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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-08-01 · 8 (Agosto, 1964) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
8 (Agosto, 1964)
Date
1964-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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AGOSTO 1964 11 BOLETIN INFORMATIVO ZUM IGO. TDDESTAGE AM 31. AUGUST FERDINAND LASALLE UND SEIN JUDENTUM Von Curt Wilk. Ueber die Emanzipationsepoche im einstigen deutschen Judentum, die mit dem Jahre 1933 ihren Abschluss gefunden hatte, gibt es eine umfangreiche Literatur. Auf der Suche nach einer seelischen Heimat, die so viele inittel — und westeuropäische Juden in ihrem Judesein nicht mehr zu finden glaubten, identifizierten sie das ganze Deutschland mit dem erhabenen Geist von Koenigsberg (Kant) und Weimar (Goethe, Schiller, Wieland. Herder); das saebelrasselnde' Potsdam, den Ungeist und den Duenkel von Adel und Militaerkaste, uebersahen sie. Doch alle ‘‘Fluchtversuche aus dem Judentum” mussten scheitern. Heine sagte einmal: “Es ist schwer, zu fliehen, wenn man das Vaterland an seinen Sohlen mit sich traegt”. Auch Ferdinand Lassalle, dessen 100. Todestag auf den kommenden 31. August faellt, war ein Kind der Emanzipationsepoche und der Assimilation; im letzten Grunde ist er hieran zerbrochen, er, der als ganz junger Mensch am liebsten, wie er es ausgesprochen hatte, “an der Sritze der Juden mit der Waffe in der Hand sie selbstaendig machen moechte”. Am 11. April 1325 ist Lassalle in Breslau zur Welt gekommen, als Sohn eines angesehenen Kaufmanns. Vom 15-jaehrigen Juengling liegen Aufzeichnungen vor, die eine ausserordentliche Fruehreife zeigen. Die Blutbeschuldigung gegen die Juden von Damaskus erregt ihn stark, und er schreibt: “Ein Volk, das dieses q:- traegt, ist schrecklich; es raeche oder dulde die Behandlung. Ich koennte mein Leben waren, um die Juden aus ihrer jetzigen druckenden Lage zu reissen. Ach, sogar die Christen wundern sich ueber unser traeges Blut, dass wir uns nicht erheben nicht lieber auf dem Schlachtfeld als auf der Tortur sterben wollen”. Seine juedischen Altersgenossen verstehen ihn nicht, weil sie. wie er meint, keinen Sinn fuer Freiheitsgedanken besaessen; er, Ferdinand Lassalle, als Erwachsener, werde das “Kriecherische” von sich weisen. Einer seiner Biographen glaubt, dass dieses Gefuehl fuer das Ritterliche, das in ihm lebte, ln den folgenden Jahren bestaerkt worden waere durch gute Lektuere und den Besuch von Theaterauffuehrungen, unter denen Goethes ‘‘Egmont” ihn besonders beeindruckt haben soll. Das Heldentum der mittelalterlichen deutschen Ritter floesst dem jungen Manne Hochachtung ein, doch, “fuer die Juden lohne es sich nicht, zu kaemipfen”. Diese Erkenntnis bemaechtigt sich seiner immer mehr, denn die Juden haben Ja nunmehr, nach Erlangung der bürgerlichen Gleichstellung, die Moegliehkeit, falls sie ihr Judenleid nicht mehr zu tragen wuenschen die Taufe anzunehmen, sich, wie Lassalle es ausdrueckt, “nach neuester Mode ein evangelisches Christentum umzuhaengen”. Ihn befriedigt allerdings beides nicht. In dieser Epoche stehen Maenner wie Gabriel Riesser und Johann Jacoby auf, um den unterdrückten juedischen Glauben zu verteidigen und fuer Geistesfreiheit einzutreten. Der Letztere, ein juedischer Arzt aus Koenigsberg und mutiger Demokrat, rief da mals aus: “Solange nur ein Recht dem Juden entzogen wird, bloss, weil er Jude ist, solange bleibt er ein