Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1964)
- Date
- 1964-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DICIEMBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO DIE ERKLAERUNG DES KONZILS UEBER DIE JUDEN Nachdem alles bereits darauf hindeutete, dass das Schema “Ueber die Juden” auch in dieser dritten —dies jaehrigen— Sitzungsperiode des Oekumenischen Konziis nicht mehr zur Abstimmung gelangen wuerde, geschah es gleichsam vor Torschluss dann doch. Zur Ueberraschung selbst eingeweihter Beobachter wurde den in der Peterskirohe versammelten Kirchenvaetern am 20. November eine der drei bearbeiteten /Vorlagen unterbreitet und mit 1893 Stimmen dafuer —davon 242 mit Einschraenkungen— angenommen dagegen erhoben nur 93 Kirchenvaeter die Hand. Die mit der Abstimmung erfuellte Formalitaet ist zwar nur eine auf dem Weg der katholischen Kirche zu einer neuen Haltung zum juedi-- schen Volk und zur juedischen Religion, aber wohl die wichtigste. Davor lagen drei Jahre Debaten, Beratungen und Kommissions—Arbeiten,- was noch aussteht, sind erstens eine letzte Abstimmung ueber moegliche Aenderungen aufgrund der mit Einschraenkungen abgegebenen J a-iStimmen, zweitens das paepstliche Edikt, das dem Beschluss kanonische Rechtskraft zu verleihen hat und schliesslich die praktische Umstellung der Kirche im Sinne der neuen Doktrin, vor allem auf dem Gebiete des religioesen und geschieht, liehen Unterrichts. Von der letzten Abstimmung, sofern sie ueberhaupt zustande kommt, sind —im Hinblick auf die ueberwaeltigende Mehrheit bei der ersten — keine einschneidenden Aenderungen zu erwarten. Ueber das Datum der Promulgation dagegen, da sie allein von der Entscheidung des Papstes abhaengt, lassen sich kaum mehr Mutmassungen anstellen als die, dass die fuer das naechste, fuer das uebernaeehste oder ein spaeteres Jahr einzuberufenüe Vierte Sitzungsperiode des Konzils eine wuerdige Gelegenheit abgeben koennte. Noch nicht einmal die Hinweise darauf, ob es zum Edikt ueberhaupt kommen wird, sind sehr zahlreich. Zu ihnen gehoert aber der Umstand, dass der Papst, der zwischen dem zahlenmaessig starken “liberalen” und dem einflussreichen “konservativen” Sektor laut “Neue Zueicher Zeitung“... “eine Mittelstellung bewahrt”... und “das Gewicht seiner Autoritaet bald in die eine, bald in die andere Waagschale” warf in letzter Minute der konservativen Kurie die Vertagung der Erklaerung ueber die Religionsfreiheit zuge stand, sieh aber gleichsam als Ausgleich dafuer —und daher auch so ueberrasohend— gerade in der , Judenfrage auf die ,f o r t s c hrittliche Seite stellte. Schliesslich kommt dem letzten Problem, wie lange es , dauern wird, bis auch der letzte Dorfpfarrer aufhoeren wird, den Kindern von einem “gottesmoerderischen" und “verfluchten" Volk zu erzaehlen, praktisch vielleicht ,die groesste Bedeu. tung zu; gibt es doch unter den vielen offenen und verborgenen Quellen das Antisemitismus keine zweite, aus der so lange Zeit so viel und so toedliches Gift floss. Was dies anbetrifft, stehen wir also am Beginn einer langen Entwicklung, an einem tatsaechlichen Wendepunkt. Und wenn auch in unserer von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Spannungen geladenen Zeit die religioesen Belange bei weitem nicht den Rang einnehmen, der ihnen in der Vergangenheit zukam, so sollte dies doch das Bewusstsein von der grossen Bedeutung dieses Ereignisses nicht schmaelern. Denn was ist geschehen? Die verantwortlichen 'Leiter einer sehr maechtigen und einflussreichen Institution haben nacii reiflicher und verantwortungsvoller Ueberlegung beschlossen, eine uns feindselige Einstellung, die sie fast zwei Jahrtausende hindurch gepflegt hatten, aufzugeben und durch eine positive, versoehnliche, zu ersetzen. Und sie taten es mit ueberwaeltigender Mehrheit und in klar e r, unmissverstaendlichcr, Form. Dabei muss man beruecksichtigen, dass vom Standpunkt der Kirche aus gesehen, diese Klarheit der Form ganz betraechtliche Selbstüberwindung und Opfer erforderte, zu denen man aber allem Anschein nach sich durchzuringen entschloss. Von den drei Versio nen naemlich, deren Annahme in