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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-10-01 · 10 (Octubre, 1964) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
10 (Octubre, 1964)
Date
1964-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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OCTUBRE 1964 11 BOLETIN INFORMATIVO IM LICHTE DER HISTORISCHEN FORSCHUNG: DIE KRISTALLNACHT IN OESTERREICH Der November-Pogrom war fuer die Juden Oesterreichs nicht mehr als ein weiteres Kapitel einer Reihe von Verfolgungen, von Raub und Pluenderungen, die bereits im Maerz 1938 begonnen hatten. So lesen wir in einem Gestapo-Bericht aus Eisenstadt, der Hauptstadt des Burgenlandes, dass bis August 1938 bereits 1.200 Juden ausgewandert waren. 285 davon wurden ueber die Grenze abgeschoben und ihnen ihre Staats buergerschaft aberkannt. Ein aehn’liches Schicksal erwartete weitere 235 Juden. Der Besitz aller damals noch im Burgenland ansaessigen 2.600 Juden wurde beschlagnahmt. Am 18. September 1938 wurde den Juden Horns, einem Provinzstaedtchen in Niederoesterreich b e f ohlen, innerhalb von 24 Stunden Stadt und Umgebung zu verlassen. Vorher mussten sie jedoch dem dortigen Notar Vollmacht ueber ihr Vermoegen erteilen. Die Synagoge wurde beschlagnahmt, und der Stadtverwaltung uebergeben. Aehnliche Judenaustreibungen wurden auch in anderen Gegenden Niederoesterreichs durchgefuehrt, z. B. in Hollabrunn, das am 1. September 1938 “judenrein” war. Am 4. Oktober 1938 beschlossen die Behoerden von Wien, die Juden der Stadt innerhalb von 5 Tagen auszuweisen. Staatenlose Juden wurden ueber die tschechische Grenze abgeschoben. Am 5. Oktober, dem Vorabend von Jom Kippur, mussten die Juden des 17., des 18. und des 19. Bezirks ihre Wohnungen raeumen und nur dank der Intervention des Gauleiters Buerckel, der den Bitten der Juden Wiens Gehoer schenkte, wurde diese Verordnung zwei Tage spaeter wieder rueckgaenglg gemacht. Mosche Averbuch, ein F u n k t i onaer der Jewish Agency, der sich in diesen Wochen in Wien befand, beschrieb die Lage der Juden in den duestersten Farben: “Ein Jugendzentrum wurde zerstoert und die Kinder misshandelt. Die Situation sieht man am besten unter dem Zeichen der Laehmung und der Hoffnungslosigkeit, vor allem wegen der Unmoeglichkeit, dem Terror und der Angst zu entfliehen. Hunderte, vielleicht Tausende, haben die Stadt in kuerzester Zeit verlassen muessen. Gemeinde und Palaestinaamt sind ueberfuellt von Ratsuchenden. Man versucht die Juden nach allen moeglichen Laendern zu senden, aber die AuswanderungSmoeglichkelten sind sehr beschraenkt. Der Instinkt ist bewunderungswürdig. mit dem die Juden Moeglichkeiten aufspueren, die ihnen eine Auswanderung nach Trinidad, Haiti. Santo Domingo usw. eroeffnen. In der Tat ist die Lage derart, dass der einzige Ausweg ist. das Land so schnell wie moeglich zu verlassen. Hier gibt es keine Lebensmoeglichkeit mehr, und die Verzweiflung ist so gross, dass die Leute bereit sind, in Internierungslagern im Ausland zu leben. Die Institutionen haben sich damit abgefunden, dass die Tage der Juden in Wien gezaehlt sind und dass die Gemeinde pur noch hoechstens ein bis zwei Jahre bestehen wird”. Vor diesem Hintergrund muessen wir die Ereignisse sehen, die sich zwischen dem 9. und dem 10. November abspielten. Sie waren nicht eine ploetzliche Katastrophe, sondern nur eine Verschlechterung der bereits bestehenden Situation. Offiziell