Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 8 (Agosto, 1963)
- Date
- 1963-08-01
- Page
- Seite 53 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLET AGOSTO 1963 N INFORMATIVO 53' NASSERS DOPPELZUENGIGKEIT Haaretz: Das Antlitz des aegyptischen Praesident e n ist vielseitig. Waere dem nicht so, so koennten wir die Worte, die er im Gespraech mit einem Korrespondenten von “Le Monde” sagte, mit einem Gefuehl der Erleichterung begruessen. In diesem Gespraech behauptete er, dass er keinerlei Plan zur Loesung des “Palaestina - Prob lems” durch kriegerische Massnahmen habe. Bei einer anderen Gelegenheit jedoch benutzte er Worte ganz anderer Bedeutung und bezeichnete sogar einen Frieden auf der Basis des Status quo als getarnte Aggression. Waehrend jedoch seine Erklaerungen ueber seine Beziehungen mit Israel sich von Zeit zu Zeit aendern, und je ,nachdem, mit wem er spricht, sind seine Taten recht eindeutig. In dem Interview mit dem Korrespondenten des franzoesischen Blattes berichtete er ferner, dass es Abdul Hakim Amr bei seinem kuerzlich erfolgten Besuch in Moskau gelungen sei, Material zu erhalten, welches das Kriegpotential Aegyptens staerken werde. Obwohl die aegyptischen Truppen in letzter Zeit ihre Waffen gegen Araber im Jemen anwenden, darf doch angenommen werden, dass das Ziel dieser Aufrüstung mit schweren Waffen weiter die Vorbereitung auf eine Auseinandersetzung mit Israel ist. Dies beweist auch die Tendenz, drei neue Divisionen aufzustellen, und ebenso wird es bewiesen durch die Bestellungen in der 'Sowjetunion, zu denen auch Tanks. Flugzeuge, etc. gehoerten. Dawar: Wenn wir die Erklaerung des aegyptischen Praesidenten, dass sein Land “keine Plaene zur Loesung des Palaestina Problems durch Krieg” habe, als ehrlich annehmen koennten, so koennten wir sie als Botschaft einer Wendung begruessen, die zwar noch keine Loesung des arabischisraelischen Konflikts bedeuten wuerde, wohl aber den Schluessel zu einer Loesung. Das Bedauerliche ist, dass diese Worte, dem Korrespondenten von “Le Monde” und nicht dem Korrespondenten von “El Ahram” gesagt wurden und auch nicht in einer Rede an die aegyptische Nation oder in einer Radiosendung an die arabische Welt. Unseres Wissens hat Nasser keinem Politiker oder Journalisten aus Westeuropa oder Amerika gesagt, dass er einen Krieg gegen Israel beginnen will. Im Gegenteil, in solchen Gespraechen erscheint Nasser immer als gemaessi g t e r Staatsmann, sogar in seiner Haltung gegenueber Israel. Die Gruende dafuer sind klar; die po- ' litischen und wirtschaftlicher Interessen Aegyptens und di» Wahrung des persoenlichen Prestiges Nasser auf der internationalen Buehne zwingen ihn dazu. SACKGASSE IN BRUESSEL Dawar: Die Verhandlunhat, bedeuten letzten Endes gen zwischen den EWG-Vernicht das geringste. Die tretern und Israels Reprae- Zollermaessigungen in einer sentanten in Bruessel sind, Gesamtexportsumme von 7U wie alle Anzeichen beweisen, — 80.000 Dollar jaehrlich, in eine vollkommene Sacksind im Grunde keineswegs gasse geraten. als ernsthafter Vorschlag zu werten. Eine Annahme dle- Die Vorschlaege, die man ser Vorschlaege wuerde bein diesem Stadium jedenfalls deuten, dass wir in Wirklicn. Israel gegenueber gemacht keit all unsere Ansprueche NEUE REGIERUNG IN JERUSALEM Jerusalem Post: Minister, praesident Eschkol stellte der Presse gegenueber unmissverstaendlich fest, dass es mit der Uebernahme der Regierungsfuehrung durch ihn zu keinem Kurswandel der Aussenpolitik gekommen ist. Diese Erklaerung entsprach der Knessethrede, mit der Herr Eschkol sein Kabinett vorgestellt, und in der es geheissen hatte, dass er von den bisherigen politischen Grundlagen prinzipiell nicht abweichen werde. Interessant war diesmal jedoch, dass Eschkol dem Streben nach wirtschaftlicher Stfibilitaet jetzt das Prae vor dem Erfordernis militaerischer Sicherheit gegeben hat. Die Akzentverlegung laesst darauf schliessen, dass sich die Lage —wenn auch in noch so geringfuegigem Mass— inzwischen geaendert hat. Im Sinne unserer