Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-10-01 · 10 (Octubre, 1964) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
10 (Octubre, 1964)
Date
1964-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8559039-9194601--4322-8559272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

OCTUBRE 1964 BOLETIN INFORMATIVO 7 DIE NEUEN FRONTEN Auf der einen Seite die Westmaechte —U.S.A., England, Frankreich— mit ihren Einflussgebieten im ¡Fernen Osten, Lateinamerika und Afrika. Auf der anderen, der “monolithische” Block der beiden kommunistischen Grossmaechte Russland und China (mit ihren Satellitenstaaten. So verlaufen die Fronten im Kalten Krieg, von dem nur zu hoffen bleibt, dass er sich nicht “erwaermt”. Ein wenig schematisch vereinfacht, ein wenig primitiv, war diese Analyse doch einmal in ihren Grundzuegen garnicht so falsch. Was unglaublich daran anmutet, ist die phantastisch kurze Zeitspanne, in der sich dieses Bild so radikal geaendert hat: eine Angelegenheit von mehr oder weniger iuenf Jahren. Nicht einmal die fuer den Laienverstand so unfassbar rasche und gewaltige Entwicklung der Wissenschaft scheint in dieser Zeit mehr sensationelle Neuigkeiten gebracht zu haben als die mit Uletaersch.aU- Geschwindigkeit vor sich gegangene Umwaelzung der weltpolitischen Situation. Der kommunistische Block ist kein Block mehr und schon ganz gewiss nicht monolithisch, Wirtschaftliche und politische Sonderinteressen haben das westliche Lager, wenn nicht zersplittert, so doch aufgespalten. XJnd eine “dritte Welt”, die der sogenannten Entwicklungslaender, bezeugt ein immer klareres Bewusstsein in Bezug auf seine Sonderstellung, seine eigene Problematik. Rechte, Forderungen und Macht. In diesen Spalten ist weder der Raum, noch masst sich ihr Autor die Faehigkoit an, diese Neugruppierung in allen Details zu skizzieren, geschweige denn zu analysieren. Sie aber an einigen char a k teristischen Momenten aufzuzeigen, erscheint ihm doch wesentlich und aktuell. Wesentlich im Hinblick auf die Bedeutung des Themas, in dem die vielen Schluessel zu den unzaehligen Tueren zum Verstaendnis der weltpolitischen Ereignisse aufbewahrt sind. Und aktuell... aus vielen Gruenden oder gar keinem, zumindest keinem speziellen. So mag zur Rechtfertigung der Aktualitaet •—sofern (es einer solchen wirklich bedarf— der Staatsbesuch des Praesidenten De Gaulle herhalten, der gleich grell gewisse Gegensaetze im westlichen Lager wie 'die Sonderstellung Lateinamerikas im Rahmen der Dritten Welt beleuchtet. Wenn man sich auch im State-Department , mit suesssaurern Laecheln beeilt hatte, seinerzeit die Ankündigung dieses Besuchs als eine positive Initiative zu begruessen, ist man sich doch dort ueber den Charakter der Herausforderung, die damit verbunden ist, volkommen im Klaren. Paris verfolgt heute eine Politik, die erklaertermassen die Einigung des Europaeischen Festlandes und damit die Schaffung einer dritten Macht verfolgt; nicht erklaert wird dabei die Komponente der franzoesischen Hegemonie. Das Veto gegen die Aufnahme Grossbritanniens in die EWG, die Entwicklung eigener atomarer Waffen, die beschraenkte Mitarbeit an den Aufgaben der NATO, die Formulierung eigener politischer Ideen fuer Suedostasien, die Aufnahme der Beziehungen zu China und nun diese Reise sind, insgesamt betrachtet, mehr als nur Beispiele fuer eine Politik, die in weltweiten Masstaeben plant und neue Gegebenheiten sowohl einkalkuliert wie auch schafft. Wieweit sie in jeder Hinsicht realistisch ist oder manchmal nur kuehn, wird die Zukunft zeigen und haengt von vielen Faktoren ab. Einer dieser Faktoren, nicht der unwesentlichste— ist der Grad der deutschen Mitarbeit, Er war fuer De Gaulle weit guenstiger unter Adenauer, der sei¬ BOTSCHAFTER NAOR . IN ARICA Ende August besuchte der gen teil, die starken Wider- Botschafter Israels, Herr Dr. hall in der lokalen Presse und Uri Naor, die Provinz Arica, Radio fanden, wo er von dem lokalen Be- Herr B o t s c hafter Naor hoerden und Mitgliedern der nahm seinen Besuch zum Andort