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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-03-01 · 3 (Marzo, 1964) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
3 (Marzo, 1964)
Date
1964-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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MARZO 1964 BOLETIN INFORMATIVO 9 ZUM ABLEBEN VON DR. ALFRED WIENER Am 4. Februar verschied zu London im 79. Lebensjahre ein Mann, der jahrzehntelang eine sehr wichtige Funktion im juedischen Leben Deutschlands ausgeuebt hatte und nach der Emigration seine Lebensarbeit durch ein grossartiges Werk zu ikroenen wusste: Dr. Alfred Wiener, langjaehriger Generalsekretaer des “Centralvereins deutscher Staatsbürger juedischen Glaubens”. Alfred Wiener, am 11. Maerz 1885 zu Potsdam geboren, aber in der Provinz Posen aufgewachsen, hatte in [Berlin Orientalistik studiert und sich Viel mit der Geschichte der arabischen Literatur befasst. Studium und erste Orientreisen in jungen Jahre brachten ihn in Verbindung mit Dr. Paul Nathan, den Mitbegruender und Generalsekretaer des “Hilfsvereins der deutschen Juden”, dessen Privatsekretaer Wiener vor 1914 durch einige Jahre gewesen ist. Diese Beziehung fuehrte dazu, dass der junge Wiener tieferes Verstaendnis fuer die damalige Palaestinaentwicklung empfing, die einen gewissen Hoehepunkt in dem seinerzeit vom “Hilfsverein” mitgeschaffenen “Te chnikum” zu Haifa fand. Wieners Interesse an Erez Israel war erwacht, und er, der ganz (bewusst auf dem Boden der Centralverein-Ideologie stand fuehlte sich der zionistischen Bewegung keineswegs Weniger verbunden. Wiederholte Reisen nach Palaestina, wenn er auch mit kritischen Einwendungen zurueckkam, bestaerkten ihn in seiner volljuedischen Haltung, die keinen Widerspruch duldete. Alfred wiener blieb an leitender Stelle im “C. v.” taetig, auch noch, als diese Vereinigung nach 1920 etwa, mehr und mehr eine Kampforganisation gegen die zionistische Bewegung geworden war. Sein juedisches Weltbild war ein solch einheitliches, dass seine Aktivitaet hierunter nicht zu leiden hatte. Das Schicksal hat Alfred Wiener, der ein religioeser Jude blieb, Furchtbares [erdulden lassen: Gattin und Kinder gerieten in Holland in die Haende der Nazihaescher und wurden nach Bergen-Belsen deportiert, doch sie ueberlebten die Hoelle jenes Lagers. Frau Wiener starb allerdings nach ihrer Befreiung auf der Reise zum Gatten in die Schweiz, wo dieser sofort nach 1933 den Kampf gegen den Feind aufgenommen hatte. Und dieser Kampf wurde fuer Alfred Wiener durch drei Jahrzehnte zum neuen Lebensinhalt. Er begruendete das als “Wiener Library” bekannte Institut, das eine ungeheuer wichtige Aufklaerungsarbeit ueber Nazis und Nazismus leistete und weiter vollbringt, eine Informationsstaette erster Ordnung darstellt, eine Sammelstelle fuer Dokumentarisches, fuer Abwehrschriften und alle hiermit in Verbindung stehende Literatur, kurz, eine der bedeutungsvollsten Quellen zur Erforschung der von Nazis und ihren Anhaengern verbreiteten Luegen und Verleumdungen ueber Juden und Judentum. Heute gilt diese Staette als einzigartig, weil sie unersetzlich geworden ist fuer jede juedische und allgemeinmenschliche Aufklaerungsarbeit ueber die von unseren Feinden angewandten Mittel und Methoden, die zur Vernichtung von Millionen unserer Menschen gefuehrt haben. Bei seinem offiziellen Staatsbesuch