Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 10 (Octubre, 1962)
- Date
- 1962-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre 1962 BOLETIN INFORMATIVO 5 á f DER SPRUNG AUS TAUSENDUNDEINER NACHT “Viele Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, den Sinn der orienl a 1 i sehen Witwenverbrennungen zu begreifen”, soll vor einiger Zeit ein beruehmter Professor' der Indologieerklaer’t haben. Klar geworden seien ihm aber die Vorteile dieser barbarisch anmutenden Praxis erst, als er die Schriften der Frau Mathilde Ludendorff gelesen habe... Der kollektive Selbst merd eines ganzen Harems jedoch —anlaesslich des Todes des Herrn und Meisters— hae-tte auch den Professor nach seiner Erleuchtung vor neue Mysterien gestellt. Er soll tatsaechlich stattgefunden haben: nach dem Tode Achmed des Ersten —und Letzten—, Imam des Jemen. Wenige Tage darauf schlugen die Kanonenkugeln im- Palast samt Harem seines Sohns und Nachfolgers Mohammed el Badr ein. Abdulla al Salal, Generalstabschef ZUCKER AUS CUBA Fidel Castro: wer einmal im Sattel sitzt... mmmm Üiisg und “Vertrauensmann” des Koenigshauses, rief die “Freie Republik Jemen” aus. Und ein Schiff lag im Hafen, ein russisches, mit Segeln und Kanonen, wie bei Jenny der Seeraeuberbraut. Welch ein Sprung aus Tausendundeiner Nacht mitten in die Dreigroschenoper! Wie schon so oft, hatte der Intelligence - Service (man sollte ihn besser Secret-Service nennen) der Westmaechte nicht bemerkt, dass Arabia Felix, das Maerchenland der Koenigin von Saba, im Begriff war, in -die rauhe W i rklichkeit einzubrechen. Und das, obwohl man vom b r i t i s chen Flottenstuetz punkt Aden aus dem Imam bequem durch die Fenster seines hundertbett igen Schlafzimmers gucken konnte. Moskau und Kairo erkanngleichen Tage an: die Watten das neue Regime noch am fen, die der naive Thronfolger unter Trinkspruechen und F r e undschaftsbeteuerungen selbst in Russland eingehandelt hatte, hatten sich gegen ihn gewandt und ihren Zweck erfuellt. Und Gamal Nasser, Landesvater der “Vereinigten” Arabischen Republik, der sich Achmed und Badr so bereitwillig angeschlossen hatten, zoegerte keinen Augenblick, ihre Lcyalitaet in der Muenze des Danks des V a t e r 1 a ndes heimzuzahlen. Was nun die ueberrumpelten Westmaechte anbetrifft, muss man sogar anerkennen, dass sie etwas rascher als sonst einige Figuren des arabischen Schachbretts in Bewegung setzten: ein Oheim mit Turban und Anspruch auf den Thron von -Sana wurde aufgetrieben und der Koenig Saud, dessen Vater bereits 1934 den Jemen einmal invadiert hatte, machte sich schnurstracks an die Inszenierung der erforderlichen Grenzzwischenfaelle. Er versteht nur zu gut, dass -die Alternative zur Restaurierung im Nachbarland keine andere ist als ueber kurz oder lang der Sturz seiner Erdoel-Dynastie im eigenen, wie denn auch auf lange Sicht Kruschew und Nasser es mehr auf die ¡Raffinerien von Ras Tannura angelegt haben duerften als auf die Kaffeemuehlen von Mokka. Feinde und Verbuendete Es ist noch verfrueht, die Chan cen der gekroenten Haeupter in ihrem Bemuehen, die “Freie Republik” Jemen in den Windeln zu ersticken, zu beurteilen. Einige Schlussfolgerungen lassen sich aber bereits heute aus den Ereignissen ableiten. Sie lauten: 1. ) Nach bald 30 Jahren Kampf gegen den Totalitarismus hat der Westen immer noch keine richtige Methode e n t w i c k e lt, den' “schlagartigen” Akt ionen der Diktatoren zu begegnen oder zuvorzukommen. 