Frage kam, scheint —der gesamte Text liegt nicht zur Einsicht vor— die beste sich durchgesetzt zu haben: sie ist nicht durch Zusaetze ueber andere nichtchristliche Religionen v e rwaessert, das Schema ist unabhaengig und nicht zum Anhang des Schemas “Von der Kirche” degradiert worden, kein Wunsch zur “Bekehrung” wurde ausgesprochen und der theologische Freispruch vom “Gottesmord” ist von einer Absolution, der unsere Generation wohl kaum bedarf, zu einer Absolution fuer alle, das heisst, auch fuer die damalige Generation erweitert worden. Wollte man aus dieser Erweiterung eine theologische Debatte ableiten, duerfte es nicht schwer sein, diesen Freispruch der Richter in ihre eigene Verurteilung ob all des Leidens, das Unschuldige aufgrund des nun abgeschworenen Irrtums erlitten haben, unzuwandeln. Die Kirche weiss das und verdient darum und unter Beruecksichtigung ihrer ansonsten traditionellen Behutsamkeit und Beharrlichkeit in diesen Fragen, ganz besondere Anerkennung. Aber nicht nur auf theologischem, auch auf politischem Gebiet hat .sie ¡betraechtliche Opfer gebracht, um endlich der Wahrheit Geltung zu verschaffen. Diese erstrecken sich von einer angeblichen oder tatsaechliohen Gefaehrdung ihrer seelsorgerischen Taetigkeit in arabischen Laendern mit mohammedanischer Mehrheit bis zur Annahme des Risikos der ganz unverbluemten politischen Herausforderung, um nicht zu sagen Erpressung, wie man das Einreiseverbot fuer die Konzil-Vaeter nach Jordanien nennen koennte. Natueriich wissen die Staatsmaenner von Rom, wie dies alle Staatsmaenner wissen sollten, dass arabische Drohungen nicht ernst zu nehmen sind. Nichtsdestoweniger verdi ent es Anerkennung, dass sie die tak tische .Ueberbewertung dieser Drohungen, die andernorts so wuerdelos zur Schau gestellt wird, nicht strapazierten, was inbesonders mit Ruecksicht auf die Annaeherung an den Orient, die zu den zentralen Aufgaben des Konzils gehoert, ein schwerer Entschluss gewesen sein mag. Ganz am Rande sei bemerkt, dass die Araber die letzthin von ihnen konstruierte, ebenso subtile wie einfaeltige, Untersch e i d u n g zwischen Juden und Zionisten selbst ad absurdum fuehrten. Denn mit einer Opposition gegen ■ Zionismus und Israel laesst sich der Widerstand gegen die antiantisemitische Erklaer u n g der Kirche wahrhaftig nicht erklaeren, zumal diese immer wieder ausdruecklich darauf hinwies, dass der Beschluss keine Aufnahme der Beziehungen zu Israel beinhaltet. Natueriich wissen sie das selbst genau so gut. Aber was sie schmerzt —und uns mit tiefer Befriedigung erfuellt— ist die Tatsache, dass die Existenz des Staates Israel einer der zwei Faktoren ist, die der Wahrheit zu einem Triumph verhalfen, den sie durch ihr imponderables moralisches Eigengewicht in zweitausend Jahren allein nicht hatte erringen kc nnen. Der andere Faktor ist die Scham ueber das Grauen, zu dem der Antisemitismus in unserer Zeit gefuehrt hat. Vielleicht hat die durch Hochhuth angeregte Debatte dieses Gefuehä aktualisiert; vielleicht ist es kein Zufall, das es deutsche Kardinae.e wie Bea und Frings waren, die sich ganz besonders fuer diese Tat religioeser “Wiedergutmachung” ins Zeug legten, was ihnen natueriich nicht gelungen waere, wenn sie dabei nicht mit der Unterstuetzung der gesamten fortschrittlichen Mehrheit, zu denen an hervorragender Stelle der chilenische Kardinal Silva Henriquez zaehlt, gerechnet haetten. Eä MONATSSPIEGEL Unsere Institutionen und die Umwelt Anzeigen Annahme fuer das Boletín Informativo Nueva York 52 öS. 412 TeL 87765 VDN 9-1 U. 5-7 Es haben in der letzten Zeit einige Kontakte -wischen Institutionen unserer Kollekiivitaet und der Umwelt —konkreter gesagt, der Regierung — stattgefunden, weiche von den dafuer bisher fuer uns ueblichen Gepflogenheiten abweichen. Bei dem einen handelt es sich um den Besuch einer Delegation der Gemeinde der wichtigsten Provinzstadt, die vom Praesidenten der Republik empfangen wurde. Der andere besteht in der Initiative einer bedeutenden und respektablen Organisation, der Regierung ihre Hilfe zur Durchfuehrung des neuen grossangelegten Schul p r ogramms anzubieten. Die Hast mit