Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 6 (Junio, 1963)
- Date
- 1963-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN JUNIO 1963 INFORMATIVO A V RANGORDNUNG DER PROBLEME Der kuerzliche Besuch von Abraham Darom in Santiago war fuer das “B.I” eine willkommene Gelegenheit, ihm in seiner doppelten Eigenschaft als hoher Beamter des israelischen Aussenministeriums und altbewaehrter Freund unserer Gemeinde e i n i ge Fragen vorzulegen. Will man Darom nach seinem Rang und seiner augenblicklichen —wenn auch fuer kurze Zeit unterbrochenen— Aufgabe in der UN— Delegation Israels klassifizieren, so ist er zweifellos einer der wichtigen Diplomaten des Staates. Was aber unsere Grossvaeter unter einem Diplomaten verstanden. nein, das war er nie und ist er auch gewiss heute noch nicht. Seine Aeusserungen sind von einer geradezu wissenschaftlichen Praezision und Schaerfe, direkt und un. verbraemt. Abgesehen von dem Genuss, einen Mann zu sprechen, dessen ganzes Denken und Handeln von Konsequenz und Offenheit bestimmt ist, erleichtert es ungemein die Aufgabe, seine Gedanken wiederzugeben. Einige davon: Nasser: Die arabische Einigkeit stand immer schon auf dem Papier und steht auch heute weiter nur auf dem Papier. Im uebrigen: "wenn schon”! Alle militaerischen Verteidigungsplaene Israels gehen schon immer als Axiom von der Voraussetzung aus, von allen arabi sehen Laendern gleichzeitig angegriffen zu werden. Insofern hat sich nichts wesentliches geaendert. Schlagkraft:' Zwat Hagana ist weiter stark genug fuer eine solche Eventualitaet. Hussein: Sollte er von innen her gestuerzt werden, koennen wir militaerisch nicht intervenieren. Zum Opfer einer militaerischen Aggression von aussen her wuerden wir ihn aber nicht tatenlos werden lassen. Statuquo: Russland und Amerika sind beide ehrlich an der Erhaltung des statu quo interessiert. Wenn sie sich fuer die, Wiederherstellung der Ruhe in Laos so sehr ins Zeug legen, um wieviel mehr waeren sie nicht im Ernstfall bereit, diese im viel sensibleren Vorderen Osten zu gewaehrleisten. NU: Waere die NU als Instrument tauglich, eine Aggression gegen Israel zu stoppen? Ja! Wuerde sie rechtzeitig eingreifen? Ja!. Weltfrieden: Alle Gross, maechte wollen den Frie. den. Lokale Kriege kann es keine mehr geben und gewiss nicht in unserer Nachbarschaft. Freunde: Gewiss haben wir Feinde aber sie haben nicht verhindern koennen, dass wir Freunde gewinnen, viele Freunde. In Europa, Amerika, Asien, Afrika, ueberall. Jenes Gefuehl der Isolierung waehrend der ersten Jahre exis-; tiert nicht mehr. Ein Staat, der sich durch Beweise herzlicher und selbstloser Freundschaft besonders auszeich- | net? Man koennte mehrere nennen, aber vielleicht ist es I gerecht, an erster Stelle an \ Holland zu denken. E. W. G.: Unser groesstes! Problem sind nicht die Arai ber. Probleme haben eine Rangordnung. An erster Stelle steht die Europaeisehe Wirtschafts - Gemeinschaft. Bisher sind wir wenig vorwaertsgekommen. Die angebo t e n e n Verguenstigungen beziehen sich auf israelische Produkte, die sie sowieso gebrauchen. Grossbritannien: Der Auss. schiuss Englands von der E. W. G. ist auch fuer Israel unguenstig. Bevor England keine Begünstigung oder Anschluss erlangt, werden wir auch nur sehr schwer weiterkommen. Frankreich: Sind die Beziehungen weiter gut? Blendend. Trotz der Normalisierung der Beziehungen zu den arabischen Staaten? Trotzdem. So gut wie 1956? Situation. Probleme, Erfordernisse von 1963 sind nicht die von 1956. Lebensstandard: steigt, steigt, steigt. In vieler Hinsicht zu sehr. Auswuechse: Bodenspekulation. Jedenfalls: es gibt wohl nur wenig Laender, in denen in den vergangenen