Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA B ’ N E J I S R O E L REDACCION: S.C.I. B'NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 ■ SANTIAGO CHILE AÑO XXV, N<? 11 SANTIAGO DE CHILE 'NOVIEMBRE 7 963 " VOR 25 JAHREN Der 10. November 1938, der Tag der ersten wohlvorbereiteten und grossangelegten Judenverfolgungen unter der Geissei des Hakenkreuzes, der sich diesmal zum 25. Male jaehrt, sollte niemals in den Hintergrund treten gegenu e b e r den spaeteren, in ihrem Umfange und ihrer Furchtbarkeit gewiss weit schlimmeren Geschehnissen, deren Opfer die im Machtbereiche der Nazis verbliebenen Juden wurden. Denn dieses Ereignis war eine Art “Generalprobe” von Seiten der Nazibarbaren fuer das, was man fuer spaeter geplant hatte; man wollte (sich durch die Massnahmen des 9. bezw 10. November darueber klar werden, wieweit gegangen werden koennte, ohne die gesamte Weltoeffentlichkeit gegen sich zu haben, welche Wirkung das Niederbrennen von Gotteshaeusern und die anderen pogromartigen Ausschreitungen in jenen Laendern ausloesen wuerden, auf die es in erster Linie ankam. Wie man spaeterhin erfuhr, war die “Novemberaktion” im wesentlichen bereits im Sommer 1938 festgelegt worden, und es bedurfte nur eines aeusseren Vorwandes, um loszuschlagen. Diesen ersehnten Anlass lieferte bekanntlich das Attentat von Paris auf den deutschen Botschaftssekretaer von Rath; nun schien der Vorwand dafuer gegeben, sich nicht nur der einen Person, welche die Tat begangen hatte, zu bemaechtigen, sondern, nach unzaehligen antisemitischen Vorbildern, zu “Vergeltungsmassnahmen” grossen Umfanges zu schreiten. Es bedarf an dieser Stelle nicht noch einmal einer Aufzaehlung der organisierten Verbrechen, welche die Machthaber des “Dritten Reiches” durch die Partei, sowie den “SA” und “SS”-Apparat begehen liessen, seit jenen ersten Morgenstunden des 10. November, als die grosse Mehrzahl der Synagogen Deutschlands und Oesterreichs in Flammen aufging, Massenverhaftungen juedischer Maenner vor allem erfolgten, und willkuerliche Erschiessungen in den Konzentrationslagern das Grauen 25 JAHRE SPAETER: Stunden der Erinnerung und des Lernens Von Rabbiner Egon I. Loewensteirr 25 Jahre sind seit Jenen Tagen und Naechten vergangen, in denen der letzte Schlag gegen die Juden in Deutschland, in den auf den 9. November folgenden Wochen, gefuehrt wurde. Hunderte von Synagogen gingen in Flammen auf. Zehntausende ,kamen in Gefaengnisse und Konzentrationslager. Geschäfte und Wohnungen wurden ein Opfer bestialischer Zerstoerungssucht. Demuetigung und Entrechtung Hunderttau sender wurde endgueltiges Staatsgesetz. Ais wir durch die Strassen zum Bahnhof marschieren mussten, sahen wir in das hoehnische Antlitz derer, , die einstmals unsere Mitbuerger gewesen waren. Dann lebten wir wochenlang wie Parias, in Buchenwald, in (Dachau, Sachsenhausen und anderen Lagern. Wir sehen ¡sie noch immer vor uns, jene, die die Nerven verloren und auch jene, die zu ¡Tode gequaelt wurden. Wer koennte jene ¡Wochen vergessen? Viele traeumen noch heute angstvoll von den Schrecken dieser Tage. Aber dies war erst der Beginn jenes Aufstandes der Goetzendiener von “Blut und Boden”. Auch damals ahnte noch niemand, wie tief ein Volk sinken kann. Ein Meer von Blut und eine ¡Flut von Traenen ergossen sich ueber die Welt. Sinnloses Leid kam ueber die Menschheit. Wir leiden noch immer, obwohl mehr als;18 Jahre vergangen sind. Mit welchem Recht gedenken wir der Ereignisse des 9. und ¡10. November, angesichts dessen, was folgte? Sie waren doch nur ein Teilausschnitt einer unendlich groesseren Tragoedie. Aber eben darum weil diese Tragoedie so unfassbar wurde, ¡halten wir diese Tage fest. Sie sind Tage und Naechte unseres eigenen Lebens. Und sie sind noch mehr. Vor 25 Jahren wurde ein Schlusstrich gezogen, In den Flammen der Gotteshaeuser gingen Jahrhunderte juedischer Geschichte unter. Mit den Truemmern der Gemeindehaeuser, Lehrhaeuser und Institutionen, wurde ein Teil des Judentums vernichtet, der einen wesentlichen Ausschnitt unserer Geschichte darstellt. Dort versuchten Juden zum ersten Mal in der (Fortsetzung Seite 6) dieses unheilvollen Tages kroenten. Nun musste auch solchen Juden, die bis dahin auf ein Einlenken der Tyrannen, auf ein Abschwaechen der judenfeindlichen Handlungen gehofft hatten, klarwerden, dass nur eine sehr beschleunigte Auswanderung das Leid mildern