Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 8 (Agosto, 1963)
- Date
- 1963-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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AGOSTO 1963 BOUTIN INFORMATIVO 17 VIER SCHICKSALSSCHWERE JAHRE -- Von Avner Bar-On (Walter Baron) -- Sehr geehrter Herr Dr. Reich: Ihren w. Brief, in dem Sie mich aufforderten, mit einem Artikel an der Festnummer des “Boletín Informativo" teilzunehmen, erhielt Ich dankend und freute mich sehr, daraus zu ersehen, dass man mich —trotz der schon vergangenen 15 Jahre— nicht vergessen hat. Leider traf Ihre Bitte in eine für —mich persoenlich— schwere Zeit und damit komme ich gleich zum vorlaeufigen Abschluss meiner, von Ihnen erbetenen, kurzen Biographie. Ich bin naemlich die letzten Jahre zusammen mit der Tochter Dr. Hirschfcergs, des unvergesslichen Presidenten der “B’ne Jisroel”, Leiter der Kueche unseres Kibbuzes. Das heisst nicht, dass ich zum Koch umgeschult habe, sondern mir obliegt die administrative Leitung unserer Kueche, die fuer das Essen von 700 Menüchen zu sorgen hat und die mit dieser Arbeit verbundene schwerste Zeit sind natürlich die Wochen von Purim bis Schawuoth, wo ein Fest dem zweiten folgt und so wie im “alten Heim”, so auch im Kibbuz, nimmt der kulinarische Teil einen wichtigen Platz bei jedem Feiertag ein. Ich bitte Sie daher, mich zu entschuldigen, dass ich mich nur mit einer kurzen Begruessung zum 25. Jubilaeum des Gemeindeblattes begnuege und den erbetenen Artikel zum naechsten Jubilaeum lasse. Wenn ich, wie gesagt, Zelt gehabt und einen Artikel geschrieben haette, so wuerde ich ihn ohne Zweifel “Erinnerungen” betitelt haben. Denn bald nach Erhalt Ihres w. Schreibens begab ich mich mit einer hohen Leiter auf den Boden unseres Hauses, um unter den dort aufgehobenen “Antiquitaeten”, die mir gehoerenden 2 eingebundenen Baende des “Boletín Informativo” “aus ihrem Schlummer zu erwecken und sie ans Sonnenlicht zu bringen. Vor mir lagen nun. —wie bei uns Jeckes nun mal ueblich (wiederum ein Wink auf meine Biographie).— genau 50 Nummern des “Boletín”, von November 1944 bis Dezember 1948, an deren Ausgestaltung ich einen entscheidenden Anteil hatte. Vier Jahre hatte ich die Ehre, die Redaktion dieses “Blaettchena” (wie es oft liebevoll von den Gemeindemitgliedern genannt wurde), in harmonischer Gemeinschaftsarbeit , mit den jeweiligen Pressekommissionen und deren Vorsteher, Herrn Fernando Friedmann, zu fuehren. Vier schicksalsschwere Jahre fuer unser Volk, fuer die Gemeinde “B'ne Jisroel” und fuer jeden einzelnen Juden., Die erste Ausgabe, an der ich mitarbeitete, war zum groessten Teil einem traurigen Anlass gedacht, dem Synagogenbrand vom 27, Oktober 1944, an dem durch ein grosses Unglueck unser damaliges "Bet Am”, unser Volkshaus, den Flammen preisgegeben wurde. Dieser Brand war aber nicht nur eine Katastrophe, sondern zur gleichen Zeit ein Stein des Anstosses, der Beginn einer neuen Epoche fuer die Gemeinde, die nach Jahren des Wanderns sie schliesslich zum eigenen Helm fuehren sollte. In der gleichen N u mmer figurierte lm “Panorama Mundial” eine kleine Notiz, die von unschaetzbarer Bedeutung fuer die Zukunft unseres Volkes sein sollte. Dort hiess es u.a., dass der erste General der vor kurzem geschaffenen juedischen Armee ernannt und dass die blau-weisse Fahne mit dem Magen David als Fahne der Brigade anerkannt wurde. Meinen ersten Artikel als Redakteur des B. I. schloss ich damals mit den Worten, die zum Symbol des fuer die Ehre des juedischen Volkes kaempfenden Soldaten wurden: [“Besser ist es kaempfend mit erhobenem H a upte zu fallen als duldend mit gebeugtem Nakken zu leben”. lliltflll Éf“** Awner Bar On auf Ihrer Sondersitzung zur Loesung des Palaestina-Problems, das Recht des juedisehen t Volkes zu staatlicher Selbststaendigkeit in seiner histo rischen Heimat anerkennen. I n z w ischen sind wir in Chile Zeugen der Grün dsteinlegung der Synagoge und des Gemeindehauses, “fuer diese Generation und kom. inende Geschlechter, zum