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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-09-01 · 9 (Septiembre, 1965) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
9 (Septiembre, 1965)
Date
1965-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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SEPTIEMBRE 1965 BOLETIN INFORMATIVO 7 RUECKBLENDE Wie jeder Mensch am Ende eines Jahres Biianz zieht, und die vergangene Zeh noch einmal an sich vorueberziehen laesst, will auch das “Boletín Informativo” am Jahresende versuchen, noch einmal an die Ereignisse zu erinnern, die uns im Laufe der vergangenen zwoelf Monate bewegt haben. Begeben wir uns also auf eine Reise in die juengste Vergangenheit, blicken wir zurueck und ueberschauen noch einmal all das, was im Jahre 5725 in unseren Blatt zu lesen war. DAS DIFFERENDUM DEUTSCHLAND — ISRAEL Die wichtigsten Ereignisse, die uns auf internationalem Gebiete, beschaeftigten, waren — neben der innenpolitischen Situation Israels und der staendigen Bedrohung dfc s juedischen |3taates durch seine Anliegerstaaten, die Situation in der Bundesrepublik, die 5725 eine wahre Kette von Ueberraschungen mit sich brachte. Schon im September 1964 erschien ein Artikel in unserem Monatsspiegel mit dem Titel “Aus Bonn weht wieder ein kuehler Wind”, in dem ausgefuehrt wurde: “...Im Maerz 1960 richtete das B. I. in einem Interview “6 Fragen an den neuen Mann aus Bonn”, an den damals in Santiago eingetroffenen Botschafter Dr. Hans Strack... Heute, viereinhalb Jahre spaeter ist in Santiago wieder “ein neuer Mann aus Bonn” eingetroffen. Es ist sehr wenig, was wir von Herrn Botschafter Gottfried von Nostiz wissen, aber zu dem wenigen gehoert, dass er 1938 aus dem diplomatischen Dienst seines Vaterlandes schied, und erst nach dem Krieg wieder eintrat. Man kann sich schwer einen besseren Leumund vorstellen. Aber die Zu versieht,, dfet daniali; fuer eine schrittweise Annaehrung... berechtigt schien hat in den letzten Jahren und Monaten /begruendeteF Skepsis, neuem Misstrauen und tiefem Unbehagen Platz gemacht”. Viel zu diesem Misstrauen trug die Haltung der BRD in der Frage der Verjaehrung der Nazi-Verbrechen bei, die, in einem Artikel “Wiederum Deutschland und Israel” im November behan delt wurde, und in dem u. a. zu lesen stand: “...Das juedische Volk hat betroffen zur Kenntnis genommen, dass, bei einer Meinungsumfrage 39% der befragten und informierten Deutschen den Auschwitz-Prozess in Frankfurt (Ueber den wir eingehend im Laufe des Jahres berichteten, die Red), ablehnten, und dass die Bundesregierung .bisher jkeine Neigung zeigt, die Verjaehrungsfrist fuer Naziverbrechen ueber den 8. Mai 1965 hinaus zu verlaengern; dass eine rechtsstehende deuii s:che Zeitung ein Interview mit Nasser mit der gewalttaetigen Schlagzeile “Krieg mit Israel unvermeidbar” aufmachte, und dass die Bundesregierung die Annahme diplomatischer i Beziehungen zwischen Israel und Bonn nach wie vor dilatorisch behandelt”. Im Maerz platzte die Bombe. Das Bekanntwerden des deutsch israelischen WaffenlileferuTLpjsveutria g ie ó nahm die Regierung der RAU zum Vorwand. Walter Ulbricht zu einem Staatsbesuch nach Kairo einzuladen. Die deutsche Presse tobte und Bonn... stellte die Waffenlieferungen nach Israel ein. Im “Monatsspiegel” von Maerz wird die Auffassung des “B. I.” formuliert: “...Es ist (m Bonn, eine neue, klare, souveraene und verantwortliche Politik zu formulieren. Bis es soweit ist, wird sich Israel an erprobtere Freunde halten. Wenn es soweit ist, darf auch Bonn /damit rechnen, auf das “Verstaendnis” zu stossen, das es in den letzten Wochen vergeblich forderte und mit seinem Zickzackkurs der Halbheiten, des Nachgebens und des Vertrauensbruchs kein Recht hatte, zu erwarten. Bis dahin liegt die Initiative bei Bonn. Wie und wann man sie ergreifen wird: das ist die Frage”. Das Ergreifen der Initiative liess nicht lange auf sich warten. Am 8. Maerzuebermittelte die BRD Israel formell den Vorschlag, diplomatische ^Beziehungen aui’r zunehmen. Am 16. Maerz sanktionierte die Knesset den Beschluss der Regierung diesem Ersuchen stattzuge - ben. Unser Sonderkorrespondent