Jahren so viel Geld verdient wurde, wie Israel. Wenn selbst "TIME” nicht umhin kann, das festzustellen! EINE REDE FUER DIE GESCHICHTE Senat und Kammer widmeten ihre Sitzungen vom 5. Juni einer Ehrung des zwei Tage vorher verstorbenen Papstes Johannes. Vertreter aller Parteien gedachten in eloquenter Weise des Dahingeschiedenen . Gleichsam als sei noch etwas ungesagt geblieben, ergriff als letzter Redner Senator Angel Faivovich das Wort, obwohl sein Kollege Juan Mauras bereits im Namen der Radikalen Partei gesprochen hatte. Und was dann kam, war auch eine in den Annalen des chilenischen Parlaments seltene Begebenheit: ein Senator sprach nicht in Funktion eines nationalen Problems, nicht im Namen seiner Partei, nicht als Exponent einer Staatsgewalt, sondern a 1 s Jude. Sowohl diese Tatsache wie das, was er sagte, wie die Ferm, in der er es sagte, erheben seine Worte zu der Bedeutung einer Rede, die in der Geschichte der Juden in Chile, ebenso aber in der Geschichte des chilenischen Par. laments immer wird zitiert werden muessen. Da es auch nur sehr schwer waere, diesen wichtigsten seiner Gedanken noch etwas hinzuzufuegen, moegen sie gleichzeitig die Stellungnahme des “B. I.” in der Gewissheit interpretieren, dass die gesamte Kollektivitaet sie als die ihren ansieht: * Nicht anders (N. d. R.: als der Apostel Paulus) hat sich Johannes XXIII waeh. rend seiner kurzen und fruchtbaren Herrschaft ausgedrueckt, als er den guten Glauben jener anerkannte, die nicht einer bestimmten Kirche angehoeren und inde rner feststellte, dass jeder Glaube und sei er vom katholischen Standpunkt aus noch so irrig, Pflichten auferlegt und die entsprechenden Rechte verleiht. * Um diese zu verteidigen, ordnete er die Abaendqrung aller das Volk Jehowahs verletzenden Textstellen an. So erhob er die geistige Aufgabe der Rcemischen Kirche und unterdrückte die weltlichen Werkzeuge der Intoleranz. * Als Menschen meines Glaubens schaetzen wir die Reinheit der Liebe, denn wir wissen von Hass und Verfolgungen. Wir suchen die Gerechtigkeit, denn wir haben die Niedertracht kennen ge. lernt. Wir streben zur Gemein samkeit, denn wir haben die Absonderung erlitten und ihre elende Ausgeburt, die Erbitterung. Wir bemuehen uns, den Frieden zu foerdern, denn es lasten auf uns viele Jahrhunderte bedrueckender Wanderungen mit ihrem tragischen Gefolge von Quai und Leiden. Mit Leidenschaft suchen wir das Verstaendnis zu finden, mit dem wir die anderen beurteilen, denn wir sind von Richtlinien tiefen menschlichen Sinns geleitet. * Eine Aera des Friedens, des herzlichen Einvernehmens unter den Menschen, der Toleranz unter den verschiedenen Konfessionen, wie sie der edle verstorbene Pontifex anstrebte, muss jener Erfuellung der Zeiten vorangehen, die das Volk des Gesetzes mit inbruenstigem Glauben erwartet. * Schwarzer Trau e r f 1 o r verdeckt den Stern Davids und in einer gleichen Betruebnis und Trauer mit der Christenheit vereint, darf ich heute wiederholen, dass eine Traene um den Verlust dieses wunderbaren Prinzen der Kirche Christi das Schmer. zensantlitz des Volkes von Israel benetzt. DIE RICHTIGE ANTWORT Eine Durchsicht der hier erschie n e n e n Veroeffentlichungen aus Anlass des Staatsfeiertags des Koenigrelchs Jordan fuehrt zu der erfreulichen Festst e 11 u n g, dass diesmal keiner der uebli. chen Angriffe gegen Israel lanciert wurde.! Dies kann zwei Gruende haben. Der eine, dass sich in den offiziellen Kreisen jenes Nachbarlandes nun doch langsam die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass neben den Vereinigten S t a aten, England oder dem Koenig Saud auch Israel eine Rolle in der Erhaltung sei ner Selbstaendigkeit und