Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXVI (1964)
- Issue
- 3 (Marzo, 1964)
- Date
- 1964-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 BOLETIN INFORMATIVO MARZO 1964 DR. ABNER NECHUSHTAN (TEL-AVIV) Der Jordan—Quelle von Fortschritt und Zwietracht Rillen sind in die abstuerzenden Waende der Talsenke des Wadi Amud gesprengt worden, eines der galilaeischen Gebirgsfluesschen. Oben klaffen die Waende ziemlich weit auseinander, um sich 150 m. tiefer zum steinigen Bett dieses Wadi zu verengen. Dann hatte man lange, staehlerne Druckrohre, mit Durchmessern von 2.70 m., entsprechend schief abwaerts und wieder schief aufwaerts in die Rillen einbetoniert —aber natuerlich nicht, ohne vorher Apparaturen eingeschlossen zu haben, die das Wasser, das in die Roehren stroemt, ansaugen und weiterpressen, kurz, aehnlich unter atmosphaerischen Druck setzen, wie es im Kleinen jede Syphonflasche tut, wenn man den Daumen auf den Hebel drueckt. Zweieinhalb Jahre halsbrecherischen Jonglierens hoch ueber diesem Talkessel una an seinen Steilhaengen hatte die Arbeit gekostet. Es waere gewiss rascher gegangen, einfacher —und sehr viel billiger— gewesen, die Rohrleitung in die Horizontale elnei Schwebebruecke einzulassen; aber dann wuerde sie jetzt jedem Ueberfall arabischer Freischaerler, jedem Moerserbeschuss von der verhaeltnismaessig nahen syrischen Grenze her ausgeliefert sein. Das Ganze ist selbstredend nichts als ein zwar wichtiger, aber winziger Teil der israelischen Landeswasserleitung, die prob eweise demnaechst in Betrieb gesetzt werden soll. Seit 1953. als der Bau begann, hat er die Israelis bis jetzt mehr als 300 Millionen Pfund in ihrer Waehrung gekostet, 100 Millionen Dollar nach dem (umstrittenen) amtlichen Umrechnungskurs. Dem Jordan, oder eigentlich dem See von Tiberias, in den der Jordan vom Norden her einstroemt. wird in der Naehe dieses Einflusses fortan Wasser entnommen werden, das durch einen 30 km. langen Kanal, durch besagte Rohre und durch mehrere Tunnel von denen einer immerhin 6,5 km lang ist, dem Sueden dieses Landes ueber insgesamt 110 km zugeleitet werden soll. Den Tiberiassee verwenden die Ingenieure gleichsam als natuerliches Reservoir. Ausser d e m bauten sie zwei kuenstliche Wasserreservoire dieses Jordan-Negew-Werkes, wie sie es nennen. In der Naehe des Sees entstanden zur Bewaeltigung eines- Hoehenunterschiedes von nicht weniger als 260 m drei riesige Pumpanlagen neben demselben Kloster Tabcha, das Paul VI kuerzlich mit seinem Besuch beehrt hat. Er haette die Installation uebrlgens selbst dann nicht zu Gesicht bekommen koennen, wenn er danach gefragt haette, denn sie wurde unter einem idyllisch schoenen Eukaliptushain ins Urgestein gesprengt, um gegen Bombardements gefeit zu sein, und sogar (versichern die E x p e rten) gegen einen Atomangriff. Bis zur Vereinigung des w i ederholt entschlammten Jordanwassers dieses Systems mit einem zweiten, dem des im Landesinneren fliessenden Jarkon, konnte das natürliche G e f a e Ile umso leichter benutzt werden, je mehr sich die Rohrleitung dem Sueden naeherte. Eben der Steppe, in der die Kinder I s r ae 1 verdurstet waeren, wenn Moses mit seinem Stab nicht auf den Felsen geschlagen haette “und Wasser wird ihm entstroemen, auf dass das Volk trinke” (Exodus 17,6). Diesmal taten es die spaeten Nachfolger der Heimkehrer aus Aegypten, n e b st hollaendischen und schweizer Wasseringenieuren mit D y n a mitsprengungen, Presslufthaemmern, B u ldozern, Kranen; doch im Grunde hat sich in den paar tausend Jahren nichts^ am Ziel geaendert, das Oedland zu befruchten. Wieder einmal also “hat die Bibel doch recht”. VOELKERRECHT ALS VORWAND Aber Sind auch die Erben der H e i 1 i gen Schrift im Recht, die Juden von heute, wenn sie Teile des Wassers des Jordan dergestalt ableiten? Die Israelis verhalten sich damit “flagrant voelkerreehtswidrig”: Unwiderlegbar erschien es so den juristischen Beratern der 13 Staatsfuehrer auf der von Abdel Nasser kuerzlich in Kairo geleiteten arabischen Spitzenkonferenz. Der Jordan sei zwar auch Israels Strom, sie geben es zu. Aber von seinen Quellfluessen entspringen der Chasbani im Libanon, der Banjas in Syrien, und er selber bildet ueber eine betraechtliche