Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 6 (Junio, 1964)
- Date
- 1964-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 BOLETIN INFORMATIVO JUNIO 1864 Die Repraesentanz: 95. GEBURTSTAG EINES WELTWEISEN Aus dem Protokoll der Sitzung vom 23. April 1964 Um 21. Uhr eroeffnet Herr Dr. Kiwi die Sitzung. Vor Eintritt in die Tagesordnung drueckt er Herrn Adolf Schnitzer im Namen des Repraesentanten-Kollegiums sein Beileid anlaesslich des Todes seines Vaters aus. Er erinnert die Herren Repraesentanten an die am Sonntag, den 26. April stattfindende Generalversammlung und macht darauf aufmerksam, dass die Anwesenheit dabei Pflicht der Mitglieder der Repraesentanz ist. Bericht des Direktoriums: Herr Hofmann erteilt nachfolgenden Direktoriumsbericht; der ohne Debatte angenommen wird: , “In dem Zeitraum zwischen der letzten Repraesentanz und dieser Sitzung konnten ■wir 5 Neuaufnahmen verzeichnen, mussten jedoch auch 9 Todesfaelle beklagen. Im Januar dieses Jahres begann Herr1 Kantor Baruch seine Taetigkeit in unserer Gemeinde. Herr. Baruch, der sich trotz anfaenglicher Schwierigkeiten gut eingear beitet hat, hat in der kurzen Zeit seiner Taetigkeit bewiesen, dass er die grossen Erwartungen, die unsere Gemeinde in ihn setzt, nicht enttaeuschen wird, und ebenso als Kantor wie auch als Chorleiter in der Lage ist, viel zur Verschoenerung unserer Gottesdienste beizutragen. Erew Pessach wurde Herr Kantor Baruch vom Praesidenten der Gemeinde feierlich in sein Amt eingefuehrt. Wie in jedem Jahr konnten wir auch dieses Mal wieder unseren traditionellen Gemeindeseder abhalten, der von den Herren Rabbiner Lubliner und Kantor ¡Baruch geleitet wurde. Das Essen lieferte in altbewaehrter Qualitaet die Oekonomin unseres .Gemeindehauses, Frau Jenny Vogel. Die fast 160 Teilnehmer am Seder — eine Rekordzahl — aeusserten sich sehr befriedigt ueber den Verlauf des Abends. Im Programm der Feiern des Jom Haazmaut war dieses Mal ein offizieller Pestgottesdienst vorgesehen, der in unserem Hause stattfand. Mehr als ¡200 Gemeind emi;- glieder nahmen an dieser Feier teil, welche durch unseren Chor und' Herrn Kantor Baruch verschoent wurde. Herr Rabbiner Lubliner hielt die SFestpredigt. Obwohl wir die Ehre hatten, den israelischen Botschafter in unserem Hause begruessen zu koennen, bedauern wir es doch ausserordentlich, dass nicht (ein fuehrendes Mitglied der anderen Kollektivitaeten und der leitenden Institutionen unseres Jischuw an diesem Gottesdienst teilnahm. Wir bedauern dies umso mehr, als es unabweichbare Norm unserer Gemeinde war und ist, den anderen Sektoren und den Spitzenorganisationen jederzeit zur Verfuegung zu stehen. So fand, wenige Tage vor dem eben genannten Gottesdienst in unserem Hause die Erinnerungsfeier fuer die Toten des. Warschauer Ghettos statt, die vom Comité Representativo, der Federación Sionista und dem polnischen Verband organisiert war, und an welcher der Praesident der Gemeinde als Vertreter der SCI teilnahm. Bei iden anderen offiziellen Feiern des Jom Haazmaut war unsere Gemeinde, ihrer Wichtigkeit entsprec h e n d vertreten. Der Praesident der HUGO SCHUEFTAN zu seinem 85. Geburtstag Rabbi Jehuda Hanasi sagt: “Welches ist der rechte Weg, den sich