Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIV (1962)
- Issue
- 3 (Marzo, 1962)
- Date
- 1962-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo 1962 BOLETIN INFORMATIVO 7 \ ayiwi DAS URTEIL GEGEN DR. REER Dawar: Unter dem Gesichts punkt der Ergebnisse ist es gleichgültig, ob ein Mensch aus Profitgier oder Groessenwahn Spionage verübt. Vom Gesichtspunkt der Sicherheit des Staates bildet es auch keinen Unterschied, ob die Spionagetaetigkeit in der Absicht geschieht, den Staat zu verraten oder ihm zu helfen. Man kann sogar noch weitergehen und sagen, dass “die ideologische Spionage’’ eine groessere Gefahr darstellt als die boeswillige Spionage: die Zahl derer, die mit der Aussenpolitik ihrer Regierung in dieser oder jener Hinsicht unzufrieden sind, ist sicherlich groesser als die Zahl der Bürger, die den Staat verraten wollen. Wenn jeder, der mit der Regierungspolitik nicht einverstanden ist, sich sein eigenes privates Aussenministerium errichten’ würde, so würde der Staat selbst in Gefahr geraten. Denn derartige Kontakte — selbst wenn sie in fast naiver Form beginnen, erlauben nachher keine Flucht vom Abgleiten mehr. In dem Urteil heisst es: “Die Sorge um den Staat rettet einen Menschen nicht vor der Strafe’’, und man kann hinzufügen, dass diese Leute den Staat auch nicht vor sicherheits - politischen Schaden retten. Jerusalem Post: Innerhalb von zwei Wochen ist nun die zweite Gefaengnis-Strafe gegen einen Spion ausgesprochen worden. Dr. Israel Beer ist der zweite prominente Israeli, der verurteilt wurde, in diesem Falle zu zehn Jahren Gefaengnis Vorher war Aharon Cohen aus Schaar Haafakim zu fünf Jahren Gefaengnis verurteilt worden. Beide erklaerten sich für unschuldig und gaben an, im Interesse des Staates gehandelt zu haben. Da in beiden Faellen die entscheidenden Begründungen unter Ausschluss der Oeffentlichkeit vorgebracht worden sind, ist es nicht einfach, die Delikte zu kennen und die Schwere derselben zu verstehen, die zu der Verurteilung in diesen beiden Fallen geführt haben. Man gab auch nicht einen Teil des Urteiles frei. Im Falle Beer ist anzunehmen, dass der Angeklagte klarere technische Informationen übergebeif konnte, als Aharon Cohen. In beiden Fallen wurde die zionistische Vergangenheit ¡in Betracht gezogen. Jeder Mensch hat das Recht auf eigene Ueberzeugungen. Wenn er diese Ueberzeugungen aber verbirgt, verliert er dass Recht auf Achtung dieser Ueberzeugungen. Wenn auch diese Faelle bedauerlich sind, brauchen wir in keine Panik wegen der Spionagefaelle zu geraten. Aber interessant mag die Frage sein, aus welchem Grunde eigentlich auslaendische Staaten so interessiert an Spionage in Israel sein sollten. Es mag sein, dass man zu der Ansicht gelangen konnte, dass wir zu viele Geheimnisse in diesem Lande haben, aber der wichtigste Faktor all unserer Erwaegungen bleibt die Sicherheit Wir koennen nie wissen, ob nicht jede Information, die irgendeinem Agenten übergeben wird, letzten Endes zu den Arabern gelangt. Die Prozesse haben wieder bewiesen, dass die Rechte des Bürger gesichert sind, er aber muss nun wissen, sich gegen jene zu verteidigen, die ihre Rechte missbrauchen. Haboker: Dr. Israel Beer, der von neun Monaten verhaftet worden war, ist wegen Spionage zu zehn Jahren Gefaengnis verurteilt worden. Aus dem, was über das Urteil zu entnehmen war, geht hervor, dass Beer in einigen Punkten freigesprochen worden ist und dass man einen Unterschied zwischen seiner Taetigkeit vor Bestaetigung des hier in Frage kommenden Statsgesetzes, und nach dieser Bestaetigung gemacht hatte. Trotz allem muss es sich um schwerwiegende Vergehen handeln. Zweifellos ist die Spionage die gefaehrlichste welche aus ideologischen Gründen her erfolgt. Beer erklaerte, er wünsche “Gerechtigkeit, nicht Erbarmen”. Der Begriff Gerechtigkeit nimmt im Denken der Verurteilten oftmals merkwürdige Formen an. "DIE TIRADE DER ZEITUNG TRUD" Jerusalem Post: Klare Empoerung ist im allgemeinen eine recht wirkungslose Reaktion auf politischem Gebiet. Aber es scheint, als ob kaum eine andere Reaktion hier moeglich ist, als die vollkommen sinnlosen Beschuldigungen