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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-06-01 · 6 (Junio, 1962) · p. [Seite]

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
6 (Junio, 1962)
Date
1962-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^fVEDACUONt _ * 6. C. I. B’NE J19ROEL AV. PORTUOAC BIO. CASILLA S487. eAMTHkOO-CHILS BOLETIN MITTEILUN6SBLAT T SOCIE PAD CULTURAL ISRAELITA " B’NE JISROEL AÑO XXIV — N.o 6 SANTIAGO DE CHILE JUNIO 1962 DR. HANS REICH: “Kein Morgen war ihm zu frueh, kein Abend zu spaet...” Abschied von Dr. Siegfried Landau im Namen der Gemeinde —Seine Persoenlichkeit, sein Werdegang — Eine Wuerdigung des Menschen und seiner Taetigkeit — Ein Wald in Israel ihm zu Ehren — Sein Werk muss Die Gedenkrede des General-Sekretaers der S. C. I. fortgefuehrt werden im Wortlaut: Es faellt mir ausserordentlich schwer, heute nochmals namens unserer Gemeinde von Siegfried Landau Abschied nehmen zu muessen. Zu viel Gemeinsames hat uns verbunden, eine Freundschaft, die aus jahrelanger gemeinsamer Arbeit in diesem Hause entstand, hat ein jaehes, noch immer unfassbares Ende gefunden. Der 5. Ijar 5722, der Tag, an dem in den Staedten und Doerfern Israels unsere Brueder bei Gesang und Tanz die Wiedererrichtung des Staates Israels feierten, der Tag, an dem in allen Gemeinden der Diaspora juedische Menschen ihre Verbundenheit mit dem Lande unserer Vaeter bekundeten, ist fuer unsere Gemeinde und darueber hinaus fuer den gesamten chilenischen Jischuw ein Tag schmerzlichster Erinnerung. In der Mittagsstunde dieses bedeutenden Tages haben wir unseren Freund Siegfried Landau zur letzten Ruhe getragen. Es ist eine nicht zu bewältigende Aufgabe, im Rahmen eines kurzen Abrisses die Persoenlichkeit Siegfried Landaus und sein Wirken in einer Form darzustellen, die ihm gerecht werden koennte. Moege der Versuch, dies zu tun, zu einem bescheidenen Teil unser aller Dankesschuld gegenueber diesem aussergewoehnlichen Menschen abtragen. Am 7. Juni 1895 wurde Siegfried Landau in Leipzig als Sohn streng orthodoxer Eltern geboren. Zu seinen direkten Vorfahren gehoerte jener beruehmte Prager Talmudgelehrte Rabbiner Ezechiel Landau, vor dessen Bild im juedischen Museum GEDENKFEIER FUER DR. SIEGFRIED LANDAU Am 24. Mai fand im grossen Saal des Gemeindehauses, in Anwesenheit zahlreicher Ehrengaeste und Mitglieder der Gemeinde, eine Gedenkstunde zu Ehren des verstorbenen Praesidenten der S. C. I. “B’ne Jisroel”, Dr. Siegfried Landau, statt. Nach einem Orgelvorspiel von Herrn Helmut Herzfeld, sang der Chor den Psalm “Enosch”. Als erster Redner ergriff Herr Rabbiner Loewenstein das Wort, um in einer kurzen Ansprache der Persoenlichkeit des dahingeschiedenen Praesidenten zu gedenken. Alsdann betrat der General-Sekretaer der Gemeinde, Herr Dr. Hans Reich die Rednertribuene, um namens des Vorstands der Gemeinde die Gedaechtnisrede fuer Herrn Dr. Landau zu halten, in welcher er die Verdienste des Verstorbenen nicht nur um die Gemeinde, sondern um den gesamten Jischuw, eingehend wuerdigte. Anschliessend sprachen der erste Sekretaer der Botschaft Israels, Herr Menahem Karmy; Herr Israel Pollak, Praesident der Federación Sionista de Chile; der Vorsitzende des Comité Representativo, Herr Gil Sinay; Herr Jacobo Benderskv in Vertretung der Partei der “Allgemeinen Zionisten” und Herr Peter Tokkus als Vertreter der Jugend. Zuletzt richtete der Vorsitzende der Repraesentanz, Herr Martin Michel, eine Ansprache an die Versammlung, in der er aufrief, dent Beispiel des von uns geschiedenen Praesidenten eingedenk zu sein, um derart das Werk, das er begann, wuerdig zu erhalten. Der Wortlaut dieser Ansprachen wird in der vorliegenden Ausgabe vollstaendig wiedergegeben. Nunmehr sprach Herr Rabbiner Lubliner einen Psalm und, nach dem von Herrn Leo Horenczyk gesungenen El Mole Rachamin und dem Kaddisch, sang der Chor das “Schiwisi”. Mit dem “Poéme” von Fibich, auf der Orgel gespielt von Herrn Herzfeld, endete die wuerdige Feier. in Prag sicher mancher von Ihnen gestanden hat. Siegfried Landau war das Produkt einer vorbildlichen Erziehung im Elternhause, die juedischen Geist atmete, er war ein wahrhaft religioeser Mensch, juedische Arbeit war fuer ihn Tradition und er ist bis zum letzten Atemzuge dem Erbe seines Elternhauses treu geblieben: die Kenntnisse und Faehigkeiten eines wahren Juden gehoeren dem gesamten juedischen Volke. Nach Beendigung seines U n i v e r sitaetsstudiums in Leipzig widmete sich Siegfried Landau dem Anwaltsberufe in seiner Vaterstadt. Sein reiches juristisches Wissen, seine grosse allgemeine Bildung und seine hinreissende Rednergabe verschafften ihm eine ausserordentlich bedeutende und angesehene anwaltschaftliche