Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1962-05-01 · 5 (Mayo, 1962) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIV (1962)
Issue
5 (Mayo, 1962)
Date
1962-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8558349-9194507--3463-8558442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n ft ED ACCIO Nt _ *8. C. 1. B'N* J1SROB. AV. POSTUDAW DIO. CASIUA M81. SAIWngftOe "CHILD tmm BOLETIN INFORMATIVO MITTEILUNGSBLATT SOCIEDAD CULTURAL ISRAELITA B ’ N E JISROEL AÑO XXIV — N.o 5 SANTIAGO DE CHILE MAYO 1962 ABSCHIED FUER IMMER VON DR. LANDAU iw » Ä lÉfit Noch straeubt sich die Feder, es niederzuschreiben, noch die Gedanken, der in. neren Erregung zu gebieten und ihr zu diktieren. Kaum ein Monat war vergangen, da es Dr. Siegfried Landau war, der an der Bahre seines Freundes und Mitarbeiters bekannte: “der Schmerz laesst keine Gedanken aufkommen und noch weniger sie in Worte kleiden”, als eine verwaiste Gemeinde ihn in tiefer Trauer zur ewigen Ruhe geleitete, ihn, der sich um dieser Gemeinde willen zu Lebzeiten keine Ruhe hat. te goennen wollen. Diese seine Gemeinde war es, der er “mit ganzem Her. zen, mit ganzer Seele und mit aller Kraft” diente, als der erste ihrer Diener, buchstaeblich bis zum letzten Atemzuge. Wenn er darue ber hinaus die Gemeinde in anderen Gremien vertrat, so weil er sie als Teil eines Gan. zen ansah, als seinen Arbeitsplatz" an einem gemeinsamen Werke: dem des Wiederaufbaus juedischen Lebens nach der Katastrophe und der Aufrichtung des juedischen Staates. Und so schliesst es eine tiefe Symbolik ein, dass dieser Mann am 5. Tage des Monat Ijar bestattet wurde, dem Tage der 14. Wiede rkehr der Staatswerdung Israels. Aus der Ferne pflegen Dinge kleiner auszusehen als sie sind, Menschen aber oftmals groesser. Umgekehrt gibt es eine Scheu davor, von Menschen, deren Hand man oft gedrueckt, deren Gedanken man gefolgt, deren Stimme TRAUERREDE IN UNSEREM GEMEINDEHAUS In tiefster Trauer und von Schmerz erfuellt haben wir uns hier versammelt, um Abschied zu nehmen, von dem Manne, dessen juedisches Herz, dessen Arbeitskraft, dessen Liebe zu unserem Volke unserer Gemeinde den Stempel in den letzten 10 Jahren aufgedrueckt hat. Erst vor wenigen Tagen haben wir ihn in unserer letzten Generalversammlung in diesem selben Saale in dankbarer Anerkennung seiner hingebungsvollen Arbeit zum Ehrenmitglied ernannt. Ich habe in dieser Sitzung unserem Freunde Siegfried Landau den Dank unserer Gemeinde ausgesprochen und heute muss ich namens der Gemeinde tieferschuettert Abschied nehmen von ihm, mit dem wir so viele Jahre so ueberaus harmonisch zusammengearbeitet haben und der einem jeden von uns ein wahrer Freund war. Nur kurze Worte des Abschieds duerfen es mit Ruecksicht auf die Bedeutung des heutigen Tages sein.; Seine einmalige Persoenlichkeit wird bei anderer Gelegenheit in naechster Zeit die verdiente Wuerdigung finden. Zehn Jahre lang stand Dr. Siegfried Landau an der Spitze unserer Gemeinde, er war ihr Fuehrer und gleichzeitig auch ihr erster Diener. Mit beispielloser Hingabe und unter Hintansetzung seiner persoenlichen Interessen, seiner eigenen Gesundheit hat er die besten Jahre seines Lebens fuer unsere Gemeinde geopfert. Und wir seine Mitarbeiter muessen uns fragen: Haben wir ihm nicht zu viel zugemutet'. Haetten wir ihm nicht noch mehr zur Ruhe und Schonung raten muessen als wir es dauernd getan haben? Aber eines wissen wir, fuer Siegfried Landau gab es keine Ruhe, gab es keine Schonung, fuer ihn gab es nur eines: Arbeit fuer unser Volk und unsere Gemeinde.; Er war innerlich berufen zur Arbeit fuer die Gemeinschaft und diese Arbeit fuehrte er bis in seine letzten Augenblicke mit seinem grossen Pflichtbewusstsein durch. Siegfried Landau war der Prototyp des Lebens, des Arbeitswillens des Idealismus und der unbegrenzten Liebe zum juedischen Volke. Mit seiner Gattin und seiner Familie trauern um ihn alle seine Freunde, besonders trauern wir, seine Mitarbeiter, fuer die er immer Vorbild und Ansporn gewesen ist und weit ueber unsere Gemeinde hinaus alle diejenigen, die ihn in seiner aufopfernden Taetigkeit kennenlernten. Wir nehmen Abschied von unserem Freunde Siegfried Landau indem wir geloben, seinem Beispiel nachzueifern und in seinem Sinne weiter zu arbeiten fuer das Wohl unserer Gemeinde und das Wohl unseres juedischen Volkes. Dr. Hans Reich Di. SIEGFRIED LANDAU, s. L. In den fruehen Morgenstunden des 7. Mai entschlief pioetzlich und unerwartet der Praesident unserer Gemeinde, Herr Dr. Siegfried Landau. 