Streck? Weges die Grenze mit dem Jordanischen Koenigreich, dessen Hoheitsgebiet er schliesslich durchfliesst, bevor er in das Tote Meer muendet. _ _ Das alles ist natuerlich unbestreitbar. Aber eben deshalb draengte sich schon vor mehr als einem Jahrzehnt der Plan, die Wasser dieses Flusses regional zu verwerten, als beste Regelung fuer diese Mehrstaatlichkeit der Anrainer auf. Praesident Eisenhower liess ein solches Projekt von dem inzwischen verstorbenen Eric Johnston ausarbeiten. Es wies 61% der verfuegbaren Wasserueberschuesse des Jordan, einschliesslich . seiner Nebenfluesse den Arabern zur Aufschliessung noch brachliegender, aber kultivierbarer Boeden zu, und dem juedischen Staat nur die restlichen 39%. Sowohl die arabischen wie die israelischen Ingenieure, Hydrologen und Agronomen g a b en diesem “Unified Water Plan” nach drei Jahre langen Verhandlungen ihre Zustimmung, Auf der politischen Ebene erklaerte sich Ben Gurions Regierung bereit, ihn unverzüglich zu ratifizieren. Die Arabische Liga jedoch sprach sich im Oktober 1955 gegen seine Bestaetigung aus: Die Sache Hesse sich nur gemeinschaftlich mit Israel durchfuehren, sei mit dem Grundsatz der Nicht-KQoperation also nicht vereinbar, und wuerde den Zionisten ueber - dies a u f b a uwi'rtschaftlich nuetzen, und das kaeme ebensowenig in Frage. Hier in Israel machte dieses arabische Nein um so weniger Eindruck, als die Jordanier bald danach begannen, denjenigen Teil des Johnston-Planes in die Praxis umzusetzen, der sichauf eine Ableitung von Wassern aus dem Strombett des Jarmuk bezieht. Sie zapften diesen Fluss, der dem Jordan von Osten zustroemt, kurzerhand an. Die Israelis liessen es sogar geschehen, dass der Ableitungskanal auf einer Teilstrecke von 67 km ihr Gebiet passiert. Aber nachdem dieser Praezedenzfai) geschaffen ist, vertreten sie den Standpunkt, dass es ihnen doppelt und dreifach unbenommen sein muss, das amerikanische Projekt auch in den Teilen zu verwirklichen, die sich in ihren Landesgrenzen halten. Geht es um die Ausnutzung von Fluessen, die mehreren Staaten gemeinsam sind, so gibt das internationale Recht nach hiesiger Auffassung keinem Nachbarn die Befugnis, weil er etwa selber au landwirtschaftlichem F or tschritt uninteressiert oder vielleicht gar feindlich gesinnt ist, einem anderen Staat der Gruppe den Zugang zu seiner Wasserquote zu sperren. Wie sich indessen auf der arabischen Staatsmaenner- Konferenz gezeigt hat, dient ihnen diese knifflige voelkerrechtliche Frage nur als Vorwand. Als Vertreter einer Politik, die sie seit fuenfzehn Jahren gegen Israel fuehren. wollen sie alles ihnen Moegliche daran setzen, diesen Staat zu hindern, “eine Mil- Kleiner Mann, Um die gleiche Zeit, da in Argentinien vermutlich schon nach Adolf Eichmann gefahndet und in Franf art Main bereits das Material gegen die 23 Angeklagten des jetzigen Auschwitz - Prozesses gesichtet wurde, irgendwann im Herbst 1960, war der damals 42—jaehrige Hirsch Barenblatt aus einer Chorprobe der Tel-Aviver Oper vom Dirigentenpult geholt und zu ersten Vernehmungen auf die Polizei gebracht worden. Als juedischer “Helfershelfer der Nationalsozialisten”, nach der einschlaegigen, 1950 erlassenen Titelbezeichnung des Israelischen Gesetzes ,stand er nun seit etwa Jahresfrist vor dem Tel-Aviver Bezirksgericht. Es hat ihm in seinem Urteilsspruch vor wenigen Wochen zugestanden, was jeder der seinerzeitigen Herren von Auschwitz, der SS-Offiziere, Aerzte, Apotheker, die sich im “Roerner” vor dem westdeutschen Schwurgericht zu verantworten haben, um jeden Preis sein moechte: dass er ein kleiner Mann waere, von der Dutzendware der Natur Und sollte der Oberste Gerichtshof in Jerusalem formaljuristisch keine Luecke finden, 80 wird die Berufungsklage, die Barenblatts Anwaelte Inzwischen angemeldet haben, nichts an der Gefaengnisstrafe von 5 Jahren aendern, die ihm zudiktiert worden ist. Schon in Polen hatte er sich bald nach Kriegs'schluss vor Gericht gegen den Verdacht zu verteidigen gehabt, der Gestapo erst als Vizelion Juden in der Steppe des N e g e w anzusiedeln”, und sich damit entsprechend noch weit mehr zu kraeftigen, als es jetzt schon der Fall ist. Und sie wissen oder glauben zu wissen: ohne die