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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1965-07-01 · 7 (Julio, 1965) · p. Seite 4

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVII (1965)
Issue
7 (Julio, 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1965 EIN EINGEBUNGSLIED AFS AFS Luthers und Bubers Uebertragung des 74. Psalms Anlaesslich des Hinscheidens von Martin Buber veroeffentlichte die Zeitung “Die Welt” eine Gedaechtnisseite, der wir die nachfolgende Gegenueberstellung Lutherscher und Buberscher Bibeluebersetzung an Hand des 74. Psalms entnehmen. 1. Gott, warum verstössest du uns so gar und bist so grimmig zornig über die Schafe deiner weide? 2. Gedenke an deine Gemeinde, die du vor Alters erworben und dir zum Erbteil erlöst hast, an den Berg Zion, darauf du wohnest. 3. Hebe auf deine Schritte zu dem, was so lange liegt. Der Feind hat alles verderbt im Heiligtum. 4. Deine Widersacher brüllen in deinen Häusern und setzen ihre Götzen darein. 5. Man sieht die Aexte obenher blinken, wie man in einen Wald haut; 6. sie zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barte. 7. Sie verbrennen dein Heiligtum; sie entweihen und werfen zu Boden die Wohnung deines Namens. 8. Sie sprechen in ihrem Herzen: “Lasst uns sie plündern!” Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande. 9. Unsere Zeichen sehen wir nicht, und kein Prophet predigt mehr, und keiner ist bei uns, der weiss, wie lange. 10. Ach, Gott, wie lange soll der Widersacher schmähen und der Feind deinen Namen so gar verlästern? 11. Warum wendest du deine Hand ab? Ziehe von deinem Schoss deine Rechte und mache ein Ende. 12. Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht. 13. Du zertrennst das Meer durch deine Kraft und zerbricht die Köpfe der Drachen im Wasser. 14. Du zerschlägst die Köpfe der Walfische und gibst sie zur Speise dem Volk in der Einöde. 15. Du lassest quellen Brunnen und Bäche; du lässest versiegen starke Ströme. 16. Tag und Nacht ist dein; du machst, dass Sonne und Gestirn ihren gewissen Lauf haben. 17. Du setzest einem jeglichen Lande seine Grenze; Sommer und Winter machst du 18. So gedenke doch des, dass der Feind der Herrn schmäht und ein töricht Volk lästert deinen Namen. 19. Du wollest nicht dem Tier geben die Seele deiner Turteltaube, und der Herde deiner Elenden nicht so gar vergessen. 20. Gedenke an den Bund; denn das Land ist allenthalben jämmerlich verheert, und die Häuser sind zerrissen. 21. Lass den Geringen nicht mit Schanden davongehen; lass die Armen und Elenden rühmen deinen Namen. 22. Mache dich auf, Gott, und führe aus deine Sache; gedenke an die Schmach, die dir täglich von den Toren widerfaehrt. 23. Vergiss nicht des Geschreis deiner Feinde; das Toben deiner Widersacher wird je länger, je groesser. (Martin Luther) Warum, Gott, verabscheust du in die Dauer, raucht dein Zorn wider die Schafe deiner Weide? Gedenke deiner Gemeinde, die du ureinst erwarbst, auslöstest als Stab deines Eigens! dieses Zionsbergs, darauf du einwohntest! Hebe deine Tritte zu den Verheerungen die dauern; alles misshandelt hat der Feind im Geheiligten! Deine Bedränger brüllten auf drin an deiner Gegenwartsstatt, setzten ihre Zeichen als Zeichen. Zu kennen wars wie wo einer ausholt nach oben im Baumgeflecht mit Aexten. Und nun, ihr Schnitzwerk mitsammen, sie habens mit Barte und Beilen zerhackt. In Feuer steckten sie dein Heiligtum, zum