Wohle der juedischen Gemeinschaft” wie es ln der Urkunde heisst i die vom Ehrenpraesidenten der Gemeinde, Herrn Siegmund Freudenthal, zusammen mit den Statu, ten der “B’ne Jisroel” einem “Boletín Informativo” ,und je z w ei palaestinensischen und chilenischen Muenzen in den Grundstein versenkt und vermauert wurde. In jenen Tagen war zwar dass dieser Schritt vielleicht Noch ein zweites Ereignis die Gewissheit auf einen fuer in spaeteren Jahren als eines verzeichnen die Annalen des die alliierten Kraefte siegder groessten Ereignisse auf chilenischen Jischuw in diereichen Ausgang des Krie ges gross, aber die Sorge um trachtet werden wird, die Loesung des juedischen Problems war in aller unserer Herzen, Es war klar, dass der Zusammenbruch des Nazismus nicht mehr als nega^ dein dortigen Kontinent beser Epoche: die Ali ja von neun Chaluzim des Hasch omer Hazairs, die an einem last 20 Jahre «Paeter koennen wir beataetigen, dass ihrer Hachschara, Chile ver- ,. , wir uns nicht getaeuscht halassen, um sich auf illegalem T^esun^efnfifienfr auleien® ben- Die Hachschara der da- Wege na?b Erea Israel zu bequa?le“ malltren “Kidma” der Welt- S?ben- Diese erste chilenische maugen Kioina , der weit- ^lija stellt in jenen schweorganisation des Haschomer ren Tagen ein Glaubensbe- Hazair angeschlossen, wurde kenntnis zur Erfuellung des zum wahren ersten und perzionistischen Ideals dar, sie soeniiehen Bindeglied des araecke^u israpi^fn^npffne? Darum verstanden wir, Judentums in rshil« mit Erez Bf decke zu Israel und oeffnet dass es fuer unser Volk nur , ,tums m CÜU® mSt 2162 £en Weg iuer hunderte von Chaluzim, die im Laufe der inzwischen vergangenen 18 Jahre, zusammen mit vielen den Probleme der Gerechtigkeit schaffte die das Gewis sen der freien Welt belaste ten. ’ einen Weg gibt, den iwlr nach *Eraeb der historischen Konferenz von Jalta, auf der die juedi- . , ■ -t-. „—- sehe Frage mit keinem Wort , 3^ 'Ji!» anderen Olim, ihre Ali ja an- Erwaehnung fand, in einem traten- Leitartikel unter dem Titel “D'eser Wp? ” so schrip ViPrAitPi* Hnn wpcr” s^rer Probleme. Wir befinden Uieser weg —so scürieaufzeichneten- “Wir ^nuessen uns in einer Welt des Heberben (wir im Februar 1948, drei um selbst hSfenV-’ muessen ganges: Die Befreiung des Monate nach Beginn der Un- TTriH “dann kam' im Mai juedischen Volkes aus den ruhen die der Erklaerung der 1945 ‘‘Die ^tundf^der Erloe- Fesseln der Galuth und die Vereinten Nationen folgsune” i Der blutimte aller Errichtung eines juedischen ten—" ist nie ein einfacher KriLp die le auf dem Erd- Nationalheimes scheinen imgewesen und ist heute mehr bail tobten fand sein Ende mer noch in unendlicher denn je von Gefahren umge- In dieTer hiSisclien Itun-l ferne. Englisches Militaer, ben. Wr werden ih]a aber de aternstunde der Menseh- bis zu den Zaehnen bewafftrotzdem weitergehen, in der hlit gedachten wir zusamnet, verhindert die Einwan- Hoffnung dass doch der Tag men mit all denieniuen die derung aus Europa geretteter kommen wird, an dem die, das schreckliche Blutbad’ ue- Juden nach Erez Israel. Die die unter Traenen saeten, in berlebten,Cjener, die in dem Ereignisse ueberstuerzen Freuden ernten werden”. Kampf um eine bessere Weit sicb» bA falaestina „ desselben ihr tehen Hessen antisemitische Erklaerungen Die Mai-Nummer desselben r neoen Hessen, des englischen Aussenminl- Jahres 1948 bringt auf ihrer sters Bevin; neue Vorschlae- Titelseite unter der Ueber- Aber fuer uns Juden war ge <jer Untersuchungskom- Schrift “Israel”, auf der einen der Krieg picht beendet, sonmission und schliesslich die Haelfte die Unabhaengigdern nur in ein neues, letztes Forderung, dass die palaestirTnri nensische Situation auf der borenen juedischen Staates, Stadium getreten. Und wir ij>agung der vereinten Natio- und daneben ein Bild juedihoben die Stimme und fornen besprochen werden soll, scher Jugendlicher, die mit derten “Gebt auch uns Ge- Im August 1946 stellten wir Stolz die blau-weisse Fahne rechtigkeit gebt auch uns fest: “Unsere Sache steht auf vorantragen. Der solange 01 e des Messers Schneide. Eine ertraeumte und ersehnte IJuT Entscheidung wird fallen, ' ' .. " aber welche?”