Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 8 (Agosto, 1962)
- Date
- 1962-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I ^REDACCION. *S.C. I. B'NI JI9ROÏL AV. PORTUGAL e»0. CASILLA 8487. 8ANmt»«CH4lS BOLETIN M I T T E I t U M8JJLATI S O C I D A CULTURAL rSRAELITA I S R O E L AÑO XXIV — N.o 8 SANTIAGO DE CHILE AGOSTO 1962 Ein Jahrzehnt verpasster Gelegenheiten Von Dr. Abner Nechushtcm. Tel-Aviv Schon vor einem halben Jahre waren mehr als vier Fuenftel der Kollektivzahlung an den Staat Israel geleistet worden, zu der sich die Regierung der Bundesrepublik Deutschland in dem oft erwaehnten “Vertrag von Luxembourg” mit der Billigung des Bundestags und des Bundesrates in Bonn verpflichtet hatte, um ihren Willen zur Wiedergutmachung dessen zu dokumentieren, was Hitler an den Juden verbrochen hatte. Bis gegen Ende Januar d. J. waren in diesem Rahmen Gueter im Werte von 740 Millionen Dollar aus Westdeutschland nach Israel verschifft worden. Der Vertrag wird voraussichtlich im Fruehjahr 1965, nachdem auch die Waren im Wert der noch ausstehenden ca. 95 Millionen Dollar geliefert sein werden, zur Gaenze erfuellt sein. Die “Israelische Réparations—Behoerde” in Koeln hat mithin jetzt ein Jahrzehnt nach ihrer Errichtung mit ihrem Abbau begonnen. Dr. Félix Shinnar, ihr Chef, wird den weitaus groesseren Teil seiner Zeit kuenftig den vielfachen Aufgaben widmen, die er hier in diesem Lande schon seit geraumer Zeit uebernommen hat. Mit dem “Reparationspolitischen” Aufgabenkreis Dr. Shinnars ist bekanntlich aber nur ein Teil der Funktionen erschoepft, die er uebernahm, als er an die Spitze der Koelner “Israel-Mission” trat, wie sie gemeinhin genannt wird. Den Hintergrund, um nicht zu sagen das eigentliche Ziel der Aufgaben, die er damit uebernommen hatte, bildete auf weitere Sicht vermutlich nach den Vorstellungen der Jerusalemer, und vielleicht auch nach denen der westdeutschen Regierungsbehoerden der Wunsch, ihn zum Wegbereiter einer politischen Normalisierung der Beziehun. gen zwischen der Bundesrepublik und Israel zu machen. Mit dem Blick darauf wurde ihm von Bonn denn ja auch ad personam der Titel eines Botschafters gegeben. Andernfalls waere es schwerlich zu dieser Ehrung Dr. Shinnars und — wichtiger zu einer solchen— im Widerspruch zu den Formgesetzen des diplomatischen “Protokolls” stehenden indirekten Vorwegnahme der foermlichen Anerkennung des juedischen Staates gekommen. Heute indessen kann man sich in Israel mit Bedauern der Erkenntnis kaum noch verschliessen, dass es mehr oder weniger bei diesen Ansaetzen geblieben ist. Mindestens dreimal wurde im Aufträge oder jedenfalls mit dem Wissen David Ben Gurions auf regierungsoffizioeser Ebene, oder durch geeignete Mittelsleute, im Laufe der Zeit der Versuch ger macht, die Entwicklung voranzutreiben. Er ist jedesmal misslungen. Um vorweg dem Einwand zu begegnen, nicht objektiv genug abzuwaegen, wie sich die Schuld fuer diesen Fehlschlag zwischen Jerusalem und Bonn verteilt, sei zunaechst kurz davon gesprochen, ob auch die Israelis ein Teil der Verantwortung dafuer tragen .dass dies Jahrzehnt zu einer Folge verpasster Gelegenheiten geworden ist, dem Verhaeltnis der zwei Staaten das Zwielicht der “Luxembourger Reparationslieferun g e n” zu nehmen. Die Antwort kann fuer den Kenner der Verhältnisse nur lauten, dass die Mitverantwortung Ben Gurions und seiner Auftragnehmer vom Jerusalemer Aussenministerium bis zu “Sendboten” vom Range Dr. Nachum Goldmanns oder des einen oder anderen israelischen Ministers aeusserstenfalls darin bestand, dass sie die Dinge zu