Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1963)
- Date
- 1963-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 DICIEMBRE .1963 BOLETIN INFORMATIVO NEUER KANZLER IN BONN Haboker Es gibt nicht viele Völker, welche wie Israei ihren Wohltaetern dankbar sind. Das ist sicherlich der Grund, der die Oeffentlichkeit im Lande zu besonderem Interesse an dem Rücktritt des westdeutschen Bundeskanzlers Adenauer veranlasst. In die Geschichte des deutschen Volkes wird Adenauer als eine politische Persönlichkeit eingehen, welche imstande war, seinen Staat und sein Volk aus der Tiefe emporzuheben und ihnen im Laufe einer 14-j a e h rigen Taetigkeit einen ehrenvollen Platz in der internationalen Arena zu sichern. Mehr als vor dem “Wirtschaftswunder” Deutschlands das mit dem Namen des W i r t s c haftsminister verknüpft ist, welcher Adenauers Nachfolge als Bundeskanzler antritt, steht die Welt vor dem “politischen Wunder” Deutschlands, dessen Architekt Adenauer ist. Das Zahl ungsabkommen mit Israel war für Adenauer ein Akt moralischer Wiedergutmachung und wurde deshalb von seiner Regierung korrekt durchgeführt. Dr. Adenauer verstand, dass diese Zahlungen nicht ein Mittel zur Reinigung Deutschlands vor der Welt waren, welche mit der Verbesserung seiner internationalen Position ihre Aufgabe erfüllt haben. Der Nachfolger Adenauers muss sich mit der Korrektur von Ungerechtigkeiten gegenüber, Naziopfern befassen, insbesondere gegenüber den Juden, welche nach 1953 in den Westen kamen und deren Recht auf Entschaedigungen ihnen bisher verweigert wurde. Es ist nur zu hoffen, dass auch Prof. Erhard von der gleichen moralischen Haltung bestimmt werden wird, die die Schritte. Adenauers gelenkt hat. Hazofeh: Nach dem Ausscheiden von Dr. Adenauer soll jetzt Ludwig Erhard die Führung der Regierungsgeschaefte übernehmen. Damit geht eine 14-jaehrige Epoche zu Ende, die weitgehende U m w a e lzungen mit sich brachte. Auf den Trümmern des Landes “erwuchs” das W i r tschaftsu. politische W u n d er und Deutschland wurde wieder eine Weltmacht. Die deutsche Waehrung gehört zu den stabilsten in der Welt und die Deutschen erobern immer weitere Maerkte im Auslande. D i eses Wirtschaftswunder wird, nicht zum wenigsten Prof. Erhard kreditiert der bisher Wirtschaftsminister in Bonn war. Ihm gelang es, mit sehr klugen Methoden die deutsche Wirtschaft völlig neu zu gestalten und die Produktion beispielhaft zu fördern. Doch nicht allein auf die Taetigkeit dieses Mannes sind die starken Wirtschaftserfolge z u r ü ckzuführen sondern auch politische Faktoren sprachen mit. Allerdings war es der Regierung Adenauer nicht gelungen völlig die nazistischen Elemente aus dem Behörden - Apparat auszumerzen. Noch gibt es zahlreiche Nazis in den verschiedenen Aemtern, wie das Kapitel Globke zeigt. Weiterhin war es Adenauer nicht gelungen, derjenigen Elemente Herr zu werden, welche sich bis auf den heutigen Tag der Anknüpfung diplomatischer Beziehungen mit Israel widersetzen. Hierdurch muss der Eindruck gewonnen werden, dass Westdeutschland der einzige anti-israelische Staat unter den fortschrittlichen Laendern ist. Die Mehrzahlder L a e n der unterhalten heute bekanntlich durchaus volle diplomatische Beziehungen mit Israel und nehmen keine Rücksicht auf die a r a bischen Boykottmethoden. Prof. Erhard wird sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen haben, und gerade die diesbezügliche Stellungnahme Bonns wird erweisen, wie hoch das Niveau, des neuen Kanzlers unter sittlichen Masstaeben zu bewerten ist. Lamerchaw: Nach vierzehnjaehriger Regierung hat Dr. Adenauer das Bundeskanzleramt in Deutschland verlassen und Prof. Erhard di? Regierung übergeben. Dieser Personenwechsel in Bonn ist die Folge eines langen persönlichen Ringens und erfolgt nur deshalb, weil Adenauer sich auf Grund seines. Alters zurückziehen muss. Eine Aenderung der Politik Bonns ist nicht zu erwarten. Politische Beobachter sind der Ansicht, dass der neue Kanzler zu engeren Beziehungen mit Amerika und grösserem Verstaendnis für Grossbritannien geneigt sein wird Die deutschen Bürger werden wohl in Adenauer die Person lichkeit sehen die Deutschland aus den Ruinen zu neuer Höhe geführt hat. Sie sehen aber die Gefahren nicht, die seine Regierung mit sich gebracht hat. Di? Abkommen von Jalta und Potsdam sollten die Wiederbelebung