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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1963-07-01 · 7 (Julio, 1963) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXV (1963)
Issue
7 (Julio, 1963)
Date
1963-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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n ftSCACCfON« _ ' 6. C. I, B'NK JI9ROCL AV. PORTUGAL 6)0. CA9UA.A A4B7. SANTIAGO «CHIIS BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SO CI EP AD CULTU RA L I SR A E L I TA B ' N I S R O E L ARO XXV N.o 7 SANTIAGO DE CHILE JULIO 1963 Die israelische Politik ohne Ben Gurion? Ben Gurion fern von der israelischen Politik? Man kann es sich nur schwer vorstellen. Seit fast fuenfzig Jahren ist sein Name aufs engste mit der Gej schichte des Zionismus, der Staatswerdung und Geschichte des Staates Israel verknuepft, ist —darueber hinaus— selbst schon zu Lebzeiten Geschichte geworden. Der C'haluz, der Mitbegruender der juedischen Selbstwehr, der Juedischen Brigade, der Vertretung des Jischuw gegenueber der Mandatarmacht, der Mann der Unabhaengigkeits-Proklamation, des Befreiungskrieges, der Sinai-Kampagne, der Premier, und Verteidigungsminister: es fuehrt ein gerader Weg von Herzl ueber Weizmann zu diesem wun. derbaren “Mr. Israel”. Noch ist der Moment nicht gekommen, seine Biographie zu schreiben, es sei denn, dass sein Ruecktritt unter anderem auch durch den Wunsch motiviert sei, dies jetzt selbst zu tun. Aber dass sie Baende fuellen wird, dass sie eins ist mit der Geschichte des Zionismus und der ersten Etappe des Staates und damit fuer immer ein wichtiges Kapitel in der juedischen Geschichte ueberhaupt einnehmen wird, das steht auch heute schon (fest. Und das darf man auch bei dem Versuch nicht vergessen, die Gruende seines ueberraschenden und ploetzlichen Ruecktritts, die er mit dem Vorwand, sie seien rein persoenlicher Natur, fuer Freund und Feind den Mutmassungen ueberliess, zu untersuchen. Denn es ist klar, dass ein solches Verlassen der politischen Buehne mehr als vom Applaus, von der Kritik und mehr als vom Erfolg, von den Fehlschiaegen bedingt war. Nichts von all dem, was ueber die unmittelbaren Beweggruende dieses bedauerlichen Entschlusses gesagt werden kann, darf daher die Sicht von der hoeheren Ebene trueben, auf der sich der Platz befindet, den David Ben Gurion heute schon ohne Zweifel vor der Historie einnimmt. Und es ist, um es vorwegzunehmen, vielleicht nicht zuletzt der Konflikt selbst zwischen Historie und Politik, welcher der Unvereinbarkeit von Ideal und Wirklichkeit, von Ewigkeit und Zeit entspricht, der Ben Gurion dazu bewog, seiner beispiellosen Laufbahn als Staatsmann selbst ein Ende zu setzen. Ein Ende zu setzen? Es. fehlt nicht an Stimmen, die daran zweifeln: war er nicht Ende 1953 auch zurueckgetreten, nur um Anfang 1955 wiederzukommen? Doch ist die Welt inzwischen zehn Jahre aelter geworden und er auch, naemlich und ausserdem hat er diesmal selbst seinen Sitz in der Knesset aufgegeben, was damals nicht der Fall gewesen war. Es scheint also sehr fraglich, dass Sde Boker, der kleine Kibbuz im Negew, Regierung, ohne Ben Gurion noch einmal Wallfahrtsort I fuer Minister und Abgeordnej te, vor allem aber Ausgangs, punkt eines come back wer-; den kann. j Was ist nun in den letzten Monaten in Israel geschehen, was Ben Gurion dazu hatte j bewegen koennen, aus der \ Kiria heiterem Himmel den | Blitz seines Ruecktritts ein-! schlagen zu lassen? Vielleicht nichts, was dramatischer waere als die Geschehnisse der vorangegangenen Jahre! und damit, bei der Israel | eigenen Dramatik mehr ¡als 1 genug, um auch bei solch altem Kaempen und nicht minder kaempferischen Alten dem Recht auf Entspannung, Ruhe, beschaulichen Rueckblick Geltung zu verschaffen. In einer sehr treffenden Zusammenstellung aeussert sich dazu der Israel-Korrespondent der ‘‘Neuen Zuercher Zeitung” vom 18. Juni folgendermassen: “Rund anderthalb Jahre nach der Installierung des Kabinetts, in dem sich die gemaessigt sozialistische Mapai mit der aktivistischen linkssozialistischen Achdut Haavoda, der Nationalreligioesen Partei und dem Arbeiterfluegel der orthodoxen Agudat Jisrael zusammengeschlossen hatte, ist der Regierungschef seines Amtes muede geworden, zermuerbt offenbar von dem staendigen Zwang, nach