Bereitschaft, Frieden mit allen Staaten und Voelkern zu halten und unserer Hoffnung, damit auch den gegen ¡unseren Staat gerichteten Drohungen zu begegnen, wiederholte der Ministerpraesident das Angebot seines Vorgaengers, jeden der arabischen Fuehrer zu Friedensverhandlungen zu treffen. Immer haben wir uns aussenpolitisch in allen Fragen, die uns nicht direkt angehen, so neutral wie moeglich verhalten. Dazu steht es in keinen Widerspruch, dass unser Land im grossen ganzen einen “westlich orientierten Lebensstil” aufweist, obwohl Sozialisten an der Spitze der Regierung stehen: mit der westlichen Welt koennen wir nicht nur einschraenkungslos in wirtschaftlichen Beziehungen stehen, sondern ebenso, auch in Beziehungen zu den dortigen Gruppen des juedischen Volkes. Und wo es um Menschenrechte und dementsprechend um die Freiheit zum Brueckenschlag zu unseren Volksbruedern im Ausland geht, iund um die Freiheit ihres Lebens sind wir allerding nicht neutral. Noch weniger koennen wir uns selbstredend “neutral” zu Abdel Nasser verhalten, dessen Vernichtungsmethoden i m jetzigen Jemen—Krieg von der fuer Aegypten sprichwoertlichen Brutalitaet zeugen. Unmoeglich koennen wir unter diesen Umstaenden die Haende in den Schoss legen ¡und abwarten, sondern muessen uns zur Abwehr bereit halten — und in dieser Frage der militaerischen Sicherung, unterscheidet sich die Meinung der jetzigen Regierung in keinem Deut von den Auffassungen der frue. heren. Hazofeh: Eschkol hat in seiner Programmrede die Sicherheit und die Erziehung in das Zentrum des Koalitionsprogramms gestellt. Hinsichtlich der Erziehung hat er betont, dass man sich nicht mit der Vermittlung technisch-ifachlichen Wissens begnuegen darf, sondern dass unserer Jugend'auch Bildung “zur Verwurzelung der geistigen und moralischen Werte” erhalten muesse. Weiter hiess es in seiner Rede: “den Schuelern das Beste aus dem Erbe des Geistes Israels zu bringen; die historische Kon. tinuitaet unseres Volkes und die Staerkung der Verbin- (Fortsetzung Seite 59) fuer eine sehr billige Gegenleistung aufgeben. Man darf heute feststellen, dass alle Versprechungen, die man seitens der EWG Laender den israelischen Re. praesentanten, auch Ministern gab, nicht erfuellt wurden, ja, dass man ueber sie ganz einfach hinweggegangen ist. Schon in diesem Jahre hat Israel durch die EWG - Bestimmungeu ernsthafte Stoerungen seines Exports erlitten. Israel kann daher auf seine Minimalforderungen der EWG gegenueber keineswegs verzichten. Haboker: Wiederholt gaD es schon Verhandlungen israelischer Vertreter mit der Bruesseler Common.Market- Behoerde der sechs EWG- Laender; sie wurden jedesmal unterbrochen und sind soeben wieder aufgenommen worden. Und schon verlautet, sie wuerden auch diesmal in einer Sackgasse landen. Es fragt sich, warum unsere Oeffentlichkeit von den einschlaegigen Stellen jetzt schon auf ,ein neues F i a s c o vorbereitet wird. Schliesslich handelt es sich bei den Verhandlungspartnern um Bevollmaechtigte von Staaten, die uns freundschaftlich gesinnt sind. Dennoch haben sie sich zuletzt darauf beschraenkt uns Vorschlaege zu einzelnen Export, erleichterungen zu machen die wir abgelehnt haben, weil unsere Regierung nach einer "umfassenden, dynamischen” Flurbereinigung strebt, immerhin — ganz aussichtslos ist die Sache nicht, so bezueglich unseres Zitrüsexportes, dem weniger wirtschaftliche Bedenken von den EWG- Staaten (Italien) entgegengestellt wurden, sondern politische,, wie in Bruessel heute mehr und mehr erkannt wird — im Zusammenhang mit dem Wunsch dieser Laender, sich mit den Arabern gutzustellen. Nun werden wir vor der Frage stehen, ob wir den Kontakt in Bruessel voellig abbrechen oder uns mit den schon angebotenen partiellen Zugestaendnissen a b f i n den sollen. AUS DER ISRAELISCHEN PRESSE DIE POLITISCHE AUSRICHTUNG DER ISRAEL—PRESSE Regierungskoalition: DAVAR, Histadruth, pro-Mapai; JERUSALEM POST, unabhaengig, pro-Mapai; LAMERCHAW Achduth-Awoda- HAZOFE, National-Religioes. Opposition: