Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 7 (Julio, 1964)
- Date
- 1964-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRA ELITA ' B ’ N E J I S R O E L " REDACCION: S.C.I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 SANTIAGO CHILE AÑO XXVI — N<? 7 SANTIAGO DE CHILE JULIO 1964 ZUR 6D. JAHRZEIT AM 20. TAMUS Lebendiger Herzl “Herzl ist entschwunden, man wird sehen, man sieht es schon, dass sich niemand liins bietet, ihn zu ersetzen, denn er war einzig. Er war es nicht so sehr durch jede einzelne seiner Eigenschaften, als vielmehr durch deren wunderbare Vereinigung in einem einzelnen Manne”. Diese schoenen Worte veroeffentlichte Theodor Herzls Mitkaempfer , und Freund Max Nordau am 15. Juli 1904 im- “Eco Sionista”, unter dem niederschmetternden Eindruck von Herzls fruehem Tode am 3. Juli (20. Tamus) jenes Jahres. Und immer wieder, anlaesslich der Jahrzeit ganz besonders, muss die Frage aufgeworfen werden, worin das Einmalige und Ausserordentliche dieser Persoenlichkeit lag. Zum ersten Maie nach 1900 Jahren Galutgeschichte hatte das juedische Volk einen Menschen hervorbr i n g e n koennen, der sowohl “Europaeer” in des Wortes bestem Sinne als auch zugleich ein begeisterter Jude war, der, als Sendbote eines sich neugestaltenden Judentums, mit den Groessten der Welt, Paepsten, Monarchen, Staatsmaennern zu verhandeln in der Lage war zu einem Zeitpunkt, da er noch nicht Voellig “unabhaengig’ gewesen, sondern als Angestellter der maechtigen Wiener “Neuen Freien Presse” unter der Fron des taeglichen Buerödlenstes stand. Eine Tagebucheinzeiclinung vom 8. September 1899 (bringt dies zum Audruck: “Ich bin der Kommis der Benedikt und Bacher, muss taeglich im Buero erscheinen, auch, wenn ich nicht viel tue”. Herzl opferte der zionistischen Bewegung sein Vermoegen, um unabhaengig zu werden, find zugleich musste er um seinen Redaktionsposten in der erwaehnten Zeitung bangen. Bis fast an das Ende dieses so kurzen Lebens durchzittern die Existenzsorgen den taeglichen Kampf, und es bleibt sein Wunschtraum, “freizuwerden”, frei von Befehlen und Wuenschen; dieser Gedanke habe etwas ‘Berauschendes”, so bemerkt eine Eintragung in die “Tagebuecher” aus dem Jahre 1901. Dieser Kampf mit dem Alltag -hatte entscheidend dazu beigetragen, da.s Herzls Gesundheit weit rascher untergraben wurde, als dies wohl normalerweise der Fall gewesen waere. Eine andere Notiz von ihm ist charakteristisch: “Mein Werk wuerde viel wunderbarer ersch einen, wenn man wuesste, mit welchen Geldsorgen ich infolge meiner Aufwendungen fuer den Zionismus zu kaempfen habe”. Niemand vermag zu sagen, welche Hoehe Herzl in seiner Laufbahn als Journalist und Buehnenschriftst e 11 e r erreicht haette, wenn er seine Kraft nur diesen Gebieten, wie ¡bis zum Jahre 1895, wuerde gewidmet haben. Er, der Liebling des Wiener Publikums, das seine Feuilletons in der “Neuen Freien Presse” Woche um Woche mit Heisshunger verschlang musste von dem Augenblicke an, da er zionistisch zu arbeiten begann, mit ungeheurem rechnen. Es wurde der Wendepunkt seines Lebens, von dem er am 16. Juni 1895 sagte: “Ich glaube, fuer mich hat das Leben aufgehoert und die Weltgeschichte begonnen”. Beim Niederschreiben seines Buches “Der Judenstaat” glaubte Herzl das Geraeusch von Adlersfluegeln ueber seinem Haupte zu spueren, und auch darin sollte er sich nicht irren: Er durfte das Empfinden haben, vom Ewigen und Goettlichen begleitet zu sein auf seinem harten Wege des Ringens um die Seele seines Volkes. So sagte er im Jahre 1896:; “Es ist keine neue Idee, die ich predigte; im Gegenteil: Es ist eine uralte Idee, denn sie ist so alt wie1 das juedische Volk, das auch in den bitteren Tagen seiner Geschichte niemals aufhoerte, an sie zu denken. Es ist die Idee von der Wiederher- Stellung des juedischen Staates”. 