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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-12-01 · 12 (Diciembre, 1964) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
12 (Diciembre, 1964)
Date
1964-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA ' B ' N E JISROEL' REDACCION: S.C.I. B-NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 SANTIAGO CHILE AÑO XXVI — N.o 12 SANTIAGO DE CHILE DICIEMBRE 1964 Amerikanisches Tempo in Israels zweiter Universitaet Von Dr. Abner Neckushtan, Tel-Aviv Tel-Aviv und Df. George S. Wise ,— wahrhaftig, die haben sich gesucht und gefunden. Fehlte etwas einer so gross gewordenen, einer Millionenstadt — unter Einrechnung der . Nachbarorte im Norden, .Osten, Sueden, die immer mehr mit ihr zusammenfliessen, so war es eine echte, eine ausgewachsene akademische Forschungs- und Lehranstalt statt der universitaetsaehnlichen Notbehelfe der drei letzten, nun gluecklicherweise zur Vergangen heit gewordenen Jahrzehnte, der so hingebend gepflegten wie fragmentarisch gebliebenen Abendkurse, der provisorischen .Versuchsstationen im suedlichen Armeleuteviertel von Abu Kebir. Und nichts konnte dem heute etwa sechzigjaehrigen Dr. Wise willkommener sein als dieser “Auslauf” fuer seinen sechsstelligen Reichtum an Dollar, seine Willenskraft und idealistische Israelbegeisterung. An die drei Jahre ist es her, dass er im Wettiauf um den Ehrenposten des Praesidenten der Jerusalemer Hebraeischen , Universi t a e t unterlegen war, der er als Vorsitzender des Beirats ihrer Gouverneure seit 1952 hochschaetzbare Dienste geleistet hatte. Vielleicht war ein Schuss jenes Snobismus in Spiel gewesen, den man den ‘Professoren der hauptstaedtischen Alma Mater hierzulande nachsagt; vielleicht aber auch schreckte sie der offenbar schrankenlose Ehrgeiz dieses Selfmademan ab, der als Kind mit seinen Eltern aus dem zaristischen Ghetto .von Pinsk ueber den Atlantik in das Land der unbegrenzten Moeglichkeit e n emigriert war, als blutjunger Bursche in South Carolina mit summa cum laude doktorierte, dann sein Vermoegen in Mexiko mit allerlei waghalsigen Geschaeften gemacht und sich schliesslich als Soziologe im Dozentenstab der New Yorker Columbia-University auf seine wissenschaftlichen hobbies versessen hatte. Ingrimmig entschlossen, es “denen in der Heiligen Stadt” zu zeigen, stieg Dr. Wise von ihren Hoehen ins Tiefland an de: israelischen Mittelmeerkueste herab. Er kam, sah was aiies noch fehlte, um Tel-Aviv zur Stadt der zweitgroessten Universitaet des Landes zu machen, er beschloss, es Jerusalem gleichzutun und die Hochschulen zu ueberfluegeln, die es hier sonst noch gibt, das Technikum in Haifa, eine in der Naehe Tel — Avivs liegende Universitaet religioeser Kreise, die landwirtschaftliche Lehrzentrale in Rechovoth, er klemmte sich hinter seinen neuen Partner, den Buergermeister der “ersten juedischen Stadt der Welt”, holte fast ueber Nacht grosse Spenden in Amerika zusammen und liess auch seine eigenen Dollar springen. Und nach nicht viel mehr als der Spanne eines Jahres konnte er nun in einem Feierakt, an dem die Spitzen der Oeffentlichkeit bis zum Staatspraesidenten hinauf teilnahmen, als Praesident der Tel-Aviver Stadtuniversitaet den "Campus” im jungen Wohnviertel von Scheich Munis, das sich jenseits des noerdlichen Yarkon—Ufers noch im Werden befindet, als die Staette “seiner” Hochschule der Bestimmung uebergeben. EIN ECHTES BEDUERFNIS Auf dem weitgestreckten, von der Tel—Aviver Stadtleitung verfuegbar gemachten Gelaende, es umfasst 50 Dunam von je 1000 Quadratmeter, inmitten Dutzender von halbfertigen und teils schon bezugsreifen Bauten, entwickelte George S. Wise als Hauptredner bei dieser Gelegenheit sein hochschulpolitisches Credo: Da in den USA. keine Stadt mit 40.000 Einwohnern auf eine Universitaet oder jedenfalls ein eigenes ‘College” verzichtet, war es fuer Tel - Aviv mit seiner zehmal so grossen Bevoelkerung hoechste Zeit, es bei den bisherigen Ansaetzen nicht bewenden zu lassen. Dem Bildungshunger der Tel — Aviver Jugend gilt es vornehmlich mit dem Blick auf die Soehne und Toechter aus weniger bemittelten Kreisen Rechnung zu tragen, die aus Ersparnisgruenden im Elternhaus wohnen bleiben und sich die Kolleggelder als Werkstudenten verdienen muessen. Bedenklich sei es in Israel insbesondere um den akademischen Nachwuchs von Aerzten, Ingenieuren, Physikern. Chemikern usw. bestellt, von denen so Entscheidendes fuer die Zukunft dieses typischen Entwicklungslandes abhaengt Von der Haifaer Technischen Hochschule mussten aus Etat und Raumgruenden in diesem Lehrjahr 1964, 250 Anwaerter abgewiesen werden, die das Eintrittsexamen bestanden hatten. In Jerusalem war das Verhaeltnis zwischen Bewerbern und Aufgenommenen in Mathematik und Physik 2 zu 1, in Biologie 2 1/2 zu 1 und in der Medizinischen Fakultaet gar 7 zu 1. Vierhundert Anwaerter gegen ganze 60, die sich immatrikulieren lassen konnten (Naturwissenschaftliche Faecher muessten z. Zt. 9.000 junge Israelis studieren. Nur 5.000 sind es, nur 11 Prozent saemtlicher Hoerer an der J er usalemer Hebraeis c h e n Universitaet, von deren Studenten im Wintersemester 1S47—1948 noch 35% diese Faecher belegt hatten... Ueberdies haetten, fuhr Dr. Wise fort, viel zu viele Hochschulabsolventen gerade dieser Bildungszweige dem kleinen Israel den Ruecken gekehrt, 2.000 im letzten Jahrzehnt, weil sich ihnen im Ausland selbstredend groessere Moeglichkeiten der Weiterausbildung. Forschung und Existenz boten. “Man denke, 400 Israelis dozieren an nordamerikanischen Ho c hschulen; aber elf von ihnen durch die Bank erstklassige Leute, habe ich fuer meine Universitaet hier verpflichtet...”. Dabei wies er unter allgemeinem Applaus auf den seitwaerts von ihm sitzenden 39 Jaehrigen Dr. Javal Neeman, dessen Name internationalen Ruf geniesst, seit die am “Nationalen Laboratorium” von Brookhaven (USA) vor Jahresfrist durchgefuehrten Versuche seine Theorie ueber den seitdem “Omega Minus” genannten Teil des Atomkerns bestaetigt haben. Als Frontsoldat der Ben Gurlonschen Verteidigungsar m e e hatte es dieser gebuertige Tel Aviver 948 bis zum Oberstleutnant gebracht. Und nun amtiert er an der Universitaet des Dr. W‘ se als Stellvertretender Rektor und Dekan der Abteilung fuer Physik, an der ei —seinen Neigungen entsprechend— auch Studien ueber die Energiequellen des Weltraums betreiben wird. Neben ihm, der vor einiger Zeit bereits als kuenftiger Nobelpreistraeger genannt worden ist, hatte sein noch juengerer Kollege Platz genommen, der Privatdozent Dr. Zwi Javetz, der sich vorher als Departamentsleiter zur Ausbildung von Gymnasiallehrern an der Jerusalemer Universitaet bewaehrt hatte und in Tel-Aviv nun die Geisteswissenschaftliche Fakultaet als ihr amtsfuehrender Dekan verwaltet. Die Bankreihe des Lehrkoerpers beschloss, oder kroente vielmehr, der betagtere Professor Benzion Katz, der als Rektor dem Stab von 270 Professoren. Dozenten, Assistenten vorsteht (soweit George S. Wise ihm nicht hineinreden wird...), ein Judaist und Hebraist von hohem Rang. Dahinter aber scharten sich Studenten zu Häuf: ein sicher nicht ganz kleiner Teil der insgesamt etwa 3.300, von denen in diesem Semester 2.000 in den geisteswissenscha ftlichen Lehrfaechern inskribiert haben 600 in dem sozialwissenschaftlichen und je 200 im Paedagogischen Institut und der soeben eroeffneten Medizinischen Fakultaet. Ihr ist die schon im zweiten Lehrjahr bestehende “Universitaets - Abteilung fuer fachliche Weiterausbildu n g von Aerzten” verschwistert “ein Unikum als Hochschulfakultaet, fuer die Volksgesundheit dieses Landes hier aber von nicht genug zu schaetzendem Wert”, wie mir mein Nachbar erklaerte, ein