Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 7 (Julio, 1963)
- Date
- 1963-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 5 JULIO 1963 DIE POLITISCHE AUSRICHTUNG DER ISRAEL—PRESSE Regierungskoalition: DAVAR, Histadruth, pro-Mapai; JERUSALEM POST, unabthaengig, pro-Mapai; LAMERCHAW Achduth-Awoda: HAZOFE, National-Religioes. Opposition: CHERUTH, Revisionisten; HAAREZ, unabhaengig, pro-Liberal: HABOKER, Liberal; AL HAMISCH- MAR, Mapam; KOL HAAM, Kommunisten. i mi yn h DIE UNRUHEHERDE VON KAIRO UND DAMASKUS Jerusalem Post: Es war von Anfang klar, dass sich fast j unbehebbare Schwierigkeiten : dem Foederationsplan zwii sehen Aegypten, Syrien und | d e m Irak entgegenstellen wuerden Aber Nasser Stellung ist in seinem eigenen Land so gefestigt, dass er auf “p a n-arabische Triumphe” wohl nicht mehr angewiesen isty und auch wirtschaftspoltisch kann Aegypten heute . wahrscheinlich ohne Importe j oder sonstige Hilfe aus den | rohstoffreichen arabischen Laender auskommen. Insofern hat sich die Situation für : uns unter israelischer Sicht geändert. Doch waere es ein Irrtum, das bisherige Missbehagen des Foederationsplans — der zumindest auf unabsehbare Zeit noch auf dem Papier bleiben wirdunter allen Umstaenden als segensreich für Israel zu betrachten. In Syrien und im Irak steht jetzt die Ba’th- Partei im Vordergrund, und bildet sie auch ein Bollwerk gegen eine Gleichschaltung dieser beiden Laender durch Abdel Nasser, so koennte es sein, dass die unerfahrenen politisch ungeschulten und von Vorurteilen erfuellten Ba’th-Parteifiihrer den Frieden im Mittleren Osten staerker bedrohen werden als Nasser im .heutigen Reifegrad seiner staatspolitischen Entwicklung. Zumindest bildet für uns der Umstand eine Gefahr, dass durch die Ba’th-Partei die beiden ¡arabischen Staaten, in denen sie jetzt, im Vordergrund steht in einem Zustand staendiger Gaerung gehalten wird, statt zur Stabilisierung des Mittleren Ostens ¡beizutragen. Und solange es daran fehlt, werden die Führer keines arabischen Staates den Mut aufbringen, bezüglich der Existenz Israels umzulernen. Cheruth vertritt dagegen den Standpunkt, dass von einem Fiasko der arabischen Dreistaaten-Foederation keineswegs gesprochen werden koenne, und stimmt dem amerikanischen Aussenministerium zu, das diese Mein u n g gleichfalls vertritt. Nach der Konferenz von Addis Abeba sei Israel von unberechtigtem Optimismus erfasst worden. Nasser habe auf dieser Afrika-Tagung keine Niederlage erlitten, einfach, weil er sich huetete, Antraege zu stellen, die zu einer solchen Niederlage haetten fuehren koennen. Aber wenn er jetzt auch Schwierigkeiten haben wird, seine Ziele in den arabischen Staaten durchzusetzen besteht kein Zweifel daran, dass er sich diesem Ziel naehert. Der Gedanke der panj arabischen Einheit ist auch . von seinen heutigen Widerj sachern in Syrien und im; Irak nicht fallen gelassen worden. Und dazu kommt, | dass sich die aegyptisch-algerischen Beziehungen in letzter Zeit merklich verbessert haben. Lamerchaw: Bevor der algerische Ministerpraesident Ben Bella Kairo wieder verliess, wurde aort von ihm und Nasser gemeinsam ein Communiqué ausgegeben, in dem es heisst, dass sie entschlossen seien, ‘‘den Kampf zur Befreiung des arabischen P a 1 a estinas