der dies Angebot der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wurde, steht in keiner Beziehung zu der relativen Grosszuegigkeit, die es auszeichnet, muss man sich doch fragen, ob selbst nach eingehendem Studium nicht nur diese Organisation, sondern die Kollektivitaet als Gesamtheit ein solch betraechtliches Augebot an Fachkraeften aufweist, wie ,es da zur Verfuegung gestellt werden soll. Ebenso schwer ist es sie in Beziehung zu nichtjuedischen Koerperschaften zu setzen, die mit gutem Kriterium darauf verzichteten solch bedeutenden, qualifizierten oder in Erzienungsfragen so spezialisierten Organisationen wie beispielsweise der Katholischen Kirche oder dem Cuerpo de Carabineros den Rang abzulaufen. Die Fragen also, ob es opportun war, so an erster Stelle ins Rampenlicht zu springen und ob man, selbst mit geschickter Improvisation oder Hilfe von ausserhalb wird erfuellen koennen, was man da versprach, werden im Laufe der Zeit wahrscheinlich leichter vergessen als beantwortet werden. Doch darauf kommt es garnicht in erster Linie an. Was vielmehr einer ganzen Anzahl unserer verantwortlichen Menschen Sorge macht, ist die Gefahr, dass es sich bei den genannten Begebenheiten nicht nur um “Extratouren” handelt, die als solche natueriich auch Schule machen koennten, sondern dass sie symptomatisch sein koennten fuer eine etwaige Tendenz zur Lockerung des Aufbaus unserer Kollektivitaet. An der Spitze dieses Aufbaus —oder Baus— stehen zwei Organisationen: die Federación Sionista, deren Befugnisse und Taetigkeitskr eis hier wiederzugeben sich eruebrigt, und das Comité Representativo, dem allein und ausschliesslich die Vertretung der Judenheit Chiles vor den Behoerden des Landes zusteht. Sowohl die Tagespresse wie unsere eigenen Blaetter hatten nicht nur darueber informiert, dass eine Delegation des C. R. im geeigneten Moment dem damals neugewaehlten Praesidenten der Republik ihre Aufwartung machte, sondern auch was sie ihm in Bezug auf seine Politik der sozialen Reform, demokratisch e r Gleichberechtigung und anderer Themen, die uns am Herzen liegen, vortrug. Es ist daher nicht nur schwer einzusehen, dass wenige Tage spaeter schon zwei Gruppen den Impuls verspuerten, da noch etwas hinzuzufuegen, sondern vor allem, dass die allen Anspruechen gerechte Aktion des C. R. in ihnen keine Zweifel am Mangel eigener Aktivlegitimation zum Handeln in dergleichen Sphaere wachrief. Vielleicht werden die einen dem entgegenhalten, dass man den Worten Taten folgen lassen soll. Abgesehen von den eingangs erwaehnten Zweifeln an der Moeglichkeit der Konkordanz zwischen den eigenen Worten und den Taten, stand doch selbst bei einem solchen Wunsche einer vorherigen Ruecksprache mit dem C. R. nichts im Wege. Und man haette damit nicht nur die von der gesamten Kollektivitaet anerkannte Vertretung respektiert, sondern auch die Tatsache beruecksich t i g t, das unsere Initiativen nicht ohne Kontrolle und Koordination, gleichsam als Reflexe auf aeussere Reize, gehandhabt werden duerfen, sondern der Gesamtheit der inneren und aeusseren ,Umstaende Rechnung zu tragen haben. Die anderen werden wohl einwerfen, dass das C. R. die Provinzen weder passiv noch aktiv gebuehrend in Betracht zieht —wie man sieht, die beruehmten “Auswuechse des Zentralismus” — Soweit die Beobachtungen eines Unbeteiligten dazu autorisieren, muss man wohl sagen, dass dies richtig ist. Und wahrscheinlich ist es sogar richtig, dass dieser Mangel an Inforanation, an Moeglichkeiten fuer Anregungen und Kritik oder, um es mit einem Schlagwort zu sagen, an interner Demokratie nicht nur die Provinzen betrifft. Ganz im allgemeinen bestehen nicht nur Moeglichkeiten sondern die Notwendigkeit, das C. R. in vieler Hinsicht zu demokratisieren, zu modernisieren, leistungsfaehiger zu machen. Nichts davon kann man allerdings dadurch erreichen, dass man beginnt, auf eigene Faust zu handeln. Bei aller, wirklichen oder eingebildeten Maengeln unserer Spitzenvertretung sind wir immerhin im allgemeinen noch ganz gut gefahren und wei anderer Ansicht ist, hat alle Moeglichkeiten, sie im Rahmen der Kollektivitaet vorzu. tragen. ATSCHEKA