Mann mittlerer Jahre, seines Zeichens praktischer Arzt, wie sich herausstellte. Nicht genug weiss er Professor Fritz Dreyfuss zu ruehmen, den Dekan der Abteilung dieses Auffrischungskurses, an der man sich zu einem “Nach Studium” von vier Jahren verpflichten muss. GESPENDETE GEBAEUDE “Dort werden wir kuenftig arbeiten”, —und mein neuer Bekannter zeigt auf ein verwirrendes Durcheinander von Stahl und Beton zwischen vielfach gewinkelten Strebe— und Querpfeilern. Was sich im geschmackvollen Stil der modern “funktionalistischen” Architektonik daraus entpuppen wird, lassen die daneben stehenden Bauten erkennen, so der schon fertige Teil des “Gilman-Hauses”, das fuer die Geisteswissenschaftliche Fakultaet vorgesehen ist, und der langgestreckte Komplex des “Shenkin-Gebaeudes”, des Sitzes der Abteilung fuer Physik, Chemie und theoretische Math ematik. (Wie es des Landes Brauch ist. tragen all dies Baulichkeiten die Namen der Maezene, die sie gespendet haben). Im Bau sind ferner —wenige weitere Beispiele — die dreistoeckige Universitaetbibliothek, die Lehrstaetten fuer Betriebs— und Finanzwissenschaft und fuenf fuer die Unterbringung der Professorenfamilien vorgesehene Wohnhaeuser, wahre Wolkenkratzer nach den Reissbrett-Entwuerfen. DAZWISCHEN EIN BAULICHER FREMDKOERPER Wie ein erratischer Block hebt sich davon die vier Etagen hohe, noch vor der “Aera George S. Wise” aus roetlich schimmernden Steinblocks in einem heutzutage antiquierten Stil errichtete Tel—Aviver Filiale der “Jerusalemer Universitaet” ab. Sie stoert nicht nur das aeussere, architektonischen Gesamtbild . Als sich Tel—Avivs Hochschulwesen im wesentlichen auf das kleine, 1932 im Sueden der Stadt gegründete Naturwissenschaft liehe Forschungsinstitut des Dr. J. Margolin beschraenkte, eines Biologen von gutem Ruf und unermuedlicher Selbstlosigkeit, war es unbestreitbar das Recht und vielleicht sogar die Pflicht der seit 1924 fuer das ganze Land repraesentativen Universitaet der Hauptstadt gewesen, in diese bildungspolitische Luek ke zu springen. Und so bevoelkern jetzt denselben “Campus” uebrigens friedlich Schulter an Schulter, neben ihren Commilitonnen von der Staedtischen Tel —i Aviver Hochschule, etwa 2.000 Studenten als gleichsam “korrespondierende Mitglieder” des Jerusalemer Mutter-Instituts. Natuerlich ist kein Mangel an Vorschlaegen, diesem absurden Zustand ein Ende zu machen. Von einem Dr. Wise wird es nicht ueberraschen, wenn er frueher oder spaeter mit einem hinreichend, verlockenden Kaufangebot hervortritt, um sich besagten “Fremdkoerper” zu versichen und sei es nur, um feurige Kohlen auf die Haeupter derer zu schuetten, die ihm den Weg zu ihrem Hochschulpraesidentensessel seinerzeit versperrt haben. Das Budget seiner Universitaet hat jetzt schon solche Ausmasse, dass er sich diese, sagen wir, edle Revanche gut und gerne einige Dutzende Dolllarmiilionen kosten lassen koennte. Umso eher wird er im Verein mit der Tel-Aviver Stadtverwaltung dann an den weiteren Ausbau seiner Plaene gehen koennen, zu denen ein “Fors chungszentrum fuer moderne* Massen Kommunikation” gehoert, eine Kunstwissenschaftliche Fakultaet Institute fuer Arbeitsrecht und Gewerkschaftswesen, fuer Rohoel— und Textilforschung fuer Meerwasserentsalzung, fuer Filmkunst und wer weiss fuer was alles sonst noch... Es wird es schaffen. Denn nicht nur ein aufs hoechste ehrgeiziger Manager ist dieser Dr. Wise, sondern auch ein Idealist, nicht allein ein hartgesottener, mit allen Wassern des Big Business gewaschener Gesc h a e f t s mann, sondern zugleich ein denkerischer Traeumer. Mit beiden Fuessen steht er auf dem Boden der amerikanischen —und der israelischen- Wirklichkeit, und wie! Und greift mit beiden Haenden nach den Gebilden seiner Phantasie, ein Mensch mit seinem Widerspruch.

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