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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-10-01 · 10 (Octubre, 1963) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
10 (Octubre, 1963)
Date
1963-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BOLETIN INFDRMATIVD SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA “B'NE )l S R O E I ' REDACCION: S.C.I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 2487 . SANTIAGO CHILE AÑO XXV, N9 10 SANTIAGO DE CHILE OCTUBRE 1963 Die Symbole unseres Sukkotfestes, ¡die Laubhuette und der Feststrauss, haben in moderner Zeit fuer die Mehrzahl unserer Menschen leider an praktischer ¡Bedeutung eingebuesst. Zwar konnte kein Realismus und kein Nationalismus den wunderbaren, gemuetvollen, Zauber vernichten, d§r von der Huette ausging, weder das amerikanische noch das europaeische Klima, auch nicht die begriffliche Begruendung als Sinnbild des Gottvertrauens und nicht die Erinnerung an die Wuestenwanderung. / Doch die Zahl der juedischen Menschen, welche die Mizwa der Sukka beachteten, nimmt seit Jahrzehnten immer mehr ab. Diejenigen jedoch, die an ihr festhielten, konnten sich einer einzigartigen Stimmung nicht entziehen. Wer einmal in der Sukka gesessen, wird ihren unmittelbaren Eindruck auf das Seelische, den aesthetisch-religioesen .Zauber, (nicht vergessen. Verbindet doch die Laubhuette Haeuslichkeit mit Natur, Bescheidenheit mit einer gewissen Geschmuecktheit, Enge mit Weite, Bluehen mit Welken und Herbstlich-Ab■ sterbendes mit dem Ewigen und Ueberzeitlicben. Selbst der religioese Liberalismus des vergangenen Jahrhunderts konnte keine verstandesmaessigen Bedenken gegen die Sukka i aufbringen, und jede liberale Synagoge unserer frueheren Gemeinden nannte eine traditionellhergerichtete Sukka ihr Eigen, denn niemand wollte sie missen, und Kinder aus nichtreligioesen Kreisen draengten sich in die Sukka und fuehlten sich gluecklich in ihr. Weniger populaer ist das andere wichtige Symbol des Festes geworden, der Feststrauss, die vier Pflanzenarten. Sicherlich gehoerte er einst zum Wassei-schoepffeste, das zur Zeit des Zweiten Tempels am 2. Abend von Sukkot eines der schoensten Volksfeste gewesen ist. Der Hohepriester zog dabei mit dem Volke zum Siloahteich der aus der Tempelbergqueile durch den unterirdischen Siloahkanal (aus der Zeit Jesajas) gespeist wurde, schoepfte von dem geheiligten Wasser und goss es mit einer Weinspende zusammen auf den Altar, um damit den Winterregen vom Ewigen zu erbitten, der in Erez Israel fuer die Ernte so bitter noeti'g Ist; der Volkszug aber, Psalmen singend, trug den Lulaw, um symbolisch auszudruecken, wie sehr die Pflanzen auf den Regen warten. Der Lulaw, so sagt eine talmudische Ueberlieferung. habe die Gnadenwirkung, den Regen herbeizufuehren SUKKOT UND SEINE SYMBOLE Von Curt Wilk Zweifellos duerfte eine spaetere ¡Zeit, nach dem Untergang des Heiligtums zu Jerusalem, (Jen alten und ursprünglichen Sinn des Lulaw nicht mehr ganz verstanden haben, und so kam es bisweilen zu gekuensteiten Ausdeutungen. Dennoch sollten wir dem gedanklichen Unterbau, den die Tradition dem Feststrauss gab, keineswegs seine Bedeutung absprechen, und es bleibt die Frage zu beantworten, ob das Schwinden so schoener Symbole wie des Lulaw und des Etrog nur mit den Kosten und Muehen d'er Beschaffung zu erklaeren ist. Sollte der Gemuetswert, der die Sukka auszeichnet, beim Fests t r a u s s verlorengegangen sein? Kami der Keim religioesen Lebens nicht wieder aus dem Schlummer erweckt werden? Die juengere Generation weiss nicht mehr, dass vom Etrog ein herbsuesses, zartes und volles Aroma ausgeht, das uns europaeischen