Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1962)
- Date
- 1962-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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SEPTIEMBRE 1962 BOLETIN INFORMATIVO 13 OIE AEGYPTISCHE RAKETE - VOR ISRAEL GESEHEN Von BENNO WEISER (Jerusalem) Die 4 Raketen, welche am 21. Juli von der westlichen Wueste Aegyptens abgeschossen wurden und von denen 2 angeblich eine Reichweite von 600 km. besitzen, beschaeftigen, logischerweise, die Gedanken der Israelis, denn es gibt in diesem Lande keinen Punkt, welcher mehr als 400 km. von der aegyptischen Grenze entfernt ist. Doch die Reaktion besteht eher in Neugierde als in Sorge. Dieses Volk ist daran gewohnt, “gefaehrlich zu leben” und zu hoeren, dass seine Nachbarn ihm in Kriegsmaterial ueberlegen sind. Seine Ruhe ergibt sich aus der Gewissheit, dass dies durch die Ueberlegenheit des israelischen Menschenmaterials kompensiert wird. Die erste Nachricht ueber Raketen im Vorderen Osten kam am 5. Juli des letzten Jahres, als Israel seine meteorologische Rakete, “Shavit 2”, abschoss. ‘‘Shavit 2”, welche eine Hoehe von 80 km. erreichte, wurde hundertprozentig in Israel hergestellt. Es stellte sich spaeter heraus dass das Datum des 5. Juh gewaehlt wurde, weil die Aegypter etliche Tage spaeter, zum 9. Jahrestag ihrer Revolution, eine aehnliche Rakete, die sie in den Vereinigten Staaten gekauft hatten, abschiessen wollten. Da Israel Nasser zuvorkam, wurde diese Rakete nicht verwendet. Das Aufsehen, welches “Shavit 2” machte, liess manche daran zweifeln, ob es klug war, es an die grosse Glocke zu haengen, dass Israel dem Club der Raketen erzeugenden Laender beigetreten war. Vielleicht ist es darauf zurueckzufuehren, dass man nichts von weiteren Raketenschuessen Israels gehoert hat. Es wurde jedoch bekannt, dass ein deutscher Sachverstaendiger, Prof Eugen Saenger, und eine Gruppe von Mitarbeitern, von Kairo unter Kontrakt gestellt wurden. Im November 1961 musste Saenger von seinem Posten als Direktor des Wissenschaftlichen Institutes in Stuttgart zuruecktreten, weil er waehrend seiner Ferien fuer die aegyptische Regierung gearbeitet hatte. Laut der “Muenchener Abendzeitung” sind es nicht weniger als 250 deutsche Experten, die fuer die aegyptische Ruestungsindustrie arbeiten. Nun weiss alle Welt, dass die Deutschen es verstehen, Raketen herzustellen. So wie Wernher von Braun sie in den Vereinigten Staaten baut, haben Wissenschaftler aus Ostdeutschland und solche, die waehrend des Krieges von den Russen gefangen genommen wurden, ihren Anteil an der Konstruktion des ersten Sputnik gehabt. Vor etv/a vier Jahren erzeahlte.man den Witz, dass, als ein Sputnik und ein amerikanischer Satellit ein ander im Weltraum begegneten, sie einander zuriefen: “Wie gehts?. Es besteht daher kein Grund, warum die Deutschen nicht auch in Aegypten Raketen herstellen koennen sollten. Laut Informationen des israelischen Intelligence Service wurden etliche der Hauptbestandteile der aegyptischen Raketen aus Deutschland importiert, waehrend die elektrischen Bestandteile aus der Schweiz und Italien kamen. Wie man es hier beurteilt, ist sehr wenig von der aegytischen Rakete aegyptischer Erzeugung oder Produkt der Weisheit aegytischer Techniker. Die israelischen Experten sind auch der Meinung, dass die angebliche Reichweite von 600 km. eine Uebertreibung darstellt. Nichtsdestoweniger, selbst die Haelfte dieser Distanz waere genug, um den groessten Teil Israels diesen Raketen auszusetzen. Und deren Wirkung wuerde nicht dadurch herabgesetzt werden, dass es sich nicht um ein autochtones Produkt Aegyptens handelt. KKL-BUDGET VIERZIG MILLIONEN PFUND Das KKL — Direktorium hat ein Budget in Hoehe von 40 Müllionen Israelpfunden angenommen, d.h. um 46% mehr als im Vorjahr, in dem sich die Ziffer auf .27,3 Millionen belief. Der Vorsitzende des