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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-12-01 · 12 (Diciembre, 1963) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
12 (Diciembre, 1963)
Date
1963-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTU RAL ISRAELITA ' B ’ N E JISROEl* RtDACCION: S.C.I. B'NE JISROEl AV. PORTUGAL 810 CASILLA 7487 - SANTIAGO CHILE AÑO XXV, N.o 12 SANTIAGO DE CHILE DICIEMBRE 1963 DER MEUCHELMORD YON TEXAS Wenn diese grausamen und tragischen Ereignisse nur die Stadt und den Staat erwekken . koennten —wenn sie nur diese ganze Nation erwecken koennten— um zu begreifen, welch Wahnsinn rassische Ungerechtigkeit und Hass und Gewalttaetigkeit ist, dann waere es noch nicht zu spaet... bevor noch mehr Leben geopfert werden. John F. Kennedy Es war doch zu spaet. Ungerechtigkeit, Hass und' Gewalttaetigkeit haben e i n neues Opfer gefordert: das Opfer seines eigenen Lebens. Unsere Generation hat das zweifelhafte Privileg, schon unermesslich viel erlebt und miterlebt zu haben. Man koennte also voraussetzen, dass sie “abgebrueht” ist und leicht zur Tagesordnung uebergeht. Zwei grosse und unzaehlige lokale Kriege, das groesste Menschenschlachten der Weltgeschichte, Niedergang von Weltreichen und Aufstieg neuer Maechte, Kernphysik, Raumschiffahrt und Revolution der Wissenschaft, und vor allem Morde, Morde ueber Morde. Und trotz allem: nur ganz selten hat eine Nachricht die Menschen so tief und so nachhaltig erschuettert wie die von der Ermordung des Praesidenten John F. Kennedy. Die ersten Gedanken galten dem Menschen. Jung, jugendlich, intelligent, faehig, anstaendig, sauber, gerecht, sympathisch, modern, aktiv, beliebt... Man muss innehalten, mutet doch eine jede solche Anhaeufung von Adjektiven uebertrieben aiLUnd doch widersteht nichkiur jedes einzelne und allRzusammen jeder kritischeÄUntersuchung, sondern ms i e druecken weder die miancen, den wahren Gradseiner vortrefflichen Eigenschaften adaequat aus, noch erklaeren sie deren wunderbare Synthese. Der Mann auf der Hoehe seiner Laufbahn, der vortreffliche Gatte, der liebevolle Vater, tausendfach bekanntes Bild fuer Millionen —und fuer wie viele Vor- Bild? war gefallen, Opfer zweier Kugeln, zweier Blitze aus heiterem Himmel, und die Millionen erlebten drahtlos die dreissig Minuten seiner Agonie. Roosevelts Tod, eine Minute vor dem Endsieg und Ziel seines Lebens, war dramatisch. Aber —Alter und Krankheit—, er war nicht tragisch. D i e Ermordung Gandhis,!wie jeder gewaltsame Tod und als gewaltsames Ende des Apostels der Gewaltlosigkeit, war tragisch. Aber der Westen, mit stumpfen Sinnen fuer fast alles, was jenseits der Dardanellen geschieht und sehr zu Unrecht und seinem eigenen Nachteil, empfand das nicht als Drama. Kennedy ermordet: das war Drama und Tragoedie, zusammengeballt, erschuetternd, unfassbar, in einer auch fuer unsere Generation einzigartigen Intensitaet. DER STAATSMANN Der maechtigste Mann der Welt war tot. Zeitungen und Z e itschriften bemaechtigen sich seines Werdegangs und Werkes, wie es morgen Literatur und Film und uebermorgen vielleicht die Legende tun werden. Die mannigfaltigen Aspekte seines Charakters und .seiner Gedanken, seines triumphalen Aufstiegs und vor allem, die raetselhaften Umstaende seines vorzeitigen Endes gaben zu hunderten von Fragen Anlass. In Waeldern von Papier sind schon heute die Ergebnisse von Untersuchungen der besten Spezialisten zu finden. Trotzdem sind die meisten der Fragen — und darunter einige der wichtigsten— noch ohne Antwort. