Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 3 (Marzo, 1962)
- Date
- 1962-03-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo 1962 BOLETIN INFORMATIVO 9 DER STUDIENRAT WAR NICHT DABEI GEWESEN Von WILHELM F. MASCHNER Es begann so: Eine deutsche Jugendzeitschrift hatte über vie.r Seiten eine Anklage der Americanerin Mary Meyersohn unter der Ueberschrift “Eine Jüdin sieht Deutschland” veröffentlicht. Das stilistisch primitive Original wurde in ein recht einfaches Deutsch übersetzt. Das Blatt brachte weder ein Bild noch eine Biographie der Frau Meyersohn. Es verschwieg, dass die Amerikanerin mit einem deutschen Juden verheiratet ist, dass sie Deutschland erst 1961 für ein Jahr kennenlernte. Ohne jeden Kommentar der Redaktion lasen die jungen Leser die Frage der Mary Meyefsohn: “Wie ist es überhaupt möglich, dass 30.000 Juden in Deutschland leben können?” Weiter: “Deutschland ist ein Friedhof voller Gespenster... unsere Putzfrau ist weggegangen, nachdem sie erfahren hatte, dass sie für Juden arbeitet.” Ein anderes Zitat: “Mein Mann und ich litten lange unter einem regelrechten Alpdruck. Wir hatten einen geradezu physischen Widerwillen gegen Deutsche. Vor allen Dingen gegen aeltere, die über 45 Jahre sind. Sie wirken auf uns gemein, unanstaendig. Immer stellten wir uns insgeheim die Frage: Wo warst du vor 20 Jahren?” “SUESSES LEBEN ABGESAGT” natürlich und nicht in Ordnung” ist. MITTELHOCHDEUTSCHE SPRACHE Nur zwei der jungen Diskussionsteilnehmer hatten bisher einen Juden gesehen. Das waren Oberschüler, die sich freiwilig in eines der internationalen Jugend-Ferienlager meldeten und begeistert zurückkamen. Eine improvisierte Abstimmung er gab dass nur etwa sechzig Prozent der anwesenden Schueler und Studenten im Unterricht etwas über das Schicksal der Juden in Deutschland erfahren hatten. “Die Lehrer distanzierten sich sofort”, berichtete eine junge Dame und zitierte ihren eigenen Studienrat: “Ich war nicht dabei.” Der Wiener Publizist Günther Nenning versuchte, “Deutschland und die Juden” in einer historischen Analyse zu konfrontieren. Die Skizzier u n g aeusserer Merkmale der beiden betroffenen Völker lehnte er mit der Begründung ab: “Jeder Anthropologe könnte mit Photos beweisen, dass man einen Juden jederzeit für einen Deutschen und einen Deutschen für einen Juden halten kann.” Die Juden sprechen heute noch mittelhochdeutsch, Wal ther von der Vogelweide “jüjielte”. Die Besiedlung der deutschen Staedte erfolgte gleichzeitig durch Juden und Landesbewohner. Eine tausend Jahre alte Schicksalsgemeinschaft ist im Dritten Reich unterbrochen worden. ZWANG ZUR TROTZHALTUNG Die naechsten deutschen Generationen werden nach Nennings Auffassung von einer moralischen Kollektivschuld nicht mehr betroffen sein, jedoch eine Kollektivscham empfinden müssen. “Man sehaemt sich einfach, solche Eltern gehabt zu haben”, meinte der Vortragende. Darauf antwortete einer der Jungen: “Ich sehe nicht ein, warum ich mir die Schuld anderer Leute vorwerfen lassen muss.” Ein anderer gab zu bedenken: “Wenn wir ein Geschaeft mit Schulden erben, dann versuchen wir es wieder flottzumachen. Beim Geschaeft um die Nation lehnen wir aber das Abtragen von Schulden ab.” Man hörte auch die Meinung: “Das' dauernde Gerede von der Schuld des Dritten Reiches steht uns bis zum Hals. Wir Jungen wollen unbelastet ins Ausland gehen.” Der aus Rom gekommene Hermann Kesten beklagte einen “Antisemitismus ohne Juden” in der Bundesrepublik. Es war die Rede von einer gefaehrlichen Wurstigkeit der Jugend und von einem “platonischen Antisemitismus”. Ebenso lebhaft beklagte der Wiener Schriftsteller Friedrich Torberg einen aufkommenden “Philosemitismus”, der die Jugend zu einer Trotzhaltung zwinge. Die -Gesprächspartner unter 20 bestaetigten ihm, dass sie mit Druckschriften und Filmen einen Schuldkomplex aufgedraengt erhielten. WISSEN, WAS GESCHEHEN IST Erich Kuby