Praxis. Im Jahre 1926 heiratete er die Frau, die ihm 36 Jahre in schoenen und schweren Tagen Kameradin und aufopfer ungsvolle Lebensgefaehrtin war. Die Macht uebernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 zwang ihn zur Auswanderung nach Prag; von dort kam er im Jahre 1939 mit seiner Familie nach Chile. Hier gelang es ihm, dank seiner ausserordentlichen Faehigkeiten bald festen Fuss zu fassen, er begründete ein Industrieunternehmen, das unter seiner Fuehrung heute zu den bedeutendsten seiner Branche zaehlt. Kurze Zeit nach seiner Ankunft in Chile trat Siegfried Landau unserer Gemeinde bei und es dauerte nicht lan. ge, bis die damaligen Leiter unserer Gemeinde auf diesen ungewoehnlich begabten Mann aufmerksam wurden. Man forderte ihn auf, am Aufbau der Gemeinde mitzuwirken, und so wurde er erstmalig im Jahre 1944 in u n ser Repraesentantenkollegium gewaehlt, das ihn bereits im Jahre 1946 als Pro- Sekretaer in das Direktorium entsandte. Im Jahre 1948 wurde er Vize-Praesident und schliesslich im April 1952 Praesident, ein Amt, das er bis zum letzten Tage seines Lebens ununterbrochen innehatte. . Die Persoenlichkeit Siegfried Landaus ist aus der Geschichte unserer Gemeinde dieser letzten 10 Jahre nicht hinwegzudenken. Magbit, Kulturarbeit, Jugenderziehung, Erweckung der juedischen Begeisterung - kein (Fortsetzung Seite 10) RABBINER EGDN I. LDEWENSTEIN: “Loesche mich aus, aber Israel lass leben” Wortlaut der Trauerrede bei der Gedenkfeier am 24. Mai — "Wir muessen sein geistiges Bild zeichnen".— Die zwei Impulse in seinem Leben — Sein Testament — Symbol und Versprechen Teure Trauerversammlung! “Der Schmerz laesst keine Gedanken aufkommen und noch weniger in Worte kleiden”. Diese Abschiedsworte Siegfried Landau’s (S. L.) an der Bahre unseres teuren Alexander Lande (S. L.) klingen noch in uns nach. Und schon muessen wir unserem Schmerz um ihn selbst Aus druck geben. Wir sehen ihn noch immer staendig vor uns, hoeren sein ueberlegtes, kluges Wort, steht er vor uns mit Wuerde und Stolz. Er, der Praesident unserer Gemeinde, unser Freund. Vor wenigen Wochen erzaehlte er laechelnd: “Eine juedische Zeitung rief mich an und bat um ein Bild von mir. Aber Sie wissen doch, ich liebe das nicht. Ich habe geantwortet: “Achare mot”— nach dem Tode”. Mir ist es, als ob diese Unterhaltung gestern gewesen waere. Kaum zehn Tage, nachdem in den Synagogen der Welt der Toraabschnitt “Achare mot” gelesen wurde, war er nicht mehr mit uns. Was damalischerzhaft gesprochen, ist heute schmerzliche Wirklichkeit. Wir muessen >ain geistiges Bild, das Bild seines Lebens« abschliessend zeichnen. Schweren Herzens suchen wir nach einem Wort aus dem Buch der Buecher, das den Inhalt seines Lebens kennzeichnen soll. Es war nach einer Katastrophe, Mosche ringt mit C-ott, er sucht Israel zu retten. In seinem Draengen spricht er die Worte: “Verzeihe ihnen, —wenn aber nicht, loesche mich aus Deinem Buch, das Du geschrieben”. Und der Midrasch denkt das Wort weiter: “Loesche mich aus, aber Israel lass leben”. So hat Siegfried Landau sein Leben nach der Katastrophe unserer Zeit gestaltet. Er wusste um die Schwere seiner Krankheit. Er ahnte, dass es einmal so kommen wird, wie es sich —fuer uns zu frueh— gefuegt hat. Er haette anders leben koennen. Er wollte nicht, um der Zukunft seiner Gemeinde, um des Jischuw, um des juedischen Volkes, um Medinat Israel willen. Er lebte, wie der Midrasch von Mosche in diesem Augenblick des Ringens um Rettung aussagt, in der Ueberzeugung: “Die Zukunft Israels haengt von mir ab”. Es ist schwer, sehr, schwer, sich vorzustellen, das wir juedisches Leben in diesem Jischuw ohne ihn werden gestalten muessen. Zwei Impulse draengten ihn, die “Girssa Dinkuta” — das in seiner Jugend in seinem Elternhaus Erlernte und Erlebte und die Dankbarkeit fuer die Rettung des Lebens aus der Katastrophe unserer Zeit. Er verstand es, diese Erbschaft seiner Eltern mit den Forderungen einer draengenden Gegenwart in Einklang zu bringen. Er begriff, dass die Dankbarkeit fuer die Rettung uns zum Dienst verpflichtet. Erfuellt von dieser Erbschaft, bewegt von dieser Dankesschuld, suchte er seine Mitarbeiter und seine Gemeinde um der Zukunft Israels willen immer aufs Neue mitzureissen. Das war sein Leben. Dass es so sein durfte, danken wir der Bestimmung und seiner Lebenskameradin, die ihn mit vollem wissen gewaehren liess. Sie wusste; dieses Leben war ihm Erfuellung. Dazu fuehlte er sich berufen. Das “Sefer Hachajim”, das Buch des Lebens unseres teuren Siegfried Landau, das er geschrieben, ist abgeschlossen. Aber Buecher bleiben lebendig fuer die, die in ihnen lesen wollen. (Fortsetzung Seite 3)

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