fortzusetzen”. Schon früher hatte Ben Bella —unmittelbar nach seinem Machtantritt in Algerien— Erklaerungen im gleichen Sinne abgegeben. So wie Nasser will auch er sich nicht darauf beschraenken, seinen Staat aufzubauen und für die Wohlfahrt der algerischen Bevoelkerung zu sorgejL 'sondern hat sozusagen Groesseres im Sinn. Sie beide gehoeren der dynamischen arabischen Nachwuchsgeneration an, und werden als solche künftig moeglicherweise auch einmal Rivalen werden — unreif, wie sie im Grunde sind. Was uns angeht, ist vor allem die Tatsache dass sieh die nordafrikanische Küstenstaatengruppe des sog. ‘‘Maghreb” jetzt anders als früher im Wirkungsradius der arabischen Feindschaft gegen Israel befindet. So gewiss Ben Bellas Drohungen nicht überschaetzt werden sollen, so wenig ist die Moeglichkeit auszuschliessen, dass der “Maghreb” nach und nach immer staerker am Treiben der Araber gegen unseren Staat teilnehmen wird. Haboker: Der aegyptische Praesident, Colonel Nasser, hat wieder einmal eine Rede gehalten und zwar diesmal vor den aus dem Jemen heimkehrenden Soldaten. Er erklaerte, dass Aegypten einem Frieden in diesem Teil del Welt erst dann zustimmen koennte, wenn “die vollen Rechte der palaestinensischen Araber wieder hergestellt werden”. Er betonte gleichzeitig, dass die aegyptischen Soldaten im Jemen eine weitere militaerische Erfahrung gewonnen haben und sie diese durchaus anwenden werden, wenn es zum Krieg gegen Israel kommt. Diese Ausführungen waren nicht sehr originell und neu, was Nassers Einstellung angeht. Dann aber schlug der aegyptische Diktator eine neue Note an, indem er sich gegen die Maeehte wandte welche einen Frieden in diesem Gebiete erzwingen wollen und die glauben, sie seien berechtigt, hier zu intervenieren. Die jetzt von Nasser angegriffenen Grossmaechte haben nun klare Worte vom aegyptischen Diktator gehoert u dessen negative Einstellung zum Frieden kennengelernt. Werden sie noch immer nicht die notwendigen Konsequenzen ziehen und werden sie weiter dem aegyptischen Machthaber eine Aufruestung groessten Umfanges ermoeglichen? Dawar: Das bittere Ringen, das sich vor unseren Augen zwischen Syrien und dem nasseristischen Aegypten abspielt, wirft ein deutliches Licht auf die gefaehrlichen (Fortsetzung Seite 17) DAS GERICHTSURTEIL VON BASEL Jerusalem Post: Der Prozess ist so ausgegangen, dass nicht nur J. Ben Gal zufrieden sein kann, sondern auch unser Staat. Eine gewise Genugtuung bereitet es uns allen, dass man in der Schweiz unsere bedenklich schwierige Situation richtig einschaetzt, und damit auch die Notwendigkeit, Menschen zu warnen, die sich in Aegypten an den Experimenten ,zur Herstellung von Massenvernichtungsw affen beteiligen. Aber gewiss, noch beruhigter waeren wir, waere es geglueckt, den fuehrenden Wissenschaftler dieser Experimente, den deutschen Professor Pilz, zum Abbruch seiner 'Taetigkeit in Aegypten zu veranlassen. Einige Kreise der westdeutschen Oeffentlichkeit treten dafuer ein, und in diesem Sinne aeusserte sich hier im Lande als Besucher auch Franz Josef Strauss, aber doch scheint wenig Hoffnung darauf zu bestehen, dass man in Bonn gewillt oder nur imstande ist, ,die “Kairoer Gruppe” zurueckzuholen. Die von Dr. Joklik in Basel enthueilten Plaene zur Verwendung von