eines deutschen Militarismus verhindern. Aber noch waren die Wunden nicht geheilt, da erstand schon wieder ein deutsches Heer. Adenauer benutzte den Kalten Krieg für seine Zwekke und machte aus Westdeutschland ein Zentrum anti-sowjetischer Politik. Die israelische Regierung ihrerseits beging den Fehler, Westdeutschland zu eifrig in seiner Rehabilitierung, zu helfen. Dem neuen Kanzler soll seine Chance nicht abgesprochen werden. Wir aber sind die Letzten die den Glauben an ein neues Deutsch land leichtfertig übernehmen. Eh AUS DER ISRAELISCHEN PRESSE RENAULT SCHALTET RUECKWAERTSGANG Jerusalem Post : Begruessenswert ist der Beschluss der franzoesischen Renault- Gesellschaft, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel wieder aufzunehmen, die sie unter dem Druck der arabischen Boykott - Drohungen vor vier Jahren abgebrochen hatte. Der Konzern hat sich damit auf die Linie der amerikanischen Hotelgr uppen Hilton und Sheraton begeben, deren Direktoren wissen, dass Nichtachtung die einzig moegliche Reaktion auf diese Drohung der Araber ist. Die Wiederaufnahme der Bezieh u n g en zum israelischen Kaeufermarkt ist auch von allgemein politischer Bedeutung weil Renault als einziges franzoesisch.es Grossunterneh men in vollem Regierungsbesitz ist. Hoffen wir auf praktische Wirkungen dieses Beschlusses, die in ihren Einzelheiten noch unklar sind. Dawar behandelt unter einem anderen, weiteren Gesichtspunkt die erfreulich engen israelisch franzoesischen Beziehungen aus Anlass der auf Initiative d'es J u edischen Weltkongresses hier im Lande durchgefuehrten “Woche des franzoesischen Judentums”. Nach Hinweisen auf die Geschichte und juedische Bedeutung dieser Grupe unseres Volkes, deren numerisches Wachstum seit Kriegsende den Vergleich mit unserer eigenen Bevoelkerungsvermehrung a u shaelt plaediert das Blatt dafuer, es bei dieser Solidarisierungswoche nicht zu belassen. So gewiss wir eine Massenalijah der franzoesischen Juden am staerksten begruessen wuerden, so sehr ist es die Pflicht Israels, mit ihnen auf allen Gebieten bruederlich zu kooperieren, so lange sie in Frankreich nach einer juedischen und allgemeinen Konsolidierung I ihrer Existenz streben. Lamerchaw: Nachdem die Gesellschaft Renault jetzt Ihr Unrecht gutmachen und ihre Beziehungen zu Israel wieder aufnehmen will, muss das Verkehrsministerium alle Moeglichkeiten pruefen. Unser Aussenministerium hatte eilend reagiert und erklaert, dass die Israel-Regierung q'ie Erklaerungen der franzoesischen Gesellschaft mit Genugtuung aufnimmt Die Stellungnahme des Au jsenministeriums erfolgte, noch bevor sich das Verkehrsministerium mit der Frage des Imports von Renault-Maschinen nach Israel befasst hatte. Inzwischen sind bekanntlich Abkommen mit andern Faktoren geschlossen worden. Diese Veraenderungen muessen bei den Verhandlungen mit Renault beruecksichtigt werden. SOWJET-DIPLOMATIE ABBAU DES MILITAER - REGIMES IN GEBAERDET SICH ZORNIG ARABISCHEN ZONEN ISRAELS Hazofeh: Die unaufhörlichen Bemühungen der jüdischen Welt um die Lage der Juden Russlands haben endlich eine Antwort bekommen, und zwar von einer hohen Persönlichkeit der Sowjets, vom russischen Aussenminister Gromyko selbst. Ir. einemi Interview mit einem jüdischen Geschaeftsmann aus Chikago, dem Vorsitzenden des Freundschaftsverbandes Amerika-Russland, gab der Aussenminister seiner Bestürzung über die unaufhörlichen Anklagen der Juden wegen der Lage der Juden in Russland Ausdruck. Er sagte, die jüdischen Führer spielen ein haessliches Spiel, da sie genau wissen dass ihre B e h a uptungerx nicht wahr seien. Er erklaerte weiter, die jüdischen Führer drücken Adenauer und seinen neonazistischen Helfern die Haende und führen so zu der endgültigen Vernichtung nicht nur der Juden sondern aller Menschen überhaupt”. Leider ist der sowjetische Staatsmann auf die Beschuldigungen selbst überhaupt nicht eingegangen. Leider hat Gromyko keinerlei konkrete Antwort gegeben. Alle sowjetischen Stellen versuchen immer wieder, um dieses Problem herumzureden und klarer Antwort auszuweichen. Wir waeren sehr froh, wenn die Sowjets, statt alles zu b e s t r eiten, die Grundlagen, die zu dieser Protestwelle geführt haben, beseitigen würden. Haboker; Die Ausführungen des israelischen Vertreters in der sozialen Kommission der UNO, die sich auf die Lage der Juden in