warf ein: “Den gelben Stern tragen heute bei uns die Kommunisten.” Niemand im Saal leugnete die Tendenz, innerdeutsche Probleme mit Antikommunismus zu verdecken. Eine Journalistin aus Israel berichtete von Besuchen in deutschen Volksschulen. Auf die Frage nach den Juden haetten ihr die Kinder geantwortet : “Die haben den Heiland ermordet.” Eine Muenchner Abiturientin sagte: “Wie alle anderen jungen Menschen auf der Welt wollen wir auch auf unsere Heimat stolz sein. Diesen Stolz in uns hat Frau Meyersohn verletzt.” Eine andere Stimme: “Ich will für meine Person weder ein Schuldnoch ein Schamgefühl haben.” Torberg griff regulierend ein: “Niemand will Ihnen eine Schuld aufladen. Sie sollen sich auch nicht schuldig fühlen, wenn Sie mit jungen Juden Zusammentreffen. Aber Sie müssen wissen, was geschehen ist.” Zwischenbemerkung: “Unsere Eltern wollen ja mit uns darüber nicht reden.” Um so glücklicher war die Jugend im Tutzinger Schloss, endlich darüber offen sprechen zu können. Das kühne Experiment der Akademie gelang. Kesten, der manches Protestgetrappel zu hören bekam, hatte am Schluss <den staerksten BeifalL Die Mehrzahl stimmte seiner These zu: “Wer kein moralisches Gefuehl haette, waere ein menschliches Ungeheuer. Es gilt immer noch das alte Sprichwort: Was du nicht willst das man dir tu’...” (“Die Welt”) EIN HINTERLAND FUER JERUSALEM Eine Fülle weiterer Beobachtungen der Amerikanerin über die Lebensgewohnheiten in der Bundesrepublik gipfelte in der Bemerkung: “J e d e iStrassenbahnfahrt scheint die Unmenschlichkeit der Deutschen zu beweisen.” Das Ergebnis waren achtzig Leserbriefe junger Leute, von denen zwanzig so etwas wie einen “Nachwuchs-Antisemitismus” vermuten liessen. Ein typischer Satz in den Anklagen der Leser lautete: “Ich bin kein absoluter Antisemit gewesen. Durch Ihren Artikel habe ich diesen Grad jedoch erreicht.” Diese Reaktion erfuhr die Evangelische Akademie in Tutzing. Sofort wurde eine vorbereitete Tagung über das “süsse Leben” abgesagt und ein Wochenendseminar für junge Leute einberufen unter dem Titel “Eine Jüdin sieht Deutsch land”. Sechzehn der kritischen Briefschreiber an die Redaktion der Jugendzeitschrift sassen mit anderen jungen Deutschen 'beiderlei Geschlechts zwei Tage lang Theologen, Schriftstellern, Publizisten und Paedagogen egenüber. Es waren auch Juden darunter. Die Hauptdarstellerin fehlte: Mary Meyersohn. Die jüdischen Teilnehmer an der Diskussion bezeichneten den umstrittenen Aufsatz als “saudumm” und als “undiskutabel”. Die "Redakteure der betroffenen Zeitschrift: “Wir wollten schockieren. Sonst nichts.” Dann aber war von Frau Meyersohn und ihren Darlegungen nicht mehr die Rede. Es ging nur noch um das Verhaeltnis dei Deutschen zu den Juden, das nach den Worten des Tutzinger Pfarrers Rieger “nicht Was Jerusalem braucht, so wurde immer betont, ist ein Hinterland: auf drei Seiten von arabischem Gebiet umgeben, muss die Stadt eine landwirtschaftliche Basis haben, um den. Konsum ihrer 200.000 Einwohner zu decken Denn es ist sowohl aus Oekonomischen wie auch Sicherheitsgruenden nicht wünschenswert, wenn /das Getreide fuer ihre Muehlen, Milch und Gemuese, Obst und Eier ueber weite Entfernungen ueber die Berge transportiert werden muessen. Bereits vor vier Jahrzehnten wurden die ersten Schritte unternommen, um Jerusalems Lebensmittel sozusagen vor seiner Tuer zu produzieren» Die .ersten (juedischen Bergsiedlungen, die »in den zwanziger Jahren entstanden, waren auf Vieh und Gefluegel basiert, um den Jischuv der Stadt mit frischer Milch und Eiern zu beliefern. Als nach Staatsgruendung Jerusalems Situation noch gefaehrdeter wurde, war die Entwicklung und (Erschliessung seiner einzigen Verbindung mit der Ebene — eines bergigen Landstreifens— zu einer Notwendigkeit ersten Ranges geworden — vorn wirtschaftlichen wie vom Sicherheits-Standpunkt. Tatsaechlich im Laufe von wenigen Jahren war