in Israel schreibt im April: “Genugtuung, dass es endlich soweit war, hatte seinen Ausdruck in Israel Tag fuer Tag in den Zeitungen der Koalition, des massvoll gesinnten Gros der Arbeiterschaft und der verstaendigungsbereiten j Mehrheit des Buergertums gefunden. Zugleich aber sprechen saemtliche Leitartikler ...von ihrem Bedauern darueber, dass der deutsche Kanzler den Staat Israel statt in einem echten Spontanakt vielmehr aus verwickelten taktisch-politischen Erwaegungen zum Nutzniesser dieser Entscheidung gemacht hatte. Regelmaessig fuegten sie hinzu, dass die ¡Etablierung dlpIbmaPpcher Beziehungen „.juedischerseits noch nicht als Bereitschaft zu verstehen sei, einen Schlusstrich des Vergebens und Vergessens unter die Tragoedie der Millionen von Opfern des Nationalsozialismus zu ziehen...”. Ein weiteres Ereignis war der Beschluss des Bundesta ges, die Frist fuer Verjaehrung der Nazi-Verbrechen um 5 Jahre zu verlaengern. 1m. April wurde ein grosser Artikel Verbrechen und Vermehrung” diesem Beschluss gewidmet und auch die Debatte im Bundestag wurde ausfuehrlich und wie folgt kommentiert: “Es besteht kein Zweifel darueber, dass die Verlaengerung der Ver- .iaehrungsfrist um Viereinhalb Jahre nur eine Kompromissloesung, aber keineswegs eine defintive Aeusserung zu dieser Frage darsteVt... Nichtfcdedtoweniiger und trotz aller schweren Bedenken sregenueber dem Beschluss des Bundestages, soweit er uns bisher bekannt ist, muss anerkannt werden, dass mit dieser Resolution die Bundesrepublik Deutschland bewiesen hat, dass die nachhaltigen Appelle iuedischer — und nicht jueflischer Organisationen und Persoenlichkeiten aus aller Welt nicht ungehoert verhallten, sondern dass das deutsche Volk beweisen will, dass die Abkehr von den Untaten des Nazi-Regimes mehr ist als nur ein Lippenbekenntnis”. Im Juni berichteten wir ueber die Annahme der Schlussnovelle zum Wiedergutmachungsgesetz durch den Bundestag die von Dr. Nahm Goldmann als “zufriedenstellend” bezeichnet wurde. Und jetzt, im September Koennen wir neben den Antrittsreden bie der Ueberreichung der Beglaubigungsschreibens von Botschtfter Pauls an Präsident Shazar unter dem Titel “Tausend und zwanzig Jahre” Informationen ueber die dipomatischen Vertreter I sraels in Bonn und den Botschafter der Bundesrepublik in Israel bringen, sowie einen Auszug der Rede von Dr. Nahum Goldmann auf der Strassburger Tagung der Exekutive des juedischen Weltkogress, in der aern darauf hinwies, dass nun, nach Beendigung der materiellen Wiedergutmachung die moralische beginnen muesse. KONZILIUM VATICANUM Von mindestens der gleichen Wichtigeit, wenn auch auf ganz anderem Gebiet war die Erklaerung des vatikanischen Konzils ueber die Juden, die im “Monatsspiegel” vom Dezember 1964 kommentiert wurde: “...Es ist die Existenz des Staates Israels einer der zwei Faktoren gewesen, die der Wahrheit zu einem Triumph verhalfen, den sie durch ihr impondeüables . Eigengewicht in zweitausend Jahren allein nicht hatte erringen koennen. Der andere Faktor ist die Scham ueber das Grauen, zu dem der Antisemitismus in unserer Zeit gefuehrt hat. Vielleicht hat die durch Hochhuth angeregte Debatte dieses Gefuehl .aktualisiert, vielleicht ist es kein Zufall, dass es deutsche Kardinaele wie Bea und Frings waren, die sich ganz besonders fuer dieses Tat religioeser “Wiederguntmachung” ins Zeug legten, was ihnen natuerlich nicht gelungen waere, wenn sie dabei nicht mit der Unterstuetzung der gesamten fortschrittlichen Mehrheit, zu denen an hervorragender Stelle der chilenische Kardinal Silva, IHenriquez zaehlt, gerechnet haetten”. Die Resolution des Konzils, die das juedische Volk von der Anklage des Gottesmordes freisoricht, ist : zwar noch nicht offiziell durch die Kirche sanktioniert, und es scheint, als ob es noch harte Kaemofe darum geben wuerde. Die Tatsache iedoch. dass 1893 gegen nur 93 der versammelten Kirchenvaeter dafuer stimmten, die ungeheuerliche und unwahre Beschuldigung gegen uns zurueckzuziehen. ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. niE KRKäTS DER MAPAI Trwwi«',hen hatte sich in Israel die politische La- .