der Sowjetunion bezogen, haben den Zorn des sowjetischen Repräsentanten erregt. Der Israeli nannte zwar nicht das Land, über das er sich beschwerte, aber es war klar auf welches er sich bezog. Im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten rief der s o w j etische Repraesentant Israel auf, den Namen des Landes zu nennen, das man hier beschuldigt, und er fügte hinzu, Israel! habe nicht das Recht, in den Angelegenheiten der Juden anderer Laender zu intervenieren. Israel, hat ebenso wie die Sowjetunion das Recht. Interessen zu verteidigen, die ihm lebenswichtig erscheinen; und schliesslich handelt es sich hierbei ja nicht um Israel allein, das zu diesem Problem S t e llung nimmt, sondern um viele öffentliche Körperschaften und Persönlichkeiten. Die Worte des s o w j e tischen Delegierten richteteten sich also nicht nur an Israel, sondern war'im auch eine Antwort auf Kennedys Ausführungen bei der Dawar: Was von dem Mi- ’ taerregime u e b r ig bleibt, wenn das Erfordernis von Erlaubnissen fuer Reisen aufgehoben wird, ist nur ein Rahmen, welcher nach Meinung der Sichsrheitsbehoerden notwendig ist, um den gefaehrdetsten Bezirken die Sicherheit aufrecht zu erhalten, solange! die Nachbarstaaten eine aktive Feindschaft gegen Israel betaetigen. Wir muessen uns mit dieser Notwendigkeit angesichts der Gefahren abfinden, die uns drohen, und niemand darf die Meinung derjenigen missachten, welche mit der Wahrung der Sicherheit betraut sind. Jerusalem Post: Die Entscheid ung, die Reisebe- Eröffnung dieser Vollversammlung der UNO und auf Ausführungen von Ausssnminister Meir in der UNO. Hier im Lande kann Mikunis gegen die antisowjetische Propaganda Stellung nehmen, die “sich hinter der Sorge um die Juden Russlands verbirgt’, Riftin kann von einer Reise durch Russland zurückkehren und die Bedeutung der antijüdischen M a s s n ahmen verkleinern wollen. Aber all das entbindet die Sowjetunion nicht von ihrer Antwort auf die Frage der Weltöffentlichkeit bezüglich der Juden in Russland. schraenkungen aufzuheben, ist ein Schritt im Rahmen einer allmaehlichen Entwicklung, die sich aus der in Israel herrschenden Ruhe ergibt, zum Teil ist sie auch das Resultat des Druckes, der seit Jahren von der Opposition ausgeuebt wird. Achduth Haawodah vor allem hat die Aufhebung des Militaerregimes zu einer ihrer Wahlparolen gemacht, und so musste ein Kompromiss in dieser Hinsicht gefunden werden, nachdem diese Partei sich der Koalition angeschlossen hatte. Letzten Endes aber geraten die B e s c hraenkungen in Fortfall, weil sie diskriminierenden (Charakter tragen, und weil eine Diskriminierung - sei es auch aus dringenden Sicherheitsgruenden - nicht ohne Schaden lange Zeit hindurch ausgeuebt werden kann, einen Schaden, der vor allem diejenigen trifft, welche die Diskriminierungen ausueben. Als das Militaerregime errichtet fwurde, betrachtete man es als eine kurzfristige Massnahme, die nur aufrecht erhalten werden sollte, bis ein Frieden mit unseren Nachbarstaaten erreicht ist. Die Aussichten auf Frieden sind nicht gewachsen, aber es wird fuer uns immer stoerend'er, unsererseits den Kriegszustand aufrecht zu erhalten. Die getroffene Massnahme ist an sich bedeutungsvoll, aber wir sollten uns nicht ein reden, dass sie eine grosse Wirkung auf die Haltung der arabischen Minderheit und der arabischen Staaten gegenueber Israel haben wird. Lamerchaw; in seiner Uebersicht gab der Ministerpraesiderit bekannt, das er grundlegende Reformen auf dem Gebiet des Militaerregimes durchfuehren will. Obwohl diese Reformen noch nicht befriedigend sind, soll ihre Bedeutung nicht verkleinert werden. Man muss anerkennen, dass Eschkol einige Vorschlaege der Achduth Haavodah, wenn auch nicht alle, beruecksichtigt, obwohl die ueblichen Anschauungen seiner Partei andere sind. Die vorgesehenen Aenderungen werden, zehntausenden arabischer Buerger Israels, die unter den Beschraenkungen, die die Regierung jetzt auf heben will, gelitten haben wesentliche Erleichterungen gewaehren. Die Vorschlaege Eschkols bedeuten zweifellos einen wesentlichen Fortschritt auf dem Wege der Aufhebung des Militaerregimes, aber gerade deshalb unterstreichen sie die Notwendigkeit seiner voelligen Aufhebung und auch die Moeglichkeit zur Beseitigung des Apparates des Militaerregimes mit der Diskriminierung unserer arabischen Buerger.