Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-04-01 · 4 (Abril, 1964) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
4 (Abril, 1964)
Date
1964-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8559039-9194555--4148-8559104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA ' B ' N E JISROEL' REDACCION: S.C.I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 . SANTIAGO CHILE AÑO ,XXVI 'X? 4 SANTIAGO DE CHILE ABRIL 1964 ZUM 16. JDM HAATZMAUT EINHEIT UND SOLIDARITAET VON CURT WILK Eine Welle der Begeisterung ueberflutete das juediscn-oeffentliche Leben, Gemeinden und Institutionen, erfasste weite, sonst allem Jued ischen fernstehende, Kreise und liess allenthalben ein Gefuehl des Neuwerdens entstehen, als vor nunmehr 16 Jahren, am Vorabend des 5. Ijar, dem 15. Mai 1948, im Museum von Tel Aviv durch die provisorische Regierung, die sich aus Mitgliedern des Nationalrates und der Zionistischen Exekutive gebildet hatte, der juedische Staat, Medinat Jisrael, proklamiert worden war. Ein langes Kapitel juedischer Geschichte —die Epoche seit der Zerstoerung des Zweiten Tempels und dem Untergang des Zweiten Judenstaates— war zum Abschluss gekommen, und einen neuen Zeitabschnitt hatte man zu schreiben begonnen. Nach zweitausend Jahren unermesslicher Leiden, in denen wir Juden “Objekt der Geschichte”, “Spielball der Weltpolitik” gewesen waren, traten wir nunmehr gleichberechtigt in den Kreis der Nationen; neue, hoffnungsvolle, . Perspektiven taten sich auf. Aus einem Schattendasein trat unser Volk hinaus in eine Helligkeit, d i e zunaechst ueberwaeltigte. Doch den ersten Momenten der Freude und der inneren Erregung folgten solche der Ernuechterung, des Kampfes um die Aufrechterhaltung des Geschaffenen, um die Sicherheit des Jischuw, um Sein und Nichtsein der Bevoelkerung, bei gleichzeitiger Oeffnung der Grenzen des juftgen Staates fuer die Ueberlebenden der europaeischen Hoelle und alle Diejenigen, die in ihren Wohnlaendern nicht zu bleiben gewillt waren. Die “Sammlung der Zerstreuten” wurde zur Parole und blieb es bis zum heutigen Tage. Heute befindet sich Israel, nachdem es seine Einwohnerzahl gegenueber 1948 mehr als verdreifacht hatte, in oekonomischer und kulturel- 1 e r Aufwaertsentwicklung, die alle Voraussagen uebertrifft und zuweilen gigantische Ausmasse annimmt. Gewiss bestehen die ernsten Probleme der aeusseren Sicherheit in unverminderter Schwere fort; doch ihnen gegenueber ist die Haltung eindeutig und klar. Weniger klar und nicht leicht zu nehmen sind gewisse innerjuedische Sorgen: Viele Juden gedenken nicht mehr der erhebenden Tage der Selbstbefreiung, vor altem ausserhalb Israels, und Ivollen an den Ernst der gesamtjuedischen Aufgaben oftmals nicht erinnert werden. Man will Israel die volle Verantwortung fuer alle juedischen Entwicklungen ueberlassen und sich mit Sympathieerklaerungen b egnuegen. Es gibt in der Diaspora eine Auffassung, die das juedische Leben in voelliger Unabhaengigkeit von Israel gestaltet wissen moechte; d.h„ dass man sich von;der juedischen Gesamtheit im nationalen .Sinne loesen wolle bei gaenzlicher Anpassung an die Lebensart der jeweiligen Wohnlaender. Diese Juden vergessen, wie der grosse Fuehrer des modernen Judentums, der weltweise Nahum Sokolow es einmal formulierte, “das unser Volk am egoistischen Kleinen und Elenden verkuemmern wuerde, wenn es den