Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1964-01-01 · 1 (Enero, 1964) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXVI (1964)
Issue
1 (Enero, 1964)
Date
1964-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8553624-8559039-9194549--4081-8559040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA " B ' N E JISROEL“ REDACCION: S.C.I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 - SANTIAGO CHILE AÑO XXVI N.o 1 SANTIAGO DE CHILE ENERO 1964 DES PAPSTES PILGERFAHRT Von dem Moment an, da Papst Paulus VI zur Euber. raschung der Mitwelt und allem Anschein nach, selbst zur Ueberraschung der Kurie, seine Absicht kundgetan hatte, das Heilige Land zu besuchen, gab dieses ungewoehnliche Ereignis zu den widerspruchvollsten Kommentaren Anlass. In deren Vordergrund stand zweifellos d i e Bewertung der sensationellen Nachricht als Faktor und Symptom in der Entwicklung der katholischen Kirche. Es kann heute kaum noch einem Zweifel unterliegen, dass auch der jetzige Papst von der Notwendigkeit ueberzeugt ist, die Kirche aus ihrer jahrhundertelangen Erstarrung in Konservatismus und Intoleranz in dem Sinne zu loesen, in dem sein grosser Vorgaenger gewirkt hat. Er mag dabei andere Methoden anwenden, hier diplomatischer und dort behutsamer Vorgehen, von Fall zu Fall mehr den politischen Verstand sprechen lassen als das fuehlende Herz aber dass auch er versuchen wird, den Weg weiter au bauen, den Johannes XXIII geoeffnet hat, daran kann kein Zweifel bestehen. Die Tiefe der Wandlung, die sich damit allein vom rein theologischen Aspekt her vollzieht, ist heute noch garnicht zu .uebersehen, zumal das Oekumenische Konzil solch fundamentale Fragen wie die der Religions— und Gewissensfreiheit und die der Haltung zum Judentum fuer die naechstjaehnge Dritte Sitzungsperiode zurueckgestellt hat ‘ (siehe: “De Judaeis'”, von Dr. Abner Nechuschtan). Trotzdem bedarf es keiner prophetischen Gaben, um vorauszusehen, dass die grosse Mehrzahl der Vaeter sowie der Papst selbst gewillt sind, gewissen Tatsachen unserer Epoche m ganz realistischer Form Rechnung zu tragen. Dazu gehoert der Umstand, dass der Katholizismus nicht die Religion der Mehrheit der Menschheit ist und es zumindest auf dem Wege der klassischen Mission ¡nicht werden kann, sowie dass die ihm —zu Recht oder Unrecht— unterstellte Identifizierung mit den Interessen der privilegierten Schichten heute nur noch zum Nachteil gereichen kann. Wie gesagt: die Tiefe dieser Wandlung kann man noch picht voraussehen ,noch weniger, inwieweit sie unmissverstaendlich proklamiert werden wird, am wenigsten, wie lau ge es dauern wird, bis alle Schichten der > ¡Hierarchie, von den Bischoefen bis zum letzten Dorfpfarrer in echter Ueberzeugung alte unu liebe Traditionen zugunsten neuer Erkenntnisse zurueckstellen werden, mangelt es doch bisher an Beweisen dafuer, dass die Aufgeschlossenheit, die gluecklicher— und erfreulicherweise z. B. der chilenische Kardinal Silva Henriquez unter Beweis stellt bereits Allgemeingut geworden ist. Wie dem auch sei: weder ist dies der Ort, diese ganz allgemeinen Gedanken viel weiter zu spinnen, noch ist der Autor von der fachlichen Kompetenz, es zu unternehmen. Das “B. I.” wird sich bemuehen, die Entwicklung die sich da angebahnt hat im Rahmen seiner Moeglichkeiten zu beobachten und zu interpretieren und dies, selbstverstaendlich, immer u nter spezieller Beruecksichtigung ihrer Auszahlung auf unsere eigene juedische Sphaere. Speziell . koennen seine Leser versichert sein, dass die Pilgerfahrt des Papstes zu den Heiligen Staetten der Christenheit, die ihn nach Jordanien und Israel fuehrte und ueber die in dieser Ausgabe zu berichten, unser vorzeitiger Redaktionssch luss' unmoeglich machte, Gegenstand eines ausfuehrlichen Sonderberichtes in der naechsten Ausgabe sein wird. Daher heute nur wenige