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, auch nur eine davon gueltig zu erteilen; dazu fehlt uns die Kompetenz, die Bef u g nis, die geographische Naehe und vieles mehr. Aber wir koennen uns der Verpflichtung nicht entziehen, auch hier, im bescheidenen Rahmen des “B. I”, einige der Fragen zu wiederholen, die alle Gemueter bewegen und den Versuch zu machen, an der Suche nach der Antwort teilzunehmen, zumal (uns diese in mancher Hinsicht nicht nur individuell, sondern auch als Gemeinschaft interessieren. Alle Welt ist sich darin einig, dass dieser 35. Praesident der Vereinigten Staaten einer der bedeutenden Presidenten war. Die Parallele zu Lincoln, dessen Kampf fuer die , Gleichberechtigung der Neger —wie lange dauert er doch schon!— er fortfuehrte und der ermordet wurde wie er, liegt natuerlich nahe. Ausserdem aber stellen ihn viele Jefferson und Roosevelt zur Seite. Worin liegt nun diese seine Bedeutung? Unter der Vielfalt von Faktoren, aus der sie zweifellos erwaechst, moegen folgende die entscheidenden sein: Kennedy fuehrte sein Land und die westliche Welt aus dem Versagen der Eisenhower-Epoche heraus. Im Gegensatz zu seinem unentschlossenen Vorgaenger, der sich staendig vor seiner offiziellen Ratlosigkeit in die private Sphaere des Golfspielens fluechtete, entfaltete er Initiative. Mut und Geschick, zeigte sich den Umstaenden entsprechend entschlos s e n oder flexibel, war unermuedlich aktiv und von einem einfach ansteckenden Optimismus. Kennedy war ein Staatsmann mit einem einzigartig klaren Blick fuer die Zukunft. Er erkannte, dass die grosse wissenschaftlich-technologische Revolution unserer Tage das Bild der Welt ebenso neugestalten wird,, wie dies die industrielle Revolution des vergangenen Jahrhunderts tat. Es hat seinen tiefen Sinn, dass der erste flatz in den U. S. A., der seinen Namen angenommen hat, das bisherige Kap Cañaveral ist. Der Sprung in den Kosmos, ebenso wie die Probleme der Kern-Energie, die Gefahren eines atomaren Kriegs, die Moeglichkeiten der Automatisierung, die Erfordernisse neuer wirtschaftlicher Planung, Vollbeschaeftigung: all das gehoerte zu den Grundpfeilern seiner Philosophie der Politik, die er mit dem Namen “Neue Grenzen” definierte. In seiner Person gewann diese in unserer Zeit begruendete Ideologie langsam Gestalt. Diese Tatsache erklaert es, dass Kruschew, dessen Marxismus noch zum Teil in Begriffen des 19. Jahrhunderts wurzelt, nun einen Widersacher hatte, (der nicht nur General oder Geschaeftsmann oder Politiker war, sondern Staatsmann mit Perspektive fuer die Entwicklung der Dinge. Und wer weiss, ob nicht mit einer moderneren, mehr realistischen, wissenschaftlichen und e x a k ten Perspektive. Kennedy war naemlich auch ein Intellektueller, in einer fuer den Staatsmann schoepferischen * Verbindung mit dem Sinn fuer das Praktische. Wenn bei Roosevelt das faustische Element und der Flug der Gedanken die Wachsamkeit von Mephistos Machenschaften ablenkte, wenn bei Eisenhower, ganz Wagner, die Ueber - zeugung vorherrschte, es sei “genug, die Kunst, die man Ihm ueber trug, gewissenhaft und puenktlich auszuueben”, so laesst sich auf Kennedy das Dichterwort anwenden: “Was man erkennt, laesst sich ergreifen”. Der Krfeis junger Intelektueller die als seine politischen Berater fungierten, abgesehen davon, ob unter ihnen (nicht auch der eine oder andere Phantast sein mag, oder die Gala-Abende i m