Juden, wenn wir den Feststrauss in die Hand nahmen, die Pracht des Suedens mit ihren Wöhlgeruechen, die Atmosphaere von Erez Israel, irgendwie vor /d'ie Seele trat, dass sich einst die Kinder auf die erste Bracha freuten, , dass man den Lulaw stolz, unverpackt durch die Strasse trug, und dass sich nur ausserordentlich selten ein nichtjuedischer Passant ueber diesen merkwuerd i g e n Pflanzenzweig belustigte. Weshalb sollte der Feststrauss in unseren Synagogen nicht wieder eine starke Anziehungskraft a u s u e ben? Freilich dann nicht, wenn das .Publikum nur zusieht, wie Rabbiner, Kantor und ein oder zwei Synagogenvorsteher ihn tragen. . Wer einmal in der Alten Synagoge zu Berlin, in der Friedberger Anlage zu Frankfurt oder in der Seitenstaettengasse zu Wien erlebte, wie ein ganzer Palmenwald durch das Gotteshaus wandelte, dem wird dies unvergesslich in die Seele gepraegt sein. Nein, die Symbole des Sukkotfestes sind nicht tot; es liegt nur an uns, sie wieder erstehen zu lassen. Nicht sie benoetigen uns, sondern wir sie. Nur im Reichtum von Empfindungen wird I echte Religiositaet geboren, die uns nottut, um in unsere sehr nuechterne Zeit eine echte Stimmung zu tragen. EIN BLITZBESUCH IN DREI GEMEINDEN Wie oft haben wir in vergangenen Jahrem mit Neid auf unseren grossen Bruder in USA und sein aktives juedisches Leben geblickt. Er scheint es leichter zu haben. Sein i Organisationsapparat ist entwickelter und bietet groessere Moeglichkeiten der gegenseitigen Hilfe. Unser Hauptproblem auf diesem Kontinent sind die grossen Entfernungen. Aus dem Wunsch zur Zusammenarbeit wurde die Centra geboren. Sie ermoeglicht uns einen engeren Kontakt. Durch sie sind wir uns aber bewusst geworden, dass auch hier alles relativ ist. Wir haben Gemeinden kennengelernt, deren Probleme wesentlich groesser und schwerer zu loesen sind als die der Grossgemeinden dieser Laender. Ihnen gilt nicht die Aufmerksamkeit der zentralen Organisationen des juedischen Lebens. Sie liegen abseits der Hauptreiserouten dieses weiten Kontinents. Im Monat Juli konnte ich auf einer 12 —taegigen Blitzreise im Aufträge der Centra die Gemeinden La Paz, Cochabamba und Asuncion besuchen. Nach Bolivien kam ich als alter Bekannter, da ich diese Gemeinden schon im Dezember 1961 kennengelernt habe. Leider musste ich feststellen, dass sich seit damals nicht viel an den Problemen trotz groesster Bemuehungsn— geaendert hat. LA PAZ Der Praesident der Comunidad Israelita de Bolivia, Herr Artur Loewenberg, empfing mich mit besonderer Herzlichkeit. Dadurch wurde mir ermoeglicht, mich sehr schnell mit den Problemen dieser Gemeinde bekannt zu machen. Es ist nicht leicht auf dieser Hoehe —3.600 m ueber dem , ¡Meeresspiegel— Von Rabbiner E zu leben. Darueber hinaus wandert die Mehrheit der Jugendlichen in Laender aus, in denen sie bessere Moeglichkeiten des Fortkommens haben. Daraus ergibt sich der Mangel an Festigkeit der Gemeinde. Trotzdem das Land in den letzten Jahren wirtschaftlich stabiler geworden und der Antisemitismus kaum noch spuerbar, ist, wird die Gemeinde immer kleiner. Neben der Pflege des religioesen Lebens ist ihre Hauptaufgabe die Aufrechterhaltung der bolivianischjuedischen Schule. Nach dem Weggang des Rabbiners G. Friedlaender wird sie von Herrn Herbert Haber aus Buenos Aires geleitet, der auch im Kultus religioese Funktionen uebernommen hat. Die Schule besteht seit 25 Jahren und wird von 80% aller juedischen Kinder besucht. Drei juedische Professoren und 25 bolivianische Lehrer unterrichten ¡die etwa 360 Schueiar, von denen etwa 55% Juden sind, vom Kindergarten bis zum Bachillerato. Der Direktor der Schule ermoeglichte mir bei einer