Erdland Preisgaben sie die Wohnung deines Namens. Sie sprachen in ihrem Herzen: “Ihre Brut mitsammen!” Sie verbrannten alle Gegenwartsstätten der Gottheit im Land. Zeichen uns sehen wir nicht, es gibt keinen Künder mehr, nicht ist einer mit uns der kennte, bis wann. Bis wann, Gott, darf der Dränger höhnen, der Feind schmähn deinen Namen in die Dauer? Warum ziehst du zurück deine Hand, deine Rechte? Hervor aus deinem Busen sie! beends! Ist doch Gott mein König von ureinst her, der Befreiungen wirkt;m Innern des Erdlands! Du, du zerbrocktest mit deiner Macht das Meer, du zerbrachts Drachenhäupter überm Wasser, du, du zerstücktest die Häupter des Lindwurms, du gabst ihn als Frass dem Wüstenspuk-Volk du, du erspaltetest Quell und Bachtal, du, du vertrocknetest urständige Ströme. Dein ist der Tag, dein auch die Nacht, du, du errichtetest Geleucht und Sonne, du, du stelltest alle Marken des Erdlands auf,— •Sommer und Winter, du, du bildetest sie. Gedenke dies: der Feind höhnt DICH! schändlich Volk schmähn deinen Namen! Nimmer gib dem Wildlebenden die Seele deiner Turtel! das Leben deiner Gebeugten, nimmer vergiss es in die Dauer! Blick auf den Bund! denn gefüllt haben sich die finstern Plätze des Erdlands mit Triften der Unbill. Nimmer möge sich abkehren müssen der Geduckte beschimpft! der Gebeugte, der Dürftige sollen deinen Namen preisen! Steh auf, Gott! streite deinen Streit! gedenke deiner Verhöhnung durch den Schändlichen all den Tag! Vergiss nimmer die Stimme deiner Bedränger, das Toben der gegen dich Aufständischen, das stetig hinansteigt! (Martin Buber) Martin Buber (Fortsetzung von Seite 1) ismus im Lande der Vaeter. Dem inneren Gesetz eines so reichbegnadeten Lebens entsprach es jedoch, dass dieser romantische Ruf des Zurueck zu den Quellen der Natur nahezu zwangslaeufig in die naechste Phase einmuendete, ins Zurueck zu den Quellen der Bibel. Wie unmittelbar vermochte den Buber der mittleren Jahre, der nach dem Massenmorden jenes “Stahlbads” genug von Europas uebertuenchter Hoeflichkeit hatte, das in der Bibel geschilderte, so “natuerliche”’ Leben der Erzvaeter als unübersehbarer Ansatzpunkt des Vergleichs zu ueberzeugen! So brachte das kommende Jahrzehnt seine Gemeinschaftsarbeit mit dem Frankfurter Privatgelehrten Dr. Franz Rosenzweig an der “Verdeutschung der Heiligen Schrift”, einem monumentalen Anliegen, dem er sich auch nach dem fruehen Tode seines Freundes und nach seiner Flucht aus dem “Dritten Reich” (1938) nach Jerusalem noch lange Jahre hingab, bis “Die fuenf Buecher der Weisung”, die “Buecher der Geschichte”, die “Buecher der Kuendung” und “Die Schriftwerke” in zusammen 14 Baenden vor einem Jahrfuenft komplett Vorlagen. Ein Werk wie dieses war seit der Uebersetzung Martin Luthers, neben der es gleichwertig seinen Platz behauptet, mit derartiger Sprachgewalt und subtiler Einfuehlungsgabe in das “geliebte Original” vorher im deutschen Sprachraum nie mehr gewagt worden. Aber selbst damit war noch keineswegs erschoepft, was Buber der Mitwelt und Nachwelt darzubieten hatte. Seine beruehmte “dialogische” Philosophie folgte dem Lebensabschnitt der Bibel- Verdeutschung als weitere, noch hoehere Etappe seines denkerisch-dichterisch e n Aufstiegs. Es ist, wie er oft betont hat, ein “schmaler Grat”, statt eines Systems, “das eine Reihe sicherer Aussagen ueber das Absolute umfasst...” sicherer Aussagen, wirklich? Den anspruchsvoll weitraeumigen Denkgebaeuden