Weissen Haus, bei denen Kuenstler und Philosophen die Plaetze einnahmen, die fuer immer Generaelen und Bankiers reserviert schienen, legen beredtes Zeugnis von der Rolle des Geistes und des Geistigen in seinem Leben ab. Kennedy war schliesslich ein Vorkaempfer fuer die Rechte der Schwachen und Unterdrückten. Sowohl in seinem eigenen Lande wie JOHN F. KENNEDY 'Was man erkennt, laesst sich ergreifen... ueber dessen Grenzen hinaus setzte er sich dafuer ein, den Frieden durch ausgleichende, gerechte und zeitgemaesse Massnahmen zu festigen. Er erkannte, dass Hilfe fuer arme Laender nicht in Form von entwuerdigenden Almosen geleistet werden , kann. Daher das Wort “Allianz” in seinem Programm “Allianz fuer den Fortschritt”. Bei all diesen Bestrebungen hatte er groesste Widerstaende zu bekaempfen. Die groessten jedoch bei jenen, die auf Gerechtigkeit und Gleichheit lm eigenen Lande zielten: volle Bürgerrechte fuer die Bevoelkerung dunkler Hautfarbe. War es dieser Kampf, der das Opfer seines Lebens forderte? DAS GROSSE RAETSEL Es waere leichtfertig, diese Frage zu beantworten, ohne ueber die Information zu verfuegen, die das F. B. I. in den naechsten Tagen und Wochen versuchen wird zu sammeln und, wie dies zu befuerchten ist, leider wohl vergeblich. Denn mit der sensationellen Ermordung des unter Anklage gestellten, wahrscheinlichen Attentaeters Lee H. Oswald, durch den Nachtklub - Impresario Jack Ruby-Rubinstein, sind die sichersten Spuren fuer immer verwischt worden. Nimmt man aber als Tatsache an, dass Oswald die Schuesse abgefeuert hat —alle drei Schuesse er allein, oder einen oder zwei der gefallenen Schuesse als Komplize eines anderen oder mehrerer anderer Attentaeter, dann muss man sich fragen; Warum schoss Oswald? Handelt es sich um einen p e r s o enlichen Entschluss? Weil -er Kommunist war? Weil er ein gescheitertes Element war, voll von Ressentiments, , gleichermassen unfaehig, sich in seinem Heimatland, in der UdSSR oder in Kuba das Leben zu verdienen? War er ein Agent? Wenn ja, wessen Agent? Die Presse hat bis zu diesem Moment der Tatsache der kommunistischen Vergangenheit Oswalds bei weitem die groesste Bedeutung beigemessen. Dies hat andererseits die Organe der kommunistischen P r o p aganda dazu veranlasst, in Toenen hoechster Empoerung darauf hinzuweisen, dass der Marxismus-Leninismus den politischen Mord strikt ablehnt und dass es sich bei der Verhaftung Oswalds um eine ultra-reaktionaere Kon spiration handle. Der beste Beweis liege in der Tatsache, dass man ihm durch1 eine Kugel den Mund fuer immer versiegelt habe. In vieler Hinsicht ist diese Entruestung scheinheilig. Es stimmt zwar, dass die Theorie der kommunistischen Weltrevolution den individuellen Mord als Instrument ablehnt, was zum Teil ideologisch begruendet ist r—die revolutionaere Aktion der Massen— und zum Teil historisch —Zwistigkeiten mit den Anarchisten in Russland—. Genau so stimmt es aber, auch, dass in der Praxis der Mordanschlag nie verschmaeht wurde, wenn er zweckdienlich schien, wofuer es an Beispielen aus allen Lagern von den geglueckten gegen Kirov bis zu den misslungenen gegen Betancourt nicht mangelt. Aber in diesem Fall? Um bei dem Wort zu bleiben: konnte Kennedys Ermordung zweckdienlich e r s c h e i nen? Fuer Russland, fuer Kuba? Die Antwort kann nur ein ganz kategorisches Nein sein. Dass sie zufaellig identischist mit der Antwort der kommuni- (Fortsetzung Seite 6)

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