Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXV (1963)
- Issue
- 5 (Mayo, 1963)
- Date
- 1963-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MEDACCWtti 'S C I. BN* JI3HOÍ*. AV. PQHTWUl BMA CASIULA *48?. BAWrniOO'CMnLf BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT AÑO XXV — N? 5 SANTIAGO DE CHILE MAYO 1963 JIZCHAK BEN ZWI Abermals ist Israel und mit ihm die gesamte ,Judenheit der Welt in tiefe Trauer versetzt worden. Gefallen ist die Krone unseres Hauptes, so klagte einst der Prophet Jeremias und so klagt die juedische Welt heute ob des Verlustes der ganz Israel durch den Tod des Staatspräsidenten betroffen hat. Jizchak Ben Zwi ist nicht mehr, das ist der grosse Schmerz, der die Juden in allen Teilen der Welt erfuellt. Gross ist der Schmerz, weil er ein Grosser war, gross in Wuerde, Gesinnung ünd Haltung, die er sich in seiner mehr als 10 jaehrigen Taetigkeit als aas repraesen tative Oberhaupt des Staates Israel innerhalb der Mauern Jerusalems und daruebei hinaus in der gesamten jucdischen wie nichtjuedischen Welt erworben hat. Wie sein Vorgaenger Prof, Dr. Ch. Weizmann gehoerte auch er jener Generation an, die von den fruehen Kindestagen aufwaerts den ewigen Israeltraum' (getraeumt hat und der es in reifsten Mannesjahren vergoennt gewesen ist, den Traum verwirklicht zu sehen. Aber nicht nur das war insbesondere diesen beiden Maennern beschieden, sondern vom Vertrauen der gesamten juedischen Nation getragen, ist Chaim Weizmann, wie Jitzchak Ben Zwi aufgerufen worden, den hoechsten Platz im Staate einzunehmen, den ein souveraenes Volk zu vergeben hat. So wurde denn Jitzchak Ben Zwi der zweite Praesident des Staates Israel. Bis zu diesem ehrenvollen Ruf hatte der “Fuerst in Israel” schon fast sieben Jahrzehnte durchlebt. Im Jahre 1884 wurde Ben Zwi in Poltawa (Ukraine) als Sohn einer bekannten juedischen Gelehrtenfamilie geboren. Seine ersten Lebensschritte fuehrten ihn in den Cheder, der juedischen traditionellen Schule des Ostens. Die haeusliche Atmosphaere, in der er aufwuchs, war bewusst juedisch traditionell und zionistisch zugleich betont. Sein Vater war hebraeischer Lehrer und reiste schon 1891 nach dem damaligem Palaestina mit der Absicht, sich zusammen mit seiner Familie doit niederzulassen. In den Jahren 1901-1905 studierte der junge Jitzchak in einer modern gefuehrten hoeheren Schule, wo er sich besonders fuer Hebraeisch, Geschichte und Volkswirtschaft interessierte. Noch vor dem Eintritt in 1 das letzte Studienjahr 1904 besuchte er zum ersten ¡Mal das Heilige Land. Auf dem Wege nach dort machte er zunaechst in der Tuerkei Station und lernte dort die orientalischen Gemeinden naeher kennen, eine Begegnung, die tiefe Spuren in ihm hinterliess und in seinen spaeteren Lebensjahren ihn besonders veranlasste, sich dem Studium der Geschichte und Gebraeuche der orientalischen Juden zu widmen. Der Besuch im Lande der Vaeter beeindruckte ihn aufs Staerkste und insbesondere die Bekanntschaft mit Eliezer Ben Jehuda, dem Vorkaempfer fuer die neue moderne hebraeische Sprache, Von dem Gedanken getragen, mit der arabischen Welt in Frieden und Harmonie zu leben, begann er noch in jungen Jahren diese Sprache zu erlernen. Lehrmeister war ein Samaritaner, Nachfahre aus dem alten Stamm des j uedischen Lebensbaumes. Auch diese Begegnung hatte in ihm grosses Interesse fuer die besondere samaritanische Gruppe hervorgerufen und in seinen spaeteren Lebensjahren widmete er sich ernsten wissenschaftlichen Un¬ Oberkommissar, Sir Herbert Samuel, aufgefordert, als Mitglied des beratenden Ausschusses der Palaestinaregierung beizutreten. Dieser Aufforderung kam er selbstverstaendlich gerne nach, zog sich aber kurze Zeit spaeter unter Protest auf Grund der blutigen Ausschreitungen, die in Jaffa stattfanden, zurueck. Es versteht sich von selbst, dass er