1 i Herzls magische Persoenlichkeit, das Dynamische, das von ihm ausging, vermochte die gebeugten Ruecken des ewig-unterdrueckten Volkes aufzurichten. Was er erwartete, war, dass ,die Juden von einem ungeheuren Enthusiasmus fuer die zionistische Idee entflammt wuerden. Ob gleich er, nach Herkunft und Erziehung, den juedischen Massen Osteuropas und deren Kultur etwas fremd gegenueberstand, war er doch in der Lage, dank der prophetisch-visionaeren Kraft, die in ihm lebte, das juedische Volk besser zu begreifen, als fast alle, die an seiner Seite arbeiteten. Ben Gurion drueckte dies einmal so aus: “Herzl besass ein Herz, das mit ausserordent- 1 i c h e m Feingefuehl auf Von Curt Wilk Trauer und Hoffnung seines Volkes reagierte. “Und haette er weiter nichts erreicht, als dass erstmalig die auf demokratische Weise gewaehlten Volksvertreter zum Zionistenkongress in Basel Zusammentreffen und die Forderung auf eine eigene Heim staette erheben konnten, dies allein haette seinen Namen schon gross gemacht. Alis er dort, am 29 August 1897, sagte: “Unser Kongress sei allen Müden zur ¡Ehre und wuerdig einer Vergangenheit, deren Ruhm wohl schon fern, aber unvergesslich ist”, empfand er klar, dass er in jenen Tagen die Grundlagen des kuenftigen Judenstaates gelegt hatte. Und ein Jahr spaeter, auf dem 2. Kongress, sprach er die wunderbaren Worte, deren Aktualitaet sich geradezu aufdraengt: “Wir glauben, dass dieser veroedete Winkel des Morgenlandes nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft hat gleich uns selbst. Auf diesem Boden, auf dem jetzt so wenig waechst, sind Ideen fuer die gesamte Menschheit gewachsen. Wenn es ueberhaupt legitime AnSprueehe auf ein Stueck der Erdoberflaeche gibt, so muessen alle Voelker, die an die Bibel glauben, dass Recht der Juden anerkennen”. Fuer die Rueckkehr des juedischen Volkes in sein altes Heimatland hatten sich im Laufe der Jahrhunderte, besonders in England, Schriftsteller und Politiker eingesetzt, Fuersten und Staatsmaenner, und ueberall gibt es nicht juedische Freunde Israels, die von der Gedanken — und Gefuehlswelt des Judentums und seiner Geschichte tief beeindruckt sind. Einige unter ihnen waren einst von Herzl maechtig aufgeruettelt worden und verstanden unsere Sache besser als viele der Unsrigen. Auch heute, 60 Jahre nach seinem allzu fruehen Ableben, ist seine Zeitnaehe noch nicht in allen Kreisen der Judenheit begriffen worden. Einer unserer juedischen Arbeiterfuehrer fasste diese Tatsache in den treffenden Worten zusammen, mit denen diese Zeilen abgeschlossen werden sollen: “Als Theodor Herzl in der juedischen Welt erschien, waren verschiedene Elemente des Zionismus mehr oder weniger entwickelt: Der nationale Gedanke, die Liebe zu Zion, das romantische Verhaeltnis zum Boden, der Wunsch nach Schaffung einer hebraeischen Kultur. Was er Neues brachte, war etwas voellig Anderes: Er erhob die leuchtende, die fast utopische, Fahne, an die selbst jene nicht geglaubt hatten, die Jahre hindurch der Liebe zu Zion gewidmet und geo p f e r t hatten. Er erhob die Fahne der Sammlung der Zerstreuten”. DER ISRAELISCHE STIL IN DER POLITIK “Wissen Sie, mein Urgrossvater war Schneider und