vom Norden kanalisierten Wasser des Jordan waere eine solche Massenkolonisation im Sueden dieses Landes nach dvm bisherigen Stand der Technik unmoeglich. DAS WASSER ABGRABEN Mit ihrer Forderung, unter solchen Umstaenden ohne weiteres Abwarten militaerisch vorzugehen, standen die Syrer auf der Spitzenkonferenz allerdings allein da. Statt dessen ist in Kairo vor allem beschlossen worden, jene beiden Quellfluesse, den Chasbani und den Banjas, abzuleiten, ln anderthalb Jahren und mit verhaeltnismaessig geringen Kosten, einigen dutzend Sterlingpfund Millionen, fuer die insbesondere das erdoelgesegnete Kuweit unschwer aufkommen koennte, werde dem Jordan- Negew Plan der (Israelis das Wasser so gut wie voellig abgegraben werden. In allgemeinen Zuegen ist etwa das, wie man es hierzulande einschlaegigen Ortes sieht, das Ergebnis der Kairoer Spitzenkonferenz. Man beurteilt es schon deshalb mit betraechtlicher Gelassenheit, weil von den Sachverstaendigen die arabischen Schaetzungen ueber die Zeitdauer bezweifelt werden, die zur Ableitung der beiden Quellfluesse noetig sei* und auch die optimistischen Berechnungen ueber den Kostenaufwand. Nicht knappe zwei Jahre, meint man hier, wuerden fuer solche Flussregulierungen, sondern gut und gerne anderthalb Jahrzehnte ins Land gehen, bis es soweit ist. Und wieviel cubm. Wasser —im Endstadium jaehrlich 320 Millionen— werden bis dahin aus dem Jordan in die heute noch ausgetrockneten, nach Siedlern durstigen, Steppen des Suedens geleitet worden sein! SONDER-BERICHT EUR DAS B. I. in grosse Schuld verstrickt... Kommandeur und dann als Chef des1 “Juedischen Ordnungsdienstes” in IBendzin, einer Stadt im polnischen Oberschlesien, in den Jahren 1942 und ,1943 allzu gefuegig gewesen zu sein. Die Anklage war auä Mangel an schluesslgen Beweisen fallen gelassen worden. Kein Wunder, denn juedische Ueberlebende des Ghetto von Bendzin oder des benachbarten Sosnowice, die als Belastungszeugen in Frage 1 gekommen waeren, waren aus dem verwuesteten, damals noch nicht wieder aufgebauten Land so ras'ch wie moeglich, ja fast alle entweder nach Uebersee oder zumindest ¿ns westliche Europa gegangen, oder aber hierher, in das damalige Palaestina, den jetzigen Staat Israel. Als die hierher Eingewanderten Hirsch Barenblatt in Tel-Aviv begegneten, erstattete einer von ihnen Anzeige. Andere schlossen s'ich rasch an. Insgesamt umfasste die Anklageschrift schliesslich 12 Punkte, (von denen das Bezirksgericht ihn ln fuenf Faellen schuldig befunden und, je nach der Schwere des Deliktes, zu fuenf Gefaengnisstrafen von verschiedener Dauer verurteilt hat, die zu fuenf Jahren wie gesagt, zus'ammengezogen worden sind. ZITTREIBERDIENSTE FITER DIE GASKAMMER ßo muehsam schaelte sich erst nach und nach ein Bild aus der vielschichtigen und in sich oft widerspruchsvollen Fuelle der Berichte heraus, dass das Ermittlungsverfahren nicht weniger als drei volle Jahre gedauert hat Im Prozess selber, der sich im vorigen Maerz daran schloss und —mit den uebllchen Unterbrechungen— 20 Verhandlungstage bis in den Februar hinein beansprucht hat, machten sich die 15 Entlastungszeugen, (die von der Verteidigung auf ger u f e n wurden, im wesentlichen fuer den guten Leumund Barenblatts stark. Die 10 Belastungszeugen, die die Anklage namhaft machte, beschworen vornehmlich die grauenhafte Erinnerung an den 12. August 1942 herauf, als der Angeklagte mit den Polizisten seiner “Judenmiliz” fuer “interne Ordnung” unter den 15.000 Ghettobewohner Bendzins zu sorgen hatte, die sich auf Geheiss der oertlichen deutschen Kommandantur von mittags bis abends' auf einem der Sportplaetze des Staedtchens versammelt hatten. Eine Selektion war im Gange. Diese Menschen sollten entweder zum Zwangsarbeitsdienst oder, wenn sie dafuer zu alt, zu jung waren oder zu schwaechlich schienen, zur sofortigen Verschikkung nach Auschwitz ausgesondert werden. Dem “Ordnungsdienst” Barenblatts war von den SS-Leuten, die den Platz in schussbereitem Kordon umstanden, die Aufgabe uebertragen worden, zu verhindern, dass sich Einzelne von jenen, die zur Deportations ins’ Nichts bestimmt waren, das qualvolle Gedraenge zunutze machten, um zur Gruppe der Arbeitsfaehigen hinueberzuwech- (Fortsetzung Seite 7)