Kobalt 60 und Strontium 90 gegen Israel sollten uns nicht in Panik versetzen. Kobalt 60 ist zwar eine hochgefaehrliche Substanz, Jaesst sich bei miiitaerischen Opera t i o n e n aber weder von der Luft aus noch durch Pernraketen hinreichend iauswerten. Haaretz; Juristisch gesehen befriedigt das Ergebnis des Basler Prozesses; aber dieser Gesichtspunkt stand von vornherein fuer uns in Israel nicht im Vordergrund. Uns ging es mehr um den politischen Aspekt, und insbesondere darum, der Welt kund zu tun, in welchem Masse Aegypten die Produktion von Waffen der Massenvernichtung gegen Israel betreibt und dass es sich zu diesem Zweck der gleichen deutschen Typen aus der “wissenschaftlichen Unterwelt” bedient, die sich mit ihren Experimenten in Auschwitz so unruehmlich ausgezeichnet hatten. Im Gerichtssaal befanden sich ja zwei solcher Leute, ehemalige Gestapo-Beamte, als Beobachter der eine, als “Leiibwaechter” von Fraeulein Goercke und lieferten damit authentisch einen zusaetzlichen Beweis fuer die Vorbereitungen Nassers zum Genocide. Da kann man nur sagen: Gleich und gleich gesellt sich gern. Erstaunen loeste die eilfertig im Umlauf gesetzte Verlautbarung gewisser israelischer Keise darueber aus, dass es den Aegyiptern und ihren deutschen Helfern noch nicht gelungen sei, in den Besitz nennenswerter Quanten von Kobalt usw, zu gelangen. Hoffen wir, dass es so ist. Jetzt gehoert es zu unseren Aufgaben, im Zeichen der von Dr. Joklik enthuellten Fakten vor allem die USA-Regierung auf die Lage hinzuweisen. Die Amerikaner neigen ja dazu, unsere Warnungen vor der aegyptischen Drohung als uebertrieben zu behandeln. Aber niemand traegt solche Verantwortung wie sie fuer Ruhe und Ordnung im Vorderen Orient, nachdem sie die sowjet-russischen Beeinflussungsversuche in diesem Gebiet abgewehrt haben, wie in Washington offiziell festgestellt worden ist. Lamerchaw: Im Kampf gegen die Fortfuehrung der aegyptisoh-deutschen Kooperation duerfen wir nicht nachlassen: das ergibt sich fuer unsere Sicherheitspolitik als Fazit aus dem Basler Prozess. Was bei dieser Gelegen heit dokumentarisch nachgewiesen worden ist, entkraeftigt die seinerzeitige These derjenigen hiesigen Kreise die die Resolution der Knesseth als uebertrieben kritisiert hatten, und widerspricht ebenso dem damals in Umlauf gesetzten Geruecht, der fruehere Beauftragte des Sicherheitsdienstes habe die Regierung irregefuehrt. In Basel hat sich vielmehr gezeigt, was die Aegypter mit der Hilfe jener Deutschen im Schilde fuehren. Was sie Vorhaben, bildet eine Gefahr nicht nur fuer Israel; auch das ergab sich aus den Gerichtsverhandlungen. I Umso, dringender waere es geboten, dass die fuer den Mittleren Osten verantwortlichen M a e c hte endlich aufhoeren, in Nasser einen “Mann des Fortschrit- I Kol Haaxn: Das Schreiben, das die russische Regierung der israelischen Regierung sowie allen Laendern des Mittelmeerraumes mit Bezug auf Herstellung einer rake. tenfreien Zone in diesem Teil der Welt sandte, hat allererste Bedeutung. Die sowjetische Regierung wendet sich an Israel mit dem Vorschlag, sich gemeinsam mit anderen Mittel-Ost-Staaten gegen die Nuklear Aufruestungsplaene zu wenden; insbesondere aber dagegen, dass Atom. Unterseeboote im Mittelmeer stationiert werden. Die