mein Grossvater auch”, sagte der Botschafter des damals neugeborenen Staates Israel vor nunmehr 16 Jahren in einer westlichen Hauptstadt, als ihm bei einem .seiner Antrittsbesuche ein Formfehler unterlaufen war. “Mein Vater”, so fuhr er fort, “hatte einen anderen Beruf: er war Kaufmann. Aber der erste Botschafter in der Familie bin ich”. Diese und aehnliche Anekdoten mussten jeden, der das Vergnuegen hatte, den Generaldirektor des Israelischen Aussenministeriums, Dr. Chaim Yaehil, bei seinem kurzen Besuch in Santiago kennen zu lernen, wie aus einer fernen und laengst versunkenen Zeit anmuten. Nicht nur, weil mehr als anderthalb Jahrzehnte tatsaechlich eine ganz stattliche Zeitspanne ausmachen; nicht nur, weil seit damals die israelische Diplomatie die fuer das uebliche Niveau notwendige Erfahrung gesammelt und verarbeitet hat; noch nicht einmal, weil Dr. Yaehil mit ebensoviel Klugheit wiei Geschick und Liebens wuerdigkeit, mit ebensoviel Sachkenntnis wie Klarheit und Festigkeit das ist, was man sich unter einem guten Diplomaten vorstellt und Sohn, Enkel oder Urenkel aus einer alten aristokratischen Botschafter- Familie sein koennte. Nein. So nett die Anekdote sein mag, soi wenig kann man ihr zuliebe die Gedankenbruecke in die Vergangenheit schlagen. Golda Meir war einmal zu Besuch in Chile. Abraham Darom iss einer der unseren geblieben. Yaakow Tzur war Botschafter hier und heute ist es Dr. Uri Naor. Wer sie kennen gelernt, gehoert und gesprochen hat, wird bestaetigen koennen, dass sie in dieser fuer Juden neuen Taetigkeit als Diplomaten nicht nur den internationalen Stau dard europaeischer Tradition erreicht haben. Es ist ihnen allen noch etwas mehr etwas charakteristisches eigen: ein israelischer Stil. Worin besteht dieser? Auch auf die Gefahr hin, dem auf den ersten : Blick Unwesentlichen zuviel Bedeutung einzuraeumen, sei zur Illustration eine Frage und Antwort von fast nur anekdotischem Wert aus der Presse - Konferenz des Dr. Yaehil zitiert: “Ihr Besuch ln Chile steht doch zweifellos in Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Besuch des Ministers Hussein Zulfikar Sabri von der Vereinigten Arabischen Republik?”. Dr. Yaehil: “Keineswegs. Ich bin fuer ein paar Tage gekommeh, um gute Freunde zu besuchen. Israel hat mit Lateinamerika im allgemeinen und mit Chile im besonderen von Anfang an die besten Beziehungen. Wir glauben, dass es gut ist, diese durch persoenlichs Kontakte zu pflegen und zu vertiefen”. Aus. Belangloser Wortwechsel? Ausweichende Antwort? “Diplomatie” i m schlechten Sinn des Wortes? Keineswegs. In privatem Kreis unterstrich Dr. Naor mit Emphase und Vehemenz die positive Bedeutung dieser , anscheinend nur ausweichenden Antwort: “Wir koennen nicht verhindern, dass sie sich ¡Kontakte schaffen, reden und auch hetzen. Wir sind nicht allein da. Aber wir sind da. Wenn sie reisen, ist das ihre Sache und wir wuerden unsere Zeit vergeuden, ihnen vor- oder nachzujagen. Unsere Menschen werden sich daran gewoehnen muessen, dass ßie die Mittel und den Willen haben, ihre Taetigkeit zu verstaerken. Es waere aber ein gewaltiger Irrtum, unsere Plaene auch nur im geringsten darauf einzustellen. War das nicht von Beginn an der Unterschied zwischen Galuth und Zionismus, dass wir nicht mehr davon abhaengig sind, was die anderen tun und denken?”.. Mit einem Wort: Israel hat maechtige Feinde und ist sich dessen bewusst. Aber es laesst sich das Gesetz des Handelns nicht von ihnen diktieren. Es vertraut (Fortsetzung Seite 6)