Sklave”. Der lS-Jaehrige beginnt, sein eigentliches Ziel klarer zu erkennen. Die Befreiung der Juden, so glaubt er, bilde nur einen gewissen Ausschnitt innerhalb der grossen menschlichen Auseinandersetzungen zwischen der wahren Demokratie und den aristokratischen Vorrechten und Vorurteilen. ‘‘Die Welt aus den Ketten dummen Aberglaubens zu reissen”, darin sieht er die ihm von Gott gegebene Aufgabe; ein Freiheitskaempfer, wenn noetig, auch ein Maertyrer, moechte er werden. Seine Lehrstaette — er sollte Buchfuehrung erlernen — verlaesst er und bald darauf das Seidenlager im vaeterlichen Geschaeftshause, wo er kurze Zeit verweilt, um sich fuer einen groesseren Kampf zu ruesten. Dennoch, um diese Zeit, ist er interessiert genug einen gewissen Anteil an ‘ den Breslauer Rabbinats — und Gemeinde wirren (1843) zu nehmen und in einem denkwuerdigen Briefe zum Problem der “religioesen Reform”, das damals die Gemueter erhitzte, eine Position zu beziehen, die seine Bedenken deutlich werden laesst. Dooh dann erlischt Lassalles juedisches Interesse. Es folgen die Jahre des Studiums, der Beschaeftigung mit Geschichte und Philosophie. Es treibt ihn nach Berlin, aber nicht lange danach lockt ihn Paris, wo er eine freiere Luft atmen, verbannte Groessen wie Heinrich Heine kennen lernen kann, auf den die hohe Begabung, die Genialitaet des jungen Mannes, tiefen Eindruck machen. Nach Berlin zuruecfcgekehrt, finden wir ihn als Rechtsanwalt. In einem beruehmtgewordenen Prozess, in welchem er Beschuetzer einer Dame von sehr hohem Adel wird, erlangt er eine starke Popularitaet und wird von der fortschrittlichen Presse gefeiert. Von ■ diesem Zeitpunkt an datiert Lassalles Rolle als “Revolutionaer”. Es kommt die Zeit der Wirren von 1848, und fuer ihn, den zwar erst 23jaehrigen Demokraten, aber schon fuehrend im Kampfe gegen die Reaktion, beginnt die Zeit der Verfolgung aller freiheitlich—Gesinnten. E s wurde nun eine Ehre fuer ihn. eine gewisse Zeit im Gefaengnis zu verbringen; dieses Schicksal teilte er mit anderen fortschrittlichen Geistern. Doch ungebeugt verliess Lassalle die politische Haft. Die wirtschaftliche Unabhaengigkeit liess ihn als freien Schriftsteller arbeiten, und die Frucht intensiver Taetigkeit ist das beruehmte 2-baendige Werk ueber Heraklit, den schwerverstaendlichen Dichter des Altertums, in dessen ueberlegenem Ge nius er die eigene Ideologie bestaetigt zu finden glaubt. Aber die 'politischen Hindernisse machen es ihm unmoeglich, Universitaetslehrer zu werden: er bleibt bei der freien Schriftstellerei; doch seinen vielen literarischen Arbeiten ist die eigentliche Anerkennung versagt. Auch im privaten Leben ist er unzufrieden, keineswegs gluecklich. Da, um das Ende der Fuen-fziger Jahre, hebt eine Epoche an, mit dem dritten Napoleon in Frankreich und Bismarck in Preussen. und Lassalle haelt den Zeitpunkt fuer gekommen, seine “ehernen Gesetze” zu verkuenden, die Grundlagen eines Parteiprogramms, das einen ‘‘sozialen Staat” vorsieht. In einem “Offenen Brief” vom 1. Maerz 1863 an einen Leipziger Arbeiterverein fordert er auf, sich vom Buergertum zu trennen, die Begruendung einer eigenen “Arbeiterpartei” vorzunehmen. Am 23. Mai 1863 erfolgte die Schaff u n g des “Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins” zu Leipzig, aus der sechs Jahre spaeter die ‘‘Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Deutschland” wurde. Im Gegensatz zu Karl Marx neigte Lassalle einer Art “Staatssozialismus” zu; den