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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-07-01 · 7 (Julio, 1964) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
7 (Julio, 1964)
Date
1964-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 JULIO 1964 BOLETIN INFORMATIVO Ein weitreichender nahostpolitischer Vorschlag der Amerikaner: Entspannung durch Entsalzung Von Dr. Abner Nechuschtan, Tel—Aviv ft SONDER-BERICHT FÜR DAS B. I. “Vielleicht fanden wir vornehmlich deshalb bald eine gemeinsame Sprache, weil wie beide nach unserem ursprünglichen Beruf Landwirte sind”. Gegen Ende der teils politisch-formellen, teils vertraulich privaten Gespraeche, die Lyndon Johnson Anfang Juni zwei, drei Tage lang im Weissen Haus mit seinem Gast Levi Eschkol, dem israelischen Ministerpraesidenten, gefuehrt hat, soll er sich etwa so geaeussert haben. Auch wer nicht so naiv ist. sich auf der politischen Ebene sonderliches von diesem “human touch” zu versprechen, entdeckte Spuren davon im Schluss-Comunique. Um den Eindruck zu vermeiden, dass sich das Staatsdepartament in Washington i m israelisch—arabischen Konflikt auch nur um Haaresbreite weniger neutral als bisher verhalte, hatte es zwar durchgesetzt, dass dort im Text von “Mr. Johnson’s instaendigem Verlangen nach freundschaftlichen Beziehungen mit allen Nationen des Nahen Ostens” gesprochen wurde, waehrend Herr Eschkol geltend gemacht hatte, es sei in diesem Falle einfach logischer, nur den juedischen £Jtaat zu erwaehnen. Aber der Praesident hatte, nach zuverlaessigen Meldungen, persoenlich dafuer gesorgt, dass es im Fortgang der Erklaerung beispielsweise hiess, er begruesse die ihm gemachten Bekundungen des “deep concern”, der tief verwurzelten, von den Vereinigten Staaten geteilten Sorge Israels um den Frieden in diesem Laendergebiet. Schon damit grenzte sich L. Johnson von der Behauptung der Araber ab, dass der Staat der Juden vielmehr zu militaerischen Aggressionen neige. Und wie, um an diesem seinem Standpunkt auch nicht den mindesten Zweifel zu lassen, liess der Praesident folgende, eindeutig auf die aegyptischen Kriegsvorbereitungen bezueglichen Worte folgen: “In diesem Zusammenhang brachten beide Fuehrer ihre Befuerchtungen darueber zum Ausdruck, dass Mittel, die von vitaler Wichtigkeit fuer die Landesaufsehliessung sind, zu Ruestungszwecken verw endet werden”. Aber auch das war noch nicht der entscheidende Passus. Jetzt erst ( folgte er, gleichsam in einem Nachsatz- “Die Tatsache, dass wir darin uebereingekommen sind, die Frage der Entsalzung (des Meerwassers) gemeinsam pruefen zu lassen, legt konkret Zeugnis vom Wunsch der Vereinigten Staaten ab, Israel weiterhin in seinen Anstrengungen zu helfen, die noch ungeloesten wirtschaftlichen Probleme zu loesen”. ALTERNATIVE FUER DIE WASSER DES JORDAN Unfraglich ¡zielt die Politik der Amerikaner auf die Befriedung des Nahen Ostens, die der seit anderthalb Jahrzehnten schwelende israelisch-arabische Konflik verhindert. Und er droht sich am Widerstand der Nachbarlaender Israels gegen die Ableitung von Wassern des Jordan nach der Steppe des Negew im Sueden des Landes gerade jetzt bekanntlich wieder zu entzuenden. Hierzulande ist man entschlossen, das grossangelegte, mit ausserordentlichen IMuehen und verhaeltnismaessig enormen Kosten seit langem gebaute und nun endlich fertig gestellte Rohr —Tunnel—, und Kanalsystem demnaechst in Gang zu setzen. Man beruft sich auf den chronischen Wassermangel, der jeder weiteren kolonisatorischen und allgemein-wirtschaftlichen Entwicklung im Wege steht. Staats —und voelkerrechtlich macht man geltend, dass es sich um interne Wasserregulierungen, aus einem Fluss innerhalb der Landesgrenzen, handelt, und um nichts als den “israelischen Teil” eines regionalen Bewaesserungsprojekts, das seinerzeit grundsaetzlich auch von den arabischen “Anrainern” gebilligt worden war. Lyndon Johnson und seine Beamten scheinen sich Argumenten wie diesen, als Levi Eschkol sie vorbrachte, an sich nicht verschlossen zu haben, Sie muteten ihm nicht zu, auf das System der J or dan-Negew-Be waesserung zu verzichten. Aber: sie schlugen ihm vor, amerikanische Wissenschaftler und