eines Hegel, eines Schopenhauer stand Buber letztlich Wohl nicht weniger skeptisch als der Franzose Sartre, der Deutsche Heidegger igegenueber. Was sein dialogisches Prinzip von ihren Lehren unterscheidet, und von der Soeren Kierkegaards, ihrem fundamentalen Anreger, ist der Umstand, dass er, Martin Buber, den Menschen nicht entwertet. “Erst der Mensch, der zum Einzelnen, zum Selbst, geworden ist, kann ein vollkommenes Wesensverhaeltnis zum anderen Selbst haben”, will sagen: zum Du. Erst dann bezieht er sich zum Mitmenschen — und auch zu seinem Gott — nicht mehr als zu einem “Es”, sachlich, neutral, zweckbetont, sondern so intim, dass er mit ihm als seinem Du in Augenblicken seelischer Evokation nahezu verschmilzt — etwa so, obgleich selbstredend bewusst uebervereinfacht. DER JUDE UND ISRAELI Vor einem halben Jahrhundert erschuetterte Tausende und Abertausende, eine ganze Generation junger Menschen der nationalen und religioesen Schicksalsgemeinschaft, zu deren Wortfuehrern Martin Buber schon damals zaehlte, nichts so wie seine zuerst um 1916 gesammelt erschienenen “Drei Reden ueber das Judentum”. Er fragte sie in der ersten dieser Reden: “Warum nennen wir uns Juden? Deshalb nur, weil es unsere Vaeter getan haben, aus Erbgewohnheit? “Und gab die Antwort: “In jenen stillsten Stunden, in denen wir uns auf Unaussprechliches besinnen, fuehlen wir eine tiefe Zwiespaeltigkeit unserer Existenz ... Um aus dieser Zwiespaeltigkeit zur Einheit zu gelangen, dazu bedarf es der Besinnung”. Zur Besinnung hat der Jude, der Israeli Buber zeitlebens aufgerufen. Auch, wenn es um sein Volk geht, und um das Land, in dem sich ein, Teil dieses Volkes als Staatsnation erneuert hat, ist er zwar nicht so weltfremd, um sich mit dem sprichwoertlichen Alles oder Nichts zu bescheiden. Grundsaetzlich hat er das Zugestaendnis der “Demarkationslinie” in seine Sittenlehre eingebaut. Zwar koenne der Mensch, heisst das. sein Leben nicht “nach einem abstrakten, extremen Postulat” ausrichten; sittlich aber sei er verpflichtet, dem eben noch moeglichen relativ Besten nachzustreben. Mit diesem Vorbehalt verlangte der Zionist Martin Buber schon vor seiner Einwanderung hierher, lange vor der Gruendung des Staates Israel, eine andere positiver gestaltete Beziehung sowohl zu den arabischen Mitbuergern “im juedischen Lande” wie zu den Bevölkerungen der benachbarten arabischen Staaten. Als Jude berief er sich auf die von den Propheten zuerst verskuendeten moralisch-humanitaeren Leitsaetze, und seit 1948, als Israeli, auf eine weitsichtige, nicht im Jetzt und Hier verhedderte Staatsraison.. Mit einer Unerschrockenheit, die ja nichts als der Ausdruck gemeuterten staatsbuergerlic h e n Verantwortungsbewusstseins ist, trat er auch und gerade bei kritischen Zuspitzungen des israelischarabischen Dauerkonflikts jeder naiven Selbstgerechtigkeit im eigenen, juedischen Lager wieder und wieder entgegen; er stand in Jerusalem bis in sein hohes Alter aktiv an der Spitze einer Gruppe nonkonformistischer Intellektueller, die — gegen die araberpolitische Linie Ben Gurions und auch seines Amtsnachfolgers Levi Eschkol — fuer eine moeglichst unverzoegerte Verstaendigung mit den Arabern selbst um den Preis von Zugestaendnissen eintritt. In einem 1958 von ihm publizierten Aufsatz, “Der Weg Israels”, erinnerte er daran, dass er gewissen, vor (Fortsetzung Seite 5)

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