bestehenden Staat bejahend, erstrebte er dessen Durchsetzung mit sozialem Gedankengut und zeitgemaessen Reformen. Selbst mit Bismarck verhandelte er ,wenn auch erfolglos, um eine Wandlung des kapitalistischen Wirtschaftssystems anzubahnen. Bismarck erkannte Lassalles grosses Talent und nannte ihn spaeter” einen der geistreichsten und liebenswuerdigsten Menschen, beseelt von einem Ehrgeiz hoechsten Stils”. Manche einfachen Menschen, Arbeiter, misstrauten ihm wegen seines vornehmen bürgerlichen Auftretens, doch wuchs seine allgemeine Volkstümlichkeit angesichts der Verfolgungen durch Polizei und Gerichte, denen die junge Partei ausgesetzt war. Zweifellos war er die einzige zur Führerschaft geeignete Persoenlichkeit, und niemals wieder hat die sozialdemokratische Arbeiterbewegung einen Nachfolger von solcher Bildungshoehe und tollkuehner Einsatzbereitschaft gefunden. In der Auswirkung freilich sollte er als “Arbeiterfuehrer” hinter Karl Marx figurieren. Seine letzte Lebenszeit stand unter einem unglücklichen Stern. Ein bürgerlicher Ehrenhandel fuehrte zu einem Pistolenduell, fuer das Lassalle technisch voellig unvorbereitet war. dessen moeglicherweise toedlichen Ausgang er aber in Recnnung stellte. Widersinnig endete am Morgen des 31. August 1864 das Leben des Begründers der deutschen Arbeiterpartei, der noch nicht ganz vierzig Jahre alt, ein “Unvollendeter”, war. Der Schoepfer einer Bewegung, die den ‘‘Vierten ¡stand”, das Proletariat, organisiert und zum Leben erweckt hatte, starb in einem Duell, das er haette vermeiden koennen. Doch er wollte die “Reste juedischer Unterwürfigkeit” ueberwinden. Der Sozialist bedient sich des veralteten Ehrenkodex der Offiziere, der Jude in ihm verzichtete nicht auf ¡Ehrbegriffe des assimilierten und emanzipierten Judentums des 19. Jahrhunderts, Und so kann man diesen [sinnlosen Tod wohi nur unter juedischen Aspekten verstehen. Engels nannte sein Verhalten ein “sonderbares Gemisch von Judentum und Che valer esktuerei”. Nach juedischem Brauch ist Ferdinand Lassalle in Breslau beigesetzt worden, und so “fand er zurueck zu juedischer Erde”, wenn man so sagen darf. Waere Lassalle etwa ein halbes Jahrhundert spaeter auf die Welt gekommen, also um 1874 wie Chaim Weizmann, haette er vielleicht den Weg zur juedisohen Selbstbefreiung durch die zionistische Bewegung gefunden, denn der alte Judenstolz hatte ihn waehrend seines kurzen Lebens nicht verlassen. So gehoert Ferdinand Lassalle zu den vielen juedischen Menschen, die in der Allgemeinheit aufzugehen versuchten. Leben, Gesundheit, Besitz, Ehre, Patriotismus, alles restlos dem Geburtslande oder dem Volke das sie umgeben, der Humamitaet, opferten. Nicht immer ist ihnen dies gedankt worden, und haeufig sind sie die ersten Opfer gewesen, Opfer des Assimilationsprozesses. an dessen Ende die Ermordung von sechs Millionen Juden durch Angehoerige des deutschen Volkes stand. JUEDISCHE ALTERSBETREUUNG IN ZUERICH ¡Die Werkstaette “Aktives Alter”, ueber die im “B. I.” schon ausfuehrlich berichtet wurde, hat sich wunderbar ausgewirkt. Die puenktlich erscheinenden “festen Arbeitnehmer” — Maenner und Frauen - sind sehr gluecklich in ihrem Pflichtenkreis. Sie wissen, dass enorme Mengen an Auftraegen auf Lieferung warten, und, dass dies puenktlichst geschieht gewaehrleistetneue Auftraege. Alles dies gibt den Senioren der Werkstaette jenes Gefuehl des “Benoetigtwerden”, etwas, das psychologisch ja so wichtig ist fuer den alten Menschen. Aber