Beginn der Fuenfziger Jahre manchmal allenfalls zu zoegernd in Angriff nahmen — kein Wunder, bedenkt man, wie stark der Widerstand sowohl der ganz oder halbkommunistischen hiesigen Linksparteien gegen ein “Paktieren mit dem westdeutschen Bruekkenkopf des amerikanischen Imperialismus” wie andererseits der der rechtsnationalistischen Gruppen war, die den Kampf gegen jede Art der Versoehnung mit Deutsch land auf ihr Banner geschrieben haben, und beruecksichtigt man ebenso die gewiss verstaendliche Gefuehlseinstellung breitester Bevoelkerungsmassen, den Ausdruck nie verwundener Trauer und Erbitterung, als innenpolitischen Faktorersten Grades. Der ganze Mut eines Ben Gurion hatte dazu gehoert, gegen diese Opposition das Wiedergutmachungs abkommen mit Dr. Adenauer seinerzeit durch die Knesseth, die Volksvertretung Israels, zu peitschen. Ein weniger zur Normalisierung der Beziehungen zur Bundesrepublik entschlossener Staatsmann als er waere gegen Ende 1957 davor zurueckgeschreckt, jenen Vertrag zu Lieferung betraechtlicher Partieen von Maschinengewehren der einheimi- Ben Gurion und Adenauer: Wie weit ist das noch aktuell? ÿjjgÿK; sehen Waffenindustrie an die Bundeswehr zu schliessen; er war sich darueber klar, dass er damit eine Regierungskrise riskierte, die dann auch prompt eintrat. Und ebensowenig haette er es bei einer anderen Einstellung darauf ankommen lassen, sich neuen Attacken der hiesigen Widersacher seines Regimes auf dem rechten und linken Fluegel und so der versoehnungsge gnerischen “Stimme des Volkes” auszusetzen, als er vor anderthalb Jahren, in New York, ein Gespraech mit dem Bundeskanzler anstrebte und herbeifuehrte. Da das New Yorker Gespraech nicht protokolliert worden ist kam es danach bis heute immer wieder zur leidigen Unklarheit darueber, ob Dr. Adenauer dem israelischen Ministerpraesidenten bei dieser Gelegenheit eine Anleihe (oder, wie es anfangs sogar hiess, eine nicht rückzahlbare Zuwendung) von 500 Millionen Dollar angeboten oder gar zugesichert hat, ob es sich nicht vielmehr nur um eine Deutschmark-Subvention ueber. 500 Millionen, also 125 Millionen Dollar, handelte, oder ob ueber diese Sache ueberhaupt mit unverbindlicher Beilaeufigkeit gesprochen wurde. Ob es sich nur um einen der bei Dr. Adenauer nicht, seltsamen “Spontanake” gehandelt hat (Geruechte sprachen ja davon dass er in seinem Kabinett spaeter ueberstimmt wurde, als er sein Versprechen bestaetigen lassen wollte) oder vielmehr um eine Wohlueberlegte Finte, einen Koeder, den er Ben Gurion so kurz vor dem Beginn des Prozesses gegen Adolf Eichmann hinwarf, um zu verhindern, dass es dabei zu “Indiskretionen” z. B. ueber die Rolle des Staatssekretaers Hans Globke in der Zeit Hitlers kommen werde... So peinlich es fuer Israel war und ist, geldliche Versprechungen spaeter zum Gegenstand oeffentlicher Kontroversen zu machen, von mehr oder minder beilaeufigen “Gedaechtnisauffrischungen” hueben und mehr oder minder unwischen halbamtlichen Richtigstellungen in Bonn, so steht doch fest: aus der Umgebung des Bundeskanzlers ist niemals bestritten worden, dass darueber gesprochen worden war. Erst vor einigen Wochen war die Rede davon, dass demnaechst mit einer ersten Quote auf Rechnung dieses Regierungskredits, in Hoehe von 25 oder 30 Millionen Dollar, zu rechnen sei; und wurde diese Meldung dann auch in Jerusalem dementiert, so scheint sich doch zu bewahrheiten, dass der israelische Finanzminister im Laufe des Juli waehrend seiner naechsten Europareise mit dem Bundesfinanzminister Starke und mit Prof. Ludwig Erhard Zusammentreffen wird, um