jahrelanges Mitglied des nationalen Rates war und auch zu den Mitbegruenmachte auf ihn einen tiefen Eindruck. Heimgekehrt nach seiner Vaterstadt reifte in ihm der feste Entschluss, so schnell als moeglich nach dem Land der Bibel zurueckzukehren. Im Jahre 1907 erfuellte sich dieser Herzenswunsch und noch im gleichen Jahre trat er in die Leitung der zionistischen Arbeiterpartei ein und arbeitete auch aktiv an der Schaffung einer Weltorganisation dieser Partei mit. Auch der Aufstellung einer juedischen Selbstwehr, dem Vorlaeufer des spaeteren Heeres, stellte er seine Kraefte zur Verfuegung. tersuchungen ueber diesen Stamm. Im Jahre 1912 begann er in Istambul Jura zu studieren, musste aber, durch den ersten Weltkrieg bedingt, sein Studium unterbrechen. E r kehrte darauf nach Palaestina zurueck wurde aber zusammen mit seinem Freund Ben Gurion im Jahre 1915 von Kemal Pascha, dem hoechsten tuerkischen Regierungsbeamten, als militanter Zionist ausgewiesen. Im Jahre 1918 kehrte er zusammen mit Ben Guripn aus Amerika zurueck. Im Jahre 1920 wurde Ben Zwi vom ersten englischen dern der Histadrut zaehlte. im Befreiungskrieg 1948 hatte auch die Familie Ben Zwi einen furchtbaren Schicksalsschiag erfahren, denn ihr Sohn Eli fiel im Heldenkampf bei der Verteidigung des Kibbuz Bet Keschet. Fast 10 Jahre spaeter haben die Eltern das Andenken ihres Sohnes durch ein Buch geehrt, in dem sie auch allen uebrigen Elternpaaren, die von einem gleichen schweren Schicksalsschlag heimgesucht waren versuchten, Trost zu geben. Am denkwuerdigen 14. Mal 1948 gehoerte Ben Zwi zu den Privilegierten, die das Dokument der Unabhaegigkeitserklaerung im alten Tel-Aviver Museum mit unterzeichnen konnten. In den folgenden Jahren zog er als Abgeordneter der Mapai in das Parlament ein und wurde im Jahre 1951 wieder gewaehlt. Im Parlament selbst erstreckte sich sein Aufgabenkreis ln der Hauptsache auf Probleme, die die Stadtgemeinde Jerusalem betrafen, Er war u.a. auch ein eifriger Vertreter fuer die Rueckkehr der Samaritaner nach Israel, jener Gruppe, die ausserhalb des israelischen Grenzgebietes geblieben war. Und sein besonderes Augenmerk war darauf gerichtet, gute Be-! Ziehungen zur arabischen Bevoelkerung herzustellen. Das war in kurzen Abrissen sein Lebensweg bis 1952, als er nach dem Ableben Prof. Weizmanns zum ersten Mal zum Staatspraesidenten gewaehlt wurde. Nach fuenf- Jaehriger Taetigkeit wurde ihm abermals die Ehre zuteil diesen Posten weiter auszu- , fuellen und im vorigen Jahre waehlte ihn das juedische Volk zum dritten Mal als seinen Repraesentantem Neben der so umfangreichen politischen Taetigkeit fand er immer noch genuej gend Zeit und Müsse zum I Lernen und fuer seine wis- ' senschaftlichen Aufgaben. Aus der Fuelle seines geisti-! gen Schaffens sei erwaehnt; "Juedische Wanderungen”, ausserdem eine Reihe von Schriften, die zum Gegenstand das Studium der verschiedenen juedischen Sekten, Staemme und Gemeinden hatte. So finden wir Abhandlungen ueber die Samaritaner, Karaiten, Sabatianei, die Juden in der Krim und im Jahre 1952 ein interessantes Buch mit dem Titel “Die zehn verlorenen Staemme; Israels”, das auch Inzwischen | ins Spanische uebersetzt worden ist. Eine besonders ini teressante Studie fuehrt den 1 Titel “400 Jahre tuerkischer Herrschaft in Palaestina”. Gefallen ist die “Krone unseres Hauptes”. Denn das war Jitzchak Ben Zwi in seinem Leben. Ein bescheidener vornehmer Mensch, ein stolzer Jude, ein aufrechter Politiker, ein ernster stiller Forscher mit einem Wort eine geschlossene Persoenlichkeit. Ueber ein solch grosses ausgelebtes Menschenleben duerfen wir das Wort wiederholen, das einst die nichtjuedische Welt in der Begegung mit dem ersten Juden ausgesprochen hat: “Ein Gottesfuerst bist Du in unserer! Mitte” und wirst es staendig in unserem Volke bleiben. Rabbiner Manfred Lubüner