der Mensch waehlen soll? Der (dem zur Ehre gereicht, der auf ihm sich haelt und ihm Ehre bringt bei den Menschen”. Mit diesen Worten aus unseren Spruechen der Vaeter begruessen wir unser gescha e t z t e s Ehrenmitglied Herrn Hugo Schueftan, der am 20. Juni seinen 85. Geburtstag feiern darf. Sein Name ist mit unserer Gemeinde auf das Innigste verbunden. So war Hugo Schueftan bis zum Jahre 1944 Mitglied des Direktoriums. Vor allem als Vorsitzender unserer Tahara-Kommission hat sich der Jubilar bewaehrt. Noch jetzt erfuellt er!mit jugendlichem Elan diese heilige Mizwa. So wie sein ganzes Leben mit der Tradition unserer Vaeter verbunden ist, soll auch diese Mizwa in unserer Gemeinde stets ihren wuerdigen Platz finden. Schon im Jahre 1908 gehoerte Herr Schueftan zu den Mitbegruendera der Chewra Kadischa Sü Beuihen und war Mitglied der “Heiligen Bruedergemeinschaft” ln Breslau. Aber nicht nur diese Mizwa begleitete ihn durch sein Leben hindurch. Schon im Jahre 1920 bemuehte er sich zusammen mit dem verewigten Rabbiner der Breslauer Synagogengemeinde Dr. Max Simonsohn ein juedisches Schulwerk in Breslau aufzubauen. So steht sein Leben im Dienste juedischer Tradition und Zukunft. Er hat sich in guten wie in schweren Tagen, die ihm leider nicht erspart blieben, den Weg erwaehlt, der ihm zur Ehre gereicht und Ehre bei den Menschen bringt An diesem Jubeltag uebermitteln ihm nicht nur seine Kinder, Enkel, Urenkel, Verwandten und Freunde in Chile. Israel und in der Welt ihre herzlich s t en Glueckwuensche sondern auch Direktorium und Repraesentanten-Kollegium unserer S.C.I. “B’ne Jisroel” danken dem Jubilar fuer alles, was er fuer unsere Gemeinde“leistet und wuenschen ihm aus ganzem Herzen, dass er noch viele Jahre in Gesundheit und koerperlieher Ruestigkeit im Kreise seiner zahlreichen Familie —ad meo v’essrim sehono— leben und ihm noch viele glueckliche Stunden bestimmt sein. Leewenstein. Gemeinde und der Berichterstatter, ueberbrachten Herrn Dr. Naor die Gruesse (und Glueckwuensche der “B’ne Jisroel”, nebst einer Baumspende. Bei der akademischen Feierstunde im Salón de ¡Honor der Universitaet, veranstaltet vom Instituto Chileno-Israelí de Cultura, war unser Praesident fuer die Gemeinde anwesend. Andere wichtige Fragen, welche das Direktorium . in den vergangenen Monaten beschaeftigten, sind die der Erneuerung der Steuerbefreiung, die durch das neue Steu ergesetz in Frage gestellt worden ist, ebenso wie die Reorganisation des “Boletín informativo”, die durch das kuerzlich verabsch i e d e t e Pressegesetz notwendig wurde. In beiden Faellen war es hioeglich, entweder die noetigen Schritte einzuleiten, oder eine befriedigende Loesung zu finden. Beratung des Etats Auf Antrag von Herrn Dr. Kiwi wird die Reihenfolge der Tagesordnung geaendert und die Beratung des Etats vorweggenommen. Das Repraesentanten-Kollegium konstituiert sich in geschlossener Sitzung zur Beratung und Verabschiedung dieses Punktes. 