CHERUTH, Revisionisten; HAAREZ, unabhaengig, pro-Liberal: HABOKER, Liberal; AL HAMISCH- MAR, Mapam; KOL HAAM, Kommunisten. DAS ERGEBNIS VON ADDIS Der Ausgang der panafrlkanischen Konferenz in Addis Abeba wird von mehreren Blaettern in ihren Leitartikeln gewuerdigt. Die Jerusalem Post betont, trotz zahlreicher Differenzen zwischen regionalen Blocks und politischen Gruppen haetten die Staatsoberhäupter den Blick auf das grosse Ziel nicht verloren. Ihnen sei es am Ende gelungen die Charta die Einheit der afrikanischen Staaten zur Unterzeichnung zu bringen. Das wichtigste Ergebnis der Konferenz ist die Schaffung einer afrikanischen Dachorganisation, die einen stabilisierenden Einfluss auf den ganzen Kontinent ausueben und den afrikanischen Laendern zusaetzliches Gesicht bei der Behandlung von Weltproblemen verleihen wird. Die meisten afrikanischen Staaten setzen sich;fuer das Prinzip direkter Verhandlungen zur Loesung von Streitfragen ein, daher kann die neue Organisation —auf die Dauer gesehen-— vielleicht ihren einzigartigen Einfluss bei der Loesung des arabischisraelischen Problems geltend machen. Die Konferenz brachte schon ermutigende Anzeichen in dieser Hinsicht. Nasser verzichtete auf Aufrollung des Israel — Problems, weil er wahrscheinlich fuerchtete, dass die anderen afrikanischen Staaten ihn auf den Weg direkter Ver. ARERA handlungen draengen wuerden. Haboker erinnerte daran, das die Aegypter seit der Konferenz von Bandoeng ihre Beteiligung an internationalen Tagungen immer von der Annahme antiisraelischer Beschluesse abhaengig machten. Nasser und Ben Bella nahmen dieses Mai eine gemaessigte Haltung ein, und rollten die Israel- Frage nicht auf. Dies war nicht Folge ihrer Friedensliebe, sondern weil gewichtige Gruende sie daran hinderten mit ihrer Agitation aufzutreten. Nasser sah sich einer entschiedenen Reaktion der Freunde Israels auf dem afrikanischen Kontinent gegenueber. Sein Auftreten gegen unseren Staat rief keine Sensation hervor. Dagegen wirkte die Ablehnung seiner Angriffe als Demonstration der Freundseh a f t der afrikanischen Staaten zu Israel. Die Atmosphaere, die in Addis Abeba geschaffen war, war Folge der eifrigen Arbeit der israelischen Diplomatie, die dieses Mal mit Befriedigung die Fruechte ihrer intensiven Taetigkeit ernten konnte. Sie verhinderte auf 1 dieser Konferenz die Annahme antiisraelischer Beschlu esse, und wir haben zu lernen, dass Investierung ¡von Bemuehungen in der geeigneten Richtung positive Ergebnisse zeitigen kann. ISRAELS "GRETNA GREEN" IN NICOSIA Jerusalem Post: Wohin bringen uns die Heiraten in Cypern? In jedem Falle zu Verwirrungen. Paare, die vom Rabbinat nicht verheiratet werden und die in Israels “Gretna Green” eine Loesung suchen, sind verheiratet, zumhiüest was ihren offiziellen ota t u s angeht, aber die Art ihres Verheiratetseins haengt davon ab, wie weit ihre Heirat den rabbinischen Gesetzen gemaess moeglich gewesen waere. Zwei junge Juden z. B., die in Cypern heiraten, da sie prinzipiell gegen eine religioese Trauung sind, werden in jedem Falle als verheiratet gelten und brauchen eine rabbinische Scheidung, um sich zum zweiten Male zu verheiraten. Ein juedischer Gatte einer nicht-juedischen chefrau kann sich hier ohne weiteres mit einer anderen Frau vor dem Rabbinat verheiraten, aber der Staat kann ihn vor Gericht laden, da er sich dar Bigamie schuldig macht. Bisher gibt es keinen Praezedenzfall dafuer. Die Position der Gerichte, die letzthin oefter dazu tendierte, den Ausnahmefaellen eine Hintertuer offen zu lassen, wird mindestens von der Haelfte der Bevoelkerung als richtig empfunden, Dennoch darf nicht uebersehen werden, dass eine solche Position die Religioesen isoliert und besonders die juengere Generation der religioesen Kreise vom Rest des Volkes separiert. Das wiederum waere ein zu hoher Preis fuer diese ganze Angelegenheit. Um all diesen S c hwierigkeiten auszuweichen, sollte das Rabbinat einen Weg finden, der es in Israel moeglich macht, elastischer zu sein, als das in der Galuth notwendig war.