Pruefung der obersten Klassen in den juedischen Faechern teilzunehmen und mich von den guten Kenntnissen der Schueler zu ueberzeugen. Noch ist der Jischuw in der “Gemeinde’ und im “Circulo” organisiert, d.h. in Juden aus “Misrach ¡und Maariw”, aber entwickelt sich unabaenderlich auf eine Einheitsgemeinde hin, die dann ungefaehr dOO Familien erfassen wird. Im gastfreundlichen Haus des Konsuls von Israel in Boliven, Herrn Ernst Herzberg und seiner Gattin, treffen sich Mitglieder aller Sektoren des Jischuw in freundschaftlicher Harmonie. Besonders schwer scheint . I. Loewenstein die Organisierung der Jugend zu sein. Vor allem fehlt dafuer die Generation der 17-20 jaehrigen, die aus obengenannten Gruenden ausfallen. Ein Schaliach fuer die Jugend ist von lebenswichtiger Bedeutung Allerdings muss der Jugendfuehrer wissen, dass es schwer sein wird, eine Jugend, die in ihrer Mehrheit die juedische Schule besucht, auch noch zusaetzlich zu e rf a s s e n. Ein weiteres Problem ist dadurch entstanden, dass der einzige Schochet und Mohel Boliviens kuerzlich nach USA ausgewandert ist. Die meisten in Cochabamba koscher lebenden Juden haben das Problem dadurch geloest, dass sie nach Israel ausgewandert sind. Und damit sind wir bei der naechsten Gemeinde, die ich Gelegenheit hatte, zu besuchen: COCHABAMBA Nach der Hoehe von La Paz wird Cochabamba mit seinen 2.700 m ueber dem Meeresspiegel als Erleichterung empfunden. Dort war ich ueber Schabbat. Da das Flugzeug verspaetet —erst am Freitag nachmittag— ankam, wurde ich beinahe direkt in die Synagoge gebracht. Mit Recht sind unsere Freunde in Cochabamba sehr stolz auf sie. Sie ist eine der schoensten Gotteshaeuser auf diesem Kontinent und’ dient nur synagogalen Zwecken obwohl sie zu einer Zeit gebaut wurde, als sie noch ausschliesslich aus eigenen Mitteln errichtet werden musste. Cochabamba ist heute eine Einheitsgemeinde, die von den beiden sehr sympathischen Praesidenten Harry Salomón und Roger Eprté mit Entschlossenheit und Dynamik geleitet wird. Leider haben sie eine Fuelle von Problemen, deren Loesung ausserordentlich -schwer ist. In einer Vorstandssitzung fuehrt mir Herr Forté ihre Gemeindeprobleme sehr eindringlich vor Augen. Vor allem fehlen ihnen ein Rellgionslehrer und ein Jugendfuehrer. Die Jugendgruppe, mit der mich treffen konnte, wird von Jugendlichen geleitet, die sich sehr viel Muehe geben. Aber der gute Wille allein reicht nicht aus, um alle Fragen zu loessen. Darueber hinaus wird erklaert, dass, wenn Vertreter dieser Jugendlichen an den Seminaren der Chasit fteilnehmen sollen, diese ihre internationalen Treffen fuer den Monat Januar vorbereiten muss, da in Bolivien im Februar schon wieder Schule ist. (Es ist nicht leicht, Treffen auf kontinentaler Basis zu organisieren). Die Loesung dieser Fragen ist von vitaler Bedeutung fuer die Zukunft dieser Gemeinde. Darueber hinaus bemueht sich der Vorstand der Asociación Israelita de Cochabamba, die Gemeinde mit juedischem Leben zu erfuellen. i Am Schabbatnachmittag beobachtete ich das rege Leben, das in der Gemeindebibliothek herrscht, die von Frau Herta Boehm geleitet wird. 2.000 Buecher stehen den 150 Abonnenten zur Verfuegung. Weiterhin unterhaelti die Gemeinde ein Dispensario Dr. Chaim Weizmann fuer die bolivianische Bevoelkerung. An ihm werden Medikamente und Injektionen verabreicht und eine staendige Krankenschwester steht den ungefaehr 4.000 Patienten zur Verfuegung. Diese Institutionen kosten den Jischuw etwa US$ 500 monatlich. Ein Informationsblatt haelt die Gemeindemitglieder staendig auf dem Laufenden. Am Sonntag (Fortsetzung Seite 6)

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