ansaessigen juedischen lass, am Denkmal Bernardo Gemeinschaft e m p f a ngen O’Higgins einen Kranz niewurde. derzulegen, wobei Vertreter der zivilen und militaeri- Waehrend seines Besuches sehen Behoerden anwesend nahm Herr Dr. Naor an verwaren, nebst einer grossen schiedenen, zu seinen Ehren Zahl von Publikum, welches organisierten ' Veranstaltunihn lebhaft applaudierte. Der israelische Botschafter bei der Kranzniederlegung am Denkmal Bernardo O’Higgins. ne Konzeption uneingesohraenkt zu teilen schien, als heute bei Erhard, der die Verbindungen zu Washington und London weitgehend auszubauen gewillt ist. In mancher Hinsicht zeichnet sich hier eine Parallele zu der Linie ab, an die sich Lateinamerika hdfelt oder wird halten muessen, mit dem Blick offen fuer Europa und die uebrige Welt, ohne deswegen der Illusion zu verfallen, damit den Handel, die Wirtschaftshilfe, den Beistandspakt, die “Allianz fuer den Fortschritt”, die Kapitalinvestitionen und sonstigen unzaehligen Bindungen mit dem grossen Nachbarn im Norden als Ballast ueber Bord werfen zu koennen. Das neue Regime, das in Chile innerhalb weniger Tage debütieren wird, mag direkt als Schulbeispiel dafuer dienen. Es wird “pro-westlich” im herkoemmlichen Sinne sein, aber Beziehungen auch mit den , Laendern des Ostens aufnehmen, die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten fortsetzen, aber zur Entwicklung des Landes Wege beschreiten, welche in diesem Zusammenhang neu —und vielleicht auch schmerzhaft— sind und auf der Festung seines Wahlsieges ueber die Kommunistische und Sozialistische Partei wird es die Route der Planwirtschaft! einschlagen. Das sind keine Widersprueche, sondern Notwendigkeiten, die sich aus widerspruchsvollen Gegebenheiten ableiten. Denn geographisch, kulturell und dank seiner demokratischen Struktur gehoert Chile —wie mit mehr oder weniger verlagertem Akzent Lateinamerika ueberhaupt— zum Westen. Wirtschaftlich gehoert es zum Sueden, das heisst zur Dritten Welt, den Entwicklungslaendern, die zu 90% auf der suedlichen Halbkugel liegen. Und ob diese Trennungslinie des naturgewollten Aequator auch fuer die Politik vielleicht einmal bedeutender wird als die durch menschliche Auseinandersetzungen geschaffene Oder-Neisse-Linie, kann noch niemand wissen. Aber die Moeglichkeit besteht und waeehst in dem Masse, in dem die Probleme der Ueber. KINUS DES VAAD HAJINUJ , Am 10. Oktober 1964 wurde der 20. Kinus des Vaad Hajinuj eroeffnet, ueber dessen Verlauf wir in unserer naechsten Ausgabe berichten werden. Die Vertretung der Gemeinde bestand aus den Herren Hans Kaufmann, Walter Levy und Heinz Podbielski. FACHLEUTE NACH ISRAEL Die Herren Enrique Raymond Aldunate, Sergio Maturana und José Manuel Toro, Ingenieure der Corporación de la Reforma Agraria und der Agronomischen Fakultaet der Universidad de Chile, haben sich, einer Einladung der israelischen Regierung folgend, nach Israel begeben, um dort Studien auf dem Gebiet der Bewaesserung von Duerregebieten zu treiben. r MONATSSPIEGEL bevoelkerung und Unterernaehrung, sowie des Mangels an Erziehung, Gesundheit und Arbeit ueberhandnehmen. In verschiedenen internationalen Gremien, nicht zuletzt den U. N., bahnen sich Solidaritaetsbestrebungen zwischen den Staaten an, die durch diese Probleme belastet und bedroht sind. Von besonderer Bedeutung erscheint in diesem Zusammenhang die vor einigen Wochen beendete Handels— und Entwicklungskonferenz von Genf, wo —um auf Frankreich zurueckzukommen— die Delegierten der Regierung De Gaulle sich durch besonderes Verstaendnis fuer die Entwicklungslaender auszeichneten. Eines der positiven Ergebnisse dieser ansonsten an Ausbeute mageren Konferenz ist die Bildung eines staendigen Komitees, das mehr als 70 der letztgenannten Laender um einen Tisch versammelt. Auf politischer Ebene tref-, fen sich viele dieser Staaten in diesen Tagen in Kairo.. Einerseits muss man dieser Konferenz der “Nicht-Kompromittierten” wie allem, was sich im Schatten der Pyramiden abspielt, mit berechtigter Skepsis entgegentreten. Seit der ersten