1895 in Leipzig geboren, wandte er sich der Anwaltslaufbahn zu. Er emigrierte zuerst nach Prag und wanderte von dort nach Chile aus. Hier gelang es ihm, am Aufbau einer sehr angesehenen Industrie fuehrend teilzunehmen. Der S. C. I. "B'ne Jisroel" gehoerte er seil dem Tage seiner Ankunft im Lande an; sehr bald wurde er in Repraesentanz und Vorstand gewaehlt. Praesident der Gemeinde war'er seit dem lahre 1952 und die mit seiner Arbeit verbundene konstante Entwicklung des Gemeindelebens fand ihre Anerkennung in staendiger, praktisch einstimmiger, Wiederwahl. Im Rahmen des Jischuw wirkte er als Vize-Praesident der Federación Sionista, des Comité Representativo und der Allgemeinen Zionisten. Darueber hinaus war er Mitglied des Praesidiums des "Council cf Jews from Germany" und des Praesidiums der "Centra". Seine Beisetzung war eine Trauerkundgebung der gesamten Kollektivitaet. Nach der Ueberfuehrung der sterblichen Huelle in das Haus der Gemeinde, wo ein Psalm verlesen wurde und der Generalsekretaer der S. C. I-, Herr Dr. Hans Reich, Worte. der * Trauer und des Abschieds sprach, begab sich der Trauerzug auf den Friedhof in Conchalí. Dortselbst hielt Herr Rabb. Manfred Lubliner eine feierliche Predigt und Herr Botschafter Doron sprach das Kaddisch. Im Hinblick auf den Staatsfeiertag Israels wurden jedoch keine weiteren Reden gehalten. Stattdessen wird demnaechst eine Trauerfeier abgehalten werden, deren genaues Datum noch bekanntgegeben wird. man vernommen hat, in Superlativen zu sprechen. Es ist ein Leichtes, diese Scheu zu ueberwinden, wenn man bekennen will, in Dr. Landau einen wirklich grossen Menschen gekannt zu haben. Das hebraeische Wort Nasi bedeutet nicht nur- Praesident, sondern auch Fuerst Und fuerwahr, er war eine fuerstliche Erscheinung, voll juedischer Wuerde, von gei. sfigem Adel und nobelster Menschlichkeit. Wie so oft, ist die Drukkerschwaerze der vorliegenden Ausgabe noch nicht trocken von einer der vielen Spuren, die sein zielbewuss. ter Schritt hinterlassen hat. Der Rechenschaftsbericht, den er vor nur so wenigen Tagen erstattete, legt beredtes Zeugnis ab von der wunderbaren Harmonie seiner Persoenlichkeit. Er ist noch einmal ein letztes Spiegelbild des Mannes, der hoher Ge. danken Flug mit emsiger taeglicher Arbeit zu verbinden wusste, einen starken Charakter mit der Faehigkeit, ausgleichend zu wir. ken, ein selbstloses Verantwortungsbewusstsein mit Verstaendnis fuer menschliche Schwaechen, tiefen Ernst mit feinem Humor, konservatives Judentum mit klarstem Verstaendnis fuer alle Wandlungen der Epoche und Erfordernisse der Jugend, Liebe und tiefe Kenntnis j u e discher Vergangenheit mit einer Hingabe an die juedische Zukunft, die in wahrer Aufopferung gipfelte. Dies und vieles mehr wussten hunderte von trauernden Menschen, die am 9. Mai die Gewissheit einte, den Be. sten aus ihrer Mitte zu Grabe zu tragen. Diese Anerkennung seiner ueberragenden Qualitaeten war es auch gewesen, die die Genera ¡Versammlung vom 29. April bewogen hatte, Dr. Landau eine Ehrung darzubringen, wie sie unter uns nicht sehr ueblich ist. Es waren zehn Jahre vergangen, seit er den Vorsitz der Gemeinde ueber. nommen hatte und der Vor. schlag, ihn aus diesem Grunde zum Ehrenmitglied zu er. nennen und in das Goldene Buch des K. K. L. einzutragen, loeste eine wahre Ovation aus. Er stattete, stolz und bescheiden, seinen be. wegten Dank ab, indem er zum Ausdruck brachte, dass er es schon immer als Ehre angesehen habe, der “B’ne Jisroel” ueberhaupt anzugehoeren. Wieviel mehr Ehre sei es, sie leiten zu duerfen! irgendwie erinnern diese Worte heute an den bewegten Nachruf, den Thomas Mann am Todestage Franklin D. Roosevelts schrieb (Fortsetzung Seite 5)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.