Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1965)
- Date
- 1965-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7 7 r f OLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA ' B ' N E JtSROEL- REDACCION: S.C.I. B'NE JISROEl AV. PORTUGAL 810 CASILU 2487 ■ SANTIAGO CHILE AÑO XXVII — NO 11 SANTIAGO DE CHILE NOVIEMBRE 1965 DER AUGENBLICK Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zornes ein wenig vor dir verborgen. Jes. 54,8 Einen Augenblick waehrte Dein Zorn. Eines goettlichen Augenblicks Dauer Hast Du Dich vor uns verborgen, Blicktest Du von uns fort. Aber ganze Geschlechter sind In diesem Abgrund versunken In dieses Hier ohne Dort In dieses Heut ohne Morgen, In Dieses Schrein ohne Wort, In diese Wildnis von Trauer Stuerzten wilder und wilder Millionen spruehender Funken Deines lebendigen Lichts, Millionen geliebter Bildei Deines Angesichts In Qualen ohn Ende zertreten. Wie sollen, wie koennen wir, Herr, Entsetzlicher, Ewiger, Wir, die atmen, noch sind Ganz dem Entsetzen zum Raub, Vom Donner des Schicksals taub, von stuerzenden Traenen blind Ueber diesen Abgrund von Not, Von Leid Schuld und Tod Zu Dir beten? Wir koennen nicht beten, nur schrein, Du selber, Herr, haeltst uns fest Und laehmst uns die Zunge im Munde. Wir kennen von Dir nur die Stunde Mit der Du uns suchst und versuchst. Sind wir darum weniger Dein? Ganz brachst Du in uns ein. Ganz willst Du in dieser Wunde uns brennende Gegenwart sein. Drum, wenn Du in dieser Stunde Selbst uns das Beten erlaesst und gibst unserem Schweigen recht Und haeltst unsere Haende fest Und vernimmst unser einsames Schrein. Eins wirst Du diesem Geschlecht, Das Deine Haende zerpressen, In Ewigkeit nicht verzeihn: Das Vergessen. Margarete Susman. DER AUFM Wenngleich das nationalsozialistische R egime in Deutschland, von Anbeginn an, nie ein Hehl aus seiner ext r e m antijuedischen Einstellung gern acht hatte, obwohl der Judenboykott und die Nuernberger Ges etzeum nur einige der markantesten Ereig n i s s e der Jahre 1933-1938 herauszugreifen — gezeigt hatten dass der ‘SS-Staat” vor nichts zurueckschreckte, wiegten sich bis zum 9. November 1938 viele Juden in Deutschland und in der ganzen Welt in einem falschen Gefuehl der Sicherheit, waren sie fest davon ueberzeugt, dass es zum Schlimmsten, zum Aeussersten nicht ¡k°mmen wuerde. .. Der 9. November 1938 war daher - wenngleich nur ein Auftakt fuer das F u e r c h terliche, was sich in den kommenden Jahren abspielen sollte — ein Markstein, eine Wende, von der an auch dem Vertrauensseligsten klar wurde, dass ihm nur noch die Flucht vor der sicheren Vernichtung blieb. Der 9. November 1938, Die Nacht in der die Synagogen brannten, die Tage, in denen der entfesselte Mob pluendernd und mordend durch die Strassen zog. war aber noch mehr als dies. Er war der Pruefstein der Haltung der Nichtjuden dem juedischen Mitbuerger, dem Nebenmenschen gegenueber. Hatte bis dahin ein Nichtjude vielleicht noch von “bedauerlichen Exzessen” sprechen koennen, von “Uebergriffen”, die sich im Laufe der Zeit mildern und geben wuerden, so war er nun mit der grauenhaften Realitaet konfrontiert, mit der Wirklichkeit, der er nicht ausweichen konnte, zu der er Stellung nehmen musste und der gegenueber Passivitaet Mittaeterschaft bedeutete. Dass damals nichts geschah, dass das deutsche Volk und alle Voclker der Welt schwiegen, ist ein nich wieder gutzumachender Schandfleck auf der Menschheitsgeschichte. Verhaftung bei Nacht Franz Theodor Csokor Hoerst du sie nicht auf der Treppe gehen? Kommen werden sie, dich zu ergreifen und sie werden dabei nichts versaeumen. Selbst in deinen allerfernsten Traeumen sollst du die behaarten Tatzen sehen, die dich ueber deine Schwelle schleifen. Hoerst du, wie sie ruetteln an dem Riegel? Hast du Glueck, so schiesst man dich gleich nieder Doch wenn sie dich auch mit Peitschen fragen, darfst du ihnen keine Silbe sagen. Schau dich nur noch einmal in den Spiegel, denn nachher erkennst du dich nicht wieder. Klage nicht, warum es dich getroffen. Auch um dich hat man geweint, gelitten. Auch du warst wie jene, die jetzt kommen. Aber nun wird das von dir genommen. Noch ein Stoss, dann steht die Tuere offen. Tritt in dein Gericht mit harten Schritten. DIE NACHT IM NOVEMBER “...Dann kam die Nacht im November, fuer die heimlich auch heute noch jeder nach einer Ausrede sucht. Hass und Dummheit bruellten planmaessig alle Bedenken nieder. Eine endlose, eine widerwaertige Nacht. Als der Morgen anbrach, blickten Millionen Menschen verstohlen an den Rauchsaeulen vorbei, um das Ziel, das Grosse und Ganze, nicht aus den Augen zu verlieren. Als der Morgen anbrach, schwiegen Tausende stumpf in Angst und privatem Schmerz und erwarteten oeffentlichen Protest, vergeblich; und aus Erwartung wurde unmerklich Erstarrung. Als der Morgen anbrach, schwiegen die Presse und die Schriftgelehrten. Die Verwirrung wuchs. Und sooft in der Folgezeit hier und da hinter der Hand heimlich die Nachricht weitergegeben wurde, da und dort habe schon wieder ein Jude den Gashahn missbraucht, nahm mancher versuchsweise Abstand von soviel Verrat und Elend. Doch seigt es sich heute, dass dieses Abstandnehmen ein Trug ist, dass diese Distanz im Stillen nicht moeglich, richtiger: nicht zulaessig ist, denn niemand bleibt ganz privat friedlich und ehrbar von Herz und Gemuet, niemand, der schweigt, wenn sein Nachbar Spass hat zu singen: . .. Blut —. Blut — Blu — hu — hu — hut — Blut soll fHessen knueppelhageldick — wir pfeifen auf die Freiheit... Und wenn es nicht nur der Nachbar ist? Wenn man es der Welt in Millionenauflage schwarz auf weiss zu Papier gibt, etwa dies hier: Ich bin der festen Ueberzeugung, dass sich die deutsche Regierung damit in vollkommener und restloser Uebereinstimmung mit dem deutschen Volk befindet. Die Judenfrage wird in kuerzester Frist einer dem deutschen Volksempfinden befriedigenden Loesung zugefuehrt. Das Volk will es so, und wir vollstrecken seine Willen. Was ist, wenn das Betrug war .hierauf die Antwort gewesen? Diskrete Humanitaet ist in diesem Fall uninteressant. Privatbaden ist Luxus, sobald die Beschmutzung oeffentlich ist. (Christian Geissler, “Anfrage”)