Direktoriums, Herr Jacob Tsur, erklaerte, dass die Steigerung infolge der Abwertung des Is - raelpfundes eingetreten sei, durch die die Spenden aus dem Ausland jetzt einen hoeheren Wert im Lande haben; man rechne auch mit einem weiteren Anwachsen der Spendeneinnahmen. Andererseits sei auch die Schuldenlast des Fonds gewachsen, zumindest wo es sich um dollargebundene Anleihen handle. Herr Tsur schilderte die Mittel, die man zur erhoehten Aufbringung von Geldern fuer Bodenentwicklung und Eingliederung von Neueinwanderern zu ergreifen habe. Nach dem von Herrn Joseph Weitz, dem Leiter der Bodenentwicklungsbehoe r d e entworfenen Plan, sollen dieses Jahr 29.000 Dunam fuer Anbau urbargemacht und 93 km. neue Strassen gebaut werden. Diese Arbeiten sollen auf Boeden vorgenommen werden, die zu 120 Siedlungen gehoeren, von denen 29 im Bergland liegen. Unter anderem wird der Fonds im Negev und im Aravatal eine Flaeche von 2.500 Dunam Urbarmachen, um fuer die dortigen Vorpostensiedlungen erste wirtschaftliche Grundlagen zu schaffen. Zum ersten Mal erscheint im KKL—Budget der Name Elath, wo der KKL eine Flaeche von 200 Dunam anbaufaehig machen will. Im Aufforstungswesen sieht das Budget die Anpflanzung von 6 Millionen Setzlingen und Pflegearbeiten fuer 12 Millionen Waldbaeume vor. die in den zwei vorhergehenden Jahren gepflanzt wurden. 16.000 Dunam sollen mit Johannisbrot und Mandeln bepflanzt und 500.000 Dunam Naturwaelder sollen ueberwacht und gepflegt werden. In Zusammenarbeit mit der Bodenkonservierungsabteilung der Regierung wird in 98 Ortschaften die Drainae von 18.500 Dunam durchgefuehrt werden. Voll Stolz stellt die Presse-Koramision der S.C.I. und die Redaktion des “B.I.” ihren Lesern Herrn Benno Weiser, auf Grund seiner Besuche in Chile bestens bekannt, nunmehr als Mitarbeiter unserer Zeitung vor. Herr Weiser, der 1938 nach Ecuador ausgewandert war, nachdem er sich in Wien urspruenglich dem Studium der Medizin zugewandt hatte, verdiente sich seine ersten Sporen im Journalismus als aussenpolitischer Leitartikler der bedeutendsten Landeszeitungen Ecuadors und gab auch zwei Zeitschriften selbst heraus. 1946 ernannte ihn die Jewish Agency zu ihrem Vertreter in Bogotá, von wo aus er 1948 nach New York berufen wurde, um die Lateinamerikanische Abteilung zu leiten. In dieser Eigenschaft sowie seit seiner Alijah war er als Berater der Israel-Delegation in der NU taetig und repraesentierte die Medinah bei Regierungswechseln in lateinamerikanischen Staaten. Seit 1930 ist er Direktor des “Instituto Central Israel-íberoamériea, España y (Portugal’, sowie des “Centro de Información de Israel para América Latina”. Er ist Autor des Romans “Yo era europeo”, sowie des deutschsprachigen Gedichtbandes “ V i s itenkarte” und der Theaterstuecke “Der achtjaehrige Krieg” und “For Heaven’s Sake”, welch letzteres in Brasilien, Mexico Und Perú (unter dem Namen “Tres Vinieron de Arriba”) aufgefuehrt worden ist. 3®# »iS mm giss mm §1 MM mm? Mm Sr: íMMííMí mm. mm mm WMi mm mm WMm I I Bleibt also die Frage: Wie wirksam ist diese Waffe? Die Meinungen stimmen ueberein, dass ohne eine atomische Spitze diese Raketen ungefaehr denselben Wert haben wie die V 2, die die Deutschen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gegen England schickten. Man zweifelt hier, dass der Flug der Raketen nach deren Abschuss aus der Ferne kontrolliert werden kann, was ihre Zielsicherheit verringert. Waehrend Genauigkeit nicht unvermeidlich isc, falls eine atomische Spitze vorhanden ist, da eine solche ein grosses Gebiet zerstoeren kann, erreichten bloss ein Viertel der V 2 das immense Ziel von London. Obwohl sie einen unbestreitbaren psychologischen Effekt auf die Zivilbevoelkerung ausloesten, war ihr militaerscher Effeki unbedeutend. Auf Grund der Informationen, die die Aegypter selbst durchgeben, wie z. B., dass die Raketen