verschiedenen Seiten Konzessionen zu machen, zwischen den auseinanderstrebenden Fluegeln der heterogenen Koalition zu vermitteln und im Parlament ¡dauernd zu lavieren, um das Regierungsschiff ueber Wasser zu halten. Auf dem Hoehepunkt des Evchmann-Prozesses in Jerusalem hatte sich Ben Gurion im Juni 1961 dazu entschlossen, die vierte Knesset nach erst anderthalbjaehriger Dauer aufzuloesen. Das Parlament hatte sich als unregierbar erwiesen, nachdem es durch die von Ben Gurion vom Zaun gebrochene Lavon- Affaere in einen Zustand emotioneller Erregung geraten war, die einen Appell an die Waehlerschaft unumgaenglich machte. Ben Gurion mochte sich von dem das Gefuehlsleben Israel von Grund auf aufwuehlenden Erlebnis des Eichmann-Prozesses einen starken persoenlichen Erfolg versprochen haben. Doch weder der Prozess noch die Reise des Regierungschefs im Mai und anfangs Juni 1961 nach Nordamerika und Frankreich vermochten seine Popularitaet zu heben und die Ressentiments zu ueberdecken, die sein Verhalten in der Lavon-Krise geweckt hatten. Die von ihm dominierte Mapai ging geschwaecht aus den Wahlen hervor, waehrend die linkssozialistische Mapam und flie Liberale Partei einen deutlichen Kraftzuwachs erhielten. Nichts spiegelte schon damals den Prestigeverlust Ben Gurions deutlicher wider als der Umstand, dass sich der Grand Old ¡Man der israelischen Politik nicht mehr faehig fuehlte, die Koalitionsverha n d 1 u n g e n selbst zu fuehren: er betraute Finanziminister Levi Eschkol mit der delikaten Aufgaben, als Vermittler fuer ihn zu wirken und ihm nochmals den Weg an die Regierungsspitze zu ebnen. Eschkol ¡benoetigte zweieinhalb Monate, um ¡das neue Kabinett zusammenzustellen. Als er am 31. Oktober 1961 endlich sein Ziel erreicht hatte, konnte Ben Gurion nur eine Regier u n g praesentieren, deren Marschroute von Anfang an gebunden war: auf der einen Seite hatten die Religioesen in der Frage des Religionsunterrichts in den Mittelschulen Konzessionen herausgesohlagen; auf der anderen Seite war die linksaktivistische Achdut Haavoda nur unter der Bedingung der Regierung beigetreten, dass sie im Parlament bei der Behandlung von Gewissensfragen vom Stimmzwang entbunden wuerde: die Linkspartei wollte vor allem in der Frage der Waffenlieferungen an Deutschland freie Hanjl behalten. Als die Beziehungen zu Bonn in der juengsten Zeit ln den Vordergrund rueckten, erwies sich dieses im Herbst 1961 abgegebene Versprechen fuer Ben Gurion und seine Partei als eine immer schwerer lastende Hypothek; sowohl die Diskussion ueber die Entsendung deutscher Raketenspezialisten an Aegypten i(N.d.R.: ... und im Zusammenhang damit, den Ruecktritt des Chefs des israelischen Geheimdienstes) als auch der politisch zum voraus nicht in allen seinen Konsequenzen durchdachte Besuch des ehemaligen deutschen Verteidigungsminister iStrauss in Israel enthielten genuegend Zuendstoff zur Entfachung einer neuen politischen Krise”. In dem hiermit so ausführlich zitierten Artikel der “N.Z.Z.” werden abschliessend gewisse charakterliche Eigenschaften des jzurueckgetretenen Premiers negativ bewertet, wie “seine Starrkoepfigkeit im Umgang mit Menschen, seine im zunehmenden Mass hervortretende Neigung, alle wichtigen Entscheidungen selbst zu treffen, sowie seine Abneigung gegen politische Kompromisse”. Die Uebereinstimmung dieser Konzepte mit der, ansonsten ¡durchaus freundschaftlich geaeusserten unseres Israel-Korrespondenten D r. Abner Nechuschtan (“B.I.” Juni 1963: “Der Ministerpraesident und seine Staatspraesidenten”) ist in diesem Zusammenhang hochinteressant: “... Zeichnet sich hier das starrsinnig ueberspitzte Selbstvertrauen eines stets erfolgreichen alternden Volksfuehrers ab, der keine Goetter neben sich kennt...?”