Zionismus nicht gaebe”. Diese nationale Renaissancebewegung ist es gewesen, die, ueber die Arbeit fuer den zu schaffenden Staat hinaus, den Blick gerichtet hielt auf die Einheit un Einigung des gesamten Judentums fuer die gemeinsamen nationalen Ideale. Durch das heisse. Verlangen, das in der Duerre der Galutexistenz erstarrte Volkstum aus den frischen Quellen der alten Heimat zu beleben, brachte die zionistische Bewegung einen neuen tiefen Ernst und einen sittlichen Idealismus in unser Dasein, welches im 19. ¡Jahrhundert so viele Verfallserscheinungen a u f z u w eisen hatte. Das grosse Ereignis der buergerlichen Emanzipation vor 150 Jahren hatte vielfach Geschehnisse zur Folge, die uns schweren Schaden zufuegten. Um des “Linsengerichtes der voelligen Gleichstellung” willen liess man allzu oft Volksbewusstsein und juedischen Zukunftsglauben schwinden und war mit einem Lippenbekenntnis zufrieden. “Juedische Konfession” sollte die grosse juedische Einheit von Volk und Lehre ersetzen; doch die Aufloesungs- JOM HAAZMAUT Feuerwerk am liaeclitlichen Himmel Haifas tendenzen wurden hiervon nicht aufgehalten, denn von einer “nur religioesen Gemeinschaft” loeste man sich leichten Herzens, wenn man glaubte, keine inneren religioesen Bindungen mehr zu besitzen. Und dies allein war schon das Verdienst des Zionismus, dass er haeufig solche der Religion Entfremdete zu juedischem Bewusstsein zurueckfuehrte und damit auch —nicht immer, aber des oefteren— auch zu juedischem Geiste und juedischreligioeser Tradition In die auseinanderstrebenden Teile —nationales Judentum in Osteuropa mit stark e n Selbsterhaltungskraeften und religioeses Judentum im westen mit nicht zu uebersehenden Aufloesungsteridenzen— hat der Zionismus das Element der Zusammenfassung gebracht, die geschichtliche Kontinuitaet. Aus blasser Abwehrhaltung wurde aktive juedische Politik, die letztlich zur Wiederer richtung eines souveraenen juedischen Staates fuehren sollte. Denn nur ein Volk, das sich als solches fuehlt, kann seine wahre Emanzipation erreichen. So konnte das juedische Ansehen in den Augen der nichtjuedischen Oeffentlichkeit seit der Gruendung des juedischen Staates gewaltig steigen. Aber auch wir Juden sollten begreifen, dass Israel uns an seelischer Bereicherung mehr gibt, als wir jemals an Opfern zu bringen in der Lage waeren. Doch keine Solidaritaet mit Israel ist denkbar ohne jene grosse Einheit, die, ueber Organisa torisches hinausreichend, das geistige Leben erfassen muesste. Der Jude von heute befindet sich unterwegs zum “totalen (nicht totalitaeren) Judentum”, d.h., einem solchen Judentum, das Volkstum, Lehre, hebraeische Sprache und die enge Bindung an das juedische Land zur Einheit zusammenfuegt. Verstehen w i r, dass ein Misslingen der gigantischen Auibauplaene in Israel katastrophale Folgen fuer die juedische Gesamtheit wie fuer jeden einzelnen haben muesste, dann wissen wir auch, dass jeder Erfolg im juedischen Staate das Ansehen der Weltjudenheit innerhalb der nichtjuedischen Umwelt staerken duerfte und jedem Juden, der hierzu beitraegt, ein wunderbares Gefuehl der inneren Zufriedenheit gewaehrt. Setzt sich diese Erkenntnis durch, dann sind wir berechtigt, den Nationalfeiertag des 5. Ijar festlich zu begehen und mit neuen Hoffnungen dem 17. Lebensjahr Israels entgegenzugehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.