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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-10-01 · 10 (Octubre, 1963) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
10 (Octubre, 1963)
Date
1963-10-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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OCTUBRE 1963 BOLETIN INFORMATIVO 19 Der grosse Erneuerer des deutschsprachigen Theaters (Zum 20. Todestage Max Reinhardts) Am 31. Oktober 1943, also vor nunmehr zwei Jahrzehnten, ist zu New York, wohin er emigriert war, -Prof. Max Reinha r d t dahin gegangen, nachdem et wenige Wochen zuvor, am 9. September, das 70. Lebensjahr hatte vollenden koennen. An jenem Tage ist er schon recht leidend gewesen, hatte sich jedoch, kurz darauf, am Versoehn u n g s f e ste, von seinem Krankenlager erhoben, um, wie er es gewohnt war, dem Gottesdienst an diesem heiligen Tage, fastend, beizuwohnen; dies ist sein letzter Aus gang gewesen. Der Dichter Franz Werfel hat Max Reinhardt einmal ■den “Erloeser des deutschen Theaters” genannt, und betrachtet man die Fuelle seiner Schoepfungen, die Dauer seines Wirkens, der Glanz, der von seinen Leistungen ap^ging, so darf man ihm Wohl den Koenigsrang unter den Theaterleitern und Regisseuren eines halben Jahrhunderts zuerkennen. A1 s Reinhardt, um 1901, nachdem er schon zehn Jahre lang als Schauspieler unter Brahm gewirkt, mit einigen Freunden zusammen das Kabarett “Schall und Rauch”, das nachmalige “Kleine Theater” in i Berlin, unter den Linden, uebernommen hatte, begann er seine Direktorenlaufbahn, die ihn zu hoe c h s t e n künstlerischen Gipfelpunkten fuehren sollte. Er hiess eigentlich Goldmann und war im Jahre 1873 in Baden bei Wien zur Welt gekommen. Nicht, ,um sein Judentum zu verheimlichen er bekannte sich immer stolz als Jude, sondern, um einen Buehnennamen zu besitzen, nannte er sich Reinhardt. Der Schauspieler zeigte eine besondere Begabung fuer die naturalistische Gesta 11 u n g alter Maenner. Doch seine grenzenlose Schauspielerphantasie konnte nur auf dem Wege zum Regisseur ihren Ausweg finden. Als dann sein Genie am Sternenhimmel des Theater aufgegangen war, musste er den Kampf gegen Erstarrung auf der einen und uebersteigerten Naturalismus auf der anderen Seite aufnehmen Er begann, mit neuen kuenstlerischen Methoden zu arbeiten, mit der Pracht von Farbenzusammenstellungen, mit immer neuen schoepferischen Einfaellen. ) Schon im Jahre 1904 uebernahm Reinhardt ein geraeumigeres Theater, das “Neue Theater am Schiffbauerdamm”, um bald darauf, als Brahm vom “Deutschen” ins “Lessingtheater” hinueberwechselte, jene alte Kunststaette in der Schumannstrasse zu uebernehmen, deren 75-jaehriges Bestehen im Jahre ¡1958 festlich begangen worden ist. Und bald erlebte -die Welt ein kuenstlerisches Ereignis ersten Ranges: Shakespeares “Sommernachtstraum” erfuhr eine Inszenierung, die einer Renaissance gleichkam. Nie war ein Wald im naechtlichen Mondlicht maerchenhafter erstanden als auf dieser Buehne. Die ganze Welt der Klassiker, zumindest der bedeutendste Teil, ist in jenem Jahrzehnt ¡bis 1914 durch Reinhardt von allem veraeusserlichenden Beiwerk befreit, auf das Rein Menschliche und Ewig-Gueltige gestellt worden. Reinhardts Bestreben ging dahin, die Verinnerlichung und Beseelung der vom Dichter geschilderten Empfindungen zu vereinen mit dem ganzen Schwung und dem echten Pathos, wie dieses z. B. von den Sdhiller’schen Dramen ausgeht; so kam eine beglueckende Auffuehrung von “Kabale ¡und Liebe” zustande, die kaum je eine - gleichwertige Nachahmung erfuhr. S p a e t e r gliederte Reinhardt seinem Stammhause die intimen “Kammerspiele” an, und hier, wo er Strindberg und Schnitzler, Wedekind und Stucken spielen liess, rueckte er das Zeitgeschehen so nahe an den Zuschauer heran, dass dieser die feinsten Regungen der Seele wahrzunehmen , vermochte. Nun ging