festzustellen, “wie weit Dr. Adenauers Versprechen noch aktuell ist, oder ob man es in Bonn durch gewisse der hiesigen Wirtschaft inzwischen angebotene Industriekredite als abgegolten betrachtet”'. Wie auch immer — mehr Noblesse haette die westdeutsche Regierung in der Behandlung dessen, was ihr Bundeskanzler fast ohne jeden Zweifel nun einmal in Aussicht gestellt hatte, wohl an den Tag legen koennen... Und zeugte es nicht aehnlich von einem ziemlich unerfreulichen Mangel an Grosszuegigkeit, dass Dr. Shinnar tun ungefaehr die gleiche Zeit, da der jetzige Bundespraesident Luebke die Nachfolge von . Prof. Heuss antrat, in der protokollarischen Rangfolge bei Diploimatenempfaengen in Bonn unversehens auf einen der allerletzten Plaetze verwiesen wurde, waehrend er vorher regelmaessig so placiert worden war, wie es seinem Rang als Botschafter entsprach? Konnte es da Wunder nehmen dass er sich beispielsweise von den herkoemmlichen Neujahrsempfaengen seit dieser Zeit ferngehalten hat? Hoeflichkeit ist nicht nur das Vorrecht von Koenigen, sondern auch von Republiken, wenn sie dem Betroffenen und dem Staat, den er vertritt, Achtung statt demonstrativer Missachtung zeigen wollen. Was zu einer solchen Demonstration gefuehrt hat, ist bekanntlich die Rücksichtnahme des westdeutschen Staates auf die in Bonn akkreditierten Botschafter der arabischen Laender, die sich mit Israel weiterhin als im Kriegszustand befindlich betrachten. Es ist die Drohung der hinter ihnen stehenden Regierungen Aegyptens, Syriens, des Irak usw. Schritte zur Verbesserung des Verhaeltnisses zwischen der Bundesrepublik und Israel mit einer formellen Anerkennung der D. D. R., der ostdeutschen Volksrepublik, zu beantworten. In Bonn wuerde man sich dann - und auch das kann als bekannt vorausgesetzt werden — nach der sog. Hallstein-Doktrin genoe tigt sehen, mit diesen arabischen Staaten zu brechen. In Jerusalem ermangelt man indessen des verstaendnisses dafuer. wie das Auswaertige Amt in Bonn noch an der Fiktion Festhalten kann, das faktisch keine Beziehungen auf diplomatischer Ebene zwischen Ost - Deutschland und diesen arabischen Staaten bestehen. So hat beispielweise der ostdeutsche Generalkonsul in Kairo, Herr Breibach, den persoenlichen Rang eines Botschafters inne, und der westdeutsche Botschafter in Bagdad wurde “zu Konsultationen” nach Hause zurueckbefoerdert, wahrscheinlich also abberufen, weil die irakische Regierung mit der D. D. R. in konsularische Beziehungen fast vom Ausmass diplomatischer getreten ist. Haengt diese ganze Haltung, die in Israel als typische Politik kleinlicher Nadelstiche empfunden wird, auch mit dem immer betraechtlicher gewordenen finanziellen und industriepolitischen Engagement der westdeutschen Regierung und Exportwirtschaft in diesen arabischen Laendern zusammen? Aber man koennte hier eimwenden, dass sich schliesslich auch die Handelsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und dem Staat Israel —ausserhalb der Lieferungen des Luxembourger Vertrages— recht hoffnungsreich anlassen. Israels Warenausfuhr nach Westdeutschland. die im Jahre 1955 einen Wert von nur 1,8 Millionen Dollar gehabt hatte, war schon vor zwei Jahren, 1960, um etwa das Zwoelffache auf 25,6 Millionen Dollar gestiegen und duerften in diesem Jahr ein Wertvolumen von mehr als 30 Millionen Dollar erreichen. Und wie guenstig sich die westdeutschen Ausfuhren hierher weiter entwickeln werden, laesst sich daran erkennen, das schon heute in Israel an 1.500 Unternehmungen staendig auf die Lieferung von Ersatzteilen usw. Westdeutsch- (Fortsetzung Seite 6)