der sowjetischen Gewerkschaftszeitung “T r u d” bezüglich der “Spionagetaetigkeit israelischen Botschaftspersonals in der Sowjetunion” für unsinnig zu erklaeren. Nicht etwa, dass in diesem Ausbruch irgendeine Neuigkeit liegt. Seit 1917 sind die Sowjetbehoerden mehr oder weniger antizionistisch. Auch die Tatsache, dass unter der kommunistischen Führung viele Juden waren, hat die gegen jüdisches Leben und gegen jüdische Kultur gerichtete Linie nicht verhindert. Langsam aber wurden auch diese jüdische Fuehrer aus dem politischen Leben der Sowjetunion eliminiert. ^>ie heutigen Angriffe auf die wirtschaftliche Taetigkeit und das religioese Leben der russischen Juden verbinden sich mit tief eingewurzelten antisemitischen Gefühlen, die ausserdem noch durch die Nazibesatzungsepoche gestaerkt worden sind. Die Russen, welcher politischen Ueberzeugung sie auch immer huldigen moegen, sind gute Patrioten. Schon in den Zeiten des Zaren konnte man d a d u rch Antisemitismus schaffen. Heute erklaert man die Juden zu Spionen, Der Artikel in der “Trud” ist N. Ehrlich, also mit einem jüdischen Namen gezeichnet. Er behauptet, dass man in Israel “spionageverrückt” sei, um die innere Schwaeche zu verbergen Was also ist die Konsequenz? Sollen die Juden ihre Jüdischkeit verlassen? Sie werden das kaum tun. Sollen wir keine Spione '.mehr verurteilen? Auch das ist nicht moeglich. Die Warnung der Geschichte geht an die andere Seite. Lamerchaw: Es ist schwer unter den Nationen, die miteinander durch normale diplomatische Beziehungen verbunden sind, ein Beispiel für die Anschuldigungen zu finden, die seitens der sowjetischen Gewerkschaftszeitung “Trud” auf die “Spionagetaetigkeit” der israelischen Botschaft in Moskau 'gerichtet worden sind. Besonders schwerwiegend sind diese Erscheinungen dadurch dass sie durch keine Tatsachen erhaertet werden koennen. Es handelt sich augenscheinlich um die seit geraumer Zeit verzeichneten Angriff auf Israel und das Judentum, die hier wiederum zum Ausbruch gekommen sind. Der Autor dieses Artikels hat drei Ziele: die israelische Botschaft und Israel überhaupt, den Zionismus und die Synagogen in der Sowjetunion. Er behauptet auch, dass die israelischen Vertreter den Interessen der USA deinen. Diese Angriffe beweisen den Ernst der Lage der Juden und ihres kulturellen und religioesen Lebens in der Sowjetunion. Man will die grosse jüdische Gemeinschaft in Russland von allen Verbindungen abschneiden, und daher richtet man Angriffe gegen den Staat der Juden. Das israelische Aussenministerium hat sofort reagiert und erklaert, die Anschuldigungen, die in dem Artikel der “Trud” enthalten sind, entbehren jeder Grundlage. Diese Anschuldigungen müssen auch mit aller Kraft zurückgewiesen werden. Bisher hat man sich immer zurückgehalten, da man befürchtete, das jede Verteidigung der russischen Juden in der Oeffentlichkeit keine positiven Folgen haben würde. Aber es ist doch fraglich, ob die sowjetischen Behoerden einfach über die Weltmeinung hinweggehen werden. (Fortsetzung Seite 23) BEZIEHUNGEN ZU ASIATISCHEN STAATEN AI Hamischmar: Aussenminister Golda Meir hat eine Rundreise angetreten, die sie zuerst nach Japan, dann aber auch in die Phillippinen, Thailand, Cambodia und Burma führen wird. Diese Initiative des Aussenministeriums muss unbedingt mit Sympathie betrachtet werden. Es ist richtig, wenn unsere Behörden alle Anstrengungen machen, um die Beziehungen zu den asiatischen Laendern zu verstaerken und zu verbessern. Die Reise Aussenminister Meirs erstreckt sich in ihrer Bedeutung nicht nur allein' darauf, dass in jedem Falle persönlicher Kontakt zwischen Regierungschefs und Aussenministern zur Verbesserung der Beziehungen beitraegt, sondern sie nimmt die grosse Bedeutung in Betracht, welche die asiatischen Nationalen heute auf der Weltbühne ¡haben. Daher ist es auch wichtig die Position Israels innerhalb dieses asiatischen Kontinents zu sichern und zu staerken. Diese Reise aber ist zu gleicher Zeit ein Ausdruck der immer staerker werdenden Bemühungen Israels, seine Position in der Welt, besonders aber auf dem Kontinent, dem es angehört, zu