in London im Jahre 1958 hatte der damalige westdeutsche Bundespraesident. Prof. Heuss s.A., der “Wiener-Library” einen Besuch abgestattet und dieses grossartige Werk sehr gelobt, das laengst von den ¡englischen Behoerden als gemeinnuetziges Unternehmen mit erzieher i sc h e m Charakter anerkannt worden ist. Dr. Alfred Wiener, Jude, Europaeer, 1 Menschenfreund, wird von Denen, die ihn kannten, nicht vergessen werden. Die Juden unseres Sprachkreises im besonderen haben die Pflicht, das Andenken dieses stolzen Juden immer in Ehren zu halten. Curt Wilk IST DER EUROPAEER GEBILDET? Der Schriftsteller M. Y. Ben-Gavriel setzte sich an seinen Schreibtisch in Jerusalem und fertigte eine Handvoll Briefe aus. D i e Empfaenger waren ebenso bertiehmte wie leider unauffindbare ' Persoenlichkeiten: Felix Mendelssohn-Bartholdy, Theodor Herzl, Heinrich Heine, Eckermann, Eichendorff, Hebbel, Moerike; Ben Gavriel wollte gern herausbringen, wie bekannt diese Namen bei uns heute noch sind. An den Briefvermerken faellt der stark paedagogische Zug auf. Die polnische Post im ehemals oberschlesischen Lubowitz teilte unserem Schriftsteller in Jerusalem auf Deutsch mit, dass Herr Joseph von Eichendorff bereits im Jahre ¡1857 gestorben sei. Ein Wiener Postamt ging sogar noch einen Schritt weiter, indem es den Schreiber nicht nur ueber das Hinscheiden des Dr. Theodor Herzl aufklaerte, sondern ihm auch Detailkenntnisse vermittelte: Herzl habe nicht im Anwesen Nr. soundsoviel, sondern ein paar Haeuser weiter gewohnt. Das nennt man Dienst am Kunden. Bei den deutschen Fost- Scripta weiss man nicht ganz genau, ob man mehr die fleissige Arbeit oder den Humormangel der Bearbeiter hervorheben soll. Der trokkenen Anmerkung, dass ein I. P. E c k e r m a n n, freier Mitarbeiter des Geheimrats von Goethe beim Meldeamt nicht angemeldet sei, ist wenig hinzuzufuegen. Eine ungemein feinsinnige und hintergruendige Auskunft ist die, dass Herr Felix Mendelsohn- Bartholdy “ohne Angabe der Adresse abgereist” sei. Auf keinen Fall kann man der Post mangelnde Gründlichkeit vorwerfen. Wenn die Witwe Marthe Schwerdtlein, Untermieterin i bei Prof. H. Faust .selbst durch Aufruf nicht zu ermitteln war, dann muss sich der Absender zufrieden geben. Mehr kann er fuer sein Porto nicht verlangen. Ein ganz Kluger meint, er haette den Brief an das Arztehepaar D r. Heinrich und Margarete Faust weitergeschickt, auf diese Weise waere dem Absender vielleicht ein Licht ueber die Moeglichkeit des Happy-Ends von Faust I aufgesteckt worden. Dr. Edith Goldschmidt fiEDlkEAl ZU... (Schluss von Seite 1) wuerde, die auch von den Maechtigsten auf Erden weder missachtet noch verletzt werden darf. Und die juediche Geschichte bezuegt es, dass jener eigentuemliche Staat, den das Volk in alten Zeiten sein eigen nannte, eine Gemeinschaft ohne Despotie gewesen ist .ohne Vorherrschaft von Adligen, Bevorzugten, ohne zweierlei Recht und ohne zweierlei Moral, wie wir sie so haeufig anderswo antrafen und heute noch finden. Diese Erkenntnisse haben keineswegs ueberall Eingang gefunden und auch Teile des juedischen Volkes leben in gewissen Laendern in Unfreiheit, mindestens in solcher seelischer Natur. Ihre Sehnsucht wendt sich nach Medinat Jisrael, wo Idas Fest der Freiheit mit einem neuen Gefuehl fuer das menschliche und ijuedische Freiheitsideal begangen wird. Manche Reformer des 19. Jahrhunderts