begannen die Pogrome auf Grund von Anordnungen des Chefs der SIPO und des SD, Reinhard Heydrich. Es war in Wien aber schon vorher bekannt, dass ein Pogrom in Vorbereitung war. Gauleiter Hofer, der waehrend der Vorbesprechungen in Muenchen anwesend war, hatte dies in Wien bekanntgegeben, wohin er zurueckgeflogen war, ehe die definitive Order erteilt wurde. Heydrich ordnete an, dass die SS die Synagogen zerstoeren sollte. Der SD, sollte juedische Archive und Bibliotheken beschlagnahmen, die SA und die Gestapo die juedisohen Betriebe schliessen. Er autorisierte die Zerstoerung der Synagogen, der Wohnungen und der Geschaefte, mit Ausnahme des Eigentums auslaendischer Juden. Alle Pluenderung dagegen war strengstens untersagt, da der Staat der einzige Nutzniesser juedisehen Besitzes sein wollte. Ebenso wurde von Heydrich angeordnet, moeglichst viele Juden bis zu 60 Jahren zu verhaften, vorzugsweise wohlhabende und koerperlich ruestige Maenner, die bis au ihrer Ueberweisung in Konzentrationslager in Gefaengnissen festgehalten werden sollten. Das Tragen der Uniform waehrend des Pogroms wurde strengstens untersagt, um nicht den Eindruck des “Erwachens der kochenden Volksseele” zu beeintraechtig o n. Empfangsbestaetigung dieser Anweisungen und Ausfuehrungsmeldungen, waren an Standartenfuehrer Heinrich Mueller nach Berlin zu richten. In einem letzten Versuch, der drohenden Gefahr zu begegnen, fasste das Direktorium der Gemeinde, einer Anregung der Reichsvertretung folgend, einen Gruenspan verdammenden Beschluss und schloss ihn, den Moerder Von Raths, aus der juedischen Gemeinschaft aus. Als die juedisehen Vertreter jedoch Eichmann davon Mitteilung machen wollten, schnitt er sie kurz ab: “Bleibt mir drei Schritt vom Leibe”. Die Bureaus der Gemeinde wurden von SS besetzt, welche die Anwesenden misshandelte und viele von ihnen verhaftete. Mit einer einzigen Ausnahme wurden alle 43 Synagogen der Stadt ein Raub der Flammen. Eichmann kommentierte zynisch gegenueber Dr. Engel, dem Vize-Praesidenten der Gemeinde: “Sie werden zugeben, dass dies das absolute Minimum war”. Averbuch informierte nach Jerusalem: “Gestern kamen sie in die Gemeinde und das Palaestinaamt und verhafteten dort jeden mit Ausnahme der Funktioniere, die sie anscheinend brauchen. Eine Razzia wurde in allen juedischen Wohnungen gemacht. Das Ergebnis ist dementsprechend. Die Bewohner der Haeuser wurden in einer Wohnung konzentriert und ihnen die Schluessel abgenommen. Eine Anzahl Juden ist in diesen Tagen verhaftet worden, man spricht von 10- 15.000. Aus den juedisehen Lebensmittelgeschaeften sind alle Waren entfernt worden, waehrend gleichzeitig angeordnet worden ist, dass kein anderes Geschaeft an Juden verkaufen duerfe. Die Mitglieder dreier Hachsoharoth wurden verhaftet, der vierten ist nichts geschehen. Eine wurde sofort aufgeloest, die Maenner festgenommen und die Maedchen nach Wien abgeschoben”. Einheiten der SS zerstoerten indessen die Schaufenster der juedisehen Geschaefte und, entgegen der Order Heydrichs, pluenderten sie voellig aus. Die Waren wurden unter die johlende Menge verteilt. “Die Operationen gegen die Synagogen erregten das meiste Aufsehen. Grosse Menschenmengen versammelten sich und verfolgten die Ereignisse mit merklichem Interesse und Befriedigung. Wenn man sie nicht direkt davon abhielt, beteiligten sie sich ap den Verbrechen. Sie beobachteten die Verhaftung der Juden und die Zerstoerung