des Meisters Ruhm durch das damalige Deutschland und ueber dessen Grenzen hinaus. Bei Kriegsbeginn uebernahm er die kurz zuvor eroeffnete “Volksbuehne”, ein modernes, schoenes Haus inmitten einer unschoenen Wohngegend, und so konnten auch die breitesten Volksschichten Reinhardtsche Inszenierungen kennenlernen, wenngleich leider des oefteren nur in der zweiten Besetzung. Die Oberste Heeresleitung im 1. Weltkriege bat ihn, Gastspielreisen ins neutrale Ausland zu machen, um in Holland, Schweden und Daenemark fuer “deutsche Kultur” zu werben. Doch das Kriegsende findet ihn bei der Verwirklichung neuer Plaene: Hatte er schon in fmehreren Jahren auf der Zirkusarena im “Koenig Oedipus”, im “Mirakel”, grandiose Massenszenen entstehen lassen, so liess er nun, 1919, den Zirkus Schumann zu Berlin in ein “Grosses Schauspielhaus” mit viel Geschick umwandeln; doch dieses Experiment misslang, da sich das moderne Drama, das gesprochene Wort ueberhaupt, in dem “Theater der 5000” nicht durchsetzte. 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Und schliesslich laeuft parallel zu diesen Unternehmungen, zwischen 1926 und 34, , die Begruendung der “Salzburger Festpiele”, die Weltruf erhalten sollten und die er von dem benachbarten Schloss Leopoldskron, das er kaeuflich erwarb, gut ueberwachen konnte —bis in die Nazijahre im benachbarten “Reiche”. > Max Reinhardts Ruhm ist nicht zu trennen von den Leistungen der Kuenstler, die er entdeckte oder heranzog. In Prof. Ernst ©tern fand er einen Buehnengestalter, der seinen Intentionen weitgehend folgte. Gertrud Bysoldt und Lucie Hoeflioh, Else Heims, seine erste, und Helene Thimig, seine zweite Gattin, Tilla Durieux, Friedrich Kayssler, Paul Wegener, Eduard von Winterstein — um nur die wichtigsten Namen zu nennenwaren seine groessten Entdeckungen. Der geniale Albert Bassermann, schon unter Otto Brahm beruehmt, sah in der Chance, die Reinhardt ihm gab, von 1911-1915 bei ihm Schiller und Shakespeare zu spielen, die Erfuellung eines Traumes. Und der spaeter so undankbare Werner Krauss, gewiss eine sehr grosse Begabung, wo waere er geblieben, wenn .nicht Reinhardts Instinkt ihn geweckt und gefoerdert haette? In seinem eigenen Bruder Edmund, dem Fruehvollendeten, hatte der Meister einen Mitarbeiter, der ihm alle geschaeftllchen Sorgen nach Moeglichkeit abnahm. Im Jahre 1938, als es in Europa fuer ihn nichts mehr zu schaffen gab, ging Reinhardt nach Amerika. Er inszenierte dort ,u. a. den “Sommernachtstraum-Fikn”, der auch hier unter dem Titel “Sueño de una noche de verano” zu sehen war. Der Darsteller des “Puck” im Film, Mickey Ronney, ist von ihm entdeckt worden. Bis zuletzt war Reinhardt mit Plaenen und Entwuerfen beschaeftigt. Und es war ein Leben der Erfuellung, das am 31. Oktober 1943 zuende ging. Das letzte Geheimnis seines Genies war vielleicht dass er jedes Dichterwerk aus dem Reichtum der eigenen Seele zu bereichern wusste; so wurde er zum Dichter inspirierten Mitschoepfer eines Werkes. Die Welt der Buehne verdankt ihm unendlich viel, und es wird vielleicht nie seinesgleichen geben. Julius Bab s. A., ein grosser Reinhardtkenner, hatte damals, als der grosse Theatermann starb, in nachstehenden Versen seiner Bewunderung Ausdruck gegeben: “Der Zauberer hob den Stab. Ein Regenbogen stieg strahlend aus dem feuchten Grund, von schimmernden Gestalten schien ein . .Chor aus dieser dumpfen Welt emporgegangen. Ein Wettersturm hat diese Welt vernichtet, der Zauberer, der aus Nichts Gestalten treibt, er ging. In dankendem Erinnern bleibt das hohe, bunte, Spiel, das er gedichtet”. CURT WILK i j (Fuer Ortopaedjsche! Schuhe sowie Einlagen Eo 947.- jetzt Eo 850- Eo 567.- Eo 510.« E k a Merced 753 - Local 11 Fono 36134 Suche Erzieherin fuer 8 jaehrigen Jungen nachmittags gute Referenzen Telefon 33885 Chiffre: B. B. Z. 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