Worte dazu: sie sollen die Befriedigung unterstreichen, die Israel, seine Bevoelkerung und die Jud^n der ganzen Welt anlaesslich dieses Besuches .empfunden haben. Der hoechste Wuerdentraeger einer der bedeutendsten und respektabelsten Institutionen der westlichen Welt war unser Gast. Ob es zwischen dieser Institution und uns Konfliktstoff! gibt oder vor allem in der Vergangenheit gab, musste hinter der einfachen menschl icben Tatsache zuruecktreten, dass wir die ausgestreckte Rand ergreifen und dem Gast, der in unserem: Hause weilt, die Hand entgegenstrecken. Trotzdem waere es heuchlerisch zu leugnen, dass uns die Ankuendigung des Besuchs auch mit tiefer Besorgnis erfuellte. Da war in erster Linie in Aller frischer Erinnerung das schreckliche Ereignis von Dallas. Nicht nur, dass auch in unserer Mitte ein Oswald leben kann nein: da lebt der Feind im eigenen Lager, der arabische agent provocateur, dessen dank der israelischen Wachsamkeit nicht zur Ausfuehrung gelangtes Attentat von der aegyptischen kontrollierten Presse propagandistisch s'o plump und frech ausgeschlachtet wurde, dass selbst ein Blatt wie “El Mercurio” dazu bemerkte: “Juengste schmerzliche Ereignisse zeigen, dass die Kaempfer' fuer den Frieden nicht vor Gewalttaetigkeit sicher sind. So gros's also auch die Vorsichtsmassregeln, die man treffen mag, sein moegen, Saeuft das Leben des Papstes eine Gefahr, die er ganz bewusst akzeptiert hat, um seine Mission zu erfuellen. Aber es ist, nicht diese Gefahr, die unmoeglich ganz zu vermeiden ist, welche die Reaktion der aegyptischen Zeitungen hervorgerufen hat. In Wirklichkeit wuenschen sie die Reise des Papstes nicht, weil sie seinen grosszuegigen Sinn nicht verstehen. Verstoert und verblendet durch die Atmosphaere von Feindseligkeit, die die arabische Weit erschuettert, neigen sie dazu, die Ereignisse unter lokalen Gesichtspunkten zu betrachten und auf ihre eigenen Streitigkeite» zu beziehen”. Grund zu Besorgnis, wenn aush nicht solch intensiver Natur wie die um die persoenliche Sicherheit des hohen Gastes, wurde durch das Ereignis auch auf anderen Gebieten erregt. So wart es von Anfang an klar, dass die Araber alles daran setzen wuerden, wenn schon nicht fuer den Papst selbst oder die Kirche, so doch fuer einen Teil der Meute von Journalisten, TV— und Filmleuten die breiten Bettelsuppen der Internationalisierung Jerusalems und der arabischen Fluechtlinge wie- Fast zur gleichen Zeit, da mit dem Beginn —und der sofortigen Vertagung— der Gerichtsverhandlung ¿egen 22 SS— Bestien von Auschwitz das ganze Entsetzen der KZ.Lager und Gaskammern wieder vor Aller Bewusstsein trat, starben in Deutschland zwei Maenner, deren Leben Zeugnis von der Existenz eines besseren, anderen Deutschland abgelegt hatte: Theodor Heuss und Erich Ollenhauer. Altbundespraesident Heuss hatte als erstes Staatsoberhaupt d ei BRD von 1949 bis 1959, die schwere Aufgabe, das' weit unter den Gefrierpunkt gesunkene Vertrauen in sein Vaterland nach innen und aussen wiederherstellen zu helfen. Er war dafuer ganz aussergewoehnlich qualifiziert. Wenngleich e r waehrend der schweren Zeit weder persoenliehe Verfolgung erlitten noch zu einer der militaerischen oder sonstigen Widerstandsgruppen gehoerte, so hatte er doch andererseits nichts getan, dessen er sich haette schaemen und nichts gesagt, was er haette widerrufen muessen. Im Gegenteil, in einem 1 9 3 6 in Deutschland erschienen Buch der aufzuwaermen. Und dass sie so manch einer ausloeffeln wuerde —hatte Maitre Stevenson sie nicht erst im Dezember der ganzen ONU serviert?