. Und: “Verschaerft sich sein Hang zum persoenlichen Regiment, ohne dass Mister Israel gezuegelt wird, so koennte dieser sein Staat in die Gefahrenzone einer Einmann-Demokratie geraten”. Im uebrigen aeussert sich die “N.Z.Z.” abschliessend positiv zu der Frage, ob die aussenpolitischen Spannungen, denen Israel sich ausgesetzt sieht, eine neuerliche Berufung Ben Gurions an die Spitze der Regierung bedingen Koennten und sieht in seiner Tatkraft und Entschlussfreudigkeit die Requisiten des Kapitaens, der das Staatssteuer im Falle eines aufziehenden neuen Sturms wieder ergreifen koennte. Fuer den jetzigen Moment der parteipolitischen Aufsplitterung aber weist sie darauf hin, dass es “opportun erscheine, einem Mann m i t verbindlicheren U mgangsformen die Aufgabe zu ueberbuerden, nach einer breiteren Regierungsbasis zu suchen”, i Es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass dieser “Mann mit verbindlicheren Umgangsformen” der langjaehrige Finanzminister Levi Eschkol sein musste. B.G. selbst hatte ihn, von Praesident Salman Schasar darum befragt, ausdruecklich genannt. Seine oben erwaehnte, von August bis Oktober 1961 durchgefuehrte Aufgabe ¡bei der Bildung des letzten Kabinetts machten ihnganz abgesehen von der Gravitation seiner Persoenlichkeit, des Ansehens, das er bei Koalition und Opposition geniesst und der erfolgreichen Fuehrung des ebenso schwierigen wie undankbaren Finanzministeriums zum /logischen Nachfolger. Auf einem anderen Papier 1 steht allerdings die Frage , nach einer breiteren Regie- I rungsbasis. Wenn sie auch 1 zweifellos mit dem Blick auf die horizontale Partei-Ebene formuliert wurde, ist es doch von Interesse, ihr eine kurze Betrachtung ueber die vertikale Lagerung der Generationen voranzustellen. Bekanntlich liegt die Fuehrung des Staates noch zum grossen Teil in Haenden von Menschen, die sich ihre ersten Sporen vor einem Menschenalter, sei es im zaristischen Russland, sei es in den heroischen Zeiten der Zweiten Alijah verdient hatten. Die wenigsten sind “in den besten Mannesjahren”, selten sind wirklich jupge und gebuertige Israelis darin zu finden. Es war denkbar, dass mit dem Abtreten des Grossen Alten ein Rufk der Generationen vor sich ginge. Dass dies nicht der Fall war, haengt wohl weitgehend mit dem diesen Situationen eigenen Beharrungsvermoegen zusammen, ist aber auch damit zu eiklaeren, dass dieser an Jahren alte, aber in der Seele feurig - jugendliche Mann mehr als jeder andere seiner zur gleichen Generation gehoerenden Mitarbeiter persoenlich ja von juengeren Menschen umgeben war. So darf man wohl sagen, dass die Abba Eban, Mosche Dajan und Shimon Peres, um die drei bedeutendsten unter der kommenden Generation zu nennen, zwar kraft eigener Tuechtigkeit, bis zu einem gewissen Grade aber auch dank der Foerderung, die ihnen B.G. angedeihen liess, heute an fuehrender Stelle sind. Auch die unselige Lavon-Affaere, von der “N. Z. Z.” in fuer Ben Gurion wenig schmeichelhaften Worten heraufbeschworen, sah ihn, insofern sie auch ein Konflikt der Generationen war, auf der Seite der juengeren. Jedenfalls, um damit die Beantwortung dieses eigentlich gar nicht in dieser Form gestellten Teils der Frage nach einer breiteren Regierungsbasis abzuschliessen, ist die Berufung von Abba Eban auf den neugeschaffenen Posten eines Vize-Premiers von garnicht zu ueberschaetzender positiver Bedeutung. Die Tatsache dagegen, dass der neue Premier ausser seinem verantwortlichen Amt auch das des Verteidigungsministers fuer sich reserviert haben soll, darf hoffentlich als ein Provisorium bewertet werden. Die uebrigen Minister, abgesehen von Salman Ahrane (Mapai), der das durch Ebans Promotion freigewordsne Erziehungsministerium uebernimmt, sind die gleichen des letzten Kabinetts Ben Gurion. Und damit auch der Parteischluessel, dem natürlich die Hoffnung auf eine breitere Regierungsbasis gilt. Es ist ebenso wünschenswert wie denkbar, dass im Hinblick auf die internen Probleme und die aeussere Gefahr, die dem jungen Staat von seiner Wiege an treu geblieben sind, Parteien wie die Liberale und Mapam ihre oppositionelle Haltung zugunsten einer konstruktiven Mitarbeit im Rahmen einer breiten Koalition aufgeben. Das wuerde den Kommunisten, Cheruth und Ultra-Orthodoxie das Monopol der zersetzenden Unzufriedenheit zurueckerstatten, das ihrer Natur entspricht, den lebendigen Kraeften der Nation aber die wuenschenswerte Kohaesion verleihen. Wird es dazu kommen? Die intimen Gruende des Ruecktritts Ben Gurions wird man vielleicht nie genauer kennen lernen, werden sie doch durch ihr Eindringen in immer fernere Vergangenheit entrueckt. Ueber die Perspektiven des neuen Regierungschefs aber bedarf es keiner Prophezeiungen: die naechste Zukunft selbst wird sie in Aller Blickfeld ruecken. ATSCHEKA

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