<r» stark zuges nitzt. Schon, im Januar konnten wir rus Jerusalem berichten da°s die Parteikri.se der Manai s’ch in einn Regierungskr1’00 ver^an^eit, v> a t, t. e. nachdem “...Levi Eschkol inmitten heftiger Auseinandersetzungen m’t seine Amtsww’peno-er. dem grossen David B"*1 Gurion. demissionierte... T.evj Eschkol hat nieht zuletzt /d-n 1U demissioniert, .um in die Geseh:ehte des iuedischen Staates und seiner Arbeiterschaft nicht als mitverantwortlich LEVI ESCHKOL Der alte... oder der neue Mann fuer eine Spaltung der grossen Partei einzugehen... Er darf sich darueber im klaren sein, dass er der einzige wirklich in Frage kommende Kandidat fuer die Neubildung der Regierung ist”. Nach Neubildung des Kabinetts mit — wie vorausgesagt ■— Levi Eschkol als Ministerpraesidenten, war einige Zeit Ruhe, bis wir im Maerz unter dem Titel “Zwei Abrechnungen in einer Woche” ueber den Kongress der Mapai lesen konnten: “Mit einem unter den buschigen Augenbrauen zuerne n d e n Blick auf Levi Eschkol (erklaertje B’en Guilon): Wer nicht fuer mich ist ist ist wider mich — ungefaehr so — und traete besser zurueck. In der darauf folgenden Abstimmung ueber die Antraege der Gruppe um Ben Gurion (Ablehnung des Wahlpaktes mit der Achduth HA’ Avodah — Bezirkswahlsystem — Wiederaufnahme der Affaire Lavon) erhielt Premier-Minister Eschol ca. 60% der Stimmen, sein grosser Amtsvorgaenger also ungefaehr 40%. “Hier kennen wir keine Sieger und Besigte” (erklaerte Eschkol) stand auf und bot dem grossen alten Mann des Staates Israel die Hand. Der hatte zwar gerade erklaert: “Wie wissen als bekennerische Demokraten, was wir unserer Partei schulden ,nachdem wir nun einmal in der Minoritaet geblieben sind, aber hinzugefuegt: “Doch insofern es sich um Dinge des Gewissens handelt, werde ich weiterkaempfen”. Den Haendedruck seines Nachfolgers erwiderte er indessen mit nicht minder betonter Herzlichkeit“. So schien der drohende Konflikt noch einmal ueberbrueckt, bis dann der Monat Juli die Spaltung der Mapai brachte, ueber die eingehend in der August- Ausgabe berichtet worden ist. EIN SILBERSTREIFEN Einer der wichtigsten, Israel betreffenden Vorgaenge ist ohne Zweifel die neue Entwicklung, die im arabischen Lager begonnen hat und die im “Monatspiegel” von Mai unter dem Titel “Ein Silberstreifen am arabischen Horizont” gewuerdigt wurde. Dort wurde die Friedensoffensive C h a b i b Bourgibas behandelt und festgestel’t. dass “ .zum ersten Mal in der offiziellen arabischen Welt von sehr autorisierter Seit aus ganz neue, andere Gedanken ge^eussert weiden. Ein neues Denken beginnt, dass sich von Tatsachen, statt von Wuenschen... leiten laesst, das Ziele absteckt, ueber die anstaendige Menschen sich anstaendig unterhalten koennen. . . das an Stelle destruktiver Konzepte konstruktive setzt”. Auch aus Tel-Aviv berichtet unser Korrespondent ueber die “Friedensoffensive Chabib Bourgibas” und betrachtet sie, nach eingehender Wuerdigung der israelischen Reaktion als “den ersten, von arabischer Seite gekommenen Versuch, endlich die Vernunft statt blinden Hasses sprechen zu lassen”. Schon im Juni beginnen sich Konsequenzen dieser Friedensoffensive abzuzeichnen, ebenso wie die nun erreichte Normalisierung der Beziehungen Bonn-Jerusalem, und werden im Monatsspiegel unter “Der Bankrott der Arabischen Liga” gewuerdigt, in dem ueber die Konferenz der arabischen Staaten in Kairo berichtet wird. “... Nachdem (Nassers) Prestige im Februar dieses Jahres, dem Monat der Schroederschen Kapitulation auf dem Hoehepunkt war, ist es seitdem sehr erschuettert. Bourgibas Friedensoffensive (ist) von solch latenter Wirksamkeit, die Weltsituation (ist) so veraendert, dass man von einem tatsaechlichen Wendepunkt sprechen kann”. Und im Juli kann das B. I. ueber den Sturz Ben Bella’? berichten, ein weiterer schwerer Schlag fuer Nasser. Auch hier wird wieder vor uebertriebenem Optimismus gewarnt: “Natuerlich... kann es sogar Rueckschlaege geben — von denen eine Rueckkehr Ben Bellas hei weitem der ernsteste waere. Aber eine im uebelsten Morast stagnierte Situation ist endlich in Bewegung geraten. Und das ist viel”. (Fortsetzung Seite 8)

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