. Frieden!”. In diesen , selben so geschichtlichen Tagen, wurde in Chile mit einem scheinbar denstaat ist zur Wirklichkeit geworden. Einen Monat spaeter feiert die “B’ne Jisroel” ihr 10— Willc llilu Ende 1946 tagt in Basel der . , . „ . . . unbedeutenden Werk begon- 22. Zionistische Weltkongress, jaehriges Bestehen mit einer nen. fast unbemerkt von der der erste nach dem Krieg. 5°—seitigen Sondernummer juedischen Oeffentlichkeit; Chile ist dort durch Minna des Mitteilungsblattes und 20 Jue d i s c h e i Jugendliche Gelerstein-Baron vertreten einer Feierstunde, in deren —der sroesste Teil von ihnen (das g e h o e r t sozusagen Mittelpunkt eine Fuehrung aus dem deutsch-juedischen gleichfalls zu meiner Biogradurch den Neubau des Ge- Kreis—verllessen ihre berufphie). Auf ihm wird die Formeindehauses steht. Die Feier liehen Heime in Santiago, derung nach sofortiger Oeffdes Jubilaeums ist jedoch um die erste chilenische und nung der Tore Palaestinas getruebt durch die Sorge, die suedamerikanische Hach- und der Schaffung eines juedie Gemeinde mit dem geschara zu gruenden. Wir dischen Staates gestellt. Aber samtem Weltjudentum um schrieben damals und manch es vergeht noch ein ganzes den Ausgang des heldenhafeinem konnte das als eine Jahr, bis am 29. November ten Kampfes des Jischuw um Uebertreibung erscheinen, 1947 die Vereinten Nationen seine Existenz teilt. An die« sem entscheidenden Ringen nehmen d i e chilenischen Chaluzim bei der Verteidigung Negbas Anteil, und zwei von ihnen, Emst Mueller und Jasha Ghenesin, Hessen ihre junges Leben, das ganz dem Wiederaufbau des juedischen Volkes in Israel gewidmet war. Die 'letzten, schon etwas vergilbten Blaetter des “Boletín” gleiten durch meine Finger. Ich schliesse dass Buch und damit ein schon fernes, kurzes aber historisches Kapitel in der Geschichte unseres Volkes, unserer Gemeinde und auch meiner persoenlichen Geschichte. Denn wenige Wochen nach Erscheinen der Dezember-Ausgabe gehe auch ich den Weg, fuer den ich lange Jahre ¡und auf verschiedenen Posten —als Chawer des Haschomer Hatzair, als Sekretaer des Vaad Hajinuj oder als Redakteur des “Mitteilungsblatt”— kaempfte: Den Weg ln die Heimat, der eins ist mit dem Weg zum Ich. Kurze Zeit danach —in der Novembernummer 19 4 9 — koennen wir bereits unsere Freude darueber ausdruekken, dass “der Jischuw den Raenken seiner offenen und versteckten Feinde gewachsen war und ihnen nicht nur Widerstanden, sondern al* entscheidend besiegt hat. Aua den Heldentaten der Soehn® und Toechter des Landes entstand und besteht der Staat Israel lm Lande der Vaeter. Hinter un3 Jahrtausende des Exils und des Leidens. Vor uns: Das Leben ¡eines freien Volkes In seiner Heimat”. Inzwischen sind 14 Jahre vergangen. Das “Boletín” feiert sein 25—jaehriges Jubilaeum und die “B’ne Jisroel” kann mit Recht stolz auf das hohe Niveau sein, das diese anfaenglich nur als “Mitteilungsblatt” gedachte monatliche Veroeffentlichung erreicht hat. Die vielen, ehemaligen Mitglieder der Gemeinde, die heute in Israels Kibbuzim, Moschawim und Staedten Verstreut leben, lesen noch jetzt mit grossem Interesse jede Zeile des “Blaettehens” und nehmen so Anteil an dem BesUhen und Fortschritt der Gemeinde. Geschichte ist die Zusammenfassung von Erinnerungen und welches Volk weiss mehr seine Vergangenheit sich stets vor den Augen zu halten, als das juedische Volk? Wir haben in unserer tausendjaehrigen Geschichte gelernt, dass unsere Existenz nur dann gesichert ist, wenn wir als unser Leitmotiv die Worte: “Juedisches Volk, vergiss nie!” waehlen. Darum haette ich den erwuenschten Jubilaeums-Artikel “Erinnerungen” betitelt; uns, die wir diese historischen Jahre miterlebt haben, als Mahnung, der Jugend, (fuer die sie schon “Geschichte” sind, alg Aufforderung, i Dem “Boletín Informativo” und der Gemeinde weiteres Gedeihen wuenschend, begruesst Sie mit herzlichem Schalom.