Techniker (zusammen mit seinen, unverzoegert mit Untersuchungen darueber beginnen zu lassen, wie die neuesten, in den U.S.A. entwickelten Methoden zur Umwandlung von Meerwasser in Suesswasser der israelischen Landwirtschaft dienstbar gemacht werden koennten. In relativ kleinem Masstab wird, wie hier erwaehnt sei, in Eilath an der Kueste des Roten Meeres seit einiger Zeit bereits Meerwasser nach dem sog. Sarchin- Verfahren, der Erfindung eines hiesigen Ingenieurs, entsalzt. Fuer unvergleichlich groessere Masstaebe sei ein entsprechender Atom-Reaktor zu errichten. Die Vereinigten Staaten wuerden den Hauptteil der Kosten fuer die Voruntersuchungen und den Bau dieses Reaktors — insgesamt wahrscheinlich ueber 100 Millionen Dollar — uebernehmen. Mit einer Erzeugungs-Kapazitaet von etwa 200.000 Kilowatt elektrischen Stroms, 200 Megawatt, wuerüe er zwar immer erst nur 25 Millionen cm. Wasser entsalzen koennen, nicht mehr als ein Viertel des jetzigen israelischen Wasserbedarfs, der sich dann zudem nicht unerheblich gesteigert haben duerfte. Allein, in einem spaeteren Stadium lasse sich recht gut ein “operativer Zusammenschluss” mit den beiden uebrigen, hier im Lande heute schon zu Versuchs — und Studienzwecken bestehenden Atom-Meilern denken, dem kleinen, 1955 mit amerikanischer Hilfe errichteten Reaktor suedlich Tel- Avivs, bei Nebe Rubin (Kapazitaet: bisher 5.000 kw), und dem 1964 in Betrieb genommenen Reaktor nahe der Negew-Stadt Dimona (vorgesehene Hoechstkapazitaet: 24.000 kw). Schon deshalb waere dieser Zusamme nschluss anzustreben, gleichgueltig, wann er sich einmal durchsetzen lassen werde, weil nur ein so grosses Werk billig genug arbeiten werde, um den Siedlung e n betriebswirtschaftlich tragbare Preise fuer das mit Atomenergie entsalzte Wasser zu stellen. ■ So unumwunden duerften sich die amerikanischen Regierungsbeamten wahrscheinlich zwar nicht geaeussert haben, als sie nach der zwischen ihrem Presidenten und L. Eschkol getroffenen Grundsatzverabredung m i t den Sachverstaendigen des israelischen Regierungschefs zusammentrafen, um ueber Einzelheiten zu beraten. Und doch scheint den Amerikanern dieses Fernziel des Johnson-Planes vor Augen zu stehen. Es wuerde ja nur ihrem globalpol i t i s c h e n Grundsatz entsprechen, die Erzeugung und Verwertung von Atomkraft in moeglichst vielen Laendern unter ihrer Kontrolle zu halten, wenn ihre Zusammenarbeit mit den Israelis —durch das Medium der gemeinsam betrieb e n e n Wasser-Entsalzung engros— kuenftig auch die zwei dort schon bestehenden Reaktoren einschloesse, einschliesslich des Atom-Meilers im Negew, mit dem sie bisher nichts zu tun hatten. Wie man hierzulande vermutet, wird sich die amerikanische Diplomatie jetzt bemuehen, den Arabern klar zu machen, dass die Wasser- Entsalzung dem israelischen Landesbewaesserungswerk im Lauf der Zeit mehr und mehr von seiner faktischen Bedeutung nehmen, und dass es sich fuer sie deshalb nicht lohnen wird, gegen dieses Werk, mit Sabotageakten usw. und dem kostspieligen Versuch vorzugehen, einige der Quellfluesse des Jordan abzuriegeln. Zwar haelt man es in Israel fuer nicht sehr wahrscheinlich, dass solche Hinweise in Kairo und Damaskus auf fruchtbaren Boden fallen werden, aber doch wuerde man diesen Neben- Effekt des Johnson-Planes gegebenenfalls selbstredend nur begruessen. Vor allem aber begruesst die gesamte Oeffentlichkeit es hierzulande, dass der amerikanische Praesident den Versprechungen, die Nikita Chruschtschow dem aegyptischen Staatsfuehrer vor kurzem gemacht hat, sein verheissungsvolles Hilfsangebot fast auf jdem Fusse folgen liess. Noch wirksamer —sagt man— konnte Mr. Johnson es schlechterdings nicht symbolisieren, wie er an der Wahrung des israelisch-arabischen “Gleichgewichts der Kraefte” als dem besten, ja einzigen Mittel interessiert ist, Friedensstoerungen im Nahen Osten zu verhindern. Dass er und sein Gast aus Israel sich auf diesen Ausweg verstaendigt haben, zeuge nicht nur vom guten Willen der Beiden. Es lege Zeugnis auch von jenem nuechtern gesunden Menschenverstand ab, der fuer alte Landwirte so oft kennzeichnend ist. “DIE ASCHKENASISCHE REVOLUTION ” Von Herbert Freeden (Jerusalem) In