der Verteidigung gegen die Annektionsgelueste des aegyptischen Imperialismus spielt. Und zwar nicht die geringste. Den anderen Grund koennte man darin suchen, dass sich die verantwortlichen Menschen der hier ansaessigen arabischen Kollektivitaet endlich auch darueber klar geworden sind, dass es sinnlos ist, die zwischenstaatlichen politischen Gegensaetze des Vorderen Osten in Gehaessigkeiten gegen uns in Chile ansaessige Juden uebersetzen zu wollen. Lange genug hat “Mundo Arabe” den Bumerang des Antisemitismus geschleudert. Leider berechtigt aber zu letzterer der beiden Annahmen nur wenig, hat doch irgend ein arabisches Komitee den israelischen Staatsfeiertag zum Anlass genommen, die Tageszeitungen mit einer ganzen Seite von gedrucktem Material ueber "Palaestina” zu verunzieren. Eine Geschichte des Landes war darunter, deren Korrektur einem Vorschueler, eine Version der Ereignisse der letzten zwanzig Jahre, deren Richtigstellung dem minderbegabte. sten aller Zeitungsleser keine Schwierigkeiten bereiten duerfte. Meinungen von Arnold Toynbee wurden zitiert, die abgesehen von dem Antisemitismus und der Ueberheblichkeit ihres Autors nichts und damit auch nichts Neues bringen, den Publizisten aber offensichtlich zu der ebenso selbstgefaelligen wie irrigen Schlussfolgerung verleiteten, eine Autoritaet zitiert zu haben. Die Israelische Botschaft und die Fuehrung unserer Kollektivitaet gaben auf diese Anwuerfe die einzig richtige Antwort: gar keine. Man soll niemanden daran hindern, sich fortgesetzt zu blamieren. CETERUM CENSEO Rauff esse expulsandum. ATSCHEKA. KURT BLUHELDS EEBENSLEISTUI Von CURT WILK Am 21. Mai, wenige Tage, bevor er (29.5.) den 79. Geburtstag haette begehen koennen, starb in Israel Kurt Blumenfeld, der “grosse alte Mann des deutschen Zio. nismus”. Kurt Blumenfeld stammte aus der ostpreussischen Stadt Insterburg, wo sein Vater als Richter amtiert hatte. In seiner fruehen Jugend gab es nur wenig Juedisches; “deutsche Kultur ersetzte in seinem Elternhause die verlorengegangene juedische Tradition”, wie er es selbst ausgesprochen hat. Zum Judentum kam Blumenfeld und damit zum Zionismus auf Grund eigenen scharfen Nachdenkens ueber Judenschicksal und Judennot, und er sollte einer derjenigen werden, deren schoepferlsche Leistung Form und Inhalt des deutschen Zionismus bestimmten. Er war in jungen Jahren, nach beendeten juristischen Studien, als Sekretaer in die deutsche zionistische Landesorganisation eingetreten, um bereits im Jahre 1911 dann Generalse. kretaer der Weltorganisation zu werden. Seine grosse rednerische Begabung, seine hohe Intelligenz und seine umfassende allgemeine Bildung brachten ihn bald in die vorderste Reihe der Bewegung, wo er, in der Zeit vor 1914, schon neben Otto Warburg, Nahum Sokolow, Arthur Hantke u. a. wirkte. Ein laengerer Aufenthalt in Amerika zwischen 1919 und 1922 erweiterte seine Verbindungen zur Weltjudenheit und ermoeglichte ihm tiefere Einblicke in die politischen Zusammenhaenge. Blumenfeld war nationaler Jude und Zionist mit allen Konsequenzen; Kompromissen stand er ablehnend gegenüber. Auch die gewiss sehr wichtige zionistische Gemeindearbeit schaetzte er nicht sonderlich, weil er in ihr eine Behinderung auf dem Wege zum Endziel sah. Die westeuropaeischen und amerikanischen Assimilationsbestrebungen der Juden sah er als zum Scheitern ver. urteilt an, und sein bekanntes Wort vom “limitierten Judentum” sollte ausdruekken dass ein Jude eben nur als Jude leben koenne und sich nicht bemuehen solle, etwas andres sein zu wollen. Seine ganze Kraft widmete er der Jugenderziehung, der Staerkung des Keren Hajessod und der Gewinnung neu. (Fortsetzung Seite 23)