die Anzahl der Siedlungen im Korridor auf 38 gestiegen. Diese 33 Doerfer, mit einer Bevoelkerung von 10.000 verfuegen ueber ein .Areal von ungefaehr 400.000 Dunam. im Gegensatz zu den Doercern, die vor »Staatsgruendung entstanden waren, liegt der Akzent jetzt auf G e m u esebau, Weingaerten Von HERBEI und Obstplantagen. Darueber hinaus sind Bergdoerfer, eines dicht neben dem anderen, ein geeigneter Grenzschutz. Und fuer Israels Export und Produktions-Steigerung kann die Landwirtschaft in den Bergen einen wesentlichen Beitrag leisten. Im vergangenen Jahre konnten Pflaumen, Aepfel und Pfirsiche von 10.000 Dunam Bergpflanzungen geerntet werden. Tabak eignet sich ebenfalls ausgezeichnet fuer Bergboden und Bergklima, kann den Bauernwirtschaften zu einem regelmaessigen Einkommen verhelfen und gleichzeitig den israelischen Fiskus von der Last befreien, Devisen fuer Tabak auszuschuetten. Oliven, Pflanzen fuer die pharmazeutische Industrie und Oele sind ebenfalls Spezialitaeten der Bergfarmen. Das klingt alles vielversprechend, aber erst einmal muss der Boden “gemacht” werden, auf dem neue Doerfer entstehen koennen — und das ist eine der Aufgaben des Keren Kayemeth. Um den “Korridor” in ein Reservoir fuer Nahrungsmittelproduktion umzuwandeln, wurde das Gebiet in drei Teile geteilt — der eine Teil, von Manahat bis Motza, von ungefaehr 10.000 Dunam wird in kleine Parzellen von je 6 Dunam fuer intensive Bearbeitung aufgeteilt werden. Der zweite Sektor von Motza bis Schaar Hagai, ein Gebiet von cc. 15.000 Dunam umfassend, wird ein Zentrum von Obstanbau werden. Das Klima in den Jerusalemer Bergen hat sich als ideal fuer die meisten europaeischen Obstarten erwiesen und bei Motza hat bereit eine private T FREEDEN Gesellschaft einen weiten Markt fuer die Fruechte gefunden. Das dritte Gebiet erstreckt sich von Schaar Hagai bis Hulda, ueber circa 100.000 Dunam, und duerfte im wesentlichen mit Getreide bebaut werden. Die steinigen Haenge, die nicht urbargemacht werden koennen, duerften eine wesentliche Rolle fuer Schaf- und Ziegenzucht spielen. Die weidenden Schafherden haben immer zur Szenerie des Landes gehoert. Einmal war dieser Ziweig der Viehzucht hauptsaechiich in den Haenden der wandernden Beduinen, aber wer sich noch der Tiere erinnert, die damals ueber die Haenge getrieben wurden, wird die Schafe unserer Tage nicht erkennen. Anstelle der mageren Schafe und Ziegen der arabischen Hirten gibt es jetzt volle, gut-gefuetterte Herden, die eine grosse Menge von Milch, Fleisch und Wolle geben. Waehrend frueher das eingeborene Schaf einen Jahresdurchschnitt von 70 1. Milch hatte, betraegt der Durchschnitt jetzt 250 1 und viele erreichen einen jaehriichen Rekord-Ertrag von 400 1. Die 7.000 Schafe in den Jerusalemer Bergen liefere* 170.000 Liter Milch fuer den Markt. '• Im vergangenen Jahre gaben sie darueber hinaus 3.000 kg. Fleisch und 4.000 kg. Wolle. Ein verhaeltnis m a e s s i g neuer Zweig der Berglandwirtschaft sind die Johannisbrotbaeume, deren Frucht wertvolles Vieh-und Gefluegelfutter liefert. Der Jahresbedarf an Johannisbrot im Lande betraegt 60.000 Tonnen und grosse Quantitaeten muessen importiert werden. Der weiteren Anpflanzung und Ausdehnung von Johannisbrotbaum - Pflanzu n g e n kommt daher grosse Bedeutung zu.^ Innerhalb der Entwicklung des Jerusalemer-Hinterlandes spielt Aufforstung eine grosse Rolle, und hat vielen Neueinwanderern Arbeit verschaft und Doerfern die Existenzgrundlage gegeben. Grosse Waelder, unter ihnen der Maertyrerwald und der Jerusalemer Wald, erstrecken sich in der unmittelbaren Umgebung der Hauptstadt. Daunendecken mit importierten Daunen Steppdecken Fabrik "Marcelo" Max Wetzstein & Sohn Av. M. Montt 2656 Fono 43379 Neubeziehen und Umarbeitungen Modernste importierte Bezugsstoffe u. Inletts staendig auf Lager. Schlafsaecke für Ausflügler Komme einmal im Monat nach Viña u. nehme Auftraege entgegen.