—, dass kann wirklich niemanden Wunder nehmen. Schliesslich starteten Nasser und seine Presse, parallel zu einer ganz allgemein ver staerkten Kriegshetze, zu der die israelischen Bewaesserungsprojekte als Vorwand herhalten mussten, eine intensive Kampagne gegen die Anknuepfung diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan, oder, wie das ¡manche Leute heute noch nennen, gegen die “Anerkennung” Israels durch den Vatikan. Nun rannte er damit allerdings offene Tueren ein. Israel hatte an den Empfang seines Gastes keine Bedingungen geknuepft. Abgesehen von selbstverstaendlichen Fragen des Protokolls, die sich durch parallele Behandlung der gleichen Fragen auf jordanischem Gebiet von selbst ergaben, war man von Anfang an gewillt, dem religioesen —und nicht politischen— Charakter der Pilgerfahrt Rechnung zu tragen, Anstand mit Anstand zu begegnen und den Zeit... Zeit zu lassen. Engere Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan —und indirekt vielleicht auch zwihatte er die Zivilcourage gehabt, sich zu juedischen Freunden zu bekennen und seine untadelige, aufrechte, menschliche Gesinnung auch im taeglichen Leben unter Beweis zu stellen. Er war ein Liberaler und Humanist vom alten Schnitt und seine Wahl zum Oberhaupt des neuen Staates haette nicht gluecklicher sein koennen, vor allem wenn man bedenkt, dass an der Spitze des Ersten. Zweiten und Dritten Reiches —abgesehen von dem farblosen Friedrich Ebert— nur uebergeschnappte oder senile Uniformtraeger gestanden hatten. Nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, galt sein erster Auslandsbesuch dem Staate Israel, wo er in grossen Ehren empfangen wurde Vorlesungen an der Hebraeischen Universitaet hielt und alte Freundschaften wieder anknuepfte. Mit Erich Ollenhauer tritt ein Mann von der politischen Bildflaeche ab, der lange Jahre hindurch als Leiter der Sozialdemokratischen Partei die politische Opposition gefuehrt hatte. Wenn er auch nicht die brillanten Gaben seines Vorgaengers sehen Judentum und Katholizismus— kam niemand in den Sinn, als Preis fuer des Papstes Empfang teinzusetzen. So etwas ist naemlich kein Handelsobjekt, ausser in der Vorstellungswelt eines Nasser. Wenn umgekehrt aber, a la bonne heure, aus selbstverstaend 1 i c h e r anstaendiger Haltung und menschlichem Kontakt langsam bessere Beziehungen erwachsen, wird Nasser mit dem gleichen Unvermoegen, die Reaktionen gesitteter Leute zu beurteilen, seinen Schreiberlingen vorwerfen, die Frage der Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel vorzeitig aufs Tapet gebracht und uns damit einen Gefallen erwiesen zu haben. So oder so: es mag uns kalt lassen. Der Papst kam zu uns nicht weil wir dort sind vielleicht nur ungeachtet der Tatsache, dass wir dort sind vielleicht sogar, obwohl wir dort sind. Aber er. kam zu uns. Er naeherte sich inmitten von Anzeichen, dass er sich auch allmaehlich, langsam, auf anderen Gebieten naehern wird. Was auch immer in naher und ferner Zukunft die P’olgen der Reise sein moegen, wir nahmen ihn auf, erfreut und geehrt, in Anstand und Wuerde, an der geoeffneten Pforte des Hauses Israel. Kurt Schumacher aufwies und in der letzten Zeit schon des oeftern im Schatten seiner voraussichtlichen Nachfolge r —wahrscheinlich Brandt, vielleicht Wehnei, vielleicht Erler— stand, so war er doch einer der hervorragenden Repraesentanten des besseren Deutschland.. Und dies nicht nur, weil er persoenlich waehrend der ganzen tausendjaehrigen Herrlichkeit das Brot des Exils in England gegessen hatte, sondern vor allem weil er —der typische Parteifunktionaer —Zeit seines Lebens nur eine klare Linie gekannt hatte: die Parteilinie, die Otto Wels in jener denkwuerdigen Rede vom 23. Maerz 1933 im Reichstag definierte, als die SPD ais einzige Fraktion mutig geg e n das sogenannte Ermaechtigungsgesetz ppponierte: “Wir gruessen die Verfolgten und die Bedraengten Wir gruessen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut, ihre ungebrochene Zuversicht verbuergen telno hellere Zukunft”. ATSCHEKA VOM ÄNDEREN DEUTSCHLAND

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.