dieser Konferenzen —in Bandung— haben Nasser und seine Bundesgenossen schon zu oft gegen den Imperialismus gesprochen, nur um den ¡eigenen Imperialismus zu foerdern, von Wirtschaftsentwicklung, um Vernichtungswaffen zu schmieden und von Frieden, um Krieg vorzubereiten. Andererseits entbehren sie nicht einer gewissen internationalen Bedeutung, die z. B. auch von Chile, das zum ersten Mal einen Beobachter entsendet, gewuerdigt wird. Ein Status, der fuer ein Land, das soeben mit grosser Stimmenmehrheit g e z e i gt hat, dass es nicht zum Osten gehoeren will, dessen Armut es ihm heute noch unmoeglich macht, sieh ganz zum Westen rechnen zu duerfen, als angezeigt erscheint, zumal wenn man bedenkt, dass ein “Beobachter” es auch den Nicht-Kompromittierten gegenüber ... nicht kompromittiert. Was Nasser 'anbetrifft, so muss schliesslich ftestgestellt werden, dass er dank seiner unleugbaren politischen Intuition —er hat auch sie mit grossen Vorbildern gemein— fruehzeitiger als andere Staatsmaenner duchschaute, dass die Fronten des Kalten Kriegs der rtler Jahre nicht so starr waren, wie die Meisten annabmen. Und jenseits .des ehemals “Eisernen Vorhangs”, der fuer viele' Belange selbst als rhetorische Figur kaum noch existiert —wobei eingeschaltet werden muss, dass er leider fuer die Juden Russlands noch ebenso bedrohlich wie real ist—? Zweifellos ist der Bruch zwischen Moskau und Peking mit all den unabsehbaren Weiterungen, die sich daraus ergeben, die entscheidende und transzendentale Begebenheit in diesem unabgeschlossenen Kapitel der Bildung neuer Grenzen. Ueber seinen Ursprung, der teils mit “imperialistischen” Gegensaetzen, teils mit Problemen der atomaren Ruestung, manchmal mit dem Kampf zwischen satten und hungrigen Kommunisten, aber niemals mit den von den Protagonisten selbst ins Feld gefuehrten ideologischen Argumenten erklaert wird, lassen sich Baende schreiben und sind auch bereits geschrieben worden. Zu seinen wichtigsten Auswirkungen gehoeren u. a. die Annaeherung zwischen iU.S.A. und Russland, die Bannung der Kriegsgefahr, die •'Liberalisierung” der russischen Politik auf manchen Gebieten, die innere Krise der kommunistischen Weltbewegung und die wachsenden Unabhaengigkeitsbestrebungen der Staaten Osteuropas. Rumaeniens Kontakte mit dem Westen, Ungarns Konkordat mit dem Vatikan und des alten Rebellen Tito Weigerung, bei der Konferenz zur Verurteilung der chinesischen Lime mitzumachen, sind nur Teilansichten des komplizierten Bildes der Veraenderungen, die dort vor sich gehen. So stuerzen alte Grenzen streckenweise zusammen und neue wachsen aus dem Erdboden. Weitgehend ueberschneiden sie sich und sind dadurch wirr und unübersichtlich. Ein kleiner Krisenherd, Zypern, zeigt dies besonders deutlich. Tuerken und Griechen bezeichnen ihn als Grund fuer einen Krieg, den sie mit Waffen gegeneinander fuehren muessten, die man ihnen im Rahmen der NATO lieferte, weil sie Alliierte sind. Makarios sucht Unterstuetzung in Moskau, wird aber von dort mehr gebremst als gefoerdert, da die U. d. S. S. R. im Moment an einer Verschaerfung der Situation nicht interessiert scheint. Darauf wendet er sich nach Kairo, wo man ihm bedingungslose Unterstuetzung verspricht,. was nichts kostet, da man ihm doch keine gewaehren kann. Aber zwei verantwortungslose Demagogen, die hemmungslos bereit sind, jedes Feuer anzufachen an dem sie glauben, sich waermen zu koennen, haben sich gefunden. Zu welcher Einflussphaere sind sie zu rechnen? Gibt es uebernaupt noch klar abgesteckte? Wieweit sind die vielen neuen Konflikte dazu angetan, den alten Ost-West- Konflikt zu annullieren? Wie oft sind seine Urheber daran interessiert, in Wirklichkeit ihn nur zu schlieren? Es gibt gewiss am Ufer des Flusses dieser Entwicklung mehr Fragen als Antworten. Was gestern noch Axiom schien, ist heute Irrtum und die relativen Wahrheiten von heute werden morgen in Frage gestellt sein. Als Erkenntnis kann nur bleiben, dass man immer von neuem lernen muss. ATSCIIEKA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.