Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 9 (Noviembre, 1963)
- Date
- 1963-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIV/O SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA “B'NE JIS ROE L" REDACCION: S.C.I. B’NE JISROEL AV. PORTUGAL 810 CASILLA 3487 - SANTIAGO CHILE AÑO XXV, N? 9 SANTIAGO DE CHILE SEPTIEMBRE 1963 DIE FRAUEN DES NEUJAHRSFESTES (Eine Rosch Haschana «■ Betrachtung) Bosch Haschana, unser Neujahrsfest, ist in gewissem Sinne das Pest der juedischen Frau und Mutter, und es sind' vier Frauen— und Muettergestalten, die uns in den Festvorlesungen beider Tage (Thoraabschnitt und Haftara) vorgefuehrt werden: Sara und Hagar, Rahel und Hanna. Jede dieser Figuren vermag uns interessante Anregungen zu geben, und daher duerften einige skizzenhafte Bemerkungen ueber sie angebracht sein. Sara, die Gattin des Stammvaters Abraham, findet in hohem Alter ersehntes Mutterglueck; sie schenkt einem Sohne das Leben Abraham, so wird ueberliefert, war vom Berge Morijah heimgekehrt, wo er statt des geliebten Sohnes ein Tieropfer hatte darbringen duer fen. Jizchak, das Kind, war den Eltern zum zweiten Male geschenkt worden. Doch diese sollten sich des spaeter Glueckes nicht mehr lange gemeinsam erfreuen duerfen: Der Midrasch, die fromme Legende, erzaehlt, dass Sara, von Schrecken ueberwaeltigl. als sie erfahren hatte, was Vater und Sohn zu tun gedachten, ploetzlich verschieden sei im Alter von 127 Jahren; der Stammvater blieb tief gebeugt zurueck. Lebensleere, Verbitterung, waren Sara nicht unbekannt; sie litt lange unter dem Unsegen der kinderlosen Frau, auf die eine Magd herabsehen konnte. Doch waehrend eines langen Lebens hatte sie Freud und Leid mit dem Gatten geteilt, ihm drueckende Sorgen zu tragen geholfen. Knapp drueckt dies die Thora aus: "Abraham kam, um Sara zu beweinen und zu betrauern”. In der Hoehle Machpela, von welcher gesagt wird, dass dort die Gebeine des ersten Menschenpaares ruhten, begrub Abraham die Verstorbene; dort wurden mit Ausnahme von Rahel die Patriarchen mit ihren Frauen beigesetzt an einer Staette * die noch heute auch den A r a b e rn heilig ist. Da.« Glueck, selbst erst in einem gewissen Alter ein'Kind ihr eigen nennen zu duerfen, bildet zweifellos das paeda gogische Ziel dieser Erzaeh- Tung, ¡von unseren Welsen fuer das Fest ausgewaehlt. Wie paedagogisch manches zu schaffen ist, lehrt die Geschichte der zweiten Frau, von der das Fest spricht' Hagar. Sie ist in der Wueste mit ihrem Sohn Ismael nahe am Verschmachten und ver~ laesst ihn, indem sie spricht: "Ich kann nicht mit ansehen, wie er stirbt”. Ein Engel aber zeigt ihr einen Brunnen und ermahnt sie: “Stehe auf. nimm den Knaben und fass ihn fest an der Hand”. Hier werden falsche und echte Mutterliebe charakterisiert: Eine Sentimentalitaet, die nicht die Kraft findet, das Leben des Kindes zu verlaengern, unterscheidet sich von echter Liebe. “Ich kann nicht”, dieses Wort existiert nicht im Vokabularium einer Mutter, die ihr Kind wirklich liebt. Den Brunnen des lebendigen Wassers zu finden, muss wahre Aufgabe der Erziehung sein, und hierin duerfte die Lehre der schoenen Evzaehlung vom ersten Feiertage liegen. Auch Hagar und Isrnael wurden nach der Verheissung zu einem grossen Volke, wir sehen ihre Nachkommen als Verwandte an, diese arabischen Voelker von denen wir hoffen, dass sie noch in unseren Tagen zu Israel und zum juedischen Volke Ln ein echtes Freundschaf tsverhaeltnis treten moegen. Bleibt der paedagogische Inhalt der Hagar-Erzaehlung im Negativen, so fuehrt uns Hanna, von welcher die Haftarah des ersten Tages spricht, zu einem, modern ausgedrueckt, positiven Judentum. Hanna gilt als die klassische Beterin. Sie ist aber auch ein herrliches Vorbild der juedischen Mutter dadurch, dass sie ihren spaet geborenen, von Gott heisserflehten Sohn Samuel schon im zarten Kindesalter dem Dienste im Heiligtum weiht. Im uebertragenen Sinne bedeutet dies die Weihe des Kindes fuer den Dienst an den hoechsten Werten der Menschheit. Wuenscht doch jeder Jude einem Neugeborenen, dass er heranwachsen moege “fuer Thora und gute Werke". Und ein jeder von uns soll sich fuehlen und bewaehren aJs Angehoeriger eines “Reiches von Priestern und heiligen Volkes”. Den Sinn der Jugend frueh auf die Ideale . des Judentums hinzulenken, auf die Verehrung d:s Guten innerhalb der Menschheit, koennte der tiefste Sinn