juedisehen Eigentums ohne ein Wort des Mitleids, und sollte einmal eine vereinzelte Stimme der Menschlichkeit laut werden, wurde sie alsbald von der Masse niedergeschrieen. Personen, die man judenfreundlicher Haltung verdaechtigte wurden ebenfalls verhaftet B e s o nders charakteristisch war die aktive Beteiligung der Hitlerjugend bei den Pogromen”. Der Polizei war jedes Eigreifen untersagt worden und die Brutalitaet der Zerstoerung ueberschritt bald jedes Mass. Selbst Eichmann konnte nicht verhindern, dass der z e n trale Auswanderungsindex, sowie das technische Mobiliar der Gemeinde zerstoert wurde. Archive und Bibliotheken fielen der Beschlagnahmung anheim, insbesondere die Bestaende des juedischen Mus.eums. Safes und Aktenschraenke der Gemeinde wurden versiegelt, genau wie die von 4.038 juedisehen Firmen in Wien. Viele Juden wurden von den oertlichen Parteieinheiten aus ihren Wohnungen vertrieben. Allein im 1. Bezirk mussten 1.500 Familien ihr Heim verlassen. Soweit nicht gepluendert wurde, wurde alles zerstoert. In einem Fall liess man einem Arzt noch nicht einmal ein Handtuch, um sich seine Haende zu saeubern, nachdem er eine von den Banden misshandelte Frau und ihre Tochter verbunden hatte. Die physische Tortur der Gefangenen erreichte unsagbare Hoehepunkte in den Gefaengnissen und in den Schulen, den Klcestern, und der spanischen Reitschule, die zu Gefaengnissen umgewandelt worden waren. Die Verhafteten wurden auf alle nur denkbare Art misshandelt, ganz besonders die Angehoerigen der Intelligenz, von denen viele den Verstand verloren. Die Gefangenen kamen alsdann nach Dachau und ihre besorgten Angehoerigen standen wochenlang Schlange vor der Gemeinde, um Nachrichten zu erhalten, ohne sich von den Maschinenpistolen der SS abschrekken zu lassen, welche die Umgebung des Gebaeudes patrouillierte. Bei einer Zusammenkunft des Wiener Gauwirtschaftsamts wurde der Kommandeur der SS, Fitzthum, der gleichzeitig Chef der Polizei war, ermaechtigt, nach juedischem Besitz zu forschen, der der Zerstoerung entgangen waere. Eine zentrale Behoerde wurde eingerichtet, um die beschlagnahmten Gegenstaende zu verkaufen und der Erloes wurde, zusammen mit den Geldern der verhafteten Juden, auf Sperrkonto deponiert. Bei dieser selben Sitzung aber wurden auch Stimmen laut, die der Besorgnis der Kirche, der Intelligenz und der Wirtschaft Ausdruck gaben. Ganz besonders befuerchteten die Wirtschaftler einen voelligen Stillstand des Aussenhandels. Es ist interessant zu bemerken, dass niemand sich den “legalen” Beschlagnahmungen widersetzte, die allgemein akzeptiert wurden, nur der Pluenderung, die eines Tages auf die Urheber wuerde zurueckfallen koennen, wurde Widerstand entgegengesetzt. Infolge der scharfen Reaktion, besonders des Auslandes, wurde die Aktion gegen fuenf Uhr abgebrochen. Noch am gleichen Tage wurden auf Anordnung von Berlin diejenigen Juden freigelassen, die Funktionaere der Gemeinde und des Palaestinaamtes waren. Gleichzeitig o r d n e te Eiehmann an, dass das Palaestinaamt alle Anstrengungen machen muesse, um Wien bis Maerz 1939 “judenrein” zu machen. Die November-Pogrome bedeuteten den Todesstoss fuer (Fortsetzung Seile 12) MAURICIO LEVI R. Santo Domingo 694 Fono 36387 Erstklassige Maasaniertigung UNSERE Spezialressen Euer IHREN SÜMMERURLAUB SUEDEN und NORDEN CHILES MENDOZA u. Umgebung SIERRAS DE CORDOBA MONTEVIDEO u. 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