versuchten, den nationalen Inhalt von Pessach mit dem Motto “Im kommenden Jahre in Jeruschalajim” vom Feste zu loesen, was nicht gelingen konnte, weil juedischer Lebenswille und der Wunsch, juedische Werte zu (erhalten, staerker waren als alle Theorien jener Epoche. Rabb. Leo Baeck s.A. gab der echten Pessacherwartung einmal mit folgenden Worten Ausdruck: “Durch seinen Auszug aus Mizrajim ist dieses Volk zu einem Volke der Menschheit geworden. Es ist ein Volk der Geschichte und deshalb ein messianisches Volk. Es atmet die Luft seiner Geschichte, die Weltgeschichte ist. Das Einst der Vergangenheit wird zum Einst der Zukunft. Einst, als es aus Aegypten herausg e f u e h r t wurde, sang dieses Volk sein erstes Lied, das Lied von der Befreiung durch Gott und vom Reiche Gottes. Einst, so sagte einer der alten Lehrer, haben sie dieses Lied gesungen, und einst werden sie dieses Lied singen”. Dass von solchen Freiheitsempfindungen einmal alle Nationen ergriffen werden moegen, ist die juedische Hoffnung. In diesem Wunsche fuer das grosse Pessach der Menschheit, soll der Jude Jahr (fuer Jahr sein Freiheitsfest begehen. EI GEDANKEN ZWISCHEN ZWEI UND DREI BLUMEN, GESTERN UND HEUTE in Israel Wie wir schon in unserer Februar-Ausgabe berichteten, hat die uns bestens bekannte Kuenstlerin Lilianette grossen Erfolg auf ihrer ersten Israel-Tournee zu verzeichnen gehabt. | Fuenf Wochen lang ist sie —waehrend der Hauptsaison— in 26 Vorstellungen in der Medinah auf getreten. Saemt liehe Vorstellungen waren ausverkauft und es gelang ihr, das Publikum und die Kritik restlos zu erobern. Wir freuen uns ueber diesen Erfolg unserer Lilianette und erwarten schon jetzt mit Spannung ihren naechsten Besuch in Chile, den sie uns ja “aus daffke” bei ihrem letzten Auftreten in Santiago versprochen hat. Eine Wohnung ohne Blumen ist, wie eine Frau ohne Guete, kalt. Unpersoenlich und seelenlos wirkt die kostbarste Einrichtung, wenn nicht eine ¿Schale Blueten sie belebt. Das beste Essen an pompoesest gedeckter Tafel, kann durch das Fehlen der Blumen zur Wirtshaus-Abspeisung degradiert werden; auch das Auge will gemessen. Die Blumenvase und ihr Arrangement spricht heute eine andere Sprache, als zu Zeiten unserer Grossmuetter. Da gab es eisern ausgerichtete Bouquets, Monstruen von sogenannten Makart-Straeussen, die sonnenlos zwischen Plueschpolstermoebeln verstaubten und der einzige Ruhm jenes gedankenarmen Malers —Hans Makart— blieben, nach dem sie benannt wurden, Bei Brautstraeussen und Blumen-Aufmerksamkeiten, die steif von Besuch machenden Kavalieren ueberreicht wurden, hatte man das Gefuehl, dass die armen, zusammengepressten Blueten nicht .atmen durften, um nicht einen Milimeter von ihrem vorgeschriebenen Platz zu ruecken. Die Vasen waren hoch und enghalsig, sie erlaubten den Blumen nur kerzengerade in ihnen zu stehen; keine Weichheit war erlaubt oder auch nur moeglich. Blaetter waren hoefliche Beigabe, aber nicht Schmuck; sie hatten keinerlei Eigenwert. Aus dieser Zeit stammt die barbarische Unsitte, die man heute noch bei Prunkarrangements findet, zarte Blueten durch Draht zu morden. i Antike Vasen erzaehlen in ihrer Vielfalt und herrlichen Schoenheit aufschlussreiche Kulturgeschichte. Sie sind Nachschlagewerke fuer Epochen und so wichtig fuer Zeitbestimmung von Funden, dass es in der Archaeologie fuer sie ein Spezialstudium und gebiet gibt. Sie