Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVII (1965)
- Issue
- 1 (Enero, 1965)
- Date
- 1965-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO ENERO 1965 DER KIBBUTZ AENDERT SICH Sollten Sie im Kibbutz Urim jemanden zwischen zwoelf und eins, oder gegen fuenf Uhr Nachmittag suchen, so ist mit fast hundertprozentiger Sicherheit anzunehmen, dass Sie ihn im “Laden” finden werden. Waehrend dieser Zeit ist das der obligate Treffpunkt aller Einwohner des Kibbutz, wo sie, waehrend sie ihre Einkaeufe an Kaffee, Gebaeck, kosmetischen Artikeln usw. taetigen, die Neuigkeiten des Tages kommentieren. Einhundert Pfund in Gutscheinen erhaelt ein jeder monatlich fuer diesen Zweck. Nach jahrelangen, erregten Diskussionen sind sie naemlich zu dem Ergebnis gekommen, dass das “Jeder nach seinem Koennen und Jedem nach seinen N o t w e n digkeiten” zwar ein wunderbares Ideal ist, aber zu unzaehligen persoenlichen Konflikten Anlass gibt, wenn die verschiedenen Kommissionen entscheiden muessen, wie die sehr reduzierten Moeglichkeiten benutzt werden sollen, um die nicht geringen Notwendigkeiten zu befriedigen. Das alte System hatte als Begleiterscheinung i m me r Diskussionen ueber angebliche Faelle von Favoritismus, oder aber, wenn frei verteilt wurde, unbeberechtigter Verschwendung, mit sich gebracht. Nachdem jeder soviel Seife und Rasierklingen haben konnte wie er wollte, lagen tatsaechlich die halbe n Pakete Rasierklingen und unzaehlige Stueck Seife im Badehaus herum. Als aber einmal beantragt wurde, einen elektrischen Rasierapparat reparieren zu lassen, wurde dies mit der Begründung abgelehnt, dass der Kibbutz kein Geld fuer die Instandhaltung von Privateigentum ausgeben koenne. Der Betreffende, um dessen Rasierapparat es sich handelte, liess aber nicht locker. Er sammelte die herumliegenden neuen Rasierklingen und verkaufte sie, solange, bis er das Geld fuer die Reparatur zusammenhatte. Unter dem neuen System kann etwas derartiges nicht mehr Vorkommen. DER AMERIKANISCHE EINFLUSS Man waere versucht anzunehmen, dass die grosse Zahl nordamerikanischer und kanadischer Mitglieder des Kibbutz fuer diesen Umschwungverantwortlich zu machen seien. Dies ist aber nur sehr bedingt wahr. Als die Amerikaner 1951. fuenf Jahre nach Gruendung der Siedlung in Urim ankamen, waren sie mindestens so eifrige Verfechter einer absolut kollektivistischen. Lebensweise, wie ihre israelischen und bulgarischen Kollegen, die damals dort wohnten. Waehrend sie sich in den U.S.A. und in Israel vorbereiteten, hatten sie alles geteilt, sogar Buecher und Grammophonplatten. Spaeter beteiligten sie sich mit Begeisterung an den woechentlichen Diskussionen, bei welchen ueber die Verteilung des wenigen, noch v o r h a ndenen Privateigentums diskutiert wurde, und auch die gelegentlichen Pakete, die sie waehrend der Leb ensmittelknappheit erhielten, wurden selbstverstaendlich verteilt. In der Zwischenzeit aber und besonders in den letzten sechs Jahren, haben sich praktisch alle Kibbutzim bemueht, dem Privateigentum und dem Privatleben innerhalb des Rahmens einer kollektivistischen Gemeinschaft groesseren Raum zuzubewilligen und dabei die verschiedensten Methoden entwickelt. Urims System der Kleiderverteilung wird heute z. B. in vielen Siedlungen imitiert. Anfaenglich gab es keine individuelle