1 Berichte der Kommissionen Herr Abramczyk berichtet ueber die Arbeit der Kultus-Kommission. Diese hat eine Sitzung abgehalten, bei der (in erster Linie Fragen der Dienstordnung fuer Pessach besprochen wurden. Es ist die Absicht/ der Kultus— Kommission, im Laufe des Jahres einen 2. Freitag— Abend-Gottesdienst einzufuehren, der gewisse Neuerungen enthalten wird. Ebenso soll versucht werden, den ersten Gottesdienst durch einen Knabenchor zu verschoenern, den Herr Kantor Baruch organisieren will. Am Freitag den 23. April findet der erste Jugendgottesdienst statt. Herr Simonson informiert das Repraesentanten - Kollegium ueber die Arbeit der Jugendkommission, Er berichtet ueber das internationale Jugendlager von Piriaoolis, das von den Herren Rabbiner1 ¡Loewenstein und Salomón Maguenzo geleitet wurde, und an dem 7 Jugendliche des Barcai teilnahmen. Der Barcai ist bestrebt, im Rahmen eines ganzjaehrigen Fuehrerseminars die eventuellen Teilnehmer an zukünftigen Lagern vorzubilden. Die Organisation kann dabei mit der Hilfe des Vaad Hajinuj rechnen, dessen Direktor, Herr Bursztyn, ihm zwei Lehrer zur Verfuegung gestellt hat, die zwei mal in der ¡Woche im (Barcai unterrichten. Es werden zwei Kurse mit je 15 Teilnehmern abgehalten. Das brennendste Problem ist das der Fuehrer. da die aeltere Generation nicht mehr in der ¡Laee ist, ihre Zeit der Organisation so wie bisher zur Verfuegung zu stellen. Dies und die Heimfrage sind Angelegenheiten, die dringend geklaert werden muessen. Die Gruppe junger Ehepaare, die sich nach den Ferien neu konstituiert hat, arbeitet intensiv und gut. In der Schweiz, wo er seit einigen Jahren, nach dem Heimgange seiner Lebensgefaehrtin, wiederum eine Heimstaette gefunden hatte feiert der grosse deutsche Philosoph, Sozialethiker, paedagoge und Pazifist, Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Foerster, am 2. Juni das so ungewoehnlich-seltene Fest des 95. Geburtstages. In Amerika, wo Prof. Foerster im Jahre 1940 nach einem aufreibenden Leben des Kampfes fuer Frieden und Menschlichkeit als 81- Jaehriger endlich Ruhe [gefunden, hatte er seine literarischen Arbeiten fortgesetzt, fruehere Publikationen neu erscheinen lassen und vor fast fuenf Jahren jenes Buechlein herausgebracht, das unter dem Titel “Die juedische Frage vom Mysteriums Israels” berechtigtes Aufsehen fand. Der Gelehrte, der immer Beziehungen zu juedischen Menschen unterhalten hatte —im Hause seines Vaters, des beruehmetn Astronomen W i 1 h elm Foerster hatten viele Juden verkehrt— versuchte in dieser Schrift, eine Art “moralischer Wiedergutmachung” fuer das deutsche Volk zu leisten, indem er dieses ueber die Leistungen juedischer Menschen fuer ihre Wohnlaender, die geistige Entwicklung des Judentums, das einzigartige Martyrium des juedischen Volkes innerhalb der Menschheitsgeschichte, und ueber juedisch-religioeses Denken aufzuklaeren sich bemuehte. Der Ethiker Foerster appellierter in dieser Schrift, die vielleicht einige Ungenauigkeiten ueber Einzelheiten juedischer Vorschriften enthalten mag, an die gesamte Kulturwelt, ein historisches Unrecht aus der Welt zu schaffen -dadurch, dass dem alten Volke Israel die ihm gebuehrende Stellung endlich eingeraeumt werde. Foerster hat diese Schritft nicht zuletzt unter dem Eindruck der zu ihm gelangten furchtbaren Nachrichten ueber die Massenvernichtung der Juden in Auschwitz, Treblinka etc., die ihn zutiefst erschuetterten, verfasst, und es ist ein ehemaliger deutscher Offizier gewesen, dem