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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-12-01 · 12 (Diciembre, 1964) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
12 (Diciembre, 1964)
Date
1964-12-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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DICIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO 11 EIN VERGESSENER PLAN WIRD lUORIfflTlfRUI DES MUS WIRKLICHKEIT Von Herbert Freeden (Jerusalem) Wenn man im Laufe der letzten vier Jahre von Hanita im westlichen Galil die noerdliche Grenzstrasse entlang , zum Kibbutz Sassa fuhr, gab es eine groteske Merkwürdigkeit zu sehen. Die Chaussee selbst war voll Loecher, sodass man froh sein konnte, ohne Achsenbruch ans Ziel zu kommen; nur an einer Stelle tauchten ploetzlich eine Reihe von guten Wegen auf, die von der Chaussee abzweigten, aber nirgendwohin fuehrten. An jener sogenannten Strassenkreuzung konnte man ein Schild lesen, “Biranit”. Ausser dem Schild und den Strassen existierte nichts von dem Ort, der diesen Namen tragen sollte. Im Jahre 1959 hatten die Siedlungsbehoerden einen Plan ausgearbeitet, um die Luecken im westlichen Galil an der libanesischen Grenze auszuf uellen, die sich fast ueber 100 Km. erstreckt. Die Kette von Doerfern, die von Hanita bis Sassa sich hinzieht, hatte immer noch bedenklich unbevoelkerte Landstriche aufzuweisen. Der Boden ist dort sehr steinig bedeckt mit einer vulkanischen Basaltschicht und jeder Fussbreit Erde den man dort gewinnt, ist eine Kostbarkeit. Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es dort seit der Staatsgruendung Kibbutzim wie Eylon, Adamit und Sassa und Doerfer wie Gonen and Schomera zu errichten, die nun schon lange auf eigenen Fuessen stehen und wirtschaftlich fest fundiert sind. Ein Gebiet jedoch, das sich ueber 30.000 Dunam nordwestlich von Sassa ausdehnt, war noch voellig unberuchrt und unbebaut. Hier gab es zur Zeit des Hasmonaeerkoenigs Alexander Janai eine Festung und von ihr leitet sich, der Name Biranit her, der soviel wie Wachtturm heisst. Auch in unseren Tagen hat sich die strategische Bedeutung von Biranit gezeigt, als naemlich hier im israelischen Freiheitskrieg die Ents c h e idungsschlacht um Galilaea sechzig Stunden tobte, bis schliesslich der arabische Kommandant Kaukji mit sei nen bewaffneten Banden sich geschlagen gab und die Flucht in den Libanon ergriff. Kein Wunder, dass man diese Stelle fuer wichtig genug hielt, um sie in das Siedlungsnetz einzubeziehen Im Jahre 1959 sollten zweihundert Familien nach Biranit gebracht werden; Man hatte an alle Zweige dei SCHACH-OLYMPIADE Andere Probleme und Interessen schienen vergessen. In Israel sprach man ueber Schach. Noch bevor die sechzehnte Mannschafts - Weltmeisterschaft in den Raeumen der Habima in Tel-Aviv eroeffnet wurde, hetzten die schachbegeisterten Israe 1 i s nach den spaerlichen Karten die Zugang zu dem Saal gewaehrten, in dem die 50 besten Mannschaften der Welt um den Titel kaemipften. Da die Mannschaft Israels, allen Erwartungen entgegen, ueber die Anfangsrunden hinauskam, schaeumte die Begeisterung ueber. Eine solche Resonanz des koeniglichen Spiels kannte man bisher nur in der Sowjetunion. Von zwei Millionen Israelis gehoeren etwa 25000 einem Schachklub an, das beweist, dass Schach hier wirk lieh Volkssport ist. Kein Wunder also, dass Presse, und Rundfunk ausfuehrlich ueber die Partien der Grossmeister berichteten. Selbst Praesident Shazar verhehlte seine Be geisterung fuer das Schachspiel nicht und gab einen Empfang zu Ehren der Spieler. Der Andrang der Zuschauer war so gross, dass in einem anderen Saal Fernsehgeraete aufgestellt werden mussten, damit diejenigen, die nicht mehr in den gros-' sen Saal gelangen konnten, wenigstens die ¡Moeglichkeit hatten, hier die Partien zuse hen. Ausserdem gab es mehrere magnetische Schachtafeln. vor denen Maenner mit Funkgeraeten standen. Die Zuege der Schachspieler wurden durchgesagt und die Figurenstellung auf den Magnettäfeln entspreche n d veraendert. Im Spielsaal selbst herrsch te absolute Ruhe. Die vielen "Kiebitze”, die gewohnt sind, die