Kleidung. Jeden Freitag wurde die schmutzige Waesche abgegeben, und jeder erhielt eine ungefaehr seiner Groesse entsprechende Wochenration. Nach einigen Jahren dieser, wie man es nannte “Kleidertombola’', stellte man dann fest, dass es besser waere, wenn jeder seine eigene Waesche besaesse, gekennzeichnet mit dem Namen des Eigentuemers. Unter diesem zweiten System wurde jedem eine Anzahl von Kleidungsstuecken und Waesche zugeteilt, die ersetzt wurden, wenn die Leitung der Naehstube dies fuer richtig befand. Obwohl dieses Vorgehen bereits bedeutend besser funktionierte, blieb der Einkauf doch immer in Haenden einer kleinen Kommission und Beschwerden ueber Bevorzugung bei der Verteilung hoerten nicht auf. Die Frage, was ersetzt werden musste und was noch gut war, gab Anlass zu langen Diskussionen und endlosen Zaenkereien. So wurde endlich beschlossen, die vorhandene Kleidung gleichmaessig zu verteilen, und alsdann jedem Mitglied eine feste Summe zur Anschaffung von Kleidungstuecken und Waesche zu bewilligen, Augenblicklich belaeuft sich diese auf Einhundertundachzig Pfund fuer den Mann und einhundert fuenfundneunzig Pfund fuer jede Frau. Dazu kommt die Kinderzulage, die entsprechend geringer ist. Es handelt sich hier um Jahresbetraege. Daneben stellt der Kibbutz weiterhin die Arbeitskleidung. gen wenigstens teilweise vom Kibbutz bezahlt werden, wird klar, dass dieser Betrag eine ganze Zeit reicht. Fuer jedes Kind gibt es dann noch eine z u s a etzliche Zahlung. Es handelt sich dabei, wie ueberhaupt bei den eben genannten Betraegen, nicht um enorme Summen, aber sie geben dem Kibbutznik das Gefuehl, dass er seine Wuensche im Rahmen des Moeglichen so erfuellen kann, wie er es fuer richtig haelt. Wie in vielen anderen Kibbutzim wurde auch in Urim das System eingefuehrt, dass die Kinder in einem Zimmer neben-dem ihrer Eltern wohnen, anstatt in einem Kinderhaus. Die Diskussion darueber dauerte viele Jahre. Eine Entscheidung wurde von den Frauen herbeigefuehrt, die sich unter dem alten System benachteiligt fuehlten und zaehneknirschend von den Maenner akzeptiert, die ueber die dadurch verbundenen Spesen und die eventuelle Unterbrechung der Arbeitsplaene besorgt waren. In Urim mussten mehrere Dutzend neuer Zwei-Zimmer- Wohnungen errichtet und alte Gebaeude umgebaut werden, ehe der Wechsel erfolgen konnte. Vor etwa zwei Jahren war es soweit, und heute wuerden selbst diejenigen, die damals gegen das Projekt waren, nicht mehr zu dem alten System zurueckkehren. Die neue Methode hat aber ohne Zweifel viele Probleme. Fuer je vier Kinder eines Ehepaares wird ein Zimmer berechnet, in dem sie wohnen, spielen und lernen sollen, und das ist, besonders bei grossen Altersunterschieden, nicht leicht. Der Kibbutz hat daher begonnen, auch diese Frage anzupakken, indem fuer die aelteren Kinder, ueber 13 oder 14 Jahre, eigene Zimmer gebaut werden. Etwas anderes ist die Frage des morgendlichen Weckens. Grundsaetzlich langschlaefrige Kinder koennen den Stundenplan der Mutter voellig ueber den Haufen werfen. Aber auch dies ist nicht unloesbar. Ebenfalls wurde befuerchtet, dass die neue Lebensweise das Gemeinschaftsleben beeintraechtrgen koenne. Aber, obwohl das Familienleben ausserordentlichen Aufschwung genommen hat, ist das andere nicht zu kurz gekommen, sondern die einzige