Tel Aviv ist ein Buch erschienen,;das zu einer offiziellen Erklaerung des Ministerpraesidenten fuehrte, Anfragen in der Knesseth ausloeste, Leitartikel in den Tageszeitungen zur Folge hatte — ¡von temperamentvollen Leserbriefen ganz zu rchweigen — und einen Rattenschwanz von Prozessen nach sich ziehen duerfte. Sein Thema ist das Zusammenleben von Aschkenasim und Sephardim in Israel, wobei unter Sephardim die orientalischen Juden verstanden sind. Gewoehnlich sind es die Orientalen — Einwanderer aus Irak, Nordafrika, Persien, dem Jemen — die sich benachteiligt fuehlen. Die Aschkenasim ¡sind fuehrend in der Regierung, im Parlament. im Staatsdienst, in der Presse und stellen die Mehrzahl der Lehrkraefte auf den Hochschulen. Es bedarf zumindest noch einer Generation, bis die orientalischen Juden das kulturelle Defizit aufgeholt haben, das sie aus ihren Ursprungslaendern mitgebracht .haben. Wenn es also hier und da unzufriedene Stimmen gegeben hat, so waren es die der Sephardim, deren aktiver Anteil an verantwortlichen Positionen hinter ihrem zahlenmaessigen Anteil an der Bevoelkerung zurueckliegt. Jetzt spricht zum erstenmal jemand .Von der Auflehnung der Westjuden, von einer “Asichkenasischen Revolution” — der Autor Kalman Katzenelson, der sich schon zweimal durch provokatorische, laussenseiterische Schriften ünbeli e b t gemacht hat. Einmal hatte er die Ausweisung der arabischen Minderheit aus Israel gefordert, was einen Sturm der Entruestung heraufbeschwor; ein zweites Mal schlug er1 vor, die hebraeische Landessp rache durch Jiddisch zu ersetzen, was mit Schweigen uebergan gen wurde. Diesmal, in seiner “Aschkenasischen Revolution” ruft er dazu auf, Schluss zu machen, mit den Versuchen, Orient und Okzident in Israel zu verschmelzen: er .sieht in den Sepharden nicht Brueder, sondern “Feinde”. Kalman Katzenelson, vq,r 56 Jahren In Weissrussland geboren und seit 1923 im Lande, ist das “schwarze Schaf” einer bekannten Familie. Sein Onkel Berl war einer der grossen Arbeiterfuehrer der zionistischen Bewegung, und die Frau des Staatspraesldenten Schazar ist eine geborene Katzenelson, eine Verwandte des Autors. Im Gegensatz zu seiner Familie schloss er sich 1927 den Revisionisten, spaeter der “Cheruth” Partei an, die jetzt aber deutlich von ihm abgerueckt ist und sein Unternehmen verurteilt. Darin stellt der Autor u. a. folgende abstruse Behauptung auf “Sie (die orientalischen Juden) sind unsere Todfeinde, sie hassen die Aschkenas;m und bedauern es zutiefst dass Hitler sie nicht ganz ansgerottet hat”. Weiter liest man: “Die Aschkenasim wuerden eher die Welt in Flammen aufgehen lassen, als den Sephardim die Herrschaft ueber das Land e i n z u r a e umen”. Oder: “Nichts verschafft einem sepbardischen Funktio n a e r groessere Genugtuung, als das Blut eines Aschkena^i fliessen zu sehen”. In diesem Stile geht es weiter, wobei besonders die Regierungspartei Mapei vor ¡den Orientalen in ihren eigenen Reihen gewarnt wird, die so taeten, als ob sie gute Juden waeren, aber sich zum ¡Schluss als Iraker, Jemeniten oder Marokkaner entpuppen wuerden. Vergeblich hat Ben Gurion, ¡der viel zur Integrierung der orientalischen Bevoelkerungsteile getan hat, gewuenscht, dieses Machwerk in Schweigen zu begraben: die erregte oeffentliehe Debatte veranlasste den Ministerpraesidenten Le vi Eschkol zu einer Erklaerung, in der er sich “mit Abscheu” von dieser Publikation distanzierte und der Knesseth die Verabschiedung eines Gesetzes gegen Aufhetzung zum Gruppenhass und gegen Kollektiv-Beleidigung nahelegte. Die Folge war, dass das Opus drp Buchhaendlern aus den Haenden gerissen wurde und eine Art trauriger ‘’Bestseller” wurde; denn jeder wollte wissen, worum 'es sich handelt. Die verlegerische Freude duerfte allerdings nicht ungetruebt anhalten. Es schwebt bereits eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht durch Rechtsanwalt Zidon-Cohen im Namen einer Gruppe sephardischer Buerger, die sich durch das Buch angegriffen fuehlen. Die Klage stuetzt sich auch (Fortsetzung Seite 18) ANZEIGEN ANNAHME für das BOLETIN INFORMATIVO Nueva York 52 - Of. 412 - Tel. 87765

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