gerade die grossen Auftraege zwingen die Leitung, sich um freiwillige Helferinnen' (unbezahlte) umzusehen, und es ist schoen zu sehen, wie auch sehr junge Frauen sich zur Verfuegung stellen. Wenn die Art der Arbeiten sich um die Weihnachtszeit eher auf Spielwaren-einfuellen und-verpacken bezieht, so sind z. B. jetzt, im Moment der Reisesaison in der Schweiz diverse Banken beachtenswerte Auftraggeber. In ihre Prospekte muessen kleine Zettel sehr akurat eingesteckt werden, auf denen saemtliche wichtigen Devisen in Schweizerwaehrung umgerechnet zu sehen sind. Dies ist eine freundliche Geste der Bank im Kundendienst gegenueber geldwechseln den Touristen. Es handelt sich um hunderttausende von Prospekten, die innerst kurzer Frist abgezaehlt, gebuendelt und' verpackt werden muessen. Dies nur, um eins Arbeit zu nennen. Aber auch seelische Werte vermittelt die Werkstaette, so wenn es gilt, einem der Arbeitnehmer irgendwie privat beizustehen, dann, wenn er in innerer Not ist, und es ist erfreulich, dass solche gegenseitige Hilfe oft in aller Stille vor sich geht, ohne dass immer vorherige Freundschaft mitbestimmend gewesen sein muss Uebrigens steht die jue ■ dische Werkstaette in engem Kontakt mit der Christlichen ‘ Stiftung fuer das Alter” und ihrer angeschlossenen Werkstaetten Das Tagesheim fuer Senioren: Dies wurde aus einem traurigen Anlass geschaffen, als eine der freiwilligen, sehr jungen Helferinnen an einer boesen Krankheit dahin gerafft worden war. Ihre Fa milie wollte zum Andenken an die Verstorbene eine Stiftung machen. Auf Anregung der Werkstaetteleitung (be sonders der Initiantin Frau Dr. Bollag) wurde daraus dann das “Denise Hepner- Levy Tagesheim fuer Senio ren” gegruendet, nach dem Muster James Farndales in England. Das Tagesheim ist in der gleichen Wohnung, wie die Werkstaette untergebracht und ist vorlaeufig nur 3 mal woechsnthcb geoeffnet. Es ist nur fuer jene Senioren gedacht die um nicht allein zu Hause zu sein sonst in ein Altersheim moechten oder muessten. Doch gerade diesen Zeitpunkt hinaus zu schieben, wird immer mehr ein wichtiges Moment. Im Tagesheim sollen Interessen angeregt werden, die Aktivitaet wird gefoerdert, und den Senioren jene Sicherheit eingefloesst, die es ihnen dann wieder ermoeglicht, selbst mehr Verantwortung fuer sich selbst zu uebernehmen, was zur Entlastung der Familien und der Gesellschaft geschieht Gegen ganz geringe “Unkostenbeteiligung” erhalten die Senioren im Tagesheim ein 2. Fruehstueck, sehr nahrhaftes Mittagessen und Vieruhrkaffee. Ein Arzt hat sich zur gelegentlichen Mitarbeit zur Verfuegung gestellt, und ein Abholdienst ermoeglicht es auch den Gehbehinderten in den Genuss des Tagesheimes zu kommen. TAG “P" DFR PENSIONIERUNG: ich moechte nicht versaeumen auf ein kleines Buch aufmerksam zu machen. Armin Haller: “Handbuch fuer die Gestaltung des Ruhestandes”. Dieses Buechlein ist die Essenz der “Aktion?” die durch ein Postulat Armin Haller im Jahre 1958 vom Bernischen Grossen Rat angenommen worden war. Ihm zufolge sind inzwischen Bueros eroeffnet worden, in denen Pensionierte ehrenamtlich walten und wo ¡gemeinnuetzige Organisationen, Privatfirmen und Verwaltung sich der Vermittlung bei Bedarf nach Abloesern oder fuer die Erledigung besonderer Arbeiten bedienen. Die auf den Bueros vorsprechenden Altersrentner waehlen sodann selbst aus den Moealichkeiten nach Lust und Bedarf- MILLY REISNER-ZUERICII

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