstler der beiden Parteien des Herrn Esehkoi die sechs letzten Wochen . des Wahlkampfes fuer die Knesseth nicht dazu benutzt haetten ,das Publikum mit einem wahren Trommelfeuer von Warnungen vor den- “Halbgoettern in Zion” zuzudecken, vor dem a la Michael Kohlhaas rechthaberischen Ben Gurion, der um jeden Preis zur Macht zurueekwolle, und vor Menachem Begin, dem “Fuehrer” der Freiheitspartei (“Oheruth”), der —einmal an der Macht— auch vor den staatsgefaehrlichsten Abenteuern nicht zurueckschrecken wuerde. Deshalb, setzten die Bengurionisten und die Beginisten, die sich von den Knessethwahlen weit bessere Resultate fuer sich versprochen hatten, etwa fort — deshalb habe es Ben Gurions neue “Liste der Arbeiter Israels statt zur ert r a e u m ten schlagartigen Machtuebernahme nur zur 10 Mandaten, 8,7% der gezaehlten Stimmen, gebracht zum Aschenbroedeldasein also einer jener Splitterparteien, denen er —ausgerechnet erihr parlamentarisches Daseinsrecht jahrelang mit dem ganzen ,Elan seinpr leidenschaftlichen Beredsamk eit bestritften hatte. Beging “Cheruth” konnte, auf den ersten Blick, mit 26 zwar ein Plus von 9 Sitzen in der Knesseth buchen, bei naeherem Zusehen aber nur, weil sich ihr vor einiger Zeit das Gros der frueheren “Liberalen Partei” angeschlossen hatte, die seinerzeit ueber 17 Mandate verfuegt hatte. Da das vor dem Zusammenschluss mit diesen Liberalen auch die Fraktionsstaerke der Freiheitparteiler gewesen war ,haetten es die beiden Partner, um ihren Stand zu halten, nun ersichtlich auf 34 Mandate bringen muessen, statt nur auf 17 plus 9 gleich 26, Dagegen die Eschkoiisten? In der letzten Knesseth standen der Mapai und der Achduth Avoda, als sie noch getrennt marschierten, zusammen 50 Sitze von den insgesamt 120 zu. So hatte auch der Sozialistische Block an sich einen Stimmenrueckgang in Kauf zu nehmen, kein Wunder nach dem Ausfall der Histadruthwahlen — denn am 2. November brachte er es auf nur 45 Plaetze in der Knesseth. Immerhin, dass er wenigstens die erhielt, meinen die vom W a h 1 a usgang enttaeuschten Gegner des Ministerpraesidenten — das haette er nur der unfairen Einschiueichterungstaktik zu verdanken gehabt, mit der er die “Masse Mensch” den Parteien Ben Gurions und Begins abspenstig machte. TURNIER IM DREIECK Tatsaechlich ist hierzulande noch kein Wahlkampf mit solcher Rücksichtslosigkeit wie dieser letzte ausgefochten worden. Aber die Mapai Eschkols und die ihr angekoppelte Achduth Avoda waren brutalen Tiefschlaegen von zwei Richtungen ebenso ausgesetzt, wie sie sie in zwei Richtungen austeilten. Der Ministerpraesident hatte sich an einer der zwei Fronten des “Mannes mit der silbernen Loewenmaehne” zu erwehren, seines grossen Amtsvorgaengers und frueheren Intimus, und musste an der zweiten Front dem hurrapatriotischen Volkstribunen Menachem Begin standhalten, einem nicht weniger fulminanten Gegner. Laesst man den Wettlauf der uebrigen 14 (!) Gruppen, ernsthafter Parteien, kleiner Parteichen, heimattreuer Lands mannschaften u. dgl. zu “Seiner Majestaet dem Waehler” unbeachtet, so bestand das Ganze mithin aus einem Dreikampf zwischen dem Sozialistischen Block ¡Levi Eschkols, der freiheitsparteiliberalen Front und der ebenso erst kuerzlich als regelrechte Partei formierten Schar der Mapai — Austrittler mit Ben Gurion an der Spitze. Von hinreichender Eindeutigkeit war in diesem Tournier a trois eigentlich nur die Ausgangsposition der im guten Sinne vaterlaendisch gesinnten und zugleich typisch “demokratischen Sozialisten” des Eschkol-Lagers, taetiger Foerderer sozialen Fortschritts wie nationaler Sicherung. Dagegen entzog sich schon die parteipolitische “Plattform” der Anhaenger Begins in ihrer widerspruchsvollen Mischung iiberalistischer Buergerre c h t e und romantischer Staatsvergottung ernsthaften Klaerungsversuchen. Und gar das Programm der Bengurionisten war so nebulös, dass die Meinungen darueber geteilt waren, ob es den “jungen Leuten des alten Mannes”, hochbegabten ,aber ebenso ehrgeizigen Temperamenten wie dem “Sicherheits-Spezialisten” Schimon Peres oder dem frueheren Generalstabschef Mosche Dajan, mit ihrer feierlich bekundeten Treue zur organisierten Arbeiterschaft ernst sei, oder ob sie sich bei gegebenem Anlass nicht als israelische Spielart der “Nationalbolschewisten” entpuppen und zur rechtsradikalen “Freiheitspartei” schlagen wuerden, einfach, um mit ihr gemeinsam irgendwann irgendwie zur Macht im