klaeren und zu staerken. Diese Reisen werden auch dazu beitragen können, bei den asiatischen Nationen heute auf res Verstaendnis für die Wirklichkeit des israelischarabischen Konfliktes zu schaffen und eine Einschaetzung der Lage vorzunehmen, die möglicherweise einmal zu einer wirklichen Lösung der Probleme unserer Zone in der Welt führen kann. “Cheruth” beschaeftigt sich mit der Errichtung einer phillippinischen Botschaft in Jerusalem. Die Zeitung weist darauf hin, dass der Entschluss der Regierung von Manila, die dortige israelische Gesandtschaft in den Rang einer Botschaft zu erheben und selbst eine Botschaft in Israel zu errichten, der Austausch von Experten und Studenten, der nun geplant ist, dass also all das ein Zeichen des guten Willens darstellt, den die Regierung der Philippinen Israel entgegenüber besitzt. Die Phillippinen sind einer der wichtigsten Staaten Asiens. Ihre Vertreter sind überall, auch auf der internationalen Tribüne, sehr geschaetzt. Aber ebenso bedeutsam 1st für uns die Tatsache dass die Botschaft der Philippinen in Israel in Jerusalem errichtet werden wird, in unserer altneuen Hauptstadt. Viele Nationen haben bisher Jerusalem als unsere Hauptstadt nicht vollkommen anerkennen wollen. Wir stellen mit Befriedigung fest, dass gerade in der letzten Zeit eine Wendung in vielen Aspekten der Politik zu verzeichnen ist, unter anderem auch eine Wendung bezüglich der Haltung vieler Laender Jerusalem gegenüber. Die Philippinen haben sich also, ebenso wie Uruguay und Holland, dazu entschlossen, ihre Botschaft in Jerusalem zu installieren. DIE ABWERTUNG DES ISRAELPFUNDES Haboker weist darauf hin, dass die Abwertung des Israelpfundes schon lange haet te erfolgen, sollen. Die Zeitung begrüsst die Tatsache, dass nun ein Einheitskurs für den Dollar besteht, und die “hundert Kurse” abgeschafft werden. Zugleich wird betont, dass es sich ja hierbei nicht nur um eine Abwertung nach aussen handelt, sondern die Regierung gleichzeitig eine neue Wirtschaftspolitik durchführen will. Es wird betont, dass keine Notwendigkeit für drastische Preiserhoehungen besteht. Haboker betont, dass wir noch weit» von einer wirklichen Stabilisierung der Wirtschaft entfernt sind. —O— Dawar erklaert, die drei Hauptpunkte der neuen Wirtschaftspolitik, welche die Regierung in Angriff nimmt, liegen in d. Bestreben,' unsere wirtschaftliche Selbstaendigkeit zu erreichen, unsere Konkurrenzfaehig k e i t auf den Welmaerkten zu erhoehen um unseren Anschluss an die Europaeische Wirtschaftsgemeinschaft zu .erreichen und die Bemühung, das Handelsdefizit zu senken. Daher war es notwendig einen Einheitskurs für das israelisiche Pfund zu finden, der endlich der Wirklichkeit entspricht. Wir haben in unseren Leitartikeln oftmals von der Notwendigkeit einer Stabilisierung der Preise und Loehne gesprochen, müssen aber zugeben, dass wir in diesem Stadium noch nicht eine so veitgehenden Schritt erwartet haben, wie der, dessen Zeugen wir nun wurden. Die neue Wirtschaftspolitik verspricht Preisstabilitaet und garantiert die Erhaltung der Teuerungszulage, sodass dem Lohnempfaenger nichts verloren gehen wird. Wir erwarten, das für die kommenden Jahre die wirtschaftliche Stabilitaet des Landes gewahrt bleiben wird. Jerusalem Post betont, dass noch viele Aspekte der neuen Wirtschaftspolitik nicht klar zum Ausdruck gekommen sind, und man daher bei allen Kommentaren in diesem Augenblick vorsichtig sein muss. Es wird einige Zeit dauern, bis man eine wirkliche Einschaetzung der Situation vornehmen kann, bis naemlich alle Aspekte dieser neuen Wirtschaftspolitik ausgearbeitet sind. Man kann aber, nach Ansicht der Zeitung, damit rechnen, dass die allgemeinen Lebenskosten nicht mehr als 'durchschnittlich zehn Prozent steigen werden zumindest für die Dauer des kommenden Jahres, da Abgaben und Zoelle gesenkt werden. Die Jerusalem Post ist der Meinung, d. die entscheidende Probe für d. neue Wirtschaftspolitik beim Export zu bestehen sein wird. Die Zeitung schliesst ihren Leitartikel mit der Hoffnung, dass es zu keinen Erschütterungein aussergewoehnlicher Art kommen wird. (Fortsetzung Seite 23)