Konzession ist, dass alle Veranstaltungen eine Stunde spaeter beginnen. ROT GEFAERBTE LIPPEN Es gibt noch andere Zeichen eines Wechsels, die, wenn vielleicht auch nicht so auffaellig, doch nicht minder bedeutsam sind. So gibt es heute in allen Wohnungen von Kibbutzmitgliedern, die laenger als sechs Jahre der Gern einschaft angehoeren, elektrische Eisschraenke, etwas was nicht nur das Leben in der Hitze des Negev ungemein erleichtert, sondern es auch moeglich macht, einen Teil der Mahlzeiten in den Wohn umgen einzunehmen. Die Tendenz dazu ist sehr stark, wenn auch heute noch ein Teil der Mitglieder weiter im allgemeinen Speisesaal isst. All die vorher genannten Aenderun gen sind zum groessten Aeil auf die Unzufriedenheit der Frauen zurueckzufuehren,! deren Wunsch nach Betonung der “weiblichen Linie” nicht geringer geworden ist. In der Vergangenheit waren in Urim rotgefaerbte Lippen genau so selten wie Eisberge. Heute sind sie selbstverstaendlich, besonders an den Abenden und an Feiertagen. Ebenso hat Urim eine eigene Kosmetikerin. Die Krankenschwester der Siedung wurde veranlasst, entsprechende Kurse zu nehmen und ist in der Lage, Gesichtsmassagen und Pediküre zu machen. Allerdings, um zum Friseur zu fahren, muessen die Frauen und Maedchen noch immer nach Beersheba oder nach Tel-Aviv, aber das ist etwas, was sie gerne tun. Einige der genannten Veraenderungen haben nur org a nisatorischen Charakter, andere jedoch haben grosse Spesen bedeutet. Sie waren nur moeglich, weil Urim, wie viele andere Siedlungen, wirtschaftlich prosperiert. Der Ertrag, der sich auf ueber eine Million Pfund pro Jahr belaeuft, besteht hauptsaechlich aus landwirtschaftlichen Produkten wie Kartoffeln, Z sw i e b ein, Zuckerrueben, Huehner, Eier, Milch, Fleisch usw. usf. Dazu kommen die Einkuenfte aus einer kuerzlich errichteten Messerschmiede. So ist der Kibbutz in der Lage, seinen 150 Erwachsenen und 100 Kindern mittelstaendischen Lebensstandard zu bieten, fuer den allerdings hart gearbeitet werden muss. Das Leben in diesem liberalen Kibbutz ist nicht ohne Probleme. Die in allen kleinen Gerne inschaften und ganz besonders bei engem Zusammenleben wie im Kibbutz unvermeidlichen Reibungen existieren weiter. Wirkliche und eingebildete Maengel der Kollegen sind und bleiben ein beliebtes Gespraechsthema. Und trotz allem Wechsel fehlt es nie an Beschwerden ueber angebliche Bevorzugung des einen oder des anderen. Aber, alles in allem haben die Mitglieder des Kibbutz Urim anscheinend einen Weg gefunden, der gemeinschaftliche Verantwortung mit groesstm o e g lichster individueller Selbstaendigkeit v e r bindet. Vielleicht gefaellt dies manchen Touristen nicht, die, wie einmal einer von ihnen sagte, nicht begreifen, dass auch Pioniere Anspruch auf fliessendes Wasser haben. Die Pioniere aber haben die .Notwendigkeit des fliessenden Wassers begriffen. (World Jewry) SCHWIERIGKEITEN AUF DEM ORANGENMARKT “IM AUSVERKAUF ERWORBEN...” Dieses “Kleidungsbudget’' kann entweder im Kibbutz selbst verbraucht werden, was gewoehnlich billiger kommt, da die Kleiderkammer engross einkauft, oder aber auch in einem staedtischen Geschaeft. Die Maenner, besonders die Ledigen, kaufen meistens im Kibbutz, waehrend der groesste Teil der Frauen sich ihre Kleider in der Stadt besorgt. Kleidungsstuecke, die am Ende