Vorgaenge auf dem Schachbrett mit reger Aufmerksamkeit zu kommentieren, folgten stumm und mit gespannter Erwartung dem Wettstreit. Als erster Sieger qualifizierte sich die Sowjetunion, welcher Jugoslawien und die Bundesrepublik Deutschland folgten. Es schlossen sich an Ungarn, Tschechoslowakei, USA, Rumaenien, Bulgarien, Argentinien, Polen, Holland, Kanada, Israel, Spanien, Deutsch-Demokratische Republik, Schweden, Daenemark, England, Oesterreich, Perú, Cuba, Norwegen, Mongolei, Chile, Philipinen, Ecuador, Paraguay, Schottland, Island, Schweiz, Kolumbien, Finnland. Venezuela, Frankreich, Griechenland, Irán, Indien, Puerto Rico, Tuerkei, México, Irland, Monaco, Australien, Suedafrikanis che Union, Bolivien, Uruguay, Portugal, Luxemburg, Dominikanische Republik und Zypern. Alle Teilnehmer und die vielen Besucher, die aus diesem “Anlass nach Tel-Aviv gekommen waren, betonten die. hervorragende Organisation und. die aussergewoehnlich gastfreundliche Aufnahme, die Israel den Spielern hatte zuteil werden lassen. Die naechste Mannschafts- Weltmeisterschaft wird in La Habana abgehalten werden. Beschaeftigung gedacht, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, selbst an Leichtindustrie. Nur eines entzog sich dem Bereich der israelischen Planung - der mensch liehe Faktor. Das Auf und Ab der Einwanderung wurde zur Unbekannten in einer Gleichung, die nicht aufging. Die Menschen, auf die man gewartet hatte, kamen nicht und somit liess sich der Plan nicht realisieren. Die Errichtung der Siedlung Biranit wurde aufgeschoben, der Plan zu den Akten gelegt. Das Schild an der Wegkreuzung vergass man zu entfernen. Nur auf einem Gebiet fuhr man fort, sich um das Projekt zu kuemmern. Die Waelder, die den Siedlern Arbeit geben sollten, wurden tatsaechlich gepflanzt und so entstand hier, geschuetzt von einem Feuerwachtturm, ein neues Aufforstungsareal, das sich viele Quadratmeilen hinzieht. Aber nichts in Israel ist statisch, nicht einmal ein Plan, und so wandelte sich auch das Projekt von Biranit im Laufe der Jahre aus einem Fetzen Papier zu einem dynamischen Faktor. Als vor etwa einem Jahre Ministerpraesident Levi Eschkol im Namen der Regierung erklaerte, ein neues Zeitalter sei fuer Galilaea gekommen, das nun aus seinem Dornroeschenschlaf entrissen und 2u einem neuen Entwicklungs Zentrum erklaert werden solle, da wurde Biranit neben Jodfat und dem Berg ■Chason einer der drei Erschliessungsbezirke. Unter den 16 neuen Siedlungspunkten, die im Rahmen des Galilprogramms im Laufe der naechsten zwei Jahre entstehen duerften, faellt Biranit die Ehre zu, Siedlungspunkt Nummer Eins zu sein. Dieser Tage werden dort die ersten Menschen die inzwischen fertiggestellten Haeuser beziehen. Allerdings sind sie nicht, wie urspruenglich geplant. Neueinwanderer, son dem Nachal-Einheiten (Pionierkorps der israelischen Armee) werden den Platz uebernehmen und die vom Keren Kajemeth von Stein gesaeuberten und urbargemachten 4000 Dunam bearbeiten und bestellen. Wie. die Schwestergrenzsiedlungen Korasim, Masieh Gilboa und Mei Ami wird auch Biranit in den ersten zwei Jahren seiner Existenz von den Jungen und Maedchen des Nachal-Korps Konsolidiert werden. Erst dann wird sich seine endgueltige Siedlungsform entscheiden und damit die Frage, welcher Art seine permanenten Bewohner sein werden. Aber wie in anderen Grenzpunkten hofft man auch hier, dass einige der jungen Menschen, die jetzt Biranit zu entwickeln helfen, sich, wenn ihr Heeresdienst vorueber ist, entschlossen werden, hierher zurueckzukommen und aus jener einstigen Festung des Koenigs Alexander Janai ein lebena faehiges und bluehendes Dorf unserer Tage zu machen Ueber die notwendige Revision des zionistischen Gedankenguts im Lichte der rev o 1 utionaeren Wandlungen unserer Zeit sprach Israel- Botschafter Dr, Uri Naor vor ueberfuelltem Saal im Rahmen eines Banketts zu seinen Ehren, mit dem der hiesige 44. Zionisten-Kongress seinen Abschluss fand. Er ging davon aus, dass einige Aspekte dieser Wandlungen bereits Gegenstand fruchtbarer Debatten sind. So ist man sich heute klar ueber den Verlust an zionistischer Dynamik als