stellen ein grosses Bilderbuch der Antike dar. Was man vom Altertum sonst nur aus Buechern wissen koennte, sieht man hier illustriert. Goettersagen, Szenen des taeglichen, des Schul-, Krieger-, Handwerker-, Mode und Liebeslebens sind ablesbar, wie auf einem Filmstreifen. Diese formvollendet schoenen Gefaesse waren Schmuckstuecke um ihrer selbst willen, Ziergegenstaende, die nur selten mit Blumen gefuellt wurden. Die zarte Kunst, Blueten harm o n i s c h ' anzuordnen, sparsam in Menge, sodass jede einzelne voll zu ihrem Schoenheitsrecht kommt, ist im Orient zur Hochkultur gediehen. In Japan gehoert diese aesthetische Beschaeftigung zur elementaren guten Erziehung. Sie ist, wie jeder Kult, der zur Kultur wird, aus der Religion geboren. wo ein buddhistischer Tempel steht, sind Bluetengaben in ausgesucht schoener Form, liebevoll gepflegt von Priestern, zu finden, lesbar, wie niedergelegte Briefe, individueller Ausdruck in Art, Farbe und Anordnung. Jede Blume und Pflanze ist von symbolischer Bedeutung. So ist die makellose Lotusbluete das Symbol der Reinheit, die kuehle Lilie das des Patriotismus, Pflaumenblueten des Mutes, Fichtenzweige des langen Lebens und die vielartige Crysantheme das der Unsterblichkeit. Ihre, strengen Normen unterstehenden, Anordnungen druecken Wuensche, Bitten und Dank in ruehrendster, echtester und natuerlich schoenster Form ¡aus. Die Biegung eines Zweiges, der Hoehenunterschied zum Gefaess, Sn dem er steht, die sanfte Neigung eines Halmes kann “Frau” oder “Mann”, “Erde” oder “Himmel” bedeuten, kann “Vorwurf” oder “Demut” ausdruecken. . .Diese religioesen Gaben beeinflussten natuerlich den. Gedanken und Wunsch, aus der rein ritualen Kunst einen etwas weniger starren, Tantasiereicheren Heimschmuck zu gestalten. Im 18. Jahrhundert wurden in Japan definitive Regejn und Gesetze fuer : diesen relativ neuen Zweig der Blumenarrangements geschaffen. Die Ausuebung dieser Kunst, Ikebana genannt (d.h. Blumen in Wasser stellen), lag bis zum 17. Jahrhundert i voellig in maennlichen Haenden Shunsho, der grosse Kuenstler und Lehrer, schrieb: “Die Kunst des Blumenrichtens ist Notwendigkeit fuer jeden Mann von Kultur; nicht nur, um die i Kraft seiner Seele zu staerken, sondern auch um alle guten Eigenschaften seines Herzens zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen”. Frueher waren die Grundbedingungen des haeuslichen Blumenschmuckes nur Vase, Blueten und Wasser. Heute ist seine erste und groesste Voraussetzung Zeit und Geduld. Auch das haben wir vom Orient igelernt. Ein bedacht schoenes und interessantes Arrangement ist unmoeglich in Eile zu gestalten Einer hastig gerichteten Vase fehlt die ausgeglichene Schoenheit der Ruhe; man ist versucht (und tut es auch meistens), im Laufe des Tages immer und immer wieder an den Blumen zu zupfen. Eine einzelne, wirklich aussergewoehnlich schoene Bluete, ein Zweig in grazioeser Neigung, ein stilisiertes Bouq u e t aus farboriginellen Blaettern und Graesern verraet mehr vom Geschmack der Hausfrau, als das luxurioeseste Gewirr aus nur kostbaren Blumen. Aus der Liebe oder der Gleichgueltigkeit, mit der eine Frau ihr Haus mit Blumen zu schmuecken versteht (oder nicht;), kann man interessante Schluesse auf ihre Lebenseinstellung und (wie von Vielen behautet wird) sogar auf ihren Charakter ziehen. K... g 3377

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