ihren horizontalen Flug noch vor d,en Augen des versammelten Publikums antreten und dass sie bloss aus einer Phase bestehen, hat man sich hier ziemlich genau ausgerechnet, wie weit sie bestenfalls fliegen koennen und wieviel Sprengstoff sie tragen koennen. Man schaetzt letzteren auf ungefaehr 400 kg. Auch nimmt \mau /n VlJju IfliÜll wmm (“Die Zeit.”) man an, dass die Raketen erst in 3 bis 5 Jahren “operativ” sein werden. Auch scheint es fest zu stehen, dass der verwendete Treibstoff nicht fest, sondern fluessig ist, waehrend “Shavit 2” einen festen besitzt, was als ein bedeutender Vorteil betrachtet wird. Wenn die Israelis die Neigung haetten sich ob des Ruestungs-Potentials seiner Nachbarn Sorgen zu machen, haetten sie schwerwiegendere und mehr unmittelbare Motive als die Raketen. Die Bomber TU 16, welche Aegypten vor kurzem aus der Sowjet-Union bekamen, koennen 10 Tonnen in Bomben tragen. Auch die ultramodernen Jagdflugzeuge MIG 21 und die Tanks T. 54, beide russischer Erzeugung, sind eindrucksvolle Waffen. Es ist wahr, die Raketen haben den psychologischen Vorteil, dass sie verwendet werden koennen, ohne den Feind vors Gesicht zu bekommen, was im Anbetracht des legendaeren Rufes, dessen sich die israelische Armee unter den Arabern erfreut, gewis nicht unattraktiv ist. Aber diese Immunitaet hat bloss dann einen Wert, wenn der Gegner nicht die Mittel zur Entgegnung hat. Und wenn auch niemand darueber spricht und der Schreiber dieser Zeilen keinerlei Zugang zu militaerischen Geheimnissen hat, sagt der Naturverstand, dass ein Land, welches eine Rakete wie “Shavit 2” bauen kann, keinerlei Schwierigkeiten haben sollte, auch militaerische Raketen zu konstruieren. Was bedeutet, dass so wie es ein “Gleichgewicht des Schrekkens” zwischen den atomischen Maechten gibt, es ein solches zwischen Israel und Aegypten in Bezug auf Raketen geben wuerde. Ich glaube nicht, dass ein einziger Israeli wegen dieser Nachricht seinen Schlaf verloren hat. Aber der Unterstaatssekretaer fuer Landes Verteidigung, Shimon Peres, erklaerte, dass wenn auch fuer die naechste Zukunft die aegyptische Rakete hauntsaechlich Propagandawert besitzt, sie fuer spaeterhin Grund zur Besorgnis geben koennte. Der Chef des Generalstabs, Tsur, fuegte hinzu: “Die aegyptische Rakete soll uns als Warnung dienen, unsere Sicherheitsfrage noch ernster zu nehmen; Nasser muss nach seinen Taten und nicht nach seinen Reden beurteilt werden”. Letzteres war eine Anspielung auf eine Rede, welche Nasser vor einigen Wochen im Gazastreifen hielt und in welcher er die arabischen Fluechtlingen, die dort wohnen, warnte, nicht von einer baldigen Rueckkehr nach Israel und einem baldigen arabischen Sieg ueber Israel zu traeumen. Aber als er nunmehr den Journalisten sagte, die Rakete koenne “jeden Punkt suedlich von Beyruth” erreichen, spielte er direkt auf das einzige Land an, fuer welches diese Raketen bestimmt sein koennen. Nasser hat niemals gesagt, dass er Israel nicht anzugreifen gedenkt. Wer seine Reden studiert, wird finden, dass er bloss versprach, es nicht frueher anzugreifen,, als bis sein Heer darauf vollkommen vorbereitet und seines Sieges voellig sicher ist. Seit dem Sinai-Feldzug hat Israel in relativer Ruhe gelebt, wenn wir von einigen unvermeidlichen Grenzzwischenfaellen absehen, die sporadischer Natur waren. Aber der Israeli weiss, dass Ruhe nicht mit Frieden gleichbedeutend ist. Dieses Land lebt in einem permanenten Alarmzustand und vernachlaessigt weder sein Heer noch seine Rüstungsindustrie. Wenn das Problem zwischen Israel und seinen Nachbarn ohne eine “weitere” “round” geloest werden sollte, wuerde dies eine angenehme Ueber r aschung darstellen. Bis dahin jedoch, sehen die israelischen Staatsleute zu, dass Israel so stark ist, dass niemand auf die Idee kommt, es anzugreifen, ohne sich die Sache gruendlich zu ueberlegen.