Folge des erreichten Ideals, ueber die geopolitische Umwaelzung, welche die Bildung der arabischen Staaten mit sich gebracht hat, sowie ueber die historische Bedeutung der Zerstoerung des europaeischen Judentums und der Neuverteilung der juedischen Bevoelkerung in der Welt. Was schliesslich die Bedrohung der wirtschaftlichen Grundlagen der juedischen Gemeinschaften in der Zerstreuung aufgrund sozialer Umwaelzungen anbetrifft, so stellt ihre > Prognose gewiss keine Neuigkeit fuer den Zionismus dar. Dagegen unterzog Dr. Naor drei andere Faktoren einer ebenso eingehenden wie originellen Analyse. Er nannte an erster Stelle die wachsende Bedeutung der in Israel geborenen Generation: bereits heute ist fast die Haelfte der Bevoelkerung im Lande aufgewachsen und ihre Einstellung ist weder die von Fluechtlingen noch die von Zionisten, wie ' ueberhaupt ihre Position zur juedischen Geschichte mehr von zukünftigen als von Aspekten der Vergangenheit bestimmt wird. Sodann befasste sich der Redner mit den Umwaelzungen in der Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden und zeigte auf, wie sehr wir in 16 Jahren Existenz des Staates Israel bereits dem psychologischen Ziel des Zionismus, der Normalisierung der menschlichen Beziehungen, nahe gekommen sind. Eben diese Normalisierung traegt aber den Keim der Gefahr einer “post-hitleristischen Emanzipation” in sich, deren Bekaempfung eine neue und aktuelle zionistische Konzeption Rechnung tragen muss. Der dritte Komplex, mit dem sich Botschafter Dr. Naor auseinandersetzte, besteht in den neuen Ausdrucksformen des Antisemitismus, welche heutzutage durch die arabisch-antijuedische Allianz gepraegt werden. Ihn zu bewaeltigen, ist eine vordringliche Aufgabe bei der die Rolle der zionistischen Bewegung absolut klar ist. Wo steht das juedische Volk in dieser Welt?, fragte der Redner abschliessend. Die soziologischen Konzepte haben sich gewandelt und es ist notwendig, dass die zionistische Analyse des juedischen Schicksals dieser Wandlung Rechnung traegt. Nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass die juedischen Gemeinschaften der kommunistischen Staaten ganz anderen Problemen gegenueberstehen, zeigte er auf die zahlreichen Gefahren, die juedisches Leben in der westlichen Welt von innen her bedrohen und fuehrte sie in letzter Instanz auf das allgemeine Phaenomen der Erschlaffung revolutionaerer Bewegungen zurueck, die aber im Falle des Zionismus eine toedliche Gefahr fuer uns bedeutet. Nach einer Aufzaehlung der grundlegenden Aufgaben der zionistischen Bewegung im gegenwaertigen Moment wandte sich der Redner dem fundamentalen Thema der Alijah zu und stellte fest, dass diese in der Zeit vor der Staatsgruendung einen Pioniercharakter hatte und in Funktion der Erfordernisse des Einwanderungslandes vor sich ging, waehrend sie heute in Funktion der Situation der A u s w anderungslaender vor sich geht. In diesem Zusammenhang beleuchtete er kritisch die Ben Gurion’sche sine qua non-Forderung nach Alijah, stellte aber fest, dass ein Jude erst dann zum Zionisten wird, wenn er die Moeglichkeit seiner persoenlichen Zukunft in Israel in seinen Lebensplan einbezieht. So kann auch der Zionismus fuer die Jugend wieder zum Lebensinhalt werden, indem er ihr grosse Aufgabe stellt, eine realistische Vision vermittelt und den Weg jn das Land weist, wo sie den revolutionaeren Alternativen unserer Epoche frei von Furcht entgegentreten kann. Mit langanhaltendem und begeistertem Beifall dankten die ueber 200 Anwesenden dem Redner fuer seine Ausfuehrungen. RUECKTRT'IT BEN GURION’S David Ben Gurion hat seinen Sitz im Zentralkomite der Mapei zur Verfuegung gestellt. Sein Ruecktritt stand im Zusammenhang mit der Ablehnung seiner Forderung, in Israel das Verhaeltniswahlrecht durch ein Mehrheitswahlrecht zu ersetzen, um die kleinen Parteien auszuschalten und klare Mehrheitsverhaeltnisse im Parlament zu schaffen. Statt dessen beschloss das Zentralkomite fuer die naechsten Parlaments—, Gemeinde und Gewerkschaftswahlen gemeinsame Listen mit der Achduth Haavoda aufzustellen.

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