2. ) Es ist traurig, von welch miserabler Art die Verbündeten sind, derer er sich bedient. , 3. ) Immer wieder zeigt es sich, dass es sehr schwer ist, eine Position zu halten, die von innen her gestuermt wird und fast unmoeglich, sie ¡zurueckzugewinnen, wenn der innere Feind sie erst einmal genommen hat. Wie man es falsch macht Es ist und bleibt Eisenhowers historisches Verdienst, entscheidende 8 Jahre im Aufbau (der Nachkriegswelt in diesem Sinne verloren zu haben. Der Vormarsch Moskaus zeichnete sich auf zwei Routen ab: auf der einen Seite die Subversion von innen, sei;es mit Hilfe junger Offiziere, ehrgeiziger Politiker oder Kommunistischer Parteien —und keineswegs vorzugsweise mit Hilfe letzterer—; auf der anderen Seite die Entwicklung der Raketengeschosse ¡bis in die Etappe der Raumschiffahrt. Keinen von beiden Wegen riegelte Eisenhower ab: zur Sicherung der bedrohten Zonen soziale Reformen zu foerdern, erscheint den Republikanern auch heute noch als Kommunismus und die Reise zum Mond war fuer V e rteidigungsminister Wilson ein Thema aus der Traumwelt von Jules Verne. Die Philosophie und Strategie jener auf beiden Gebieten gleich armseligen Regierung wurde am besten durch den unglueckseligen John Foster Dulles mit den Konzepten des “am Rande des Krieges jonglieren” und der “massiven Vergeltung” synthetisiert. Man ruestete sich fuer den Kampf, aber fuer den einzigen Typ v.on Kampf und Krieg, der aller menschlichen Voraussicht nach nicht kommen wird, den der Tanks, der Bomber, der, F1 a m menwerfer. Nebenbei bemerkt vergass Eisenhower und sein Team noch das bisschen Philosophie und Strategie vollends in dem Moment, als Kruschew tatsaechlich den Krieg startete, auf den sie gewartet hatten und ueberliessen Ungarn den russischen Tanks und seinem bitteren Schicksal. . Nun waere es gewiss falsch, die “konventionelle” Ruestung —dazu gehoeren heute natuerlich schon die atomaren Waffen— nur deswegen zu vernachlaessigen, weil Moskau die (Welt nicht mit den Mitteln des konventionellen Kriegs zu erobern versucht. Da waere nicht nur die Warnung “si vis pacem, para bellum” am Platze, sondern man darf die Praemisse ruhig umkehren: Moskau versucht nicht, die Welt mit den Mitteln des konventoinellen Kriegs zu erobern, nur weil ¡und solange die andere Seite dagegen gewappnet ist. Wobei noch hinzu kommt, dass der Kreml vielleicht dieser riskantesten, kostspieligsten und grausamblutigsten Form der Welteroberung vielleicht in letzter Instanz nicht ausweichen wuerde, sie aber bestimmt nicht aus freien Stuecken sucht, zumindest noch die zwei anderen Wege —der Aufstand der Elendsquartiere und die Erpressung aus dem Raum— offen erscheinen. Kennedy und seine neue Politik Jedenfalls b r a nnte das Haus schon an allen Ecken und Enden, als Kennedy mit seinem Wagen voll junger Feuerwehrleute erschien. Und abgesehen davon, dass es an Hydranten mangelte und sie nicht immer in die richtigen Winkel spritzten, muss man anerkennen, dass es schon immer leichter war, Feuer zu schueren als zu loeschen. Er und sein Team verfuegen aber zweifellos ueber die Phantasie —vielleicht sogar ueber etwas zuviel Phantasie—, an der es seinem Vorgaenger so absolut mangelte. EIN BITTERES GETRAENK Praesident Kennedy: trotz allem, optimistisch ssasss So wurde vor allem der Einsatz auf dem Gebiet der Raumschiffahrt vervielfacht, um den gewaltigen russischen Vorsprung aufzuholen. Dass dies bis dato noch keineswegs gelungen ist, kann ebensowenig wunder nehmen wie zu Lasten Kennedys gebucht werden; ob und wann es gelingen kann, wird sich wohl in dieser Dekade herausstellen. Um der Eroberung von innen her zu begegnen, wurden einige Massnahmen paramilitaerischen Charakters gestartet, wie die “Friedenskorps’ (die weit von “1984” wirft ihre Schatten nach allen Seiten voraus: “Krieg ist Frieden und Frieden ist Krieg”) und sonstige Repliken auf die kommunistische Guerilla-Taktik. Die revolutienaere Antwort sollte aber mit jener neuen Form von Auslandslinie erteilt werden, die mit grundlegenden sozialen Reformen v e r b unden geht. Den Prototyp dieses “new look” stellt die “Alianza para el Progreso” fuer Lat e i namerika, das geographisch naechste und politisch bedrohteste Gebiet zugleich, dar. Vorbedingung fuer die Erteilung der in der Alianza vorgesehenen S u mmen aber ist die Erfuellung des Paktes von Montevideo, (Fortsetzung Seite 18) KAFFEE AUS MOKKA IM JEMEN Achmed I. und El Badr, als Knabe ÄS; Mm ¿»SS