es gelungen war, vertrauliche Mitteilungen ueber die entsetzlichen Nazigreuel an den Juden dem Gelehrten zur Kenntnis zu bringen. Von hier ausgehend, pruefte Foerster rueckschauend juedische Geschichte und juedisches Schicksal, ihm gewiss auch zuvor nicht unbekannt, um ueberwaeltigt zu werden von der Groesse und Glau benskraft, die von diesem alten Kulturvolke durch Jahrhunderte beispielloser Leiden bewahrt worden war. Friedrich Wilhelm Foerstei, zu Berlin am 2. Juni 1869 geboren, Universitaetsprofessor zu Zuerich (1901 bis 14) und in Berlin (1914-1920), war stets ein Warner und Mahner, der die schwerste Gefahr fuer die Zukunft seines deutschen Vaterlandes im Militarismus erblickte, wie ei in preussen zur hoechsten Entfaltung kommen sollte. Er sah voraus die verhaengnlsvollen Auswirkungen von B i s m a r cks Gewaltpolitik, fuerchtete die Folgen des Saebelgerassels und der leichtfertigen Reden Wilhelm ,JI., deckte die geheime Auf- •ruestung durch die “Schwarze Reichswehr” nach dem 1. Weltkriege auf, trat schonungsloss dem Nationalismus und Antisemitismus entgegen und musste sich so den gluehenden Hass der Reaktionaere aller Schattierungen, eines sehr grossen Teils des Buergertums, aber auch die scharfe Gegnerschaft h o h er Justiz-Verwaltungs¬ und Reichswehrinstanzen ¡zuziehen. So blieb er ein “Prediger und Prophet in der Wueste”, den wahrscheinlich das Schicksal Walter Rathenau’s ereilt haette oder die “Feme”, wenn er nicht schon in den zwanziger Jahren ins Exil gegangen waere. Von dort aus setzte er den geistigen und literarischen Kampf fort gegen das, was sich in Deut schland vorbereitete. Hitler und seine Komplizen wurden fuer diesen weitvoraussschauenden Mann Realitaeten lange, bevor sie an die Macht gelangten. Foersters bedeutende Buecher “Sexualethik und Sexualipaedagogik” “Lebens fuehrung”, “Autoritaet und Freiheit”, “Christus und das menschliche Leben”, “Mein Kampf gegen das militaerlsche und nationalistische Deutschland”, “Politische Erziehung” u.a.m. sind, wie angedeutet, teilweise in den letzten anderthalb Jahrzehnten neu verlegt worden. In “Eilebte Weltgeschichte” (1953) schildert der Gelehrte sein eigenes Leben. Dieser umfassende Geist ist eine tiefreligioese Natur, deren eigentliches Ziel die Umgestaltung der Erziehung im Sinne eines ethischen Pazifismus sein sollte. Seine Anschauungen wurzeln tief in den humanistischen Vorstellungen des 18. Jahrhundert: immer wieder fordert ex Selbsterkenntnis und Gewi." senspruefung. So ist sein Lp ben von der grossen Tragik des unverstanden g e b 1 i ebenen Erziehers umwittert, er, der in einer wahrhaftdemokratischen Republik da» Staatsoberhaupt haette werden koennen, so, wie ein Ma saryk dies in der Tschechoslowakei geworden ist. Heute, sehr alt und wahrscheinlich auch kamipfesmuede, hofft Friedrich Wilhelm Foerster auf eine neue Jugend, welche die Irrtuemer frueherer Generationen ¡meidet. Moege er noch erleben, wie sein Volk in seiner Mehrheit den Werken des Friedens und der Versoehnung dient. Dies waere der schoenste Lohn fuer ein langes Leben im Dienste von Wahrheit, Recht und Frieden. Curt Wilk ANZEIGEN VERTRETER (in) fuer das Boletín Informativo GESUCHT Gefl. Zuschriften an; Casilla 10172 — Santiago