der Erzaehlung von der sittenreinen Hanna sein Ihr schoenes und ergreifendes Gebet um den Sohn passt so recht in die Stimmung des Tages und eine Ueberlieferung sagt, dass fuer die Wahl von Thora— und Prophetenabschnitt bestimmend gewesen sei, dass die anfaenglich unfruchtbaren drei Urmuetter Sara, Rahel und Hanna am Neujahrstage mit der Verheissung des Kindersegens bedacht worden waeren. Rahel, die vierte der Frauen unsere»; Festes, ist in besonderer Waise mit juedischer Vergangenheit, aber auch juedischer Zukunftshoffnung verbunden: Ihr Schicksal war tragisch, denn sie starb noch sehr jung bei der Geburt ihres zweiten Sohnes, Benjamin, auf der Heimreise ihres Gatten Jakob zum Elternhause. Die Lieblingsfrau des Stammvaters war von diesem in jahrelangen harten Entbehrungen von Laban, dem hinterhaeltigen Vater, erkaempft worden. Ihr Lebensbild wird uns von der Thora ln all der Lieblichkeit gezeigt, die wir uns nur vorzustellen vermoegen. Der Gatte hatte ihren Tod nie verwunden; ihr Grab bei Bethlehem blieb durch Jahrtausende ein erhabener Wallfahrtsort. An ihrer von Tragik umgebenen Gestalt richteten sich juedisches Schicksal und juedisches Leid immer wieder auf. Rahel war doch die Mutter des grossen Sohnes, Joseph, des Ernaehrers Aegyptens. Die “weinende Rahel” in der Haftara des 2. Festtages ist ein erschuetterndes Sinnbild der juedischen Tragoedie. Das 31. Kapitel des Propheten Jirmijahu, das wir vernehmen, ist eine einzigartige Hymne auf die Zukunft, die messianische Erloesung und Rueckkehr des juedischen Volkes zum alten Heimatboden. Hier ist der Stammutter ein unsterbliches, alle Zeiten ueberdauernaes, Denkmal gesetzt worden: “Also spricht der Ewige: Eine Stimme der Klage wird zu Ramah gehoert, bitterliches Weinen. Rahel weint um Ihre Kinder, denn sie sind dahin. Also spricht der Ewige: Halte z u r u eck deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Traenen, Ist der Spruch des Ewigen; sie werden zurueckkehren aus dfem Lande des Feindes. Und Hoffnung Ist fuer deine Zukunft, ist der Spruch des Ewigen; es werden zurueckkehren die Kinder in ihr Gebiet”. Curt Willi DEM NEUEN Von Hans Kaufmann Interview des "B. mit Dr. Uri Noor: ERSTE BEGEGNUNG MIT BOTSCHAFTER "Darauf koennte ich Ihnen mit einem Witz antworten”, sagte Dr. Naor schmunzelnd. Erste, vorlaeufige Beurteilung: er hat wohl Sinn tfuer Humor. Doch einen Moment... erst den Witz hoeren. Erstklassig als Witz und als Antwort, also: mehr als Sinn fuer Humor, hat er Humor. Mutterwitz, Esprit. Eine knappe Stunde vorher hatten wir zum ersten Mal seine Hand gedrueckt, Witze kommen in einer Unterhaltung erst vor, wenn man sich schon ein ganz klein wenig naeiher gekommen ist, schliesslich ist er Botschafter... zweite vorlaeufige Beurteilung: ,er strahlt menschliche Waerme aus. Begonnen hatte das Interview beinahe mit vertauschten Rollen. “Worin besteht Ihre Arbeit fuer die J. T. A., Herr Hutschnecker?”, fragte er als erstes unseren Kollegen in dieser, fuer uns beide exklusiv bestimmten Begegnung. Und, auch den Redakteur des “B.I.” namentlich ansprechend: "Ich habe Ihren Artikel in der Jubilaeums-Ausgabe gelesen. Ihre Schwie rigkeiten bei der Drucklegung sind fuer mich nicht neu. Wann arbeiten Sie an der Zeitung?” Er fragte uns. Er erzaehlte aus seiner eigenen publizistischen Erfahrung. Wir hatten gewusst, dass er aus dem Journalismus kommt. Aber, dritte Schlussfolgerung: er liebt den Journalismus, er kennt das Fach. Nummer Vier: so wichtig sind wir schliesslich nicht, aber er hat sich auf unseren Besuch vorbereitet. Er improvisiert also nicht. Das aeussert sich natuerlich auch auf allen anderen Gebieten. Kibbuzim, Unternehmungen, Menschen aus Chile: er hat nichts unterlassen, um sie vor seiner Abreise in Israel kennen zu lernen. Eine Art, Aufgaben methodisch in Angriff zu nehmen. Der Ton?, ruhig und sachlich. Die Stimmung?, ungezwungen und freundlich. Sein Auftreten: von der selbst verstaendlichen Bescheidenheit, die sich ein Mensch leisten kann, dessen Persoenlichkeit auch ohne den respektheischenden Rang eines Botschafters wirkt. Ist es moeglich, alles auf einen Nenner zu bringen? Versuchen wirs: ein Intellektueller. Das Ist jedenfalls der Begriff, der sich sofort aufdraengt. Genuegt aber nicht, denn wo bliebe denn da die Fazette: alter zionistischer (Fortsetzung Seite 27) Dr. Uri Naor: “Geschichte ist phantasievoller als Menschen.