Staate zu gelangen. In dieser, “wahlprogrammatisch” so unklaren Situation sicherten sich die Gegner des Eschkol sehen Lagers zunaechst einen beachtlichen propag andistischen Vorsprung dadurch, dass sie nach angloamerikanischem Muster (oder nach homerischem, denkt man an die Heiden der Ilias) ihre Spitzenkandidaten ebenso fuer die Knesseth herausstellten, wie fuer die 125 Stadtraete und (sonstigen (Lokalbehoerden, zu denen am 2. November gleichfalls gewaehlt wurde. Erst als die Wahl-Einpeitscher des sozialistischen Parteienblocks beg r i f f e n, dass langatmige “Grundsatzerklaerungen” auf riesigen Plakaten, in satztechnisch vorsintflutlichen Annoncen oder auf unhandlichen Flugblaettern entweder langweilen oder von vornherein unbeachtet bleiben, gingen auch sie —reichlich spaet— dazu ueber, lebendige Menschen statt grauer Theorieen anzubieten. BEN GURION IN DER SCHUSSLINIE Mit dieser fuer Israel neuartigen Methode des “persoenlichen Zugangs statt des sachlichen Raisonneme n t s, auf der Ebene also des impressionistisch Gef u e h 1 smaessigen, waere David Ben Gurion mit dem magischen Zauber seines Namens vermutlich rivalitaetslos geblieben und haette seiner Knessethliste ,der “Liste der Arbeiter Israels”, zu mehr als den kuemmerlichen zehn Mandaten verholfen, wenn er ganze Schichten der Waehler nicht mit unbedachten Aeusserungen vor den Kopf gestossen haette. Ohne im mindesten dazu herausgefordert worden zu sein, brachte er im flagrantesten seiner redn e r i sehen “Kurzschluesse” eine vor 12 Jahren an der israelisch-jordanischen Grenze durch gef uehrte Vergeltungsaktion gegen das Fellachendorf Kibije wieder aufs Tapet. Die Doerfier waren damals fuer die Ermordung juedischer Siedler einschliesslich einer Frau verantwortlich gemacht worden Von allen juedischen Gegenaktionen aehnlichen Charakters unterschied sich diese sehr zu ihrem Nachteil dadurch, dass auch unbeteiligte Araber und Araberinnen von ihr betroffen wurde. Sie seien von den erregten Gefaehrten der ermordeten Kibbuzmitglieder und nicht etwa von israelischem Miiitaer erschossen worden; so hatte er selber, Ben Gurion, als Sicher heitsminister im Herbst 53 amtlich erklaert. Jetzt ploetzlich behauptete er .damals wider besseres Wissen bestritten zu haben, dass die Taeter, die Raecher in Kibije in Wahrheit Soldaten gewesen seien. Er entfremdete sich, wie man sich denken kann, mit dieser Erklärung grosse Teile des Offizierskorps, die es ihm auch dann veruebeln, das Ehrenkleid ihres Berufs coram pu~ blico befleckt zu haben, wenn sie dem Ben Gurion von 1965 mehr Glauben als dem von 1953 schenken. Vorausgesetzt, es sei Militaer gewesen; ja, warum hatte er dann, so wurde er zufolge seiner Enthuellung gefragt, einen Vergeltungsakt dieser Schaerfe seinerzeit als Sicherheitsminister dem die Armee unterstand zugeslassen? Er sei gerade in Urlaub gewesen, erwiderte er; sein damaliger Stellvertreter, der aus einer geheimnisvoll seit Jahren schwelenden Affaire maenniglich beruehmt-beruechtigte Pinchas Lavon, habe als Vize-Sicherheitsminister seinen anderen (angeblichen) Verbrechen noch dieses hinzugefuegt, indem er sich einen so moerderischen Auftrag an die Armeefuehrung anmasste. Damit nicht genug, liess Ben Gurion noch einen Seitenhieb auf den — inzwischen verstorbenen — Mosche Sehareth folgen, der in der Zeit der Staatsgruendung als Aussenminister Hervorragendes geleistet, und mit dem sich "der Alte“ danach wie mit so vielen anderen verfeindet hatte. Naemlich: gewusst habe vom Kibije — Plan vermutlich auch Schareth; er, Ben Gurion — nicht. Worauf Jakob Sehareth der Sohn des Toten, aus dem der Oeffentlichkeit bisher unbekannten Tagebuch seines Vaters unter Beifuegung photostatischer Faksimiles Abschnitte veroeffentlichte, aus denen einwandfrei hervorgeht, dass Ben Gurion den Plan sehr wohl kannte. Im zustaendigen Kabinett ausschuss hatte er ihn gegen den Widerstand Schareths, des Vaters ,sogar durchgesetzt. Tableau! DER KREIS DER “FREUNDE LEVI ESCHKOLS” Als Menschen, und als Buerger des Staates, den vor allem David Ben Gurion geschaffen hatte, betrauern auch seine heutigen Kritiker das Nachlassen von Selbstkontrolle und gedanklicher Konsistenz, das zur Sensation dieser Fehlleistung und zu anderen, fast ebenso gravierenden Versagern des alten Mannes gefuehrt hat. Seine “Liste der Arbeiter Israels” brachte er damit aber (Fortsetzung Seite 4)

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