und die juedischen Hoffnungen wieder beleben koennte. Die von der Berliner Juedischen Gemeinde damals erpresste “freiwillige” Busse von fuenf Millionen Mark bildete nur den Auftakt fuer eine Welle von Erpressungen, Beraubungen und Auspluenderungen, die in den folgenden Jahren individuell und kollektiv die Reste der unter -der Naziherrschaft noch vegetierenden juedischen Gemeinschaften heimsuchten. Juden aus Deutschland und Oesterreich, die am 10. November 1938 bereits in Südamerika weilten, entsinnen sich der ergreifenden Trauergottesdienste, die wenige Tage danach in vielen Synagogen stattfanden, sowie der wunderbaren Solidaritaet der juedischen Gemeinschaften dieser Laender. Sie ¡denken an die sofort einberufene Sondersitzung des Britischen “Oberhauses , in welcher das Entsetzen ueber das (Geschehene eindeutig durch nichtjuedische Minister und Parlamentarier zum Ausdruck kam. Man darf ferner an die unmittelbar darauf erfolgte Berufung des amerikanischen Botschafters in Berlin durch Praesident Roosevelt zur “Berichterstattung” nach Washington erinnern, was eine klare Stellungnahme der USA bedeutete; der Botschafterposten ist dann bis zum Eintritt Amerikas in den Krieg nicht mehr besetzt worden. Die Blicke der sehwergeprueften Juden Mitteleuropas richteten sich damals auf den ersten Repraesentanten des juedischen Volkes, den damaligen Presidenten der Zionistischen Weltorganisation und (der Jewish Agency, Prof. Chaim Weizmann, der in jener Epoche in London unermuedlich daran arbeitete, dem Kabinett Chamberlain begreiflich zu machen, dass nur eine grosszuegig gehand h a b t e Einwanderung nach Erez Jisrael, d. h. eine Aufhebung der dieser entgegenstehenden verhaengnisvollen Bestimmungen, die juedische Situation erleichtern koennte, und, wenn es in dieser Zeit, zwischen November 1938 und dem Tage des Ausbruches des 2. Weltkrieges, dem 3. September 1939, zu ganz bescheidenen Alijah- Milderungen, zu einer gewiss e n Einwanderung nach Grossbritannien kam, so haben die Zionistische Exekutive und die Leitung des IffiiiiilP EIN SCHLUSSTRICH GEZOGEN: Brennende Synagogen waren der Anfang des letzten Kapi* tels des deutschen Judentums. (Synagoge von Siegen, Westf. 10. XI. 1938) (Bild: “The Blue Card”) “Juedischen Weltkongresses” hieran hervorragenden Anteil. Wenige Tage nach dem 10. November sass der im Aufträge der “Reichsvertretung” nach England entsandte Berliner Rabbiner Dr. Max Nussbaum (heute in Kalifornien segensreich taetig) Dr. Weizmann in dessen Buero gegenueber und sagte ihm: “Herr Praesident, ich flehe Sie an; helfen Sie! Die Juden bei uns sind am Ende der Kraft angelangt; mehr koennen sie nicht ertragen”. Und Weizmann erwiderte: “Lieber junger Freund, Sie glauben nicht, was ein Volk wie das juedische ertragen kann. Ich fuerchte, dass der Becher des Leides noch nicht bis zum Rande gefuellt sein wird. Aber ich bitte Sie, mir alles, was Sie mir erzaehlten, als Memorandum schriftlich zu geben. Es soll ein “Weihnachtsgeschenk” fuer M r. C'hamberlain sein”. Weizmanns Prognose sollte in einem Masse wahr werden, wie er selbst es sich nie ,haette traeumen lassen. Die “Kristallnacht” zeigte der juedischen Welt, wozu unsere Feinde faehig Bind und was uns noch bevorstand falls sich die Weltoeffentlichkeit nicht zu einer wirksamen Haltung aufraffte. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, geschah nichts: Mindestens von da an reicht eine schwere Mitschuld Derjenigen, die schwiegen, obwohl sie haetten sprechen und reagieren koennen. Auch jtlas juedlsche Vertrauen auf das “Andere Deutschland” wurde enttaeuscht, obwohl es vereinzelte Faelle echter Hilfsbereitschaft und ßolidaritaet auf nichtjuedischer Seite gab. Doch Eines lernten Juden aus den Ereignissen: Nur das Vertrauen in die eigene Kraft und die Zusammenfassung der Energieen kann zu einer befreienden Tat fuehren. Die Errichtung neuer Gotteshaeuser von Seiten der Geretteten, in denen sich vielfach Thorarollen aus zerstoerten Synagogen befinden, zuweilen von christlichen Nachbarn in Sicherheit gebracht, die Schaffung neuen Gemeinschaftlebens unter Bewahrung des geistigen Erbes der Vergangenheit, lag auf diesem Wege, der dann, nach Ueberwindung unsaeglichen Leides und nachdem 'unverstellbare blutige Opfer hatten gebracht werden muessen, zur Entstehung des Staates Israel fuehrte, der groessten Zukunftshoffnung unseres volk6S' Curt Wilk 777080