der Saison nicht verkauft worden sind, werden dann von der Kleiderkammer im Kibbutzladen in einer Art. “Ausverkauf” zu sehr ermaessigten Preisen abgegeben. Zusaetzlich zu den Summen. die den individuellen Mitgliedern fuer Einkaeufe in der Kantine und fuer Kleidung zustehen, erhaelt ein jeder ein Taschengeld von einhundertvierzig Pfund pro Jahr, dass er frei verwenden kann. Dieser Betrag ist hauptsaechlich fuer Besuche in der Stadt gedacht, und wenn man bedenkt, dass die meisten bei solchen Gelegenheiten bei Freunden oder Verwandten wohnen oder aber dass die Hotelrechnun- Ernste Schaeden befuerchtet Israel fuer seinen Apfelsinenabsatz in Europa durch die Zoll praef erenzen der EWG. Dies hat die Regierung Israels in einer Note an die BWG-Kommission und an die Mitgliedsregierungen der Gemeinschaft festgestellt. Die israelische Regierung legt den b e v o rstehenden Verhandlungen zwischen der EWG und den Maghrebstaaten (Algerien, Tunis, Marokko) besonderes Gewicht bei und fordert Bruessel auf, die Zollpraeferenz, die diesen Laendern gegebenenfalls gewaehrt werden soll, auch fuer die israelischen Zitrusfruechte anzuwenden. Ein Viertel der israelischen Ausfuhren bestehen aus Zitrusfruechten, die gleichzeitig 40% des Nettoertrages der Exporte ausmachen, betont die israelische Note. Der im E W G-Vertrag vorgesehene gemeinsame Aussentarif von 20% fuer Apfelsinen, sichere Italien eine bedeutende Vorzugsstellung. Auch Griechenland und die Tuerkei seien durch Praeferenzzoelle der Gemeinschaft aufgenommen worden. Die gerne insame Agrarpolitik, die den Obsterzeugem der EWG ein angemessenes Einkommen garantieren solle, laufe darauf hinaus, fuer Orangen ein System hoher Preise zu schaffen. Das Ergebnis dieser Politik wuerde eine Einschraenkung des Verbrauchs von Zitrusfruechten im EWG- Raum sein. Waehrend Italien, Griechenland und die Tuerkei den Bedarf der EWG nicht allein decken koennten, so wird in der Note weiter erklaert, wuerden die Maghrebstaaten schon in wenigen Jahren in der Lage sein, die Haelfte des Verbrauchs in der EWG allein zu decken, falls den Erzeugnissen dieser Laender die Aussicht auf eine bevorzugte Einfuhr e r o e ffnet werde. Fundierte Vorausschaetzungen ergaeben fuer die Mit- Luflfahriabkommen In Tel-Aviv wurde ein Luftfahrtabkommen zwi sehen der Schweiz und Israel abgeschlossen. Laut diesem Abkommen wird der El-Al Ges'.llschaft gestattet, Passagiere aus Israel über Zuerich in die USA zu befoerdern, waehrend der Swissair-Gesellschaft das Recht eingetehneerlaender eine Produktion von 6,6 Mill. t. Orangen fuer 1970, waehrend es 1962 noch 4 Mill. t. gewesen sein. ‘Es ist unbedingt erforderlich”, so wird schliesslich erklaert, dass die EWG zu einem Zeitpunkt, in dem sie die Grundlinien fuer Verhandlungen mit den Maghrebstaaten festlegt, “die allgemeinen Auswirkungen und insbesondere die Gefahr fuer die israelische Zitruswirtschaft, die sich aus einer Ausdehnung ergeben kann, in Betracht zieht. Die Folgen fuer Israel koennten eine Erschuetterung der gesamten Wirtschaft und ein gefaehrlicher Aussenhandelsrueckgang sein”. (Die Welt) mit der Schweiz raeumt wurde, Passagiere über Lod in den Fernen Osten zu transportieren. Wie verlautet, wird El-Al bereits im Frühling zumindest zwei Flüge pro Woche in die USA ueber die Schweiz durchführen. (“Canfit”)