sowjetische Regierung betont, dass Israel einen wichtigen Beitrag zur Herstellung friedlicher Verhaeltnisse in diesem Teil der Welt leisten koennte. Es waere zu wuenschen und zu fordern dass die israelische Regierung das Sowjets chreiben positiv beantworten wuerde. Al Hamischmar: Der Vorschlag das Mittelmeergebiet zu einer atom. und raketenfreien Zone zu erklaeren, den die Sowjetunion allen Mittelmeerlaendern, und unter ihnen auch Israel, gemacht hat, ist ein richtiger Vorschlag. Obwohl er von Israels noch ergaenzt werden muss, ist er durchaus einer sachlichen Pruefung und einer positiven Antwort unsererseits wuerdig. Dieser Vorschlag soll nicht alle Gefahren verhueten, welche Israel aus der Feindseligkeit der arabischer Staaten erwachsen, aber seine Verwirklichung koennte die fuerchterlichste Gefahr, die tes” zu sehen und ihn entsprechend zu umwerben. Al Hamischmar: Die Bedeutung des Prozesses bezieht sich nicht auf die israelisch schweizer Beziehungen; die Schweiz verhielt sich, wie es routine ¡und formal-juristische Gewohnheiten in solchen Faellen vorschreiben. Das entscheidende war, dass das unheimliche Treiben der deutschen Wissenschaftler in Aegypten nochmals aufgerollt wurde, und damit alles, was unserem Staat an Gefahren droht, wenn er mit “nichtkonventionellen” Waffen ueberfallen werden wuerde. ¡Unter diesen Umstaenden kann es nur bedauert werden, dass unsere Regierung es seinerzeit fuer richtig hielt, den Aufklaerungsfeldzug g e g en die Produktton solcher Waffen in'Aegypten de facto abzudrosseln. Die Entlassung des frueheren Schin-Beth- Chefs schuf im Verein mit der demonstrativ freundschaftlichen Aufnahme des deutschen Ex-Ministers Strauss hier im Lande wie in der ganzen Weldt den Eindruck, dass die Aufklaerungskampagne, die damals unterbrochen wurde, einer realen Grundlage tatsaechlieh entbehrt haette. Kreise des Sicherheitsministeriums wollten Tatsachen verschweigen, die jetzt in Basel desto eindringlicher zur Sprache gebracht worden sind. Gefahr einer atomaren Ver. nichtung, (beheben. Dieser Vorschlag enthaelt auch die Aussicht auf einen Fortschritt in Richtung einer Beilegung des israelisch-arabischen Konflikts. Er kann auch als Ausgangspunkt fuer eine ruhige Beratung ueber die Verbesserung der Beziehungen zwischen Israel und der Sowjetunion dienen. Wenn auch fuer uns vitale Paragraphen in diesem Vorschlag fehlen, so gibt er uns doch einen Ansatzpunkt zu einem Ringen um die Erweiterung seiner Wirksamkeit fuer Israel . Jerusalem Post: Israels Note an die Sowjetunion enthaelt alle Ingredenzien, die solche Noten im allgemeinen auszeichnen. Sie zaehlt alle Gelegenheiten auf, bei denen Israel selbst Versuche unternommen hat, eine totale Abruestung im Mittleren Osten zu erreichen. Sie macht die Sowjetunion darauf aufmerksam, dass die Sowjets alle Positionen des :juedischen Volkes in dieser Zone der Welt einfach uebergehen. Sie betont die Aggressionslust der Araber (und weist darauf hin, dass die Weltmaechte hier etwas tun koennten, wenn sie sich wirklich dafuer einsetzen wuerden. Leider ist ein solcher Notenwechsel mit der Sowjetunion im Grunde nichts anderes als